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Vom Papier zum Pixel: Eine Führung durch die Retrodigitalisierung
Anlässlich des bundesweiten Digitaltags am 26. Juni 2026 veranstaltete das Team Retrodigitalisierung der TIB für Interessierte eine Führung am TIB-Standort Rethen. Es ging durch die Retrodigitalisierung und einenTeil des 16.000 m² großen Magazins. Die Teilnehmenden hatten die Gelegenheit, einen Überblick über die Arbeit der Retrodigitalisierung zu bekommen und erhielten einen näheren Einblick in den Altbestand der TIB. Trotz der heißen Temperaturen von 35° Celsius kamen 21 angemeldete Personen zu der Führung nach Rethen.
Zur Geschichte des Standorts TIB Rethen
Nach der Begrüßung begann die Führung mit der Vorstellung des TIB-Standorts Rethen, der 2002 als Außenmagazin bezogen wurde: Das Gebäude entstand 1970 als Industriegebäude. Der Vormieter war ein Teppichgroßhandel, sodass vor dem Einzug der TIB noch einiges an Umbaumaßnahmen zu bewerkstelligen war, damit das Gebäude die Anforderungen einer Bibliothek erfüllt. Im Jahr 2008 wurde das Gebäude noch um einen Anbau erweitert, da die Fläche für die vielen Bücher und anderen Materialien nicht ausreichend war. Im Magazin befinden sich Bestände der TIB, des Archivs der TIB/Universitätsarchiv Hannover und der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB). Der geschätzte Bestand der TIB umfasst etwa 5,5 Miollionen Bände.
Der Standort TIB RethenAnschließend bekamen die Besucher:innen in den „schön“ warmen Räumlichkeiten einen Einblick in die Arbeit der Retrodigitalisierung. Es gab Antworten auf die Fragen, wer welche Bestände zur Digitalisierung auswählt, was digitalisiert wird, welche Scanner zur Verfügung stehen und noch viele mehr.
Der Digitalisierungsprozess
Der Digitalisierungsprozess besteht aus mehreren Schritten, an denen verschiedene Teams der TIB mitwirken. Es ist mehr, als nur das Buch auf den Scanner zu legen: Auch Aufgaben wie zum Beispiel die Erfassung von Metadaten, Schadenserhebung der Bücher, Qualitätskontrolle der Scans, OCR (der Text auf den Scans wird maschinenlesbar gemacht), Erstellung eines elektronischen Inhaltsverzeichnisses gehören dazu. Erst nach der Arbeit mehrerer Tage oder ggfs. sogar Wochen kann ein Werk in unserem Viewer online veröffentlicht werden.
Scanraum mit drei Scanner-Modellen: Cobra (110°-Öffnungswinkel), Ultra (180°-Öffnungswinkel), Flash (Großformatescanner)Einzugsscanner für lose BlätterNach der Besichtigung der Scanner und der aktuellen Digitalisierungsbestände, wechselte die Gruppe nach etwa einer Stunde in das kühlere Magazin, um dort verschiedene Stationen anzuschauen. Die Besucher:innen bewunderten zunächst die schiere Größe des Magazins.
Im MagazinStation 1: Quarantäneraum
Der Quarantäneraum ist die erste Anlaufstelle für Geschenke an die TIB oder Beständen aus Instituten, die in die TIB eingegliedert werden. Hier werden die neu dazugekommenen Materialen begutachtet und ggfs. auf der Werkbank gesäubert. Danach verweilen die Bestände ein paar Wochen im Quarantäneraum, damit sichergestellt ist, dass mit ihnen keine Papierfischen ins Magazin geholt werden. Papierfischen ernähren sich von Papier und können großen Schaden anrichten, was auf jeden Fall verhindert werden soll.
Der QuarantäneraumStation 2: Großformate
Großformate werden wegen ihrer Größe separat gelagert. Da Großformate anfälliger für Beschädigungen sind, ist die Lagerung eine besondere Herausforderung. Die optimalste Lagerung ist die liegende Aufbewahrung in Schutzverpackung. Diese kostet jedoch viel Platz und Geld. Deshalb ist bis jetzt noch die häufigste Lagerung stehend ohne Schutzverpackung. Die TIB plant, sich dieser Problematik in naher Zukunft anzunehmen.
Großformate stehend gelagert ohne SchutzverpackungGroßformate liegend gelagert mit SchutzverpackungStation 3: Lektriever
Aus dem FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur haben wir einen großen Mikroformbestand übernommen, der in drei Lektrivern aus den 1970er und 1980er Jahren aufbewahrt wurde. Ein Lektriever ist ein automatisiertes Aufbewahrungssystem, genauer ein vertikales Paternoster-System. Dadurch lässt sich extrem viel Material auf kleiner Fläche lagern. Da jedoch die Wartung sehr kostenintensiv ist, kaum noch Ersatzteile zur Verfügung stehen und sie nicht brandschutzkonform sind, werden die Lektriever demnächst abgebaut.
Die etwa 1,2 Millionen gelagerten Mikroformen wurden dafür aus den Lektrievern in säurefreie Schutzverpackungen umgebettet und in Regale im oberen Magazin umgelagert. Mittlerweile ist die Umlagerung abgeschlossen und die Mikroformen sind auf etwa 156 Regalmetern im Magazin untergebracht.
LektrieverSchutzverpackung für die Mikrofiche aus dem LektrieverStation 4: Digitalisierter Bestand bei der Signatur klein-a
Wir digitalisieren neben anderen Projekten auch Werke aus der Signatur klein-a im Altbestand. In diesem Bereich finden sich viele Bände, die sich in Niedersachsen nur noch einmal im Besitz einer Bibliothek befinden. Die TIB hat die Archivierungsverantwortung für diese Werke übernommen. Dazu gehört auch, dass diese Werke digitalisiert und der Zustand der Werke dokumentiert wird. Bei dieser Signatur wurden bisher über 4.000 Bände bearbeitet.
Für einen Großteil dieser Bände wurden von der Buchbinderei der TIB neue Signaturschilder und Schutzumschläge hergestellt. Kleinere Reparaturen wie das Einkleben loser Seiten oder die Befestigung loser Buchrücken werden in der Buchbinderei ebenfalls durchgeführt. In den Regal sind viele orangfarbene Zettel zu sehen, die jeweils für ein Buch stehen, das vermisst wird. Bei einem so großen Bestand sind Verluste leider nicht zu vermeiden und es reicht schon, wenn ein Buch falsch eingestellt wurde, dass das Buch für lange Zeit oder gar nicht mehr auffindbar ist.
Orangefarbende Zettel in den Regalen weisen auf vermisste Bücher hinStation 5: IWF-Filme (Institut für den Wissenschaftlichen Film)
Das Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) wurde 2010 abgewickelt. 2012 übernahm die TIB den IWF-Bestand, darunter circa 11.000 Filmtitel (mit Master und Kopien sind es etwa 33.000 physische Einheiten) sowie deren Produktionsakten. Die Filme wurden für Schulungs- und Forschungszwecken gedreht. Ein Teil der Filme wurde bei einem externen Dienstleister digitalisiert und ist im TIB AV-Portal zu finden. Um sich die Filme physisch anschauen zu können, steht im Magazin ein sogenannter 4-Tellertisch, an dem sich zwei Filme gleichzeitig anschauen lassen.
Filmrollen am Standort TIB-Rethen4-TellertischStation 6: Digi-Beta-Bänder
Die Digi-Beta-Bänder waren ein weitverbreitetes Speichermedium in der Fernsehtechnik. Als Teil des IWF-Bestandes kamen circa 4.000 Magnetbänder nach Rethen. Die Digi-Beta-Bänder haben Ähnlichkeit mit Videokassetten.
Digi-Beta-BänderNach etwa zwei Stunden war die Führung beendet. Wer wollte, konnte noch weitere Fragen stellen oder sich ausgewählte Alte Drucke (ca. 1500-1850) der Sammlung Albrecht Haupt anschauen (siehe Blogbeitrag Titelblätter der Sammlung Albrecht Haupt).
Alte Drucke (ca. 1500-1850) der Sammlung Albrecht Haupt #Retrodigitalisierung #TIBRethen #Magazinbestände #Bibliotheksführung -
Vom Papier zum Pixel: Eine Führung durch die Retrodigitalisierung
Anlässlich des bundesweiten Digitaltags am 26. Juni 2026 veranstaltete das Team Retrodigitalisierung der TIB für Interessierte eine Führung am TIB-Standort Rethen. Es ging durch die Retrodigitalisierung und einenTeil des 16.000 m² großen Magazins. Die Teilnehmenden hatten die Gelegenheit, einen Überblick über die Arbeit der Retrodigitalisierung zu bekommen und erhielten einen näheren Einblick in den Altbestand der TIB. Trotz der heißen Temperaturen von 35° Celsius kamen 21 angemeldete Personen zu der Führung nach Rethen.
Zur Geschichte des Standorts TIB Rethen
Nach der Begrüßung begann die Führung mit der Vorstellung des TIB-Standorts Rethen, der 2002 als Außenmagazin bezogen wurde: Das Gebäude entstand 1970 als Industriegebäude. Der Vormieter war ein Teppichgroßhandel, sodass vor dem Einzug der TIB noch einiges an Umbaumaßnahmen zu bewerkstelligen war, damit das Gebäude die Anforderungen einer Bibliothek erfüllt. Im Jahr 2008 wurde das Gebäude noch um einen Anbau erweitert, da die Fläche für die vielen Bücher und anderen Materialien nicht ausreichend war. Im Magazin befinden sich Bestände der TIB, des Archivs der TIB/Universitätsarchiv Hannover und der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB). Der geschätzte Bestand der TIB umfasst etwa 5,5 Miollionen Bände.
Der Standort TIB RethenAnschließend bekamen die Besucher:innen in den „schön“ warmen Räumlichkeiten einen Einblick in die Arbeit der Retrodigitalisierung. Es gab Antworten auf die Fragen, wer welche Bestände zur Digitalisierung auswählt, was digitalisiert wird, welche Scanner zur Verfügung stehen und noch viele mehr.
Der Digitalisierungsprozess
Der Digitalisierungsprozess besteht aus mehreren Schritten, an denen verschiedene Teams der TIB mitwirken. Es ist mehr, als nur das Buch auf den Scanner zu legen: Auch Aufgaben wie zum Beispiel die Erfassung von Metadaten, Schadenserhebung der Bücher, Qualitätskontrolle der Scans, OCR (der Text auf den Scans wird maschinenlesbar gemacht), Erstellung eines elektronischen Inhaltsverzeichnisses gehören dazu. Erst nach der Arbeit mehrerer Tage oder ggfs. sogar Wochen kann ein Werk in unserem Viewer online veröffentlicht werden.
Scanraum mit drei Scanner-Modellen: Cobra (110°-Öffnungswinkel), Ultra (180°-Öffnungswinkel), Flash (Großformatescanner)Einzugsscanner für lose BlätterNach der Besichtigung der Scanner und der aktuellen Digitalisierungsbestände, wechselte die Gruppe nach etwa einer Stunde in das kühlere Magazin, um dort verschiedene Stationen anzuschauen. Die Besucher:innen bewunderten zunächst die schiere Größe des Magazins.
Im MagazinStation 1: Quarantäneraum
Der Quarantäneraum ist die erste Anlaufstelle für Geschenke an die TIB oder Beständen aus Instituten, die in die TIB eingegliedert werden. Hier werden die neu dazugekommenen Materialen begutachtet und ggfs. auf der Werkbank gesäubert. Danach verweilen die Bestände ein paar Wochen im Quarantäneraum, damit sichergestellt ist, dass mit ihnen keine Papierfischen ins Magazin geholt werden. Papierfischen ernähren sich von Papier und können großen Schaden anrichten, was auf jeden Fall verhindert werden soll.
Der QuarantäneraumStation 2: Großformate
Großformate werden wegen ihrer Größe separat gelagert. Da Großformate anfälliger für Beschädigungen sind, ist die Lagerung eine besondere Herausforderung. Die optimalste Lagerung ist die liegende Aufbewahrung in Schutzverpackung. Diese kostet jedoch viel Platz und Geld. Deshalb ist bis jetzt noch die häufigste Lagerung stehend ohne Schutzverpackung. Die TIB plant, sich dieser Problematik in naher Zukunft anzunehmen.
Großformate stehend gelagert ohne SchutzverpackungGroßformate liegend gelagert mit SchutzverpackungStation 3: Lektriever
Aus dem FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur haben wir einen großen Mikroformbestand übernommen, der in drei Lektrivern aus den 1970er und 1980er Jahren aufbewahrt wurde. Ein Lektriever ist ein automatisiertes Aufbewahrungssystem, genauer ein vertikales Paternoster-System. Dadurch lässt sich extrem viel Material auf kleiner Fläche lagern. Da jedoch die Wartung sehr kostenintensiv ist, kaum noch Ersatzteile zur Verfügung stehen und sie nicht brandschutzkonform sind, werden die Lektriever demnächst abgebaut.
Die etwa 1,2 Millionen gelagerten Mikroformen wurden dafür aus den Lektrievern in säurefreie Schutzverpackungen umgebettet und in Regale im oberen Magazin umgelagert. Mittlerweile ist die Umlagerung abgeschlossen und die Mikroformen sind auf etwa 156 Regalmetern im Magazin untergebracht.
LektrieverSchutzverpackung für die Mikrofiche aus dem LektrieverStation 4: Digitalisierter Bestand bei der Signatur klein-a
Wir digitalisieren neben anderen Projekten auch Werke aus der Signatur klein-a im Altbestand. In diesem Bereich finden sich viele Bände, die sich in Niedersachsen nur noch einmal im Besitz einer Bibliothek befinden. Die TIB hat die Archivierungsverantwortung für diese Werke übernommen. Dazu gehört auch, dass diese Werke digitalisiert und der Zustand der Werke dokumentiert wird. Bei dieser Signatur wurden bisher über 4.000 Bände bearbeitet.
Für einen Großteil dieser Bände wurden von der Buchbinderei der TIB neue Signaturschilder und Schutzumschläge hergestellt. Kleinere Reparaturen wie das Einkleben loser Seiten oder die Befestigung loser Buchrücken werden in der Buchbinderei ebenfalls durchgeführt. In den Regal sind viele orangfarbene Zettel zu sehen, die jeweils für ein Buch stehen, das vermisst wird. Bei einem so großen Bestand sind Verluste leider nicht zu vermeiden und es reicht schon, wenn ein Buch falsch eingestellt wurde, dass das Buch für lange Zeit oder gar nicht mehr auffindbar ist.
Orangefarbende Zettel in den Regalen weisen auf vermisste Bücher hinStation 5: IWF-Filme (Institut für den Wissenschaftlichen Film)
Das Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) wurde 2010 abgewickelt. 2012 übernahm die TIB den IWF-Bestand, darunter circa 11.000 Filmtitel (mit Master und Kopien sind es etwa 33.000 physische Einheiten) sowie deren Produktionsakten. Die Filme wurden für Schulungs- und Forschungszwecken gedreht. Ein Teil der Filme wurde bei einem externen Dienstleister digitalisiert und ist im TIB AV-Portal zu finden. Um sich die Filme physisch anschauen zu können, steht im Magazin ein sogenannter 4-Tellertisch, an dem sich zwei Filme gleichzeitig anschauen lassen.
Filmrollen am Standort TIB-Rethen4-TellertischStation 6: Digi-Beta-Bänder
Die Digi-Beta-Bänder waren ein weitverbreitetes Speichermedium in der Fernsehtechnik. Als Teil des IWF-Bestandes kamen circa 4.000 Magnetbänder nach Rethen. Die Digi-Beta-Bänder haben Ähnlichkeit mit Videokassetten.
Digi-Beta-BänderNach etwa zwei Stunden war die Führung beendet. Wer wollte, konnte noch weitere Fragen stellen oder sich ausgewählte Alte Drucke (ca. 1500-1850) der Sammlung Albrecht Haupt anschauen (siehe Blogbeitrag Titelblätter der Sammlung Albrecht Haupt).
Alte Drucke (ca. 1500-1850) der Sammlung Albrecht Haupt #Retrodigitalisierung #TIBRethen #Magazinbestände #Bibliotheksführung -
Vom Papier zum Pixel: Eine Führung durch die Retrodigitalisierung
Anlässlich des bundesweiten Digitaltags am 26. Juni 2026 veranstaltete das Team Retrodigitalisierung der TIB für Interessierte eine Führung am TIB-Standort Rethen. Es ging durch die Retrodigitalisierung und einenTeil des 16.000 m² großen Magazins. Die Teilnehmenden hatten die Gelegenheit, einen Überblick über die Arbeit der Retrodigitalisierung zu bekommen und erhielten einen näheren Einblick in den Altbestand der TIB. Trotz der heißen Temperaturen von 35° Celsius kamen 21 angemeldete Personen zu der Führung nach Rethen.
Zur Geschichte des Standorts TIB Rethen
Nach der Begrüßung begann die Führung mit der Vorstellung des TIB-Standorts Rethen, der 2002 als Außenmagazin bezogen wurde: Das Gebäude entstand 1970 als Industriegebäude. Der Vormieter war ein Teppichgroßhandel, sodass vor dem Einzug der TIB noch einiges an Umbaumaßnahmen zu bewerkstelligen war, damit das Gebäude die Anforderungen einer Bibliothek erfüllt. Im Jahr 2008 wurde das Gebäude noch um einen Anbau erweitert, da die Fläche für die vielen Bücher und anderen Materialien nicht ausreichend war. Im Magazin befinden sich Bestände der TIB, des Archivs der TIB/Universitätsarchiv Hannover und der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB). Der geschätzte Bestand der TIB umfasst etwa 5,5 Miollionen Bände.
Der Standort TIB RethenAnschließend bekamen die Besucher:innen in den „schön“ warmen Räumlichkeiten einen Einblick in die Arbeit der Retrodigitalisierung. Es gab Antworten auf die Fragen, wer welche Bestände zur Digitalisierung auswählt, was digitalisiert wird, welche Scanner zur Verfügung stehen und noch viele mehr.
Der Digitalisierungsprozess
Der Digitalisierungsprozess besteht aus mehreren Schritten, an denen verschiedene Teams der TIB mitwirken. Es ist mehr, als nur das Buch auf den Scanner zu legen: Auch Aufgaben wie zum Beispiel die Erfassung von Metadaten, Schadenserhebung der Bücher, Qualitätskontrolle der Scans, OCR (der Text auf den Scans wird maschinenlesbar gemacht), Erstellung eines elektronischen Inhaltsverzeichnisses gehören dazu. Erst nach der Arbeit mehrerer Tage oder ggfs. sogar Wochen kann ein Werk in unserem Viewer online veröffentlicht werden.
Scanraum mit drei Scanner-Modellen: Cobra (110°-Öffnungswinkel), Ultra (180°-Öffnungswinkel), Flash (Großformatescanner)Einzugsscanner für lose BlätterNach der Besichtigung der Scanner und der aktuellen Digitalisierungsbestände, wechselte die Gruppe nach etwa einer Stunde in das kühlere Magazin, um dort verschiedene Stationen anzuschauen. Die Besucher:innen bewunderten zunächst die schiere Größe des Magazins.
Im MagazinStation 1: Quarantäneraum
Der Quarantäneraum ist die erste Anlaufstelle für Geschenke an die TIB oder Beständen aus Instituten, die in die TIB eingegliedert werden. Hier werden die neu dazugekommenen Materialen begutachtet und ggfs. auf der Werkbank gesäubert. Danach verweilen die Bestände ein paar Wochen im Quarantäneraum, damit sichergestellt ist, dass mit ihnen keine Papierfischen ins Magazin geholt werden. Papierfischen ernähren sich von Papier und können großen Schaden anrichten, was auf jeden Fall verhindert werden soll.
Der QuarantäneraumStation 2: Großformate
Großformate werden wegen ihrer Größe separat gelagert. Da Großformate anfälliger für Beschädigungen sind, ist die Lagerung eine besondere Herausforderung. Die optimalste Lagerung ist die liegende Aufbewahrung in Schutzverpackung. Diese kostet jedoch viel Platz und Geld. Deshalb ist bis jetzt noch die häufigste Lagerung stehend ohne Schutzverpackung. Die TIB plant, sich dieser Problematik in naher Zukunft anzunehmen.
Großformate stehend gelagert ohne SchutzverpackungGroßformate liegend gelagert mit SchutzverpackungStation 3: Lektriever
Aus dem FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur haben wir einen großen Mikroformbestand übernommen, der in drei Lektrivern aus den 1970er und 1980er Jahren aufbewahrt wurde. Ein Lektriever ist ein automatisiertes Aufbewahrungssystem, genauer ein vertikales Paternoster-System. Dadurch lässt sich extrem viel Material auf kleiner Fläche lagern. Da jedoch die Wartung sehr kostenintensiv ist, kaum noch Ersatzteile zur Verfügung stehen und sie nicht brandschutzkonform sind, werden die Lektriever demnächst abgebaut.
Die etwa 1,2 Millionen gelagerten Mikroformen wurden dafür aus den Lektrievern in säurefreie Schutzverpackungen umgebettet und in Regale im oberen Magazin umgelagert. Mittlerweile ist die Umlagerung abgeschlossen und die Mikroformen sind auf etwa 156 Regalmetern im Magazin untergebracht.
LektrieverSchutzverpackung für die Mikrofiche aus dem LektrieverStation 4: Digitalisierter Bestand bei der Signatur klein-a
Wir digitalisieren neben anderen Projekten auch Werke aus der Signatur klein-a im Altbestand. In diesem Bereich finden sich viele Bände, die sich in Niedersachsen nur noch einmal im Besitz einer Bibliothek befinden. Die TIB hat die Archivierungsverantwortung für diese Werke übernommen. Dazu gehört auch, dass diese Werke digitalisiert und der Zustand der Werke dokumentiert wird. Bei dieser Signatur wurden bisher über 4.000 Bände bearbeitet.
Für einen Großteil dieser Bände wurden von der Buchbinderei der TIB neue Signaturschilder und Schutzumschläge hergestellt. Kleinere Reparaturen wie das Einkleben loser Seiten oder die Befestigung loser Buchrücken werden in der Buchbinderei ebenfalls durchgeführt. In den Regal sind viele orangfarbene Zettel zu sehen, die jeweils für ein Buch stehen, das vermisst wird. Bei einem so großen Bestand sind Verluste leider nicht zu vermeiden und es reicht schon, wenn ein Buch falsch eingestellt wurde, dass das Buch für lange Zeit oder gar nicht mehr auffindbar ist.
Orangefarbende Zettel in den Regalen weisen auf vermisste Bücher hinStation 5: IWF-Filme (Institut für den Wissenschaftlichen Film)
Das Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) wurde 2010 abgewickelt. 2012 übernahm die TIB den IWF-Bestand, darunter circa 11.000 Filmtitel (mit Master und Kopien sind es etwa 33.000 physische Einheiten) sowie deren Produktionsakten. Die Filme wurden für Schulungs- und Forschungszwecken gedreht. Ein Teil der Filme wurde bei einem externen Dienstleister digitalisiert und ist im TIB AV-Portal zu finden. Um sich die Filme physisch anschauen zu können, steht im Magazin ein sogenannter 4-Tellertisch, an dem sich zwei Filme gleichzeitig anschauen lassen.
Filmrollen am Standort TIB-Rethen4-TellertischStation 6: Digi-Beta-Bänder
Die Digi-Beta-Bänder waren ein weitverbreitetes Speichermedium in der Fernsehtechnik. Als Teil des IWF-Bestandes kamen circa 4.000 Magnetbänder nach Rethen. Die Digi-Beta-Bänder haben Ähnlichkeit mit Videokassetten.
Digi-Beta-BänderNach etwa zwei Stunden war die Führung beendet. Wer wollte, konnte noch weitere Fragen stellen oder sich ausgewählte Alte Drucke (ca. 1500-1850) der Sammlung Albrecht Haupt anschauen (siehe Blogbeitrag Titelblätter der Sammlung Albrecht Haupt).
Alte Drucke (ca. 1500-1850) der Sammlung Albrecht Haupt #Retrodigitalisierung #TIBRethen #Magazinbestände #Bibliotheksführung -
Vom Papier zum Pixel: Eine Führung durch die Retrodigitalisierung
Anlässlich des bundesweiten Digitaltags am 26. Juni 2026 veranstaltete das Team Retrodigitalisierung der TIB für Interessierte eine Führung am TIB-Standort Rethen. Es ging durch die Retrodigitalisierung und einenTeil des 16.000 m² großen Magazins. Die Teilnehmenden hatten die Gelegenheit, einen Überblick über die Arbeit der Retrodigitalisierung zu bekommen und erhielten einen näheren Einblick in den Altbestand der TIB. Trotz der heißen Temperaturen von 35° Celsius kamen 21 angemeldete Personen zu der Führung nach Rethen.
Zur Geschichte des Standorts TIB Rethen
Nach der Begrüßung begann die Führung mit der Vorstellung des TIB-Standorts Rethen, der 2002 als Außenmagazin bezogen wurde: Das Gebäude entstand 1970 als Industriegebäude. Der Vormieter war ein Teppichgroßhandel, sodass vor dem Einzug der TIB noch einiges an Umbaumaßnahmen zu bewerkstelligen war, damit das Gebäude die Anforderungen einer Bibliothek erfüllt. Im Jahr 2008 wurde das Gebäude noch um einen Anbau erweitert, da die Fläche für die vielen Bücher und anderen Materialien nicht ausreichend war. Im Magazin befinden sich Bestände der TIB, des Archivs der TIB/Universitätsarchiv Hannover und der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (GWLB). Der geschätzte Bestand der TIB umfasst etwa 5,5 Miollionen Bände.
Der Standort TIB RethenAnschließend bekamen die Besucher:innen in den „schön“ warmen Räumlichkeiten einen Einblick in die Arbeit der Retrodigitalisierung. Es gab Antworten auf die Fragen, wer welche Bestände zur Digitalisierung auswählt, was digitalisiert wird, welche Scanner zur Verfügung stehen und noch viele mehr.
Der Digitalisierungsprozess
Der Digitalisierungsprozess besteht aus mehreren Schritten, an denen verschiedene Teams der TIB mitwirken. Es ist mehr, als nur das Buch auf den Scanner zu legen: Auch Aufgaben wie zum Beispiel die Erfassung von Metadaten, Schadenserhebung der Bücher, Qualitätskontrolle der Scans, OCR (der Text auf den Scans wird maschinenlesbar gemacht), Erstellung eines elektronischen Inhaltsverzeichnisses gehören dazu. Erst nach der Arbeit mehrerer Tage oder ggfs. sogar Wochen kann ein Werk in unserem Viewer online veröffentlicht werden.
Scanraum mit drei Scanner-Modellen: Cobra (110°-Öffnungswinkel), Ultra (180°-Öffnungswinkel), Flash (Großformatescanner)Einzugsscanner für lose BlätterNach der Besichtigung der Scanner und der aktuellen Digitalisierungsbestände, wechselte die Gruppe nach etwa einer Stunde in das kühlere Magazin, um dort verschiedene Stationen anzuschauen. Die Besucher:innen bewunderten zunächst die schiere Größe des Magazins.
Im MagazinStation 1: Quarantäneraum
Der Quarantäneraum ist die erste Anlaufstelle für Geschenke an die TIB oder Beständen aus Instituten, die in die TIB eingegliedert werden. Hier werden die neu dazugekommenen Materialen begutachtet und ggfs. auf der Werkbank gesäubert. Danach verweilen die Bestände ein paar Wochen im Quarantäneraum, damit sichergestellt ist, dass mit ihnen keine Papierfischen ins Magazin geholt werden. Papierfischen ernähren sich von Papier und können großen Schaden anrichten, was auf jeden Fall verhindert werden soll.
Der QuarantäneraumStation 2: Großformate
Großformate werden wegen ihrer Größe separat gelagert. Da Großformate anfälliger für Beschädigungen sind, ist die Lagerung eine besondere Herausforderung. Die optimalste Lagerung ist die liegende Aufbewahrung in Schutzverpackung. Diese kostet jedoch viel Platz und Geld. Deshalb ist bis jetzt noch die häufigste Lagerung stehend ohne Schutzverpackung. Die TIB plant, sich dieser Problematik in naher Zukunft anzunehmen.
Großformate stehend gelagert ohne SchutzverpackungGroßformate liegend gelagert mit SchutzverpackungStation 3: Lektriever
Aus dem FIZ Karlsruhe – Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur haben wir einen großen Mikroformbestand übernommen, der in drei Lektrivern aus den 1970er und 1980er Jahren aufbewahrt wurde. Ein Lektriever ist ein automatisiertes Aufbewahrungssystem, genauer ein vertikales Paternoster-System. Dadurch lässt sich extrem viel Material auf kleiner Fläche lagern. Da jedoch die Wartung sehr kostenintensiv ist, kaum noch Ersatzteile zur Verfügung stehen und sie nicht brandschutzkonform sind, werden die Lektriever demnächst abgebaut.
Die etwa 1,2 Millionen gelagerten Mikroformen wurden dafür aus den Lektrievern in säurefreie Schutzverpackungen umgebettet und in Regale im oberen Magazin umgelagert. Mittlerweile ist die Umlagerung abgeschlossen und die Mikroformen sind auf etwa 156 Regalmetern im Magazin untergebracht.
LektrieverSchutzverpackung für die Mikrofiche aus dem LektrieverStation 4: Digitalisierter Bestand bei der Signatur klein-a
Wir digitalisieren neben anderen Projekten auch Werke aus der Signatur klein-a im Altbestand. In diesem Bereich finden sich viele Bände, die sich in Niedersachsen nur noch einmal im Besitz einer Bibliothek befinden. Die TIB hat die Archivierungsverantwortung für diese Werke übernommen. Dazu gehört auch, dass diese Werke digitalisiert und der Zustand der Werke dokumentiert wird. Bei dieser Signatur wurden bisher über 4.000 Bände bearbeitet.
Für einen Großteil dieser Bände wurden von der Buchbinderei der TIB neue Signaturschilder und Schutzumschläge hergestellt. Kleinere Reparaturen wie das Einkleben loser Seiten oder die Befestigung loser Buchrücken werden in der Buchbinderei ebenfalls durchgeführt. In den Regal sind viele orangfarbene Zettel zu sehen, die jeweils für ein Buch stehen, das vermisst wird. Bei einem so großen Bestand sind Verluste leider nicht zu vermeiden und es reicht schon, wenn ein Buch falsch eingestellt wurde, dass das Buch für lange Zeit oder gar nicht mehr auffindbar ist.
Orangefarbende Zettel in den Regalen weisen auf vermisste Bücher hinStation 5: IWF-Filme (Institut für den Wissenschaftlichen Film)
Das Institut für den Wissenschaftlichen Film (IWF) wurde 2010 abgewickelt. 2012 übernahm die TIB den IWF-Bestand, darunter circa 11.000 Filmtitel (mit Master und Kopien sind es etwa 33.000 physische Einheiten) sowie deren Produktionsakten. Die Filme wurden für Schulungs- und Forschungszwecken gedreht. Ein Teil der Filme wurde bei einem externen Dienstleister digitalisiert und ist im TIB AV-Portal zu finden. Um sich die Filme physisch anschauen zu können, steht im Magazin ein sogenannter 4-Tellertisch, an dem sich zwei Filme gleichzeitig anschauen lassen.
Filmrollen am Standort TIB-Rethen4-TellertischStation 6: Digi-Beta-Bänder
Die Digi-Beta-Bänder waren ein weitverbreitetes Speichermedium in der Fernsehtechnik. Als Teil des IWF-Bestandes kamen circa 4.000 Magnetbänder nach Rethen. Die Digi-Beta-Bänder haben Ähnlichkeit mit Videokassetten.
Digi-Beta-BänderNach etwa zwei Stunden war die Führung beendet. Wer wollte, konnte noch weitere Fragen stellen oder sich ausgewählte Alte Drucke (ca. 1500-1850) der Sammlung Albrecht Haupt anschauen (siehe Blogbeitrag Titelblätter der Sammlung Albrecht Haupt).
Alte Drucke (ca. 1500-1850) der Sammlung Albrecht Haupt #Retrodigitalisierung #TIBRethen #Magazinbestände #Bibliotheksführung -
Wiederentdeckt: Erstausgabe „Das Kapital“ von Karl Marx
Im Zuge der Retrodigitalisierung an der TIB werden immer wieder unterschiedlichste Medien digitalisiert, die einen hohen wissenschaftsgeschichtlichen Erkenntniswert haben und auch sonst von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind. „Das Kapital“ von Karl Marx gehört eindeutig in diese Kategorie und die TIB hat nun eine – in ihrer Ausführung besonders seltene Ausgabe – digitalisiert.
Die Retrodigitalisierung an der TIB
Am TIB-Standort Rethen werden Werke aus dem Altbestand der TIB gescannt, der überwiegend aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammt. Die Digitalisate werden online zur Verfügung gestellt, sofern sie urheberrechtsfrei sind oder die Genehmigung zur Veröffentlichung vorliegt. Die Sammlungen der Retrodigitalisierung können direkt über die URL https://goobi.tib.eu/viewer/index/ aufgerufen werden, wo man kann komfortabel zwischen den digitalisierten Beständen navigieren kann.
Das blaue Kabinett
Am TIB Standort Technik/Naturwissenschaften im sogenannten blauen Kabinett, in dem unter anderem die „Sammlung Haupt“ untergebracht ist, befindet sich Bände in einem separat geschützten Bereich auch ein ausgewählter Bestand besonders wertvoller Bände. Darunter sind auch die ersten beiden Bände der Erstausgabe des Werks „Das Kapital“ von Karl Marx (geb. 1818 in Trier, gest. 1883 in London). Diese wurden jetzt zur Digitalisierung an den TIB-Standort Rethen gebracht. Bei den Arbeiten hierzu sind interessante Ausgaben und Fakten zu Tage getreten, die im Folgenden dargestellt werden.
Vorhandene Bände der Erstausgabe
Das Kapital: Interimsbroschur der ErstausgabeVom ersten Band, der 1867 publiziert wurde und dem 1885 der zweite Band folgte, besitzt die TIB besonders wertvolle Erstausgaben: Bei diesen Exemplaren sind die Titelblätter der Broschur mit anderer Typographie erhalten geblieben. Es sind nur ganz wenige Exemplare, insbesondere der ersten Auflage von Band 1, bekannt, die beide Titelblätter aufweisen.
Es handelt sich beim ersten Blatt um eine sogenannte Interimsbroschur: Bücher wurden im 19. Jahrhundert lange ohne festen Einband ausgeliefert. Die Broschur bestand in der Regel aus einem losen Einband aus einfachem Papier oder dünnem Karton, auf dem die Angaben zum Buch standen.
Nach dem Kauf konnte man das Buch dann nach eigenem Geschmack einbinden lassen und die Interimsbroschur wurde entsorgt. Diese vorläufigen Einbände blieben deshalb relativ selten erhalten, weil sie beim regulären Binden entfernt wurden.
Von Band 3 (in zwei Teilen erschienen) hat die TIB sogar jeweils zwei Erstausgaben von 1894: Deren Standort war bisher allerdings nicht das blaue Kabinett, sondern die TIB-Standorte Sozialwissenschaften (Band 1, Band 2) und Conti-Campus (Band 1, Band 2).
Künftig werden alle Bände im Bereich Rara – der für seltene, wertvolle oder historische Drucke und Handschriften steht – zusammengeführt und in spezieller Schutzverpackung aufbewahrt.
Wie kamen die Bände in die Bibliothek?
Accessions=Katalog für 1867Band 1
Im Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover werden die alten Akzessionsbücher der Bibliothek der Königlich Polytechnischen Schule zu Hannover und Polytechnischen Schule zu Hannover (1847–1879) aufbewahrt.
Im „Accessions=Katalog für 1867“ ist der erste Band aufgeführt: Marx, Das Kapital I.1 ist für 3 Preußische Vereinstaler und 10 Silbergroschen von der Helwingschen Verlagsbuchhandlung erworben worden, einer wichtigen und etablierten Buchhandlung in Hannover.
Band 2
Dieser Band findet sich im „Akzessions=Katalog für 1885 bis 1886“ zusammen mit der dritten Auflage des ersten Bands. Diese sind für 17 Reichsmark (nach der Währungsreform nach der Reichsbildung von 1871) von der Firma Schmorl und von Seefeld bezogen worden.
Band 3, Teil 1 und 2
Accessions=Katalog für 1885 bis 1886Am 1. Januar 2003 erfolgte die Übernahme der Fachbereichsbibliotheken der Niedersächsischen Landesbibliothek NLB (heute Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Niedersächsische Landesbibliothek, GWLB) durch die TIB (damals UB/TIB) mit allen Personalstellen und zugehörigen Sachmitteln. Seitdem befinden sich die Bände von Teil 3 im Bestand der TIB – angeschafft wurden sie jedoch noch zu Zeiten, in denen die Standorte der GWLB zugehörig waren.
Die beiden Teile von Band 3, die am TIB-Standort Sozialwissenschaften vorhanden sind, sind zusammen mit neueren Ausgaben der Bände 1 und 2 am 27. Juni 1979 über das Antiquariat Marco Pinkus in Dübendorf (Zürich) in der Schweiz für 400 DM gekauft worden.
Für die beiden am Conti-Campus vorhandenen Bände von Teil 3 ist eine Schenkung vom 23. November 2001 an die Niedersächsische Landesbibliothek, Wirtschaftswissenschaftliche Fachbereichsbibliothek, dokumentiert.
„Dies ewig unfertige Ding“: Warum vermutlich eine dritte Auflage gekauft wurde
Friedrich Engels schrieb am 27. April 1867 an Karl Marx:
„Dies ewig unfertige Ding drückte Dich körperlich, geistig und finanziell zu Boden, und ich kann sehr gut begreifen, daß Du jetzt, nach Abschüttelung dieses Alps, Dir wie ein ganz anderer Kerl vorkommst, besonders da die Welt, sobald Du nur erst wieder einmal hineinkommst, auch nicht so trübselig aussieht wie vorher.“[1]
Warum wurde von Band 1 noch einmal die dritte Auflage des ersten Bandes gekauft?
Karl Marx hat nach dem Erscheinen des ersten Bandes für die zweite Auflage und die französische Ausgabe[2] vieles überarbeitet. Diese umfangreichen Änderungen mögen die Bibliothek dazu bewogen haben, den ersten Band in einer neueren Auflage (zusammen mit Band 2) noch einmal zu erwerben.Ein Hinweis auf Papier: Was ein Zettel von 1967 über den Einband verrät
Bei den Bibliothekseinbänden lässt sich leider nicht genau feststellen, wann sie entstanden sind. Dazu gibt es keine Aufzeichnungen oder Vermerke. Ein Hinweis findet sich allerdings im ersten Band: Am Ende ist ein Blatt von 1967 mit eingebunden worden, dass vom Antiquariat T. Ackermann in München stammt. Hier ist der Punkt 338 „Das Kapital“ eingekreist und mit den Worten „haben wir!“ versehen.
Auch der Preis von 1.200 DM ist am Ende der Seite noch einmal groß handschriftlich vermerkt. Daraus lässt sich zum einen die Begeisterung für das im Besitz befindliche Werk und seinen für die 1960er Jahre hohen Preis entnehmen. Zum anderen kann man daraus den Rückschluss ziehen, dass auch der Einband circa 1967 hergestellt worden ist. Heute wird die Erstauflage des ersten Bandes für bis zu 250.000 Euro zum Kauf angeboten. Was die Ausgabe der TIB mit den seltenen Titelblättern wert ist, ist schwer zu sagen.
Nachlass Erich Gerlach
Erich Gerlach (geb. 1910 in Friemersheim/Kreis Moers, gest.1972 in Northeim) war ein deutscher Politiker (SAPD, SPD) und Wirtschaftswissenschaftler. Von 1947 (seit der ersten Wahlperiode) bis 1972 war er Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags für die SPD, Redakteur der „Sozialistischen Politik“ von 1954 bis 1963 sowie Lehrbeauftragter der Universität Hannover von 1969 bis 1972.
Die Monographienbestände der Arbeitsbibliothek aus Gerlachs Nachlass sind Teile des Gewerkschaftsarchivs, im OPAC nachgewiesen und zur Benutzung im Lesesaal am Standort TIB Technik/Naturwissenschaften bestellbar. Gerlach war im Nachkriegsdeutschland zwischen 1945 und 1970 einer der bedeutendsten Marxkenner und spielte eine zentrale Rolle für die Sozialdemokratie der Nachkriegsgeschichte.
Zwei Ausgaben des Kapitals hat er bearbeitet und kommentiert: Am 5. November 1929 im Alter von 19 Jahren hat er sich noch während seines Studiums die 10. Auflage 1922 des Kapitals im Meissner Verlag von Band 1 und 2 und von den Bänden 3,1 und 3,2 die sechsten Auflagen 1922 zugelegt (Band 1, Band 2, Band 3,1, Band 3,2)
Später kamen die 4. Auflage von 1953 im Dietz Verlag dazu. (Band 1, Band 2, Band 3)In allen Bänden gibt es Anstreichungen, mal mit Bleistift, mal mit rotem Buntstift, handschriftliche Kommentare, eingelegte Zettel mit seinen Notizen, teilweise in Stenographie. Gerlachs Bearbeitungen und Anmerkungen sind für die Forschung von Bedeutung, sodass an dieser Stelle alle von Gerlach kommentierten Auflagen zum Kapital digitalisiert worden sind.
Aus der Sammlung Gerlach wurden zum Thema „Das Kapital“ noch weitere Werke digitalisiert. Mit dieser Erschließung entsteht gleichsam ein Kaleidoskop eines wissenschaftlich bedeutsamen Werkkreises und ein digitaler Fundus, der zum einen die wertvollen Erstauflagen, zum anderen die kommentierten Ausgaben Erich Gerlachs und weitere Werke rund um das Werk „Das Kapital“ enthält und darüber hinaus exemplarisch zeigen kann, welche Möglichkeiten die Retrodigitalisierung bietet.
[1] Engels an Marx, 27.04.1867, in: MEW, Bd. 31, Berlin (Ost) 1965, S. 292.
[2] Karl Marx: Le capital: Traduction de M.J. Roy. Paris 1873.
#LizenzCCBY40INT #Retrodigitalisierung #TIBRethen #Altbestand #DasKapital -
Wiederentdeckt: Erstausgabe „Das Kapital“ von Karl Marx
Im Zuge der Retrodigitalisierung an der TIB werden immer wieder unterschiedlichste Medien digitalisiert, die einen hohen wissenschaftsgeschichtlichen Erkenntniswert haben und auch sonst von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind. „Das Kapital“ von Karl Marx gehört eindeutig in diese Kategorie und die TIB hat nun eine – in ihrer Ausführung besonders seltene Ausgabe – digitalisiert.
Die Retrodigitalisierung an der TIB
Am TIB-Standort Rethen werden Werke aus dem Altbestand der TIB gescannt, der überwiegend aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammt. Die Digitalisate werden online zur Verfügung gestellt, sofern sie urheberrechtsfrei sind oder die Genehmigung zur Veröffentlichung vorliegt. Die Sammlungen der Retrodigitalisierung können direkt über die URL https://goobi.tib.eu/viewer/index/ aufgerufen werden, wo man kann komfortabel zwischen den digitalisierten Beständen navigieren kann.
Das blaue Kabinett
Am TIB Standort Technik/Naturwissenschaften im sogenannten blauen Kabinett, in dem unter anderem die „Sammlung Haupt“ untergebracht ist, befindet sich Bände in einem separat geschützten Bereich auch ein ausgewählter Bestand besonders wertvoller Bände. Darunter sind auch die ersten beiden Bände der Erstausgabe des Werks „Das Kapital“ von Karl Marx (geb. 1818 in Trier, gest. 1883 in London). Diese wurden jetzt zur Digitalisierung an den TIB-Standort Rethen gebracht. Bei den Arbeiten hierzu sind interessante Ausgaben und Fakten zu Tage getreten, die im Folgenden dargestellt werden.
Vorhandene Bände der Erstausgabe
Das Kapital: Interimsbroschur der ErstausgabeVom ersten Band, der 1867 publiziert wurde und dem 1885 der zweite Band folgte, besitzt die TIB besonders wertvolle Erstausgaben: Bei diesen Exemplaren sind die Titelblätter der Broschur mit anderer Typographie erhalten geblieben. Es sind nur ganz wenige Exemplare, insbesondere der ersten Auflage von Band 1, bekannt, die beide Titelblätter aufweisen.
Es handelt sich beim ersten Blatt um eine sogenannte Interimsbroschur: Bücher wurden im 19. Jahrhundert lange ohne festen Einband ausgeliefert. Die Broschur bestand in der Regel aus einem losen Einband aus einfachem Papier oder dünnem Karton, auf dem die Angaben zum Buch standen.
Nach dem Kauf konnte man das Buch dann nach eigenem Geschmack einbinden lassen und die Interimsbroschur wurde entsorgt. Diese vorläufigen Einbände blieben deshalb relativ selten erhalten, weil sie beim regulären Binden entfernt wurden.
Von Band 3 (in zwei Teilen erschienen) hat die TIB sogar jeweils zwei Erstausgaben von 1894: Deren Standort war bisher allerdings nicht das blaue Kabinett, sondern die TIB-Standorte Sozialwissenschaften (Band 1, Band 2) und Conti-Campus (Band 1, Band 2).
Künftig werden alle Bände im Bereich Rara – der für seltene, wertvolle oder historische Drucke und Handschriften steht – zusammengeführt und in spezieller Schutzverpackung aufbewahrt.
Wie kamen die Bände in die Bibliothek?
Accessions=Katalog für 1867Band 1
Im Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover werden die alten Akzessionsbücher der Bibliothek der Königlich Polytechnischen Schule zu Hannover und Polytechnischen Schule zu Hannover (1847–1879) aufbewahrt.
Im „Accessions=Katalog für 1867“ ist der erste Band aufgeführt: Marx, Das Kapital I.1 ist für 3 Preußische Vereinstaler und 10 Silbergroschen von der Helwingschen Verlagsbuchhandlung erworben worden, einer wichtigen und etablierten Buchhandlung in Hannover.
Band 2
Dieser Band findet sich im „Akzessions=Katalog für 1885 bis 1886“ zusammen mit der dritten Auflage des ersten Bands. Diese sind für 17 Reichsmark (nach der Währungsreform nach der Reichsbildung von 1871) von der Firma Schmorl und von Seefeld bezogen worden.
Band 3, Teil 1 und 2
Accessions=Katalog für 1885 bis 1886Am 1. Januar 2003 erfolgte die Übernahme der Fachbereichsbibliotheken der Niedersächsischen Landesbibliothek NLB (heute Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Niedersächsische Landesbibliothek, GWLB) durch die TIB (damals UB/TIB) mit allen Personalstellen und zugehörigen Sachmitteln. Seitdem befinden sich die Bände von Teil 3 im Bestand der TIB – angeschafft wurden sie jedoch noch zu Zeiten, in denen die Standorte der GWLB zugehörig waren.
Die beiden Teile von Band 3, die am TIB-Standort Sozialwissenschaften vorhanden sind, sind zusammen mit neueren Ausgaben der Bände 1 und 2 am 27. Juni 1979 über das Antiquariat Marco Pinkus in Dübendorf (Zürich) in der Schweiz für 400 DM gekauft worden.
Für die beiden am Conti-Campus vorhandenen Bände von Teil 3 ist eine Schenkung vom 23. November 2001 an die Niedersächsische Landesbibliothek, Wirtschaftswissenschaftliche Fachbereichsbibliothek, dokumentiert.
„Dies ewig unfertige Ding“: Warum vermutlich eine dritte Auflage gekauft wurde
Friedrich Engels schrieb am 27. April 1867 an Karl Marx:
„Dies ewig unfertige Ding drückte Dich körperlich, geistig und finanziell zu Boden, und ich kann sehr gut begreifen, daß Du jetzt, nach Abschüttelung dieses Alps, Dir wie ein ganz anderer Kerl vorkommst, besonders da die Welt, sobald Du nur erst wieder einmal hineinkommst, auch nicht so trübselig aussieht wie vorher.“[1]
Warum wurde von Band 1 noch einmal die dritte Auflage des ersten Bandes gekauft?
Karl Marx hat nach dem Erscheinen des ersten Bandes für die zweite Auflage und die französische Ausgabe[2] vieles überarbeitet. Diese umfangreichen Änderungen mögen die Bibliothek dazu bewogen haben, den ersten Band in einer neueren Auflage (zusammen mit Band 2) noch einmal zu erwerben.Ein Hinweis auf Papier: Was ein Zettel von 1967 über den Einband verrät
Bei den Bibliothekseinbänden lässt sich leider nicht genau feststellen, wann sie entstanden sind. Dazu gibt es keine Aufzeichnungen oder Vermerke. Ein Hinweis findet sich allerdings im ersten Band: Am Ende ist ein Blatt von 1967 mit eingebunden worden, dass vom Antiquariat T. Ackermann in München stammt. Hier ist der Punkt 338 „Das Kapital“ eingekreist und mit den Worten „haben wir!“ versehen.
Auch der Preis von 1.200 DM ist am Ende der Seite noch einmal groß handschriftlich vermerkt. Daraus lässt sich zum einen die Begeisterung für das im Besitz befindliche Werk und seinen für die 1960er Jahre hohen Preis entnehmen. Zum anderen kann man daraus den Rückschluss ziehen, dass auch der Einband circa 1967 hergestellt worden ist. Heute wird die Erstauflage des ersten Bandes für bis zu 250.000 Euro zum Kauf angeboten. Was die Ausgabe der TIB mit den seltenen Titelblättern wert ist, ist schwer zu sagen.
Nachlass Erich Gerlach
Erich Gerlach (geb. 1910 in Friemersheim/Kreis Moers, gest.1972 in Northeim) war ein deutscher Politiker (SAPD, SPD) und Wirtschaftswissenschaftler. Von 1947 (seit der ersten Wahlperiode) bis 1972 war er Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags für die SPD, Redakteur der „Sozialistischen Politik“ von 1954 bis 1963 sowie Lehrbeauftragter der Universität Hannover von 1969 bis 1972.
Die Monographienbestände der Arbeitsbibliothek aus Gerlachs Nachlass sind Teile des Gewerkschaftsarchivs, im OPAC nachgewiesen und zur Benutzung im Lesesaal am Standort TIB Technik/Naturwissenschaften bestellbar. Gerlach war im Nachkriegsdeutschland zwischen 1945 und 1970 einer der bedeutendsten Marxkenner und spielte eine zentrale Rolle für die Sozialdemokratie der Nachkriegsgeschichte.
Zwei Ausgaben des Kapitals hat er bearbeitet und kommentiert: Am 5. November 1929 im Alter von 19 Jahren hat er sich noch während seines Studiums die 10. Auflage 1922 des Kapitals im Meissner Verlag von Band 1 und 2 und von den Bänden 3,1 und 3,2 die sechsten Auflagen 1922 zugelegt (Band 1, Band 2, Band 3,1, Band 3,2)
Später kamen die 4. Auflage von 1953 im Dietz Verlag dazu. (Band 1, Band 2, Band 3)In allen Bänden gibt es Anstreichungen, mal mit Bleistift, mal mit rotem Buntstift, handschriftliche Kommentare, eingelegte Zettel mit seinen Notizen, teilweise in Stenographie. Gerlachs Bearbeitungen und Anmerkungen sind für die Forschung von Bedeutung, sodass an dieser Stelle alle von Gerlach kommentierten Auflagen zum Kapital digitalisiert worden sind.
Aus der Sammlung Gerlach wurden zum Thema „Das Kapital“ noch weitere Werke digitalisiert. Mit dieser Erschließung entsteht gleichsam ein Kaleidoskop eines wissenschaftlich bedeutsamen Werkkreises und ein digitaler Fundus, der zum einen die wertvollen Erstauflagen, zum anderen die kommentierten Ausgaben Erich Gerlachs und weitere Werke rund um das Werk „Das Kapital“ enthält und darüber hinaus exemplarisch zeigen kann, welche Möglichkeiten die Retrodigitalisierung bietet.
[1] Engels an Marx, 27.04.1867, in: MEW, Bd. 31, Berlin (Ost) 1965, S. 292.
[2] Karl Marx: Le capital: Traduction de M.J. Roy. Paris 1873.
#LizenzCCBY40INT #Retrodigitalisierung #TIBRethen #Altbestand #DasKapital -
Wiederentdeckt: Erstausgabe „Das Kapital“ von Karl Marx
Im Zuge der Retrodigitalisierung an der TIB werden immer wieder unterschiedlichste Medien digitalisiert, die einen hohen wissenschaftsgeschichtlichen Erkenntniswert haben und auch sonst von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind. „Das Kapital“ von Karl Marx gehört eindeutig in diese Kategorie und die TIB hat nun eine – in ihrer Ausführung besonders seltene Ausgabe – digitalisiert.
Die Retrodigitalisierung an der TIB
Am TIB-Standort Rethen werden Werke aus dem Altbestand der TIB gescannt, der überwiegend aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammt. Die Digitalisate werden online zur Verfügung gestellt, sofern sie urheberrechtsfrei sind oder die Genehmigung zur Veröffentlichung vorliegt. Die Sammlungen der Retrodigitalisierung können direkt über die URL https://goobi.tib.eu/viewer/index/ aufgerufen werden, wo man kann komfortabel zwischen den digitalisierten Beständen navigieren kann.
Das blaue Kabinett
Am TIB Standort Technik/Naturwissenschaften im sogenannten blauen Kabinett, in dem unter anderem die „Sammlung Haupt“ untergebracht ist, befindet sich Bände in einem separat geschützten Bereich auch ein ausgewählter Bestand besonders wertvoller Bände. Darunter sind auch die ersten beiden Bände der Erstausgabe des Werks „Das Kapital“ von Karl Marx (geb. 1818 in Trier, gest. 1883 in London). Diese wurden jetzt zur Digitalisierung an den TIB-Standort Rethen gebracht. Bei den Arbeiten hierzu sind interessante Ausgaben und Fakten zu Tage getreten, die im Folgenden dargestellt werden.
Vorhandene Bände der Erstausgabe
Das Kapital: Interimsbroschur der ErstausgabeVom ersten Band, der 1867 publiziert wurde und dem 1885 der zweite Band folgte, besitzt die TIB besonders wertvolle Erstausgaben: Bei diesen Exemplaren sind die Titelblätter der Broschur mit anderer Typographie erhalten geblieben. Es sind nur ganz wenige Exemplare, insbesondere der ersten Auflage von Band 1, bekannt, die beide Titelblätter aufweisen.
Es handelt sich beim ersten Blatt um eine sogenannte Interimsbroschur: Bücher wurden im 19. Jahrhundert lange ohne festen Einband ausgeliefert. Die Broschur bestand in der Regel aus einem losen Einband aus einfachem Papier oder dünnem Karton, auf dem die Angaben zum Buch standen.
Nach dem Kauf konnte man das Buch dann nach eigenem Geschmack einbinden lassen und die Interimsbroschur wurde entsorgt. Diese vorläufigen Einbände blieben deshalb relativ selten erhalten, weil sie beim regulären Binden entfernt wurden.
Von Band 3 (in zwei Teilen erschienen) hat die TIB sogar jeweils zwei Erstausgaben von 1894: Deren Standort war bisher allerdings nicht das blaue Kabinett, sondern die TIB-Standorte Sozialwissenschaften (Band 1, Band 2) und Conti-Campus (Band 1, Band 2).
Künftig werden alle Bände im Bereich Rara – der für seltene, wertvolle oder historische Drucke und Handschriften steht – zusammengeführt und in spezieller Schutzverpackung aufbewahrt.
Wie kamen die Bände in die Bibliothek?
Accessions=Katalog für 1867Band 1
Im Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover werden die alten Akzessionsbücher der Bibliothek der Königlich Polytechnischen Schule zu Hannover und Polytechnischen Schule zu Hannover (1847–1879) aufbewahrt.
Im „Accessions=Katalog für 1867“ ist der erste Band aufgeführt: Marx, Das Kapital I.1 ist für 3 Preußische Vereinstaler und 10 Silbergroschen von der Helwingschen Verlagsbuchhandlung erworben worden, einer wichtigen und etablierten Buchhandlung in Hannover.
Band 2
Dieser Band findet sich im „Akzessions=Katalog für 1885 bis 1886“ zusammen mit der dritten Auflage des ersten Bands. Diese sind für 17 Reichsmark (nach der Währungsreform nach der Reichsbildung von 1871) von der Firma Schmorl und von Seefeld bezogen worden.
Band 3, Teil 1 und 2
Accessions=Katalog für 1885 bis 1886Am 1. Januar 2003 erfolgte die Übernahme der Fachbereichsbibliotheken der Niedersächsischen Landesbibliothek NLB (heute Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Niedersächsische Landesbibliothek, GWLB) durch die TIB (damals UB/TIB) mit allen Personalstellen und zugehörigen Sachmitteln. Seitdem befinden sich die Bände von Teil 3 im Bestand der TIB – angeschafft wurden sie jedoch noch zu Zeiten, in denen die Standorte der GWLB zugehörig waren.
Die beiden Teile von Band 3, die am TIB-Standort Sozialwissenschaften vorhanden sind, sind zusammen mit neueren Ausgaben der Bände 1 und 2 am 27. Juni 1979 über das Antiquariat Marco Pinkus in Dübendorf (Zürich) in der Schweiz für 400 DM gekauft worden.
Für die beiden am Conti-Campus vorhandenen Bände von Teil 3 ist eine Schenkung vom 23. November 2001 an die Niedersächsische Landesbibliothek, Wirtschaftswissenschaftliche Fachbereichsbibliothek, dokumentiert.
„Dies ewig unfertige Ding“: Warum vermutlich eine dritte Auflage gekauft wurde
Friedrich Engels schrieb am 27. April 1867 an Karl Marx:
„Dies ewig unfertige Ding drückte Dich körperlich, geistig und finanziell zu Boden, und ich kann sehr gut begreifen, daß Du jetzt, nach Abschüttelung dieses Alps, Dir wie ein ganz anderer Kerl vorkommst, besonders da die Welt, sobald Du nur erst wieder einmal hineinkommst, auch nicht so trübselig aussieht wie vorher.“[1]
Warum wurde von Band 1 noch einmal die dritte Auflage des ersten Bandes gekauft?
Karl Marx hat nach dem Erscheinen des ersten Bandes für die zweite Auflage und die französische Ausgabe[2] vieles überarbeitet. Diese umfangreichen Änderungen mögen die Bibliothek dazu bewogen haben, den ersten Band in einer neueren Auflage (zusammen mit Band 2) noch einmal zu erwerben.Ein Hinweis auf Papier: Was ein Zettel von 1967 über den Einband verrät
Bei den Bibliothekseinbänden lässt sich leider nicht genau feststellen, wann sie entstanden sind. Dazu gibt es keine Aufzeichnungen oder Vermerke. Ein Hinweis findet sich allerdings im ersten Band: Am Ende ist ein Blatt von 1967 mit eingebunden worden, dass vom Antiquariat T. Ackermann in München stammt. Hier ist der Punkt 338 „Das Kapital“ eingekreist und mit den Worten „haben wir!“ versehen.
Auch der Preis von 1.200 DM ist am Ende der Seite noch einmal groß handschriftlich vermerkt. Daraus lässt sich zum einen die Begeisterung für das im Besitz befindliche Werk und seinen für die 1960er Jahre hohen Preis entnehmen. Zum anderen kann man daraus den Rückschluss ziehen, dass auch der Einband circa 1967 hergestellt worden ist. Heute wird die Erstauflage des ersten Bandes für bis zu 250.000 Euro zum Kauf angeboten. Was die Ausgabe der TIB mit den seltenen Titelblättern wert ist, ist schwer zu sagen.
Nachlass Erich Gerlach
Erich Gerlach (geb. 1910 in Friemersheim/Kreis Moers, gest.1972 in Northeim) war ein deutscher Politiker (SAPD, SPD) und Wirtschaftswissenschaftler. Von 1947 (seit der ersten Wahlperiode) bis 1972 war er Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags für die SPD, Redakteur der „Sozialistischen Politik“ von 1954 bis 1963 sowie Lehrbeauftragter der Universität Hannover von 1969 bis 1972.
Die Monographienbestände der Arbeitsbibliothek aus Gerlachs Nachlass sind Teile des Gewerkschaftsarchivs, im OPAC nachgewiesen und zur Benutzung im Lesesaal am Standort TIB Technik/Naturwissenschaften bestellbar. Gerlach war im Nachkriegsdeutschland zwischen 1945 und 1970 einer der bedeutendsten Marxkenner und spielte eine zentrale Rolle für die Sozialdemokratie der Nachkriegsgeschichte.
Zwei Ausgaben des Kapitals hat er bearbeitet und kommentiert: Am 5. November 1929 im Alter von 19 Jahren hat er sich noch während seines Studiums die 10. Auflage 1922 des Kapitals im Meissner Verlag von Band 1 und 2 und von den Bänden 3,1 und 3,2 die sechsten Auflagen 1922 zugelegt (Band 1, Band 2, Band 3,1, Band 3,2)
Später kamen die 4. Auflage von 1953 im Dietz Verlag dazu. (Band 1, Band 2, Band 3)In allen Bänden gibt es Anstreichungen, mal mit Bleistift, mal mit rotem Buntstift, handschriftliche Kommentare, eingelegte Zettel mit seinen Notizen, teilweise in Stenographie. Gerlachs Bearbeitungen und Anmerkungen sind für die Forschung von Bedeutung, sodass an dieser Stelle alle von Gerlach kommentierten Auflagen zum Kapital digitalisiert worden sind.
Aus der Sammlung Gerlach wurden zum Thema „Das Kapital“ noch weitere Werke digitalisiert. Mit dieser Erschließung entsteht gleichsam ein Kaleidoskop eines wissenschaftlich bedeutsamen Werkkreises und ein digitaler Fundus, der zum einen die wertvollen Erstauflagen, zum anderen die kommentierten Ausgaben Erich Gerlachs und weitere Werke rund um das Werk „Das Kapital“ enthält und darüber hinaus exemplarisch zeigen kann, welche Möglichkeiten die Retrodigitalisierung bietet.
[1] Engels an Marx, 27.04.1867, in: MEW, Bd. 31, Berlin (Ost) 1965, S. 292.
[2] Karl Marx: Le capital: Traduction de M.J. Roy. Paris 1873.
#Altbestand #DasKapital #LizenzCCBY40INT #Retrodigitalisierung #TIBRethen -
Wiederentdeckt: Erstausgabe „Das Kapital“ von Karl Marx
Im Zuge der Retrodigitalisierung an der TIB werden immer wieder unterschiedlichste Medien digitalisiert, die einen hohen wissenschaftsgeschichtlichen Erkenntniswert haben und auch sonst von herausragender kulturhistorischer Bedeutung sind. „Das Kapital“ von Karl Marx gehört eindeutig in diese Kategorie und die TIB hat nun eine – in ihrer Ausführung besonders seltene Ausgabe – digitalisiert.
Die Retrodigitalisierung an der TIB
Am TIB-Standort Rethen werden Werke aus dem Altbestand der TIB gescannt, der überwiegend aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammt. Die Digitalisate werden online zur Verfügung gestellt, sofern sie urheberrechtsfrei sind oder die Genehmigung zur Veröffentlichung vorliegt. Die Sammlungen der Retrodigitalisierung können direkt über die URL https://goobi.tib.eu/viewer/index/ aufgerufen werden, wo man kann komfortabel zwischen den digitalisierten Beständen navigieren kann.
Das blaue Kabinett
Am TIB Standort Technik/Naturwissenschaften im sogenannten blauen Kabinett, in dem unter anderem die „Sammlung Haupt“ untergebracht ist, befindet sich Bände in einem separat geschützten Bereich auch ein ausgewählter Bestand besonders wertvoller Bände. Darunter sind auch die ersten beiden Bände der Erstausgabe des Werks „Das Kapital“ von Karl Marx (geb. 1818 in Trier, gest. 1883 in London). Diese wurden jetzt zur Digitalisierung an den TIB-Standort Rethen gebracht. Bei den Arbeiten hierzu sind interessante Ausgaben und Fakten zu Tage getreten, die im Folgenden dargestellt werden.
Vorhandene Bände der Erstausgabe
Das Kapital: Interimsbroschur der ErstausgabeVom ersten Band, der 1867 publiziert wurde und dem 1885 der zweite Band folgte, besitzt die TIB besonders wertvolle Erstausgaben: Bei diesen Exemplaren sind die Titelblätter der Broschur mit anderer Typographie erhalten geblieben. Es sind nur ganz wenige Exemplare, insbesondere der ersten Auflage von Band 1, bekannt, die beide Titelblätter aufweisen.
Es handelt sich beim ersten Blatt um eine sogenannte Interimsbroschur: Bücher wurden im 19. Jahrhundert lange ohne festen Einband ausgeliefert. Die Broschur bestand in der Regel aus einem losen Einband aus einfachem Papier oder dünnem Karton, auf dem die Angaben zum Buch standen.
Nach dem Kauf konnte man das Buch dann nach eigenem Geschmack einbinden lassen und die Interimsbroschur wurde entsorgt. Diese vorläufigen Einbände blieben deshalb relativ selten erhalten, weil sie beim regulären Binden entfernt wurden.
Von Band 3 (in zwei Teilen erschienen) hat die TIB sogar jeweils zwei Erstausgaben von 1894: Deren Standort war bisher allerdings nicht das blaue Kabinett, sondern die TIB-Standorte Sozialwissenschaften (Band 1, Band 2) und Conti-Campus (Band 1, Band 2).
Künftig werden alle Bände im Bereich Rara – der für seltene, wertvolle oder historische Drucke und Handschriften steht – zusammengeführt und in spezieller Schutzverpackung aufbewahrt.
Wie kamen die Bände in die Bibliothek?
Accessions=Katalog für 1867Band 1
Im Archiv der TIB/Universitätsarchiv Hannover werden die alten Akzessionsbücher der Bibliothek der Königlich Polytechnischen Schule zu Hannover und Polytechnischen Schule zu Hannover (1847–1879) aufbewahrt.
Im „Accessions=Katalog für 1867“ ist der erste Band aufgeführt: Marx, Das Kapital I.1 ist für 3 Preußische Vereinstaler und 10 Silbergroschen von der Helwingschen Verlagsbuchhandlung erworben worden, einer wichtigen und etablierten Buchhandlung in Hannover.
Band 2
Dieser Band findet sich im „Akzessions=Katalog für 1885 bis 1886“ zusammen mit der dritten Auflage des ersten Bands. Diese sind für 17 Reichsmark (nach der Währungsreform nach der Reichsbildung von 1871) von der Firma Schmorl und von Seefeld bezogen worden.
Band 3, Teil 1 und 2
Accessions=Katalog für 1885 bis 1886Am 1. Januar 2003 erfolgte die Übernahme der Fachbereichsbibliotheken der Niedersächsischen Landesbibliothek NLB (heute Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek, Niedersächsische Landesbibliothek, GWLB) durch die TIB (damals UB/TIB) mit allen Personalstellen und zugehörigen Sachmitteln. Seitdem befinden sich die Bände von Teil 3 im Bestand der TIB – angeschafft wurden sie jedoch noch zu Zeiten, in denen die Standorte der GWLB zugehörig waren.
Die beiden Teile von Band 3, die am TIB-Standort Sozialwissenschaften vorhanden sind, sind zusammen mit neueren Ausgaben der Bände 1 und 2 am 27. Juni 1979 über das Antiquariat Marco Pinkus in Dübendorf (Zürich) in der Schweiz für 400 DM gekauft worden.
Für die beiden am Conti-Campus vorhandenen Bände von Teil 3 ist eine Schenkung vom 23. November 2001 an die Niedersächsische Landesbibliothek, Wirtschaftswissenschaftliche Fachbereichsbibliothek, dokumentiert.
„Dies ewig unfertige Ding“: Warum vermutlich eine dritte Auflage gekauft wurde
Friedrich Engels schrieb am 27. April 1867 an Karl Marx:
„Dies ewig unfertige Ding drückte Dich körperlich, geistig und finanziell zu Boden, und ich kann sehr gut begreifen, daß Du jetzt, nach Abschüttelung dieses Alps, Dir wie ein ganz anderer Kerl vorkommst, besonders da die Welt, sobald Du nur erst wieder einmal hineinkommst, auch nicht so trübselig aussieht wie vorher.“[1]
Warum wurde von Band 1 noch einmal die dritte Auflage des ersten Bandes gekauft?
Karl Marx hat nach dem Erscheinen des ersten Bandes für die zweite Auflage und die französische Ausgabe[2] vieles überarbeitet. Diese umfangreichen Änderungen mögen die Bibliothek dazu bewogen haben, den ersten Band in einer neueren Auflage (zusammen mit Band 2) noch einmal zu erwerben.Ein Hinweis auf Papier: Was ein Zettel von 1967 über den Einband verrät
Bei den Bibliothekseinbänden lässt sich leider nicht genau feststellen, wann sie entstanden sind. Dazu gibt es keine Aufzeichnungen oder Vermerke. Ein Hinweis findet sich allerdings im ersten Band: Am Ende ist ein Blatt von 1967 mit eingebunden worden, dass vom Antiquariat T. Ackermann in München stammt. Hier ist der Punkt 338 „Das Kapital“ eingekreist und mit den Worten „haben wir!“ versehen.
Auch der Preis von 1.200 DM ist am Ende der Seite noch einmal groß handschriftlich vermerkt. Daraus lässt sich zum einen die Begeisterung für das im Besitz befindliche Werk und seinen für die 1960er Jahre hohen Preis entnehmen. Zum anderen kann man daraus den Rückschluss ziehen, dass auch der Einband circa 1967 hergestellt worden ist. Heute wird die Erstauflage des ersten Bandes für bis zu 250.000 Euro zum Kauf angeboten. Was die Ausgabe der TIB mit den seltenen Titelblättern wert ist, ist schwer zu sagen.
Nachlass Erich Gerlach
Erich Gerlach (geb. 1910 in Friemersheim/Kreis Moers, gest.1972 in Northeim) war ein deutscher Politiker (SAPD, SPD) und Wirtschaftswissenschaftler. Von 1947 (seit der ersten Wahlperiode) bis 1972 war er Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags für die SPD, Redakteur der „Sozialistischen Politik“ von 1954 bis 1963 sowie Lehrbeauftragter der Universität Hannover von 1969 bis 1972.
Die Monographienbestände der Arbeitsbibliothek aus Gerlachs Nachlass sind Teile des Gewerkschaftsarchivs, im OPAC nachgewiesen und zur Benutzung im Lesesaal am Standort TIB Technik/Naturwissenschaften bestellbar. Gerlach war im Nachkriegsdeutschland zwischen 1945 und 1970 einer der bedeutendsten Marxkenner und spielte eine zentrale Rolle für die Sozialdemokratie der Nachkriegsgeschichte.
Zwei Ausgaben des Kapitals hat er bearbeitet und kommentiert: Am 5. November 1929 im Alter von 19 Jahren hat er sich noch während seines Studiums die 10. Auflage 1922 des Kapitals im Meissner Verlag von Band 1 und 2 und von den Bänden 3,1 und 3,2 die sechsten Auflagen 1922 zugelegt (Band 1, Band 2, Band 3,1, Band 3,2)
Später kamen die 4. Auflage von 1953 im Dietz Verlag dazu. (Band 1, Band 2, Band 3)In allen Bänden gibt es Anstreichungen, mal mit Bleistift, mal mit rotem Buntstift, handschriftliche Kommentare, eingelegte Zettel mit seinen Notizen, teilweise in Stenographie. Gerlachs Bearbeitungen und Anmerkungen sind für die Forschung von Bedeutung, sodass an dieser Stelle alle von Gerlach kommentierten Auflagen zum Kapital digitalisiert worden sind.
Aus der Sammlung Gerlach wurden zum Thema „Das Kapital“ noch weitere Werke digitalisiert. Mit dieser Erschließung entsteht gleichsam ein Kaleidoskop eines wissenschaftlich bedeutsamen Werkkreises und ein digitaler Fundus, der zum einen die wertvollen Erstauflagen, zum anderen die kommentierten Ausgaben Erich Gerlachs und weitere Werke rund um das Werk „Das Kapital“ enthält und darüber hinaus exemplarisch zeigen kann, welche Möglichkeiten die Retrodigitalisierung bietet.
[1] Engels an Marx, 27.04.1867, in: MEW, Bd. 31, Berlin (Ost) 1965, S. 292.
[2] Karl Marx: Le capital: Traduction de M.J. Roy. Paris 1873.
#LizenzCCBY40INT #Retrodigitalisierung #TIBRethen #Altbestand #DasKapital