#fakenews-deepfakes — Public Fediverse posts
Live and recent posts from across the Fediverse tagged #fakenews-deepfakes, aggregated by home.social.
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Facebook ersetzt Journalismus durch Kitsch
Vermutlich meint sie nicht ihren Milchkaffee.Ist das ein echtes Problem?
Die Frage stellt sich beim heutigen Thema, weil auf der Meta-Plattform Threads solche Posts wie derjenige von Emily veröffentlicht werden und Tausende von Likes absahnen. Frau Owen posiert mit einem Coffee to go und der Aussage, sie sei stolz, weiss zu sein. Und obwohl ich nichts mit Emily zu tun habe und nicht die geringste Lust verspüre, mit ihr in eine Diskussion über stumpfsinnige Rassismusäusserungen einzutreten, präsentiert mir Mark Zuckerbergs Algorithmus diesen Post ungefragt in meiner Zeitleiste. Also: ein echtes, drängendes Problem.
Demgegenüber geht es in diesem Blogpost um eine Sache, die im Vergleich harmlos wirkt. Mark Zuckerberg reibt mir auf einer seiner anderen Plattformen (Facebook) automatisch Posts unter meine Nase, bei denen man annehmen könnte, sie seien ein Grund zur Freude. Es handelt sich um positive Meldungen aus einer immer schwierigeren, beängstigenderen Welt. Hier sind Leute am Werk, die den Glauben ans Gute anfachen. Oder?
Fünf herausragende Beispiele dieser Machart:
1) Auf Santorini dürfen dicke Touristen nicht mehr auf Eseln reiten
Wer hat kein Herz für Esel?Klingt sinnvoll: Wer über hundert Kilogramm wiegt, sollte sich nicht auf einen armen Esel setzen und sich den Hang hochschleppen lassen dürfen.
Diese Geschichte, die das Herz aller Tierfreunde erwärmt, wurde von einer Facebook-Seite mit dem irritierend nichtssagenden Namen Typisch Bugra – FaxxenTV in Umlauf gebracht. Der Urheber präsentiert ein verwirrendes Durcheinander an Inhalten und hat aus mir völlig uneinsichtigen Gründen 1,3 Millionen Follower. Zum Vergleich: SRF hat nur einen Zehntel (133’800 Leute).
2) Ausgemusterte Busse werden zu mobilen Lebensmittelläden
Eine bessere Welt dank alten Bussen und Containern.«My Hobby» schreibt, in Deutschland würden aus Schiffscontainern modulare Unterkünfte für obdachlose Menschen. Der Bildpost schneidet ein anderes, ähnlich gelagertes Thema an und berichtet, in Dänemark würden ausgemusterte Busse zu mobilen Lebensmittelläden umgebaut.
Hierzulande mag man sich an die Migros-Verkaufswagen erinnern, die vor mehr als hundert Jahren durch die Schweiz fuhren und in den 1970er-Jahren auch in meinem Dorf für eine willkommene Einkaufsgelegenheit sorgten.
3) Der treue Hund Hachikō an der Shibuya-Station
Kein Tag, an dem dieser Hund nicht auf Facebook anzutreffen ist.Ein Hund wartete auch nach dem Tod seines Herrchens für Jahre an einer Bahnstation und wurde so zu einem Symbol für Treue. Diese Begebenheit ist auf Wikipedia dokumentiert.
Auf Facebook wird sie andauernd von allen möglichen und unmöglichen Accounts aufgewärmt. Hier von Video Trends oder hier bei PawLove mit einer besonders widersinnigen Betextung:
Kennst du diese Geschichten, die man nie vergisst, egal wie oft man sie hört 🐕
4) Der bekehrte Matador
Hier stimmt nichts – weder der Text noch das Bild.Auch das ein Wiedergänger, der intensiven Facebook-Nutzern etwa dreimal am Tag begegnet: Álvaro Múnera Builes sei ein bekehrter Matador. Bei «Momente der Inspiration» liest sich das wie folgt:
Während eines angespannten Stierkampfes tat der Matador Álvaro Múnera das Unvorstellbare. Während die Menge vor Aufregung tobte und das nächste dramatische Manöver erwartete, trat er plötzlich vom Stier zurück, ging an den Rand der Arena und setzte sich hin. Stille legte sich über das Publikum.
Múnera habe dem Stierkampf den Rücken gekehrt und sei ein engagierter Tierschutzaktivist geworden, erfahren wir: ein Mensch, der von einer Sekunde auf die nächste sein Leben umkrempelte, vor den Augen des staunenden Publikums.
5) Die stillende Polizistin
Die Polizistin, die schnell mal ein hungriges Baby stillt.Dieses Posting stammt von einem Facebook-User namens Hichäääm, von dem wir nichts weiter erfahren, als dass er eine «Person des öffentlichen Lebens» sei und 1,1 Millionen Follower habe. Er postet alte und neue Meldungen aus dem In- und Ausland, ohne dass ein Muster erkennbar wäre. Mal geht es um die AfD, mal um den nicht mehr finanzierbaren Sozialstaat, mal um Elon Musk, der seine Definition, was eine Frau sein sollte, zum Besten gibt.
Im fraglichen Beitrag geht es um eine argentinische Polizistin, die ein unterernährtes Baby selbst gestillt habe:
Die Polizistin Celeste Ayala zeigte damit, dass Mitgefühl und Verantwortung manchmal wichtiger sind als Dienstvorschriften.
Rührseliger Kitsch
Leider habe ich es nicht geschafft, euch diese Meldungen so neutral zu präsentieren, wie ich es mir vorgenommen hatte. Darum ahnt ihr vermutlich schon, in welche Richtung meine Kritik zielt.
Diese Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben alle einen wahren Kern, werden aber zu undifferenziert, rührselig und verkitscht dargestellt. Sie lassen alle Aspekte weg, die die angestrebte Wirkung beeinträchtigen würden. Konkret:
- Die Esel:
Es gibt die Regel zu ihrem Schutz, doch die wurde nicht auf Santorini eingeführt, sondern stammt von der griechischen Regierung. Und die Massnahme zum Tierwohl wird weder ausreichend kontrolliert noch konsequent durchgesetzt. Den Eseln geht es noch immer oft mies. - Die Container:
Über diese Form der Notunterkünfte wird ernsthaft berichtet, hier von der deutschen Tagesschau. Auf den Fotos der ARD wirken die nicht, wie im Text behauptet, wie ein «würdevoller Zufluchtsraum». Von den angeblichen «Pflanzen und Lichterketten» ist nichts zu sehen. Ausserdem erfahren wir nicht, in welcher Stadt diese Container stehen, wer sie initiiert hat und welche Gruppen sie nutzen dürfen. - Hachikō:
Der Hund mag wirklich als Hoffnungsträger dienen, aber die Vermenschlichung mit Begriffen wie «geduldig» und «stille Treue» ist unnötig. Die Lebenslektion zur «bedingungslosen Liebe» würde höchstens in die Sonntagspredigt passen. - Álvaro Múnera Builes:
Der Matador gab seine Karriere nicht aus Mitgefühl für den Stier auf, sondern weil er schwer verletzt wurde und im Rollstuhl sitzt. Diese geschönte Kolportage wurde mehrfach widerlegt (hier und hier). - Celeste Ayala:
Die Fakten werden korrekt wiedergegeben, doch die Moral – Mitgefühl sei wichtiger als Dienstvorschriften – impliziert, die Polizistin habe sich mit ihrer Tat Ärger eingehandelt. Das ist nicht der Fall, sie wurde im Gegenteil befördert. Das wahre Problem ist freilich, dass die eigentliche Ursache, die erschreckende Kinderarmut in Argentinien, komplett unter den Tisch gekehrt wird.
Ich möchte das grundsätzliche Problem anhand des zweitletzten Beispiels, Matador, weiter ausführen.
Diese Erzählung wurde früher oft mit einem Bild in Umlauf gebracht, das einen anderen Stierkämpfer zeigt. Heute verwendet man, natürlich, einen KI-Deepfake.
Wer hätte es gedacht?«Alles kann auf Facebook monetarisiert werden»
Bei der Verbreitung von derlei Informationsmüll gibt es eine finanzielle Komponente. Das fragliche Posting wurde über 8800-mal geteilt und hat 56’700 Likes eingeheimst. Wie oft der Beitrag gesehen wurde, lässt sich daraus nicht direkt ableiten, aber immerhin schätzen: Die Zahl dürfte sich im Millionenbereich bewegen. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass selbst die grossen Schweizer Newssites eine solche Reichweite kaum je mit einem einzelnen Beitrag erzielen. Bekanntlich lässt sich solcher Content bei Facebook zu Geld machen. Hier heisst es:
Jedes Content-Format kann monetarisiert werden, nicht nur Videos, sondern auch Fotos, Textbeiträge und Stories. (…)
Die Content-Monetarisierung auf Facebook verfügt über ein «performancebasiertes Auszahlungsmodell», bei dem deine Auszahlungen auf den Interaktionen deiner Zielgruppe basieren. Je besser deine Inhalte abschneiden, desto mehr Geld kannst du verdienen.
Stellt sich also die Frage: Hat der Betreiber der Seite «Momente der Inspiration» für diesen Beitrag – der inhaltlich keinerlei Eigenleistung beinhaltet – Geld bekommen? Die ehrliche Antwort ist, dass ich das nicht weiss. Falls es so sein sollte, würde ein Mindestmass an Transparenz gebieten, dass Facebook diesen Aspekt öffentlich macht.
Jedenfalls durchschaue ich trotz Studiums dieser Seite hier nicht, wie man die Einnahmen abschätzen könnte. Mein Experte für dieses Thema (Claude) meint, bei einer «guten Monetarisierungsstrategie» würden um die 2000 Euro drin liegen.
Wir kommen zum Schluss, dass Information, Berichterstattung und Faktenvermittlung nicht das Ziel solcher Wandersagen sind. Die Botschaft ist bloss Mittel zum Zweck. Es geht um die Emotionalisierung des Publikums – mutmasslich wegen der Umsatzbeteiligung –, und dafür wird alles weggelassen, was nicht ins Bild passt.
Damit zurück zur Ausgangsthese: Obwohl wir es nicht mit Hass zu tun haben, wie bei Emilys White Supremacy-Bekundung, ist in diesen Fällen die performative Zurschaustellung von Liebe zu Mensch und Tier nicht positiv zu werten.
Auch «positive» Fake News sind verheerend
Es hilft nicht, dass wir es nicht mit «harten» Fake News zu tun haben, mit denen die öffentliche Meinung gelenkt und manipuliert werden soll. Denn die «soften Fake News» wirken auf Dauer ebenfalls verheerend – vielleicht nicht so schnell, wie politische Lügen, aber dennoch so stark, dass wir sie auf keinen Fall unterschätzen dürfen:
- Pseudo-News-Beiträge relativieren die Realität. Sie bieten verkitschtes Storytelling im Gewand einer seriösen Berichterstattung.
- Sie erzeugen ein Hintergrundrauschen, in dem Wichtiges und Echtes untergeht und die Grenzen zwischen ernsthafter und regelbasierter Berichterstattung und publizistischem Jekami vermischt: Ich spreche von einer Aufmerksamkeitsverzerrung.
- Sie führen zu einer Überforderung: Selbst kritische, engagierte Nutzerinnen kommen mit Überprüfen und Widersprechen nicht mehr hinterher und kapitulieren.
- Leute, die ambivalente, uneindeutige und differenzierte Positionen vermitteln wollen, stehen auf verlorenem Posten.
Letztens und Schlimmstens: Die Politik hat kapituliert. Man prüft Alterslimits für soziale Medien, die dummerweise bei diesem Problem hier nicht im Geringsten etwas bewirken würden. Aber niemand hält es für diskussionswürdig, dass sich Meta mit der Monetarisierung hier direkt als Verleger betätigt, aber sich gleichzeitig mit der alten Ausrede, auf einer Plattform mit User Generated Content nur als Vermittler zu agieren, aus jeder Verantwortung stiehlt.
Aber gut, mit einem Medienminister, der auch nach der deutlichen Ablehnung der SRG-Initiative noch immer überzeugt ist, der Markt würde auch die Sache mit den Medien regeln, haben wir es in der Schweiz nicht besser verdient.
#DerOnlineShitDerWoche #Facebook #FakenewsDeepfakes #Longread #Politik #SozialeMedien - Die Esel:
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Facebook ersetzt Journalismus durch Kitsch
Vermutlich meint sie nicht ihren Milchkaffee.Ist das ein echtes Problem?
Die Frage stellt sich beim heutigen Thema, weil auf der Meta-Plattform Threads solche Posts wie derjenige von Emily veröffentlicht werden und Tausende von Likes absahnen. Frau Owen posiert mit einem Coffee to go und der Aussage, sie sei stolz, weiss zu sein. Und obwohl ich nichts mit Emily zu tun habe und nicht die geringste Lust verspüre, mit ihr in eine Diskussion über stumpfsinnige Rassismusäusserungen einzutreten, präsentiert mir Mark Zuckerbergs Algorithmus diesen Post ungefragt in meiner Zeitleiste. Also: ein echtes, drängendes Problem.
Demgegenüber geht es in diesem Blogpost um eine Sache, die im Vergleich harmlos wirkt. Mark Zuckerberg reibt mir auf einer seiner anderen Plattformen (Facebook) automatisch Posts unter meine Nase, bei denen man annehmen könnte, sie seien ein Grund zur Freude. Es handelt sich um positive Meldungen aus einer immer schwierigeren, beängstigenderen Welt. Hier sind Leute am Werk, die den Glauben ans Gute anfachen. Oder?
Fünf herausragende Beispiele dieser Machart:
1) Auf Santorini dürfen dicke Touristen nicht mehr auf Eseln reiten
Wer hat kein Herz für Esel?Klingt sinnvoll: Wer über hundert Kilogramm wiegt, sollte sich nicht auf einen armen Esel setzen und sich den Hang hochschleppen lassen dürfen.
Diese Geschichte, die das Herz aller Tierfreunde erwärmt, wurde von einer Facebook-Seite mit dem irritierend nichtssagenden Namen Typisch Bugra – FaxxenTV in Umlauf gebracht. Der Urheber präsentiert ein verwirrendes Durcheinander an Inhalten und hat aus mir völlig uneinsichtigen Gründen 1,3 Millionen Follower. Zum Vergleich: SRF hat nur einen Zehntel (133’800 Leute).
2) Ausgemusterte Busse werden zu mobilen Lebensmittelläden
Eine bessere Welt dank alten Bussen und Containern.«My Hobby» schreibt, in Deutschland würden aus Schiffscontainern modulare Unterkünfte für obdachlose Menschen. Der Bildpost schneidet ein anderes, ähnlich gelagertes Thema an und berichtet, in Dänemark würden ausgemusterte Busse zu mobilen Lebensmittelläden umgebaut.
Hierzulande mag man sich an die Migros-Verkaufswagen erinnern, die vor mehr als hundert Jahren durch die Schweiz fuhren und in den 1970er-Jahren auch in meinem Dorf für eine willkommene Einkaufsgelegenheit sorgten.
3) Der treue Hund Hachikō an der Shibuya-Station
Kein Tag, an dem dieser Hund nicht auf Facebook anzutreffen ist.Ein Hund wartete auch nach dem Tod seines Herrchens für Jahre an einer Bahnstation und wurde so zu einem Symbol für Treue. Diese Begebenheit ist auf Wikipedia dokumentiert.
Auf Facebook wird sie andauernd von allen möglichen und unmöglichen Accounts aufgewärmt. Hier von Video Trends oder hier bei PawLove mit einer besonders widersinnigen Betextung:
Kennst du diese Geschichten, die man nie vergisst, egal wie oft man sie hört 🐕
4) Der bekehrte Matador
Hier stimmt nichts – weder der Text noch das Bild.Auch das ein Wiedergänger, der intensiven Facebook-Nutzern etwa dreimal am Tag begegnet: Álvaro Múnera Builes sei ein bekehrter Matador. Bei «Momente der Inspiration» liest sich das wie folgt:
Während eines angespannten Stierkampfes tat der Matador Álvaro Múnera das Unvorstellbare. Während die Menge vor Aufregung tobte und das nächste dramatische Manöver erwartete, trat er plötzlich vom Stier zurück, ging an den Rand der Arena und setzte sich hin. Stille legte sich über das Publikum.
Múnera habe dem Stierkampf den Rücken gekehrt und sei ein engagierter Tierschutzaktivist geworden, erfahren wir: ein Mensch, der von einer Sekunde auf die nächste sein Leben umkrempelte, vor den Augen des staunenden Publikums.
5) Die stillende Polizistin
Die Polizistin, die schnell mal ein hungriges Baby stillt.Dieses Posting stammt von einem Facebook-User namens Hichäääm, von dem wir nichts weiter erfahren, als dass er eine «Person des öffentlichen Lebens» sei und 1,1 Millionen Follower habe. Er postet alte und neue Meldungen aus dem In- und Ausland, ohne dass ein Muster erkennbar wäre. Mal geht es um die AfD, mal um den nicht mehr finanzierbaren Sozialstaat, mal um Elon Musk, der seine Definition, was eine Frau sein sollte, zum Besten gibt.
Im fraglichen Beitrag geht es um eine argentinische Polizistin, die ein unterernährtes Baby selbst gestillt habe:
Die Polizistin Celeste Ayala zeigte damit, dass Mitgefühl und Verantwortung manchmal wichtiger sind als Dienstvorschriften.
Rührseliger Kitsch
Leider habe ich es nicht geschafft, euch diese Meldungen so neutral zu präsentieren, wie ich es mir vorgenommen hatte. Darum ahnt ihr vermutlich schon, in welche Richtung meine Kritik zielt.
Diese Geschichten haben eine Gemeinsamkeit: Sie haben alle einen wahren Kern, werden aber zu undifferenziert, rührselig und verkitscht dargestellt. Sie lassen alle Aspekte weg, die die angestrebte Wirkung beeinträchtigen würden. Konkret:
- Die Esel:
Es gibt die Regel zu ihrem Schutz, doch die wurde nicht auf Santorini eingeführt, sondern stammt von der griechischen Regierung. Und die Massnahme zum Tierwohl wird weder ausreichend kontrolliert noch konsequent durchgesetzt. Den Eseln geht es noch immer oft mies. - Die Container:
Über diese Form der Notunterkünfte wird ernsthaft berichtet, hier von der deutschen Tagesschau. Auf den Fotos der ARD wirken die nicht, wie im Text behauptet, wie ein «würdevoller Zufluchtsraum». Von den angeblichen «Pflanzen und Lichterketten» ist nichts zu sehen. Ausserdem erfahren wir nicht, in welcher Stadt diese Container stehen, wer sie initiiert hat und welche Gruppen sie nutzen dürfen. - Hachikō:
Der Hund mag wirklich als Hoffnungsträger dienen, aber die Vermenschlichung mit Begriffen wie «geduldig» und «stille Treue» ist unnötig. Die Lebenslektion zur «bedingungslosen Liebe» würde höchstens in die Sonntagspredigt passen. - Álvaro Múnera Builes:
Der Matador gab seine Karriere nicht aus Mitgefühl für den Stier auf, sondern weil er schwer verletzt wurde und im Rollstuhl sitzt. Diese geschönte Kolportage wurde mehrfach widerlegt (hier und hier). - Celeste Ayala:
Die Fakten werden korrekt wiedergegeben, doch die Moral – Mitgefühl sei wichtiger als Dienstvorschriften – impliziert, die Polizistin habe sich mit ihrer Tat Ärger eingehandelt. Das ist nicht der Fall, sie wurde im Gegenteil befördert. Das wahre Problem ist freilich, dass die eigentliche Ursache, die erschreckende Kinderarmut in Argentinien, komplett unter den Tisch gekehrt wird.
Ich möchte das grundsätzliche Problem anhand des zweitletzten Beispiels, Matador, weiter ausführen.
Diese Erzählung wurde früher oft mit einem Bild in Umlauf gebracht, das einen anderen Stierkämpfer zeigt. Heute verwendet man, natürlich, einen KI-Deepfake.
Wer hätte es gedacht?«Alles kann auf Facebook monetarisiert werden»
Bei der Verbreitung von derlei Informationsmüll gibt es eine finanzielle Komponente. Das fragliche Posting wurde über 8800-mal geteilt und hat 56’700 Likes eingeheimst. Wie oft der Beitrag gesehen wurde, lässt sich daraus nicht direkt ableiten, aber immerhin schätzen: Die Zahl dürfte sich im Millionenbereich bewegen. Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass selbst die grossen Schweizer Newssites eine solche Reichweite kaum je mit einem einzelnen Beitrag erzielen. Bekanntlich lässt sich solcher Content bei Facebook zu Geld machen. Hier heisst es:
Jedes Content-Format kann monetarisiert werden, nicht nur Videos, sondern auch Fotos, Textbeiträge und Stories. (…)
Die Content-Monetarisierung auf Facebook verfügt über ein «performancebasiertes Auszahlungsmodell», bei dem deine Auszahlungen auf den Interaktionen deiner Zielgruppe basieren. Je besser deine Inhalte abschneiden, desto mehr Geld kannst du verdienen.
Stellt sich also die Frage: Hat der Betreiber der Seite «Momente der Inspiration» für diesen Beitrag – der inhaltlich keinerlei Eigenleistung beinhaltet – Geld bekommen? Die ehrliche Antwort ist, dass ich das nicht weiss. Falls es so sein sollte, würde ein Mindestmass an Transparenz gebieten, dass Facebook diesen Aspekt öffentlich macht.
Jedenfalls durchschaue ich trotz Studiums dieser Seite hier nicht, wie man die Einnahmen abschätzen könnte. Mein Experte für dieses Thema (Claude) meint, bei einer «guten Monetarisierungsstrategie» würden um die 2000 Euro drin liegen.
Wir kommen zum Schluss, dass Information, Berichterstattung und Faktenvermittlung nicht das Ziel solcher Wandersagen sind. Die Botschaft ist bloss Mittel zum Zweck. Es geht um die Emotionalisierung des Publikums – mutmasslich wegen der Umsatzbeteiligung –, und dafür wird alles weggelassen, was nicht ins Bild passt.
Damit zurück zur Ausgangsthese: Obwohl wir es nicht mit Hass zu tun haben, wie bei Emilys White Supremacy-Bekundung, ist in diesen Fällen die performative Zurschaustellung von Liebe zu Mensch und Tier nicht positiv zu werten.
Auch «positive» Fake News sind verheerend
Es hilft nicht, dass wir es nicht mit «harten» Fake News zu tun haben, mit denen die öffentliche Meinung gelenkt und manipuliert werden soll. Denn die «soften Fake News» wirken auf Dauer ebenfalls verheerend – vielleicht nicht so schnell, wie politische Lügen, aber dennoch so stark, dass wir sie auf keinen Fall unterschätzen dürfen:
- Pseudo-News-Beiträge relativieren die Realität. Sie bieten verkitschtes Storytelling im Gewand einer seriösen Berichterstattung.
- Sie erzeugen ein Hintergrundrauschen, in dem Wichtiges und Echtes untergeht und die Grenzen zwischen ernsthafter und regelbasierter Berichterstattung und publizistischem Jekami vermischt: Ich spreche von einer Aufmerksamkeitsverzerrung.
- Sie führen zu einer Überforderung: Selbst kritische, engagierte Nutzerinnen kommen mit Überprüfen und Widersprechen nicht mehr hinterher und kapitulieren.
- Leute, die ambivalente, uneindeutige und differenzierte Positionen vermitteln wollen, stehen auf verlorenem Posten.
Letztens und Schlimmstens: Die Politik hat kapituliert. Man prüft Alterslimits für soziale Medien, die dummerweise bei diesem Problem hier nicht im Geringsten etwas bewirken würden. Aber niemand hält es für diskussionswürdig, dass sich Meta mit der Monetarisierung hier direkt als Verleger betätigt, aber sich gleichzeitig mit der alten Ausrede, auf einer Plattform mit User Generated Content nur als Vermittler zu agieren, aus jeder Verantwortung stiehlt.
Aber gut, mit einem Medienminister, der auch nach der deutlichen Ablehnung der SRG-Initiative noch immer überzeugt ist, der Markt würde auch die Sache mit den Medien regeln, haben wir es in der Schweiz nicht besser verdient.
#DerOnlineShitDerWoche #Facebook #FakenewsDeepfakes #Longread #Politik #SozialeMedien - Die Esel:
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Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen
Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.
Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.
In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.
Warum teilen vernünftige Leute Videos von Verschwörungsmystikern?
In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM.
Das wirft Fragen auf. Ist es so, dass ich mich auf meine Einschätzung, wer eine «vernünftige, nüchterne Personen» ist, nicht allzu sehr verlassen sollte? Oder geht bei manchen Leuten die Vernunft in während einer Krise einfach flöten? Oder sind diese Verschwörungstheoretiker einfach besonders gut darin, aus der Krise Kapital zu schlagen?
Letzteres wäre die erschreckendste Variante. Denn während man bei den ersten beiden Erklärungsversuchen vermuten darf, dass sich nach der Krise alles wieder zurechtrüttelt, müsste man im dritten Fall befürchten, dass die KenFMs dieses Planeten in der Lage sind, ihre Fanbase mit jeder Ausnahmesituation auszubauen.
Nach einer Diskussion mit einem Facebook-Freund habe ich das gepostete Video angeklickt. (Das ich hier allein deswegen verlinke, weil es inzwischen vom Uploader selbst gelöscht worden ist.) Es hatte eine Länge von gut zwanzig Minuten. Wenig, denn typischerweise dauern solche verschwörungstheoretischen Machwerke immer so lang, dass allein durch die Dauer die Widerstandskraft erlahmt. Doch auch das war unerträglich lang. Zwei Gründe, weswegen dieses «Werk» absolut unverdaulich ist:
Erstens inhaltlich
Es ist bzw. war ein wirres Sammelsurium von einzelnen Tatbeständen, die nüchtern betrachtet wenig bis nichts miteinander zu tun haben – in der Summe aber die altbekannte Botschaft der Verschwörungstheoretiker beförderten: Nichts ist so, wie man uns weismachen will. Und alle stecken unter einer Decke: Politik, Behörden, Mainstream-Medien.
Wie sich die Videos gegen Kritik immunisieren
Diese Methode macht es fast unmöglich, das Video zu widerlegen: Man müsste jeden einzelnen der behaupteten Tatbestände überprüfen: Ist er wahr oder erfunden? Falls er wahr ist, stimmt der Kontext, in dem er präsentiert wird? Und schliesslich die schwierigste Aufgabe: Ist der Gesamteindruck realistisch oder ein Zerrbild?
Das ist wahnsinnig aufwändig. Und auch wenn ich empfehle, es nicht zu tun, weil es nichts bringt, habe ich mir eines der eher einfachen Beispiele vorgeknöpft: Nämlich die Behauptung, im Moment würden «alle Toten Corona zugerechnet». Wenn man das ohne Kontext hört, liegt eine Vermutung nahe – nämlich, dass auch der Velofahrer mitgezählt wird, der in den Graben gefahren und sich den Hals gebrochen hat. Das suggeriert, dass die Zahl massiv überhöht und das Virus nicht so schlimm ist.
Das Video ist inzwischen verschwunden. Und nein, nicht wie die Verschwörungstheoretiker glauben, wegen staatlicher Zensur. Sondern, weil es der Uploader selbst gelöscht hat.Schaut man sich die Aussage genauer an, dann wird klar, dass mit der Aussage gemeint ist, dass jede Person gezählt wird, die Covid-19-positiv getestet wurde und daraufhin stirbt. Es wird nicht unterschieden, ob das Virus die Todesursache war oder eine allfällige Vorerkrankung.
Tot ist tot
Daraus ergibt sich ein ganz anderes Bild: Erstens dürfte es einleuchten, dass diese Unterscheidung schwierig bis unmöglich zu treffen ist. Und ist völlig klar, dass sie für die aktuelle Notsituation völlig irrelevant ist. Tot ist tot, egal, ob das Virus nun allein schuld, zur Hauptsache schuld oder «bloss mitbeteiligt» war.
Zweitens formal
Der Inhalt ist Pipifax, wenn man sich die Machart des Videos ansieht. Denn Ken Jebsen transportiert weniger Informationen als vielmehr Gefühle und eine Stimmung: Er trägt eine Schutzmaske, lehnt sich auf die Kamera zu und schwankt bei seiner Darbietung zwischen Flüstern und normaler Tonlage. Er gibt den gehetzten Whistleblower, der jederzeit von den Verschwörern, gegen die er antritt, zur Strecke gebracht werden könnte.
Gleichzeitig ist die Maske natürlich ironisch gemeint – denn wer nicht an die Gefährlichkeit des Virus glaubt, sondern postuliert, dass das Virus von «den Eliten» dazu benutzt wird, die Freiheiten der Menschen zu beschneiden, der benötigt keine Maske. Er macht sich damit lustig über die Leute, die die Bedrohung ernst nehmen und vielleicht sogar um ihr Leben fürchten. Das sind in der Diktion der Verschwörungstheoretiker die Sheeple, die dummen, unaufgeklärten Massen, die es letztlich nicht besser verdient haben, als unter der Knute zu leben.
Eine Inszenierung
Das ist einerseits raffiniert: Denn es ist eine Inszenierung, die keinen Hehl daraus macht, eine Inszenierung zu sein. Andererseits ist es auch derartig arrogant, überheblich und anmassend, dass ich es nicht geschafft habe, das Video zu Ende zu sehen – und ich mich sehr beherrschen musste, meinem Freund nicht ein paar hässliche Worte an den Kopf zu werfen, weil er mir dieses Video auf Facebook zugemutet hatte.
Fazit: Wenn ihr dieser Tage tatsächlich in Versuchung kommen solltet, ein solches Video für bare Münze zu nehmen, dann macht folgendes Experiment: Löst euch ganz von den Inhalten und konzentriert euch ganz auf die Machart. Schaut euch Inszenierung und Präsentation an, die Methode und die Vermittlungsart. Und dann fragt euch: Ist das die Art und Weise, wie jemand vorgehen würde, der die Fakten auf seiner Seite hat – oder sieht man hier nicht eher die Instrumente im Einsatz, die ein Manipulator verwenden würde?
Auch die Medien … egal!
Und ja, ich weiss: Auch die richtigen Medien verwenden oft Stilmittel, über die man sich ernsthaft empören könnte. Aber das ist eine andere Diskussion, die an anderer Stelle geführt werden muss – und ein klassischer Whataboutism. Es geht hier um dieses eine Video, das man teilen könnte. Oder aber wahrscheinlich besser als untauglich und schädlich einstufen und auf Youtube mit einem Daumen nach unten bestrafen sollte.
#Corona #Facebook #FakenewsDeepfakes #SozialeMedien #Verschwörungstheoretiker -
Zwei Gründe, keine Videos von KenFM anzusehen oder zu teilen
Verschwörungstheoretiker und ihr toxischer Output sind ein reales Phänomen. Damit habe ich mich abgefunden und an dieser Stelle schon diverse Male auseinandergesetzt.
Was mich betrübt und auch sauer macht, ist eine Beobachtung, die ich in machen musste, als es mit der Coronakrise ernster wurden. Es zeigt sich nämlich, dass die Thesen und Behauptungen in Krisenzeiten infektiöser sind als in einer normalen Situation. Das war während der Nobillag-Abstimmung zu beobachten. (Wobei man sich natürlich fragen darf, ob aus heutiger Sicht diese Periode das Attribut «Krise» verdient.) Und es ist wird in diesen Tagen sehr deutlich.
In meinem Social-Media-Umfeld ist die Situation typischerweise so: Es sind die einschlägig bekannten Figuren, die Fragwürdiges aus der Ecke der Aluhutträger in Umlauf bringen. Man kennt sie, schaltet sie stumm, wenn sie einem zu sehr auf die Nerven gehen – aber es sieht so aus, als ob die Szene in ihrem eigenen Saft vor sich hin köcheln würde.
Warum teilen vernünftige Leute Videos von Verschwörungsmystikern?
In der letzten Zeit hat mir Facebook mehrere Posts in meine Timeline gespült, die von Leuten stammen, die ich erstens alle persönlich kenne. Und die ich zweitens alle als vernünftige, nüchterne Personen einschätze. Drittens ging es immer um Videos von KenFM.
Das wirft Fragen auf. Ist es so, dass ich mich auf meine Einschätzung, wer eine «vernünftige, nüchterne Personen» ist, nicht allzu sehr verlassen sollte? Oder geht bei manchen Leuten die Vernunft in während einer Krise einfach flöten? Oder sind diese Verschwörungstheoretiker einfach besonders gut darin, aus der Krise Kapital zu schlagen?
Letzteres wäre die erschreckendste Variante. Denn während man bei den ersten beiden Erklärungsversuchen vermuten darf, dass sich nach der Krise alles wieder zurechtrüttelt, müsste man im dritten Fall befürchten, dass die KenFMs dieses Planeten in der Lage sind, ihre Fanbase mit jeder Ausnahmesituation auszubauen.
Nach einer Diskussion mit einem Facebook-Freund habe ich das gepostete Video angeklickt. (Das ich hier allein deswegen verlinke, weil es inzwischen vom Uploader selbst gelöscht worden ist.) Es hatte eine Länge von gut zwanzig Minuten. Wenig, denn typischerweise dauern solche verschwörungstheoretischen Machwerke immer so lang, dass allein durch die Dauer die Widerstandskraft erlahmt. Doch auch das war unerträglich lang. Zwei Gründe, weswegen dieses «Werk» absolut unverdaulich ist:
Erstens inhaltlich
Es ist bzw. war ein wirres Sammelsurium von einzelnen Tatbeständen, die nüchtern betrachtet wenig bis nichts miteinander zu tun haben – in der Summe aber die altbekannte Botschaft der Verschwörungstheoretiker beförderten: Nichts ist so, wie man uns weismachen will. Und alle stecken unter einer Decke: Politik, Behörden, Mainstream-Medien.
Wie sich die Videos gegen Kritik immunisieren
Diese Methode macht es fast unmöglich, das Video zu widerlegen: Man müsste jeden einzelnen der behaupteten Tatbestände überprüfen: Ist er wahr oder erfunden? Falls er wahr ist, stimmt der Kontext, in dem er präsentiert wird? Und schliesslich die schwierigste Aufgabe: Ist der Gesamteindruck realistisch oder ein Zerrbild?
Das ist wahnsinnig aufwändig. Und auch wenn ich empfehle, es nicht zu tun, weil es nichts bringt, habe ich mir eines der eher einfachen Beispiele vorgeknöpft: Nämlich die Behauptung, im Moment würden «alle Toten Corona zugerechnet». Wenn man das ohne Kontext hört, liegt eine Vermutung nahe – nämlich, dass auch der Velofahrer mitgezählt wird, der in den Graben gefahren und sich den Hals gebrochen hat. Das suggeriert, dass die Zahl massiv überhöht und das Virus nicht so schlimm ist.
Das Video ist inzwischen verschwunden. Und nein, nicht wie die Verschwörungstheoretiker glauben, wegen staatlicher Zensur. Sondern, weil es der Uploader selbst gelöscht hat.Schaut man sich die Aussage genauer an, dann wird klar, dass mit der Aussage gemeint ist, dass jede Person gezählt wird, die Covid-19-positiv getestet wurde und daraufhin stirbt. Es wird nicht unterschieden, ob das Virus die Todesursache war oder eine allfällige Vorerkrankung.
Tot ist tot
Daraus ergibt sich ein ganz anderes Bild: Erstens dürfte es einleuchten, dass diese Unterscheidung schwierig bis unmöglich zu treffen ist. Und ist völlig klar, dass sie für die aktuelle Notsituation völlig irrelevant ist. Tot ist tot, egal, ob das Virus nun allein schuld, zur Hauptsache schuld oder «bloss mitbeteiligt» war.
Zweitens formal
Der Inhalt ist Pipifax, wenn man sich die Machart des Videos ansieht. Denn Ken Jebsen transportiert weniger Informationen als vielmehr Gefühle und eine Stimmung: Er trägt eine Schutzmaske, lehnt sich auf die Kamera zu und schwankt bei seiner Darbietung zwischen Flüstern und normaler Tonlage. Er gibt den gehetzten Whistleblower, der jederzeit von den Verschwörern, gegen die er antritt, zur Strecke gebracht werden könnte.
Gleichzeitig ist die Maske natürlich ironisch gemeint – denn wer nicht an die Gefährlichkeit des Virus glaubt, sondern postuliert, dass das Virus von «den Eliten» dazu benutzt wird, die Freiheiten der Menschen zu beschneiden, der benötigt keine Maske. Er macht sich damit lustig über die Leute, die die Bedrohung ernst nehmen und vielleicht sogar um ihr Leben fürchten. Das sind in der Diktion der Verschwörungstheoretiker die Sheeple, die dummen, unaufgeklärten Massen, die es letztlich nicht besser verdient haben, als unter der Knute zu leben.
Eine Inszenierung
Das ist einerseits raffiniert: Denn es ist eine Inszenierung, die keinen Hehl daraus macht, eine Inszenierung zu sein. Andererseits ist es auch derartig arrogant, überheblich und anmassend, dass ich es nicht geschafft habe, das Video zu Ende zu sehen – und ich mich sehr beherrschen musste, meinem Freund nicht ein paar hässliche Worte an den Kopf zu werfen, weil er mir dieses Video auf Facebook zugemutet hatte.
Fazit: Wenn ihr dieser Tage tatsächlich in Versuchung kommen solltet, ein solches Video für bare Münze zu nehmen, dann macht folgendes Experiment: Löst euch ganz von den Inhalten und konzentriert euch ganz auf die Machart. Schaut euch Inszenierung und Präsentation an, die Methode und die Vermittlungsart. Und dann fragt euch: Ist das die Art und Weise, wie jemand vorgehen würde, der die Fakten auf seiner Seite hat – oder sieht man hier nicht eher die Instrumente im Einsatz, die ein Manipulator verwenden würde?
Auch die Medien … egal!
Und ja, ich weiss: Auch die richtigen Medien verwenden oft Stilmittel, über die man sich ernsthaft empören könnte. Aber das ist eine andere Diskussion, die an anderer Stelle geführt werden muss – und ein klassischer Whataboutism. Es geht hier um dieses eine Video, das man teilen könnte. Oder aber wahrscheinlich besser als untauglich und schädlich einstufen und auf Youtube mit einem Daumen nach unten bestrafen sollte.
#Corona #Facebook #FakenewsDeepfakes #SozialeMedien #Verschwörungstheoretiker -
Diesen Link hättest du besser nicht gepostet
Das hier ist ein Beitrag, den ich für solche Fälle bereithalte wie der neulich bei Linkedin. Da hat ein Mann aus meiner Blase einen Link gepostet, den er besser nicht gepostet hätte. Ich kenne den Mann persönlich und schätze ihn in einem beruflich-fachlichen Kontext. Was er privat tut und für Ansichten hat, weiss ich nicht. Nun könnte man sagen, dass mich das auch nicht näher zu interessieren hat, weil unsere Beziehung rein professioneller Natur ist.
Soll mir dieser Mann erzählen, wie CO₂ und Klimawandel zusammenhängen?Nun leben wir in einer Zeit, wo sich Privates und Berufliches immer mehr vermischt. Darum fand er es wohl okay, einen Link zu posten, der schlecht in dieses professionelle Umfeld passt. Es handelte sich um einen Beitrag von KenFM, in dem es ums Klima geht. Abgebildet ist ein Mann, der so aussieht, wie ich mir einen Waldschrat vorstelle. Jedenfalls nicht wie der typische Klimaexperte. Der Kommentar des Freundes: «Soeben gehört. Das Umweltproblem ist weit komplexer, als man es uns verkaufen will.»
Also, die Ausgangslage: Dieser Link gehört mit ziemlicher Sicherheit zu der Sorte, die eine Gegenrede provozieren müsste. Denn er stammt von KenFM. Das ist eine Website, die nach eigenem Anspruch als «medialer Mülltrenner» auftritt, was allein schon ahnen lässt, dass man sie dem «alterntiven» Lager zuordnen muss. Wikipedia formuliert es vorsichtig:
KenFM gilt verschiedenen Quellen als Medium zur Verbreitung von Verschwörungstheorien.
Psiram wird deutlicher; im Beitrag über Ken Jebsen, der KenFM betreibt, steht:
Deutschlandweit bekannt wurde Jebsen 2011 durch seine Entlassung beim RBB, nachdem er verschwörungstheoretische Positionen vertreten hatte und der Vorwurf des Antisemitismus gegen ihn erhoben worden war. Jebsen ist Betreiber des Youtube-Internetkanals KenFM, wo er regelmässig seine Verschwörungstheorien verbreitet.
Was die Klimadebatte angeht, braucht man nur einmal kurz zu googeln, um festzustellen, dass KenFM ins Lager der Leugner gehört.
Inhaltlich dagegen anzustinken, macht zu viel Arbeit
Wenn man also auf inhaltlicher Ebene gegen den Link anstinken wollen würde, dann müsste man sich erst das verlinkte Video ansehen, es dekonstruieren, die Fehler finden, Quellen für die richtigen Fakten anführen und aufzeigen, warum man diesen Link so nicht stehen lassen kann und will.
Dafür fehlt mir erstens die Zeit. Und zweitens bringt es nichts, mit Verschwörungstheoretikern zu diskutieren. Wirklich: Es bringt nichts.
Darum tue ich das nicht. Was ich aber tue, ist kurz in Erfahrung zu bringen, wer der Waldschrat ist. Im Anriss zum Video heisst es: «Wolf-Dieter Storl ist ein Pionier der Permakultur, Ethnobotaniker, Kulturanthropologe und ein Gegner der allseits verbreiteten Meinung, CO₂ allein sei Schuld am Klimawandel¹.»
Über den Mann schreibt Spiegel.de:
Und selbstverständlich wird die Universität rituell geräuchert und gereinigt, bevor das Spektakel beginnt. Der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl zieht dabei im Kreise seiner Anhänger um die Uni, um bei einem Feuerritual die Schamanen anzurufen. Zwischendurch erklingen Hörner und Trommeln. Der wissenschaftliche Geist muss schliesslich erfolgreich ausgetrieben werden.
An der Stelle darf man die Recherche getrost einstellen, ohne sich das Video zu Gemüte zu führen: Denn wieso sollte man sich den Klimawandel von einem Schamanen erklären lassen – zumal von einem, der den wissenschaftlichen Geist austreiben will? Ein Klimaexperte wäre offensichtlich die bessere Quelle. Und ich sehe keinen Grund, nicht ganz pauschal zu erklären, dass ich Quellen wie KenFM nicht in meinem Social-Media-Feed haben will.
Man darf verlangen, dass man problematische Inhalte nicht unreflektiert vor den Latz geknallt bekommt
Wüki nid. Ich will das Zeug nicht widerlegen und ich will es auch nicht lesen oder ansehen. Und ich möchte nicht, dass es unreflektiert geteilt wird, weil Verschwörungstheoretiker die Feinde der Wahrheit sind. Und Verschwörungstheorien ein gesellschaftliches Gift.
Deshalb verlange ich von den Social-Media-Nutzern in meinem Umfeld eine gewisse Quellenkritik. Wenn jemand einen Punkt rüberbringen will, dann soll er dafür einen Beleg in einem seriösen Medium suchen. Denn wenn es sich um eine Tatsache und nicht um irgend eine Fakenews, eine Verschwörungstheorie, Propaganda oder um ein Hirngespinst handelt, dann findet sich auch ein glaubwürdiger Beweis. Denn anders als die Verschwörungstheoretiker immer wieder behaupten, unterdrücken die ernsthaften Medien keine Informationen.
Also:
Wenn ich diesen Text hier als Kommentar unter deinem Social-Media-Beitrag verlinkt habe, dann bin ich mit deiner Quelle nicht einverstanden. Ich frage mich auch, ob du ein Verschwörungstheoretiker bist, und du das bisher von mir verborgen hast. Oder ob ich es einfach nicht gemerkt habe.
Vielleicht ging es darum, eine Diskussion anzustossen?
Zu deinen Gunsten ziehe ich in Betracht, dass du nicht genügend nachgedacht hast. Vielleicht bist du nicht so medienkompetent, wie ich es erwartet habe. Es könnte sogar sein, dass du eine differenzierte Meinung hast und mit dem Mittel einer Provokation eine Diskussion anstossen wolltest. Das wäre unter Umständen in Ordnung. Aber dann müsstest du in deinem Text zum Link irgend eine entsprechende Andeutung machen.
Du solltest nicht vergessen, dass die Dinge, die du postest, mein Bild von dir prägen – und nicht nur meines, sondern auch das der anderen Leute in deinem Umfeld. Möchtest du als Verschwörungstheoretiker oder als Sympathisant dieser Szene wahrgenommen werden? Denn in einer Zeit, wo sich Berufliches und Privates immer mehr vermischt, könnte sich das auch negativ auf deine professionelle Reputation auswirken.
Wenn es ein einmaliger Ausrutscher war, Schwamm drüber. Aber wenn ich mehr solche Dinge lese, dann wird das unsere Beziehung belasten. Klar, es kann sein, dass dir das egal ist. Vielleicht bist du auf dem Weg zur Radikalisierung. Und dann ist es sowieso unvermeidlich, dass dir dahin nur ein winziger Teil deines Internet-Bekanntenkreises wird folgen wollen.
Falschinformationen sind niemals harmlos
Aber vielleicht bist du dir auch noch nicht so ganz bewusst, dass Verschwörungstheorien keine harmlose Unterhaltung sind: Keine Angst, da geht es dir wie vielen. Aber es wäre nun ein guter Moment, einmal darüber nachzudenken.
Fazit: Du hättest diesen Link nicht posten sollen. Fühl dich frei, ihn zu löschen. Oder deine Motivation zu erklären. Und auch eine Entschuldigung ist sehr in Ordnung.
Fussnoten
1) Ein Strohmann-Argument, wie es im Buch steht: Kein Klimaexperte behauptet, nur CO₂ sei schuld am Klimawandel; «Treibhausgase» wird jeweils im Plural verwendet und wer zuhört, hat zumindest auch von Methan oder Lachgas gehört. ↩
#Facebook #FakenewsDeepfakes #SozialeMedien #Verschwörungstheoretiker -
Diesen Link hättest du besser nicht gepostet
Das hier ist ein Beitrag, den ich für solche Fälle bereithalte wie der neulich bei Linkedin. Da hat ein Mann aus meiner Blase einen Link gepostet, den er besser nicht gepostet hätte. Ich kenne den Mann persönlich und schätze ihn in einem beruflich-fachlichen Kontext. Was er privat tut und für Ansichten hat, weiss ich nicht. Nun könnte man sagen, dass mich das auch nicht näher zu interessieren hat, weil unsere Beziehung rein professioneller Natur ist.
Soll mir dieser Mann erzählen, wie CO₂ und Klimawandel zusammenhängen?Nun leben wir in einer Zeit, wo sich Privates und Berufliches immer mehr vermischt. Darum fand er es wohl okay, einen Link zu posten, der schlecht in dieses professionelle Umfeld passt. Es handelte sich um einen Beitrag von KenFM, in dem es ums Klima geht. Abgebildet ist ein Mann, der so aussieht, wie ich mir einen Waldschrat vorstelle. Jedenfalls nicht wie der typische Klimaexperte. Der Kommentar des Freundes: «Soeben gehört. Das Umweltproblem ist weit komplexer, als man es uns verkaufen will.»
Also, die Ausgangslage: Dieser Link gehört mit ziemlicher Sicherheit zu der Sorte, die eine Gegenrede provozieren müsste. Denn er stammt von KenFM. Das ist eine Website, die nach eigenem Anspruch als «medialer Mülltrenner» auftritt, was allein schon ahnen lässt, dass man sie dem «alterntiven» Lager zuordnen muss. Wikipedia formuliert es vorsichtig:
KenFM gilt verschiedenen Quellen als Medium zur Verbreitung von Verschwörungstheorien.
Psiram wird deutlicher; im Beitrag über Ken Jebsen, der KenFM betreibt, steht:
Deutschlandweit bekannt wurde Jebsen 2011 durch seine Entlassung beim RBB, nachdem er verschwörungstheoretische Positionen vertreten hatte und der Vorwurf des Antisemitismus gegen ihn erhoben worden war. Jebsen ist Betreiber des Youtube-Internetkanals KenFM, wo er regelmässig seine Verschwörungstheorien verbreitet.
Was die Klimadebatte angeht, braucht man nur einmal kurz zu googeln, um festzustellen, dass KenFM ins Lager der Leugner gehört.
Inhaltlich dagegen anzustinken, macht zu viel Arbeit
Wenn man also auf inhaltlicher Ebene gegen den Link anstinken wollen würde, dann müsste man sich erst das verlinkte Video ansehen, es dekonstruieren, die Fehler finden, Quellen für die richtigen Fakten anführen und aufzeigen, warum man diesen Link so nicht stehen lassen kann und will.
Dafür fehlt mir erstens die Zeit. Und zweitens bringt es nichts, mit Verschwörungstheoretikern zu diskutieren. Wirklich: Es bringt nichts.
Darum tue ich das nicht. Was ich aber tue, ist kurz in Erfahrung zu bringen, wer der Waldschrat ist. Im Anriss zum Video heisst es: «Wolf-Dieter Storl ist ein Pionier der Permakultur, Ethnobotaniker, Kulturanthropologe und ein Gegner der allseits verbreiteten Meinung, CO₂ allein sei Schuld am Klimawandel¹.»
Über den Mann schreibt Spiegel.de:
Und selbstverständlich wird die Universität rituell geräuchert und gereinigt, bevor das Spektakel beginnt. Der Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl zieht dabei im Kreise seiner Anhänger um die Uni, um bei einem Feuerritual die Schamanen anzurufen. Zwischendurch erklingen Hörner und Trommeln. Der wissenschaftliche Geist muss schliesslich erfolgreich ausgetrieben werden.
An der Stelle darf man die Recherche getrost einstellen, ohne sich das Video zu Gemüte zu führen: Denn wieso sollte man sich den Klimawandel von einem Schamanen erklären lassen – zumal von einem, der den wissenschaftlichen Geist austreiben will? Ein Klimaexperte wäre offensichtlich die bessere Quelle. Und ich sehe keinen Grund, nicht ganz pauschal zu erklären, dass ich Quellen wie KenFM nicht in meinem Social-Media-Feed haben will.
Man darf verlangen, dass man problematische Inhalte nicht unreflektiert vor den Latz geknallt bekommt
Wüki nid. Ich will das Zeug nicht widerlegen und ich will es auch nicht lesen oder ansehen. Und ich möchte nicht, dass es unreflektiert geteilt wird, weil Verschwörungstheoretiker die Feinde der Wahrheit sind. Und Verschwörungstheorien ein gesellschaftliches Gift.
Deshalb verlange ich von den Social-Media-Nutzern in meinem Umfeld eine gewisse Quellenkritik. Wenn jemand einen Punkt rüberbringen will, dann soll er dafür einen Beleg in einem seriösen Medium suchen. Denn wenn es sich um eine Tatsache und nicht um irgend eine Fakenews, eine Verschwörungstheorie, Propaganda oder um ein Hirngespinst handelt, dann findet sich auch ein glaubwürdiger Beweis. Denn anders als die Verschwörungstheoretiker immer wieder behaupten, unterdrücken die ernsthaften Medien keine Informationen.
Also:
Wenn ich diesen Text hier als Kommentar unter deinem Social-Media-Beitrag verlinkt habe, dann bin ich mit deiner Quelle nicht einverstanden. Ich frage mich auch, ob du ein Verschwörungstheoretiker bist, und du das bisher von mir verborgen hast. Oder ob ich es einfach nicht gemerkt habe.
Vielleicht ging es darum, eine Diskussion anzustossen?
Zu deinen Gunsten ziehe ich in Betracht, dass du nicht genügend nachgedacht hast. Vielleicht bist du nicht so medienkompetent, wie ich es erwartet habe. Es könnte sogar sein, dass du eine differenzierte Meinung hast und mit dem Mittel einer Provokation eine Diskussion anstossen wolltest. Das wäre unter Umständen in Ordnung. Aber dann müsstest du in deinem Text zum Link irgend eine entsprechende Andeutung machen.
Du solltest nicht vergessen, dass die Dinge, die du postest, mein Bild von dir prägen – und nicht nur meines, sondern auch das der anderen Leute in deinem Umfeld. Möchtest du als Verschwörungstheoretiker oder als Sympathisant dieser Szene wahrgenommen werden? Denn in einer Zeit, wo sich Berufliches und Privates immer mehr vermischt, könnte sich das auch negativ auf deine professionelle Reputation auswirken.
Wenn es ein einmaliger Ausrutscher war, Schwamm drüber. Aber wenn ich mehr solche Dinge lese, dann wird das unsere Beziehung belasten. Klar, es kann sein, dass dir das egal ist. Vielleicht bist du auf dem Weg zur Radikalisierung. Und dann ist es sowieso unvermeidlich, dass dir dahin nur ein winziger Teil deines Internet-Bekanntenkreises wird folgen wollen.
Falschinformationen sind niemals harmlos
Aber vielleicht bist du dir auch noch nicht so ganz bewusst, dass Verschwörungstheorien keine harmlose Unterhaltung sind: Keine Angst, da geht es dir wie vielen. Aber es wäre nun ein guter Moment, einmal darüber nachzudenken.
Fazit: Du hättest diesen Link nicht posten sollen. Fühl dich frei, ihn zu löschen. Oder deine Motivation zu erklären. Und auch eine Entschuldigung ist sehr in Ordnung.
Fussnoten
1) Ein Strohmann-Argument, wie es im Buch steht: Kein Klimaexperte behauptet, nur CO₂ sei schuld am Klimawandel; «Treibhausgase» wird jeweils im Plural verwendet und wer zuhört, hat zumindest auch von Methan oder Lachgas gehört. ↩
#Facebook #FakenewsDeepfakes #SozialeMedien #Verschwörungstheoretiker