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#draxelfriedrich — Public Fediverse posts

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  1. Kohleausstieg 2030 in Gefahr

    Fossilenergie-Lobbyistin Katherina Reiche steht schon wieder auf der Bremse

    Der in der schwarz-grünen Landeskoalition vor vier Jahren vereinbarte Ausstieg aus der umweltschädlichen Braunkohle ab 2030 steht plötzlich wieder infrage. Was ist geschehen? Offensichtlich nichts. Dabei war vereinbart, dass auf dem Weg zum vorgezogenen Kohleausstieg NRWs aus der schädlichen Braunkohle der Ausstiegsprozess durch Gutachten darüber begleitet werden solle, die sicherstellen, ob eine ausreichende Energieversorgung auch in Krisenzeiten gewährleistet ist.

    Neben Wind- und Solarkraft sowie der notwendigen Speichertechnik zur Überbrückung von Flauten sollen dabei auch neu zu errichtende Gaskraftwerke eine gewisse Rolle spielen. Darüber, so der verabredete Plan zwischen Bund und NRW, den grünen Wirtschaftsminister:innen Robert Habeck und Mona Neubaur, sollte 2026 ein Gutachten des BMWI erfolgen, das  für 2026 erwartet wurde, um die Sicherheit der Energieversorgung im Ausstieg zu untersuchen. Dieses Gutachten, so erklärte nun die Bundeswirtschaftsministerin, wolle man nicht mehr in diesem Jahr erstellen, sondern stattdessen die Ergebnisse der Ausschreibungen für neue Gaskraftwerke abwarten. Diese soll nicht vor November/Dezember 2026 erfolgen und die Ergebnisse werden voraussichtlich nicht vor März 2027 vorliegen.

    Kohleausstieg wird sich zwangsläufig verschieben

    Dies wiederum bedeutet, da der vorgezogene Kohleausstieg an die Aussagen von Gutachten geknüpft ist, von denen das in der Rede stehende, das eigentlich 2026 hätte erstellt werden sollen, sich nun verzögern wird, wie Expert:innen schätzen, Verschiebung bis mindestens bis 2033. Ursächlich ist der fossile Energiekurs von Katharina Reiche, die unbedingt neue Gaskraftwerke bauen will, um angeblich entstehende Energieerzeugungslücken zu schließen. Preiswertere und klimaschonendere Alternativen wären Batteriespeicher oder die Errichtung von Rückstaubecken und Speicherpumpkraftwerken an Gewässern, deren ökologischer Wert wesentlich größer wäre, als die gegenüber der Kohleverstromung “etwas weniger schlimmen” Gaskraftwerke, die auch mit dreckigem Fracking-Gas aus den USA betrieben würden. Diese Wirtschaftsministerin vertritt in allen Fragen der Klimakatastrophe Positionen der Beschwichtigung und Relativierung.

    Abgestimmte Strategie der Wirtschaftslobby?

    Das Verhalten der Wirtschaftsministerin wäre isoliert betrachtet noch als politische Einzelmeinung einer besonders unbelehrbaren Lobbyistin einzuordnen, gäbe es nicht deutliche Hinweise auf eine abgestimmte Strategie der Wirtschaftsinteressen. So lässt sich Monika Grimm, Vorsitzende des Rates der “Wirtschaftsweisen” zeitgleich diesen Samstag im Wirtschaftsteil des “Kölner Stadtanzeiger” folgendermaßen zitieren: “Deutschland klimaneutral – das ändert überhaupt nichts”. Womit sie in die alten Beschwichtigungsformeln zu Zeiten Helmut Kohls zurückfällt. Deutschlands CO2-Verbrauch sei im weltweiten Vergleich so niedrig, dass er doch gar nicht ins Gewicht fallle, die Wettbewerbsfähigkeit mit China, Indien und anderen Ländern sei doch viel entscheidender und man solle doch lieber Senkungen des CO2-Verbrauchs durch Kooperationen mit Staaten wie Brasilien, Indien und China erbringen. Lauter Argumente von vor-vorgestern.

    Wirtschaftslobbyistin Grimm fordert nicht weniger, als den Ausstieg aus der Klimapolitik

    Diese Argumentation fällt zurück in die finstersten umweltpolitischen Zeiten von Schwarz-Gelb der 90er Jahre vor der rot-grünen Koalition.  Grimm missbraucht ihre Stellung als “Wirtschaftsweise”, um die Klimapolitik der Bunedesregierung und Europas zu relativieren und zu torpedieren. Sie fordert mitten in der Hitzewelle offen, die Klimaziele aufzuweichen mit der kühnen Behauptung:  “Es kommt nicht darauf an, ob Deutschland 2045 oder 2050 klimaneutral wird. Die EU sollte 2050 als einheitliches Ziel verfolgen” und behauptet, “Kooperationsprojekte seien der günstigere Weg Emissionen zu reduzieren”. Günstig für wen? Die von ihr vertretenen Wirtschaftsinteressen natürlich. Was Grimm letztlich fordert, liefe entweder auf den Ausstieg Deutschlands aus dem Pariser Abkommen hinaus, auf die Verwässerung der Umweltziele der Europäischen Union oder auf beides.

    Grimms Radikalisierung für die gesamte Bundesregierung untragbar

    Eine Bundesregierung, die angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise eine solche “Expertin” als Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Beurteilung der Wirtschaftslage hat, braucht sonst keine Feinde mehr.  Dabei ist die Radikalisierung Grimms als immer offenere Vertreterin von Lobbyinteressen nicht das einzige Problem. Wie kompetent Grimm wirklich ist, sich zur aktuellen Transportkrise zu äußern, beweist sie auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Aufhebung des LKW-Fahrverbots an Wochenenden. Das hält sie nämlich für “durchaus” die richtige Antwort, während Logistikexperten im WDR am Freitag von “populistischem Unsinn” sprachen, weil weder die 150 LKW pro zu ersetzendem Binnenschiff in der Logistikbranche zur Verfügung stehen, noch die dafür bundesweit notwendigen zehntausenden von Fahrer:innen. Ganz abgesehen vom maximierten CO2-Ausstoß einer solchen fiktiven LKW-Flotte, wäre sie tatsächlich mobilisierbar.  Soviel “geballte Kompetenz” sitzt derzeit dem Rat der Wirtschaftsweisen vor.

    Forderung nach “Priorisierung” bestimmter Transporte

    Überhaupt nicht mehr marktwirtschaftlich argumentiert die ja durchaus schlaue Grimm dann in besagtem Interview auf die Frage, ob es denn Sinn mache, die Flüsse zu vertiefen. Auch sie weiss, dass man das “sorgfältig evaluieren und dabei die ökologischen Folgen berücksichtigen” müsse, denn “Vertiefung verschaffft ja kein zusätzliches Wasser”. Stattdessen fordert sie, die “Politik sollte daher auch Pläne für eine Priorisierung von Transporten ausarbeiten….In der Chemie gibt es Effekte, auch im Energiemarkt. Der Transport von Öl zu Raffinierien ist von den niedrigen Pegelständen betroffen. Die Preise werden bei verschiedenen Grundstoffen reagieren. Wie stark, hängt davon ab, welche Lagerkapazitäten von den Unternehmen jeweils aufgebaut wurden.” Politisch interessant dabei ist, dass Grimm keine Bedenken hat, in den Transport”markt” mittels “Priorisierung” durch die Politik einzugreifen – aber nicht vorschlägt, dass die Industrie etwa durch entsprechende Vorratshaltung und Lagerung künftige Engpässe vermeiden soll.

    Wirtschaftsweise für Dirigismus zugunsten der Öl- und Chemielobby

    Diese Forderungen Grimms stehen nicht zufällig im krassen Gegensatz zur Forderung Dr. Axel Friedrichs im gestrigen Interview, die Transporte von Öl und Kraftstoffen per Schiff, Bahn und LKW durch beschleunigten Umstieg zur Elektromobilität schnellstmöglich zu reduzieren. Sie entlarven die Wirtschafts”weise” als in der Wolle gewaschene Lobbyistin der fossilen Chemie- und Energiewirtschaft. Ihre ökonomische Kompetenz ist nicht wissenschaftsgetrieben, sondern interessegeleitet. Der massive Angriff der fossilen Industrie auf die Umweltpolitik der Bundesregierung, mit der massiven Kampagne der CDU/CSU, der Öl- und Chemielobby mit Unterstützung der Springer-Presse gegen die Ampel-Regierung, hat mit den Regierungswechsel nicht aufgehört. Er geht weiter und ist – wie in den USA durch Big Oil auf die Revision der Klimapolitik gerichtet. Es ist kein Spiel, sondern es geht um die Kernfrage unserer Zukunft. Überleben der Menschheit durch Stoppen des Klimawandels  gegen Erhalt der Profite der fossilen Wirtschaft, für die Donald Trump, die MAGA-Ideologie, die US- Tech-Oligarchen und Vladimir Putin Seite an Seite kämpfen. Reiche wie Grimm sind dabei keine Unbeteiligten, sondern mittendrin – und stehen auf der falschen Seite.

    Zurück zum Ausgangspunkt: NRW-Wahlkampf 2027 wird spannend

    Vor dem Hintergrund dieser ökonomischen Ausgangs- und Gemengelage wird es im kommenden Jahr um die Wiederwahl der schwarz-grünen Koalition in NRW geben. Wird der Konsens des vorgezogenen Kohleausstiegs 2030 duch Reiches Handeln gesprengt, werden Grüne und CDU in ihrer friedlichen Harmonie, bei der zwischen Wirtschaftsministerin Mona Neubauer und Hendrik Wüsst kein Blatt Papier passt, möglicherweise unangenehm gestört. Gleichzeitig gibt es zu lösende Infrastrukturprobleme, bei Straße, Schiene und Wasserstraßen. Keine andere politische Konstellation wird die im Interesse des Landes besser lösen können, weil die SPD inkompetent, die FDP substanzlos und die Linke ohne jede parlamentarische Erfahrung ist.

  2. Fremdschämen I: Merz auf dem Klimagipfel

    Wir wissen nicht, ob er, während er seine zweistellige Zahl von Aufsichtsratsmandaten absaß, auch vom Klimagipfel geträumt hat. Greenpeace war jedenfalls nicht auf der Liste seiner freiwillig Unterhaltspflichtigen. Darauf standen laut “Lobbypedia” dagegen Aufsichtsratsmandete bei

      • AXA Konzern (Vorsitzender des Beirats und des Aufsichtsrats)
      • BASF Antwerpen N.V. (Mitglied des Verwaltungsrats)
      • Commerzbank (Mitglied des zentralen Beirats)
      • DBV-Winterthur Holding (Mitglied des Aufsichtsrats)
      • Interserhoh AG (Mitglied des Aufsichtsrats)
      • IVG Immobilien AG (Mitglied des Aufsichtsrats)

    • Stadler Rail AG, Bussnang/Schweiz (Mitglied des Verwaltungsrats)
    • WEPA Industrieholding SE (Mitglied des Aufsichtsrats)
    • Council on Public Policy (Mitglied des Kuratoriums)
    • Gesellschaft zum Studium strukturpolitischer Fragen (Stellv. Vorsitzender)
    • Industrie-Pensionsverein IVP (Mitglied des Verwaltungsrats).[25]

    Also beste Voraussetzungen, um auf dem Weltklimagipfel als Bundeskanzler mal so richtig konsequent gegen den Klimaleugner Donald Trump “die Sau rauszulassen” – die Staaten des Südens und die untergehenden Inseln im Südpazifik hätten einen ganz anderen Eindruck von Deutschland gewinnen können. Aber leider hat Friedrich Merz nur wieder gezeigt, dass er “den Schuss nicht gehört” hat.

    Fremdschämen auf dem Klimagipfel

    Fremdschämen: Da hat der Gastgeber, Präsident Lula vor Monaten einen innovativen und sogar kapitalistischen Vorschlag gemacht, das Weltklima zu retten, indem ein starker Weltklimafonds mit privater Beteiligung (Merz’ Friends) aufgelegt wird. Und obwohl der Aufruf und die Bedingungen seit über acht Monaten bekannt sind, fuhr der Bundeskanzler nach Brasilien, um zu erklären, “dass man die Bedingungen des Fond noch prüfen müsse”, die seit achtMonaten auf dem Tisch liegen. Die Ankündigung, dass Deutschland sich mit einem “nennenswerten Betrag” – Frankreich sagte 500 Mio Euro, Indonesien (!) 1 Mrd. Euro zu – beteiligen wolle, ist doch nur noch peinlich!

    Auf einer Konferenz, auf der früher Deutschland dank grüner Politik als Vorreiter aufgetreten war, angesichts der immer noch viertgrößten Wirtschaftsmacht des Planeten und angesichts der Tatsache, dass Merz gerne auch innerhalb der EU eine “Führungsrolle” hätte – was für ein geschwurbel! Was für eine Herumeierei! Im Jahr 2025 und angesichts des verfehlten 1,5°-Ziels und einer Erderwärmung von mindestens 2,8°C bis 2100!

    Merz’ im “Land of Dreaming”  neben der Wirklichkeit

    Wenn der Bundeskanzler über Mittel zur Bekämpfung des Klimawandels redt, fällt ihm nichts anderes ein, als die ideologische Formel von der “Technologieoffenheit” immer wieder aufzuwärmen. Als ob der CO2-Ausstoß mit Wattebäuschchen abgefangen werden könnte und die Verbrenner-Emissionen demnächst mit französischem Parfum veredelt werden könnten!

    Tatsache ist doch, dass die gepriesene CO2-Abscheidetechnik ein physikalisch horrende Energiemengen verbrauchendes Verfahren ist, das ein Vielfaches an Kraftwerks- und Energieleistungen erfordert – also beisst sich hier die Katze rein naturwissenschaftlich in den Schwanz! Genauso abwegig ist ja die Verschiebung des Verbrennerverbots in der EU. Denn das Verbot, Verbrenner einzuführen, wird im Hauptexportland der deutschen Autoindustrie, nämlich China, keinesfalls fallen. Bei Exportraten von 40-60% und mehr von Mercedes-Benz, Volkswagen/Audi und BMW ist die ganze Diskussion über angebliche Technologieoffenheit völlig irrelevant, um der Wirtschaft irgend etwas zu helfen.

    Lobbymeinung statt Sachverstand und Innovation

    Ein Grundübel deutscher Technologiepolitik ist, dass einer der wichtigsten Verbände der Industrie, der VDA (Automobilindustrie), nicht von Fachleuten, sondern politisch entsorgten CDU-Funktionär:innen beherrscht wird. Jahrzehntelang war das (2007-2018) Matthias Wissmann Ex-MdB und JU-Vorsitzender und seit 2020 Merkels Ex-Kanzleramtsmitarbeiterin Hildegard Müller. Sie behandeln das Thema etwa so, wie Christian Lindner, der wohl befürchtete, eines Tages seinen alten Porsche nicht mehr fahren zu können, obwohl das in keinem Gesetz stand.

    Ideologie vor Sachverstand

    Wäre “Technologieoffenheit” von CDU und CSU ernst gemeint, würden Merz und Reiche ganz konkret darüber reden, ob es in Zukunft sinnvoll sei, kleine Verbrennungsmotoren mit 20-40 kW als Ladeaggregate in Autos statt E-SUVs und E-Giganten einzubauen, um von den gegenwärtigen, sozial unerschwinglichen  3,5 Tonnen-Monstern wegzukommen. Die es vor allem gibt, weil viele Automobilisten befürchten, irgendwo ohne Ladesäule in der “Pampa” liegen zu bleiben. Die Befürchtung ist ebenso irrational, wie im Bezug auf die Akzeptanz der E-Mobilität real. Deshalb wäre es wichtig, zu kleinen, leichten E-Fahrzeugen wie Polo, Fiesta, und Astra zurückzukommen,  die einmal das Rückgrat der deutschen Automobilindustrie ausmachten, weil sie sozial und erschwinglich waren – für alle. Und die hätten dann einen kleinen, nur in Notfällen anspringenden Ladegenerator auf Benzinbasis.

    Das ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern das sagt Dr. Axel Friedrich – ja, DER Axel Friedrich, der sie alle beim Schummeln der Diesel-Software zur Beschönigung der Emissionswerte erwischt hat.

  3. Her mit der Klimaschuldenbremse!

    Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts hat der Ampelregierung in den vergangenen Wochen viel Verdruß bereitet. Kein Zweifel: Die reaktionäre Interpretation des Urteils der Verfassungsgerichts durch CDU/CSU, AfD und die Mehrheit der Springer- und Hauptstadtpresse hat einen wesentlichen Punkt ignoriert: Das Bundesverfassungsgericht selbst hat den Klimaschutz in seinem Urteil über die Zukunftschancen der zukünftigen Generationen ganz nach vorn gestellt. Liest man beide Urteile noch einmal nach, bleibt eine klare Priorität:

    Klimaschulden gehen vor Haushaltsschulden!

    Die wochenlange, zum Teil ins Absurde abdriftende Diskussion um die Schuldenbremse im Grundgesetz hat die Aufmerksamkeit auf die unterschiedlichen Arten von Schulden geschärft. Denn verfallende Schulgebäude, defekte und vor dem Zusammenbruch stehende Brücken, verrottende Gemeindestraßen, zerstörte Bahninfrastruktur, kaputte Spielplätze und Jugendclubs, Hörsäle, in die es hineinregnet, sind auch Schulden, die wir unseren Kindern und Nachfahren hinterlassen. Ob es die Autobahnbrücke der A1 bei Leverkusen oder die Rahmede-Brücke auf der A45 ist, die öffentlichen Haushalte haben schmerzhaft erfahren müssen, dass die neoliberale Austeritätspolitik Merkels und vieler Landesregierungen die Zerstörung der Infrastruktur zugelassen haben.

    Auch Infrastrukturschulden sind Haushaltsschulden

    Die neoliberalen Zerstörer der Sozialsysteme und Infrastrukturen haben seit 1980 versucht, der Öffentlichkeit in den kapitalistischen Ländern einzureden, dass es billiger sei, die öffentliche Infrastruktur zu privatisieren, um sie überall, wo keine Profite zu erwirtschaften waren, verrotten zu lassen. Nach 40 Jahren dieser Politik hat dies die kapitalistischen Gesellschaften in Milliardendefizite gestürzt, die sich nicht in negativen Kontenständen manifestieren, sondern in allgemeinem Zerfall. Springbrunnen, die trockenliegen, Schwimmbäder, die abrissreif sind, ebenso Brücken, öffentliche Gebäude und Bushaltestellen, Schulen und Hochschulen, sowie Bibliotheken und Rathäuser, aber auch Stadthallen: Rost und bröckelnder Beton.  Marode Versorgungsanlagen ob Wasser, Strom, Heizung  oder Klima, verbogene Schienen, eingefrorene Weichen, schlaglöchrige Straßen, vereinsamte Innenstädte und verslumte Wohngebiete, weil sich bisher keine Kommune getraut hat, Immobilieneigentümer und Konzerne an die Sozialpflichtigkeit von Eigentum in Artikel 14 Grundgesetz zu erinnern und mangels Reaktion von Artikel 15 Grundgesetz Gebrauch zu machen und kriminelle Investmentgesellschaften zu enteignen.

    Diese Schulden werden geduldet, obwohl sie unter die Schuldenbremse fallen

    Diese Beispiele machen klar, dass die derzeit einseitige Interpretation der Schuldenbremse durch Friedrich Merz und Co. ein absurder Versuch ist, die Austeritätspolitik der Ära Schäuble/Merkel zu verklären und fortzusetzen. Dabei darf gezweifelt werden, ob die Haushaltspolitik von 2010-2020 und die sogenannte “schwarze Null” nichts anderes waren, als ein zufälliges Zusammentreffen von Niedrigzinsen (bis hin zu historisch einmaligen Negativzinsen) einerseits und einer  Konjunktur- und Wirtschaftsaufschwungphase, die dem Staat völlig unerwartete Milliardeneinnahmen bescherte, und dieser, anstatt die marode Infrastruktur zu sanieren, Investitionsverweigerung praktizierte.  Das Ergebnis belastet die Haushalte heute um ein Vielfaches. Die größte ideologische Dummheit dieser Zeit geht allerdings auf Angela Merkel zurück. Ihr Haushaltsvergleich mit der “schwäbischen Hausfrau” ist völlig absurd, denn weder gehen Staatshaushalte in Rente, noch sterben sie – im Gegensatz zur “Hausfrau”. Trotzdem hat sich dieser Unsinn tief ins kollektive Unterbewusstsein der Bevölkerung eingebrannt.

    Investitionsverweigerung kostet “nur” ein Vermögen

    Diese Form der Schuldenanhäufung wird von der “Schuldenbremse” nicht erfasst, müsste aber allein schon deshalb berücksichtigt werden, weil – Immobilienbesitzende kennen das – nicht reparierte Schäden an der Substanz immer teurer werden, wird nicht rechtzeitig investiert und repariert. Während jedoch solche Schulden lediglich finanzielle Schäden nach sich ziehen, ist das bei Klimaschulden völlig anders. Werden durch unterlassene Klimaschutzmnaßnahmen und CO2 Verminderungen immer mehr Klimaschulden angehäuft, werden nicht nur Kompensationsmaßnahmen immer schwieriger und teurer, sondern durch das Erreichen von “Kipppunkten” irreversibel und vervielfacht den Schaden. Klimaschulden kosten nicht nur Geld, Vermögen und belasten die öffentlichen Haushalte, Unternehmen und private Personen. Ihre Anhäufung kostet Leben. Leben von Menschen, Leben von Arten, die aussterben, Leben von Verunglückten wie an der Ahr und an anderen Orten von Naturkatastrophen. Sie gefährden hunderte Millionen Menschenleben in niedrigen Küstenregionen weltweit und bringen Inseln schon heute zum Versinken. Sie kosten Milliarden Versicherungssummen, die irgendwann nicht mehr aufzubringen sein werden.

    Deshalb die Klimaschuldenbremse

    Weil nichts zu tun die fortschreitende Klimakrise nur noch teurer werden lässt, bedarf es dringend einer Klimaschuldenbremse. Wenn sie durch die Politik nicht selbst eingerichtet wird, muss sie – zunächst in Deutschland – verfassungsrechtlich erklagt werden. Die Voraussetzungen dafür stehen gar nicht schlecht. Denn das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Klimaurteil deutlich gemacht, dass eine vorsorgende, die Klimakrise mit allen möglichen Mitteln abmildernde oder verzögernde Politik verfassungrechtlich zum Schutz der jungen und heranwachsenden Generationen geboten ist. Und dieses Gebot geht weit über die Haushaltsschuldenbremse hinaus. Sollten Bundestag und Bundesrat dem nicht Rechnung tragen, werden dies Umweltverbände erklagen können. Für die Ampelkoalition droht dann die nächste Blamage. Die Idee ist nicht von mir, sondern von einem Experten, der die meisten Schummel-Softwareeinbauer erwischt hat, dem wir alle eine Reduzierung der Feinstaubbelastung in den Städten zu verdanken haben und mit dem ich schon 2001 die Ehre hatte, in der letzten Reihe des DaimlerChrysler “Environmental Forum Magdeburg” gegen die kurz darauf gescheiterten Agrardiesel-Pläne mit Jathropha in Indien zu randalieren: Dr. Axel Friedrich heisst der Freund, der nicht aufhört, unbequem zu sein und erfolgreich weiter zu kämpfen. Mach weiter so! Schöne Weihnachten, lieber Axel – und allen Leserinnen und Lesern auch!

    Über Roland Appel:

    Roland Appel ist Publizist und Unternehmensberater, Datenschutzbeauftragter für mittelständische Unternehmen und tätig in Forschungsprojekten. Er war stv. Bundesvorsitzender der Jungdemokraten und Bundesvorsitzender des Liberalen Hochschulverbandes, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP bis 1982. Ab 1983 innen- und rechtspolitscher Mitarbeiter der Grünen im Bundestag. Von 1990-2000 Landtagsabgeordneter der Grünen NRW, ab 1995 deren Fraktionsvorsitzender. Seit 2019 ist er Vorsitzender der Radikaldemokratischen Stiftung, dem Netzwerk ehemaliger Jungdemokrat*innen/Junge Linke. Er arbeitet und lebt im Rheinland. Mehr über den Autor.... Sie können dem Autor auch im #Fediverse folgen unter: @[email protected]

  4. Frau Müllers Unverschämtheit

    Hildegard Müller ist Geschäftsführerin des VDA, der obersten Lobbyorganisation der Autoindustrie, und gehört zu den finanziell bestausgestattetsten Lobbyist*inn*en in Berlin. Sie äußert zur Eröffnung der IAA  die steile These, die Politik sei schuld, dass die deutsche Autoindustrie derzeit droht, bei der Elektromobilität ins Hintertreffen zu kommen. Die IAA sei […]

    https://extradienst.net/2023/09/08/frau-muellers-unverschaemtheit/