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AnySci - Wissenschaft für Jedermann

  1. Ein Schwimmer aus dem Jura

    Vor rund 165 Millionen Jahren lebte im heutigen China ein kleiner, pelziger Jäger, der sich auf die Nahrungssuche im Wasser spezialisiert hatte.

    Mit einer Körperlänge von etwa 50 Zentimetern und einem Gewicht von rund zwei Kilogramm gehörte er zu den größten bekannten Säugetiervorläufern seiner Zeit. Man könnte ihn sich in etwa wie einen Otter vorstellen, der Eier legt.

    Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Bonn hat über 10 Jahre ein außergewöhnlich gut erhaltenes Fossil untersucht und diese neue Art beschrieben.

    Sie gaben ihm den Namen Megacauda sungei. Namensgebend war neben dem "großen Schwanz" des Fossils eine Würdigung von Professor Sun Ge, die unter anderem Ehrendirektorin des Paläontologischen Museums von Liaoning ist.

    Die Ergebnisse der langen Analyse wurden in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

    Megacauda gehörte zu den Docodonten, einer ausgestorbenen Gruppe früher Säugetierverwandter.

    Mithilfe von Computertomographie und anatomischen Vergleichen rekonstruierten die Forschenden seine Lebensweise. Der abgeflachte Schwanz und die besonderen Gliedmaßen lassen vermuten, dass das Tier mit den Vorderbeinen paddelte und den Schwanz zur Fortbewegung einsetzte. Nach hinten gebogene Zahnspitzen halfen vermutlich dabei, glitschige Beutetiere festzuhalten.

    Die eigentlich spannende Entdeckung betrifft jedoch den Rachenraum. Bei heutigen Säugetieren ermöglichen das Gaumensegel und ein komplexer Zungenbeinapparat das kontrollierte Schlucken, ohne dass Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangen. Diese Fähigkeit ist besonders wichtig für Jungtiere, die Muttermilch saugen.

    Bei Megacauda fanden die Forschenden knöcherne Strukturen, die auf einen bereits weit entwickelten Schluckapparat schließen lassen. Demnach könnten wesentliche anatomische Voraussetzungen für das Saugen und Schlucken schon bei den gemeinsamen Vorfahren der Docodonten und der heutigen Säugetiere entstanden sein.

    Das Fossil liefert damit wichtige Hinweise darauf, wie sich der für Säugetiere charakteristische Mund-Rachen-Raum entwickelte.

    Gleichzeitig zeigt der Fund, wie vielfältig die frühen Säugetierverwandten bereits im Jura waren. Während einige Docodonten auf Bäumen oder unter der Erde lebten, hatte Megacauda den Lebensraum Wasser erschlossen.

    Ich finde solche Einblicke in die ferne Vergangenheit der Erde immer weder unglaublich spannend. Als würde man einen anderen Planeten bestaunen.

    Quelle:
    Li et al., 2026, Nature
    “A Jurassic mammaliaform swimmer and transformation of the mammalian pharynx”
    doi.org/10.1038/s41586-026-111

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