#ippenverlagsgruppe — Public Fediverse posts
Live and recent posts from across the Fediverse tagged #ippenverlagsgruppe, aggregated by home.social.
-
Eine andere Kultur – die FR habe ich nie verstanden
In meiner WG hatte einer die Frankfurter Rundschau abonniert. Er war unserem Hohn und Spott ausgesetzt – wie die SPD. Dabei war er gar kein Sozi, fand aber die Zeitung gut. Wenn sie es mal war, so war sie über die letzten 4-5 Jahrzehnte doch Opfer eines beständigen publizistischen Abstieges. Den Abgang des Chefredakteurs Wolfgang Storz 2006 verfolgte ich mit einigem Respekt. Ich hatte über Bekannte schon Anekdoten aus seiner Freiburger Jugend gehört. Bei der FR liess er sich – von mir ohne tiefere Kenntnisse nur von aussen betrachtet – den Rücken vom Verlag nicht krumm machen. Und ging.
Jahre später schlossen wir eine kleine publizistische Freundschaft. Er wurde Mitverleger (in einer 6er Gruppe) und Autor des Freitag und riskierte dort seine Altersversorgung. Die rettete ihm und den andern 5 dann Jakob Augstein, der den Laden inkl. seiner Altschulden übernahm. In dieser Phase waren wir Gesprächspartner und profitierten beide davon – weniger materiell als intellektuell. So jedenfalls meine Wahrnehmung.
Nun wurde ich durch diesen Hinweis von Storz auf ein Jubiläum der FR aufmerksam, das mir sonst vollständig entgangen wäre. Seit sie von der Ippen-Gruppe übernommen wurde, ist publizistisch fast nichts mehr übriggeblieben. Die Boulevardisierung ihres Online-Auftritts, das Vordringen der KI bei seiner redaktionellen Gestaltung, das Verdrängen und Ausscheiden von Überresten journalistischen Formats (jüngst in der bis dahin noch begrenzt satisfaktionsfähigen Sportredaktion) verursacht mir Übelkeit bei der Lektüre.
Noch spektakulärer vor mehr als drei Jahren der Zensurfall im Hause Ippen, der ihn schmerzfrei seine besten Rechercheur*inn*e*n verlieren liess. Und ihre Kosten. Das alles für gute Beziehungen zum Springerkonzern, seinem damaligen Revolverhelden und Spahn-Spezi Reichelt, der heute stolz auf den Abschuss einer Richterinnenkandidatin fürs höchste deutsche Gericht ist. Mann kenntsisch, mann hilftsisch.
Aber diese Story, die kannte ich nicht: “Alf Mayer: Warum wird Karl Anders bei der FR totgeschwiegen?”. Dieser Herr Anders schied bei der FR aus, als ich auf die Welt kam. Das gegen ihn gerichtete Totschweigen – bei mir war es erfolgreich. Bis heute, dank Storz.
Was hat der nur ausgefressen? Das wird mir aus diesen Texten nicht klar. Welche “silbernen Löffel” (= Metapher) hat er geklaut? Bei dem Ausmass dieses Totschweigens drängt sich mir die Frage auf: war es was Geheimdienstliches? Oder war es tatsächlich eine grauenhaft banale Parteifeindschaft (“Parteifreunde” sind meistens die Schlimmsten)? Als Nicht-Zeitgenosse bleibt die Story für mich komplett unverständlich. Eine andere Kultur.
-
Eine andere Kultur – die FR habe ich nie verstanden
In meiner WG hatte einer die Frankfurter Rundschau abonniert. Er war unserem Hohn und Spott ausgesetzt – wie die SPD. Dabei war er gar kein Sozi, fand aber die Zeitung gut. Wenn sie es mal war, so war sie über die letzten 4-5 Jahrzehnte doch Opfer eines beständigen publizistischen Abstieges. Den Abgang des Chefredakteurs Wolfgang Storz 2006 verfolgte ich mit einigem Respekt. Ich hatte über Bekannte schon Anekdoten aus seiner Freiburger Jugend gehört. Bei der FR liess er sich – von mir ohne tiefere Kenntnisse nur von aussen betrachtet – den Rücken vom Verlag nicht krumm machen. Und ging.
Jahre später schlossen wir eine kleine publizistische Freundschaft. Er wurde Mitverleger (in einer 6er Gruppe) und Autor des Freitag und riskierte dort seine Altersversorgung. Die rettete ihm und den andern 5 dann Jakob Augstein, der den Laden inkl. seiner Altschulden übernahm. In dieser Phase waren wir Gesprächspartner und profitierten beide davon – weniger materiell als intellektuell. So jedenfalls meine Wahrnehmung.
Nun wurde ich durch diesen Hinweis von Storz auf ein Jubiläum der FR aufmerksam, das mir sonst vollständig entgangen wäre. Seit sie von der Ippen-Gruppe übernommen wurde, ist publizistisch fast nichts mehr übriggeblieben. Die Boulevardisierung ihres Online-Auftritts, das Vordringen der KI bei seiner redaktionellen Gestaltung, das Verdrängen und Ausscheiden von Überresten journalistischen Formats (jüngst in der bis dahin noch begrenzt satisfaktionsfähigen Sportredaktion) verursacht mir Übelkeit bei der Lektüre.
Noch spektakulärer vor mehr als drei Jahren der Zensurfall im Hause Ippen, der ihn schmerzfrei seine besten Rechercheur*inn*e*n verlieren liess. Und ihre Kosten. Das alles für gute Beziehungen zum Springerkonzern, seinem damaligen Revolverhelden und Spahn-Spezi Reichelt, der heute stolz auf den Abschuss einer Richterinnenkandidatin fürs höchste deutsche Gericht ist. Mann kenntsisch, mann hilftsisch.
Aber diese Story, die kannte ich nicht: “Alf Mayer: Warum wird Karl Anders bei der FR totgeschwiegen?”. Dieser Herr Anders schied bei der FR aus, als ich auf die Welt kam. Das gegen ihn gerichtete Totschweigen – bei mir war es erfolgreich. Bis heute, dank Storz.
Was hat der nur ausgefressen? Das wird mir aus diesen Texten nicht klar. Welche “silbernen Löffel” (= Metapher) hat er geklaut? Bei dem Ausmass dieses Totschweigens drängt sich mir die Frage auf: war es was Geheimdienstliches? Oder war es tatsächlich eine grauenhaft banale Parteifeindschaft (“Parteifreunde” sind meistens die Schlimmsten)? Als Nicht-Zeitgenosse bleibt die Story für mich komplett unverständlich. Eine andere Kultur.
-
Eine andere Kultur – die FR habe ich nie verstanden
In meiner WG hatte einer die Frankfurter Rundschau abonniert. Er war unserem Hohn und Spott ausgesetzt – wie die SPD. Dabei war er gar kein Sozi, fand aber die Zeitung gut. Wenn sie es mal war, so war sie über die letzten 4-5 Jahrzehnte doch Opfer eines beständigen publizistischen Abstieges. Den Abgang des Chefredakteurs Wolfgang Storz 2006 verfolgte ich mit einigem Respekt. Ich hatte über Bekannte schon Anekdoten aus seiner Freiburger Jugend gehört. Bei der FR liess er sich – von mir ohne tiefere Kenntnisse nur von aussen betrachtet – den Rücken vom Verlag nicht krumm machen. Und ging.
Jahre später schlossen wir eine kleine publizistische Freundschaft. Er wurde Mitverleger (in einer 6er Gruppe) und Autor des Freitag und riskierte dort seine Altersversorgung. Die rettete ihm und den andern 5 dann Jakob Augstein, der den Laden inkl. seiner Altschulden übernahm. In dieser Phase waren wir Gesprächspartner und profitierten beide davon – weniger materiell als intellektuell. So jedenfalls meine Wahrnehmung.
Nun wurde ich durch diesen Hinweis von Storz auf ein Jubiläum der FR aufmerksam, das mir sonst vollständig entgangen wäre. Seit sie von der Ippen-Gruppe übernommen wurde, ist publizistisch fast nichts mehr übriggeblieben. Die Boulevardisierung ihres Online-Auftritts, das Vordringen der KI bei seiner redaktionellen Gestaltung, das Verdrängen und Ausscheiden von Überresten journalistischen Formats (jüngst in der bis dahin noch begrenzt satisfaktionsfähigen Sportredaktion) verursacht mir Übelkeit bei der Lektüre.
Noch spektakulärer vor mehr als drei Jahren der Zensurfall im Hause Ippen, der ihn schmerzfrei seine besten Rechercheur*inn*e*n verlieren liess. Und ihre Kosten. Das alles für gute Beziehungen zum Springerkonzern, seinem damaligen Revolverhelden und Spahn-Spezi Reichelt, der heute stolz auf den Abschuss einer Richterinnenkandidatin fürs höchste deutsche Gericht ist. Mann kenntsisch, mann hilftsisch.
Aber diese Story, die kannte ich nicht: “Alf Mayer: Warum wird Karl Anders bei der FR totgeschwiegen?”. Dieser Herr Anders schied bei der FR aus, als ich auf die Welt kam. Das gegen ihn gerichtete Totschweigen – bei mir war es erfolgreich. Bis heute, dank Storz.
Was hat der nur ausgefressen? Das wird mir aus diesen Texten nicht klar. Welche “silbernen Löffel” (= Metapher) hat er geklaut? Bei dem Ausmass dieses Totschweigens drängt sich mir die Frage auf: war es was Geheimdienstliches? Oder war es tatsächlich eine grauenhaft banale Parteifeindschaft (“Parteifreunde” sind meistens die Schlimmsten)? Als Nicht-Zeitgenosse bleibt die Story für mich komplett unverständlich. Eine andere Kultur.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger