Im Zwiespalt ….
Im Zwiespalt – darüber wollte ich schon vor zwei oder drei Tagen schreiben, nachdem ich bei Facebook dieses Foto gesehen und an anderer Stelle einen Bericht darüber gelesen hatte:
(Über den nicht unumstrittenen Imam Benjamin Idriz des „islamischen Forums“ gibt diese Quelle Auskunft, wobei ein Forum nicht mit einer christlichen oder jüdischen Gemeinde gleichzusetzen ist. )
Der Zwiespalt betrifft die Forderung und den Sachverhalt der „freien Religionsausübung“. In Deutschland, darüber herrscht vermutlich Einigkeit, ist die freie Religionsausübung nicht nur durch das Grundgesetz garantiert, es gibt auch keine staatliche Gewalt, die Religionsgemeinschaften – gleich welcher Art – an der Ausübung ihrer Religion hindern würde, sofern die damit verbundenen Regularien ebenfalls durch das Grundgesetz und das „Bürgerliche Gesetzbuch“ gedeckt sind. Dass immer wieder mal Religionsgemeinschaften vom Verfassungsschutz unter Beobachtung gestellt werden, ändert nichts an der grundsätzlich gewährten Religionsfreiheit.
Als evangelisch freikirchlich sozialisierte Christin kann ich ein Lied davon singen, was „Freiheit der Religionsausübung“ bedeutet. In meiner Schulzeit wurde in den Klassenbüchern noch in der Rubrik „Bekenntnis“ die Religionszugehörigkeit aufgeführt, bei mir stand „evangelisch-freikirchlich“ und verstanden wurde es als „Sektenangehörige“, denn darauf sprachen mich Lehrer und später auch Mitschüler mit der Frage an: „Gehörst du zu einer Sekte?“ Baptisten, das ist die Freikirche, zu der ich bis heute gehöre, wurden lange Zeit als „Sekte und Sektierer“ verunglimpft und in den Anfängen des Baptismus in Deutschland sogar mit Strafen bedroht. (Quellen = Freikirchen, BEFG, Baptismus)
Für Baptisten galt von Anbeginn an die Trennung von Kirche und Staat und damit einhergehend die „Freiheit der Religionsausübung“,
Zitat: „Das Manifest des freien Urchristenthums an das deutsche Volk (Kurztitel: Manifest des freien Urchristent(h)ums, auch Köbners Manifest) ist eine 1848 erschienene Streitschrift der deutschen Baptisten. Sie richtete sich gegen das Staatskirchentum und forderte Religionsfreiheit – nicht nur für die Anhänger der eigenen Konfession, sondern „für Alle, seien sie Christen, Juden, Muhamedaner oder was sonst“.[1] (Quelle)
Religionsfreiheit für alle, seien sie Christen, Juden, Muhamedaner oder sonst was!
Dieser Satz sitzt! Sitz fest in meinem Gedächtnis und in meinem Selbstverständnis als religionsmündiger Bürger.
Natürlich musste ich SOFORT angesichts des Schildes daran denken – doch ebenfalls sofort stellten sich alle die Bedenken gegen diese beinahe enthusiastisch bejubelte Beschilderung ein, die sich im Laufe der letzten 20 Jahre durch die Beschäftigung mit „Islam“ und allen seinen Spielarten und Erscheinungsformen immer stärker herausgebildet hatten. Ich bin nicht mehr die unwissend-tolerante Frau, die ich noch vor 30 Jahren war und treuherzig vor allen Dingen den „Glauben an Gott“ sah, ich bin nicht mehr davon überzeugt, dass „wir doch alle an den gleichen Gott glauben“, ich verstehe „Islam“ auch nicht länger als eine ausschließlich religiöse Glaubensform, sondern sehe vielmehr das gesellschaftliche Machtgefüge, das „auch“ Religion ist, aber vor allen Dingen Ideologie zur Unterwerfung des gesamten privaten wie öffentlichen Lebens unter die von Koran und den dazugehörenden Schriften vorgegebenen Regeln. Meistens wird dieses Regelwerk in Diskussionen einfach auf den Begriff Scharia verkürzt, ohne aber die allumfassende Bedeutung wirklich zu kennen oder zu verstehen. Ich behaupte ausdrücklich nicht, Scharia in allen Dimensionen zu kennen, geschweige denn zu verstehen!
Dieses weit verbreitete „Nicht-Wissen“ über die Tiefe und Bedeutung von Islam behindert aber meinem Verständnis nach jede Auseinandersetzung zu der Frage, ob und wie Islam generell mit unserem Selbstverständnis eines gesellschaftlichen Miteinander kompatibel ist, das auf dem historisch gewachsenen westlich-christlich-jüdischen Menschenbild beruht.
Ich schließe bewusst und trotz der vielen, vielen furchtbaren Verfolgungen von Juden im Laufe der Jahrhunderte das „jüdisch“ in die Geschichte des alten Europa mit ein, weil die Ethik des Judentums unübersehbar in die europäische Kultur eingegangen ist und es zudem kein christliches Menschenbild OHNE die jüdische Basis gäbe, die doch – gleichsam wie in einem Brennglas fokussiert – im „Zehnwort“ nämlich, den „Zehn Geboten“, aufscheint, ergänzt durch die bekannten Worte der Seligpreisungen des jüdischen Jesus in dessen Bergpredigt und in DEM Gebet der Christen weltweit, dem „Vater Unser“.
„Avinu Malkenu, unser Vater, unser König“ heißt es in dem ergreifenden jüdischen Gebet.
Zitat: „Obwohl der Islam 99 Namen für Gott gefunden hat, findet sich die Anrede „Vater“ nicht in dieser Liste. Die Muslime können Allah nicht in gleicher Weise „Vater“ nennen, weil das für sie ein allzu menschlicher Begriff wäre, denn er bringt im üblichen Sprachgebrauch eine leibliche Beziehung zum Ausdruck.“ Quelle
Zitat: „Es ist nicht erlaubt zu Allah zu sagen: „Du bist mein Vater“, weil in dieser Aussage etwas Falsches erwähnt wird und in ihr ist die Trennung zwischen dem Weg der Muwahhidun (Monotheisten) und darin ist ein Vergleich zu den Juden und Christen.“ (Quelle)
Ich verstehe, dass viele Menschen in dem Bedürfnis nach einem harmonischen Miteinander die verbindenden Elemente stärker betonen möchten, als diejenigen, die trennscharf die Unterschiede herausstellen. Und ginge es um Frömmigkeit oder nur um den „privaten Glauben“ an welchen Gott auch immer, so fiele es mir vermutlich nicht schwer, auch das tolerante Miteinander zu sehen.
Aber die Realität in Deutschland spricht seit einigen Jahren eine andere Sprache. Es sind nicht die christlichen Freikirchen, aus deren Reihen Messerstecher oder Autofahrer hervorgehen, es sind auch nicht die Buddhisten, die aggressiv Vorteile für sich einfordern, wie sie beispielsweise für die Umsetzung der Bekleidungsregeln für muslimische Frauen eingeklagt werden (Mädchen, Lehrerin, Richterin mit Kopftuch, Burkinis in Freibädern), nicht wegen eifrig missionierender Katholiken müssen Volksfeste mit Pollern geschützt werden und Protestanten beklagen sich nicht darüber, dass in den Kitas der „katholische Nikolaus“ seinen Auftritt hat.
Ja, ja, ich weiß, die Errungenschaft einer freien und toleranten Gesellschaft trotz des über lange Jahre streng geführten Regiments beider Volkskirchen über Sitte, Anstand und Moral zu wachen, ist noch keine Jahrhunderte alte Tradition in Deutschland. Aber genau deswegen, und weil wir eine politische Geschichte haben, die sich nicht durch die Verteidigung demokratischer Strukturen hervorgetan hat, reagiere ich (hochsensibel, wie ich nun einmal bin) auf jeden noch so kleinen Hinweis, der für mich unübersehbar auf Schritte zur Islamisierung der Gesellschaft und den damit verbundenen Verlust der religiösen und demokratischen Freiheit hinweist, und sei es nur ein Schild am Straßenrand mit dem Symbol für eine Moschee und die Angabe der Gebetszeiten. (Wobei ich mir den kleinen Hinweis erlaube, dass die Gebetszeiten für alle Muslime überall gleich und in allen Städten der jeweiligen Zeitzone gelten, dafür bedarf es keines Schildes am Ortseingang! Christliche Gottesdienste aber unterliegen nicht strengen „Gebetszeiten“ und sind daher von Ort zu Ort und oft sogar innerhalb einer Stadt von Kirche zu Kirche verschieden.
Darum wird der Zwiespalt, den ich hinsichtlich des „Köbner’schen Manifests“ (s.o.) und angesichts eines immer mehr sichtbaren und fordernd auftretenden Islam empfinde, größer und größer!
Der terroristische Anschlag auf den CSD in Berlin am vergangenen Samstagabend macht das Problem nicht kleiner.
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