home.social

#lernen-vor-ort — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #lernen-vor-ort, aggregated by home.social.

fetched live
  1. edunautika Süd in Hanau

    Heute war zum ersten Mal eine edunautika außerhalb von Hamburg – und zwar in Hanau in Hessen. Da die edunautika zu meinen Lieblings-Barcamps gehört, war ich sehr neugierig, ob und wie solch eine Ausweitung gelingen würde. Jetzt auf der Rückfahrt halte ich dazu meinen ersten Eindruck und auch weitere Ideen und Einschätzungen zum heutigen Tag fest.

    1. Mit einem Barcamp lässt sich eigentlich immer einiges voranbringen!

    Ich bin immer wieder freudig erstaunt, wenn bei einem Barcamp zu Beginn aus der Moderation gefragt wird, wer heute zum ersten Mal an solch einem Format teilnimmt und dann weit mehr als die Hälfte aller Anwesenden sich meldet. Das war auch heute wieder so. Zwar sind die ‚Newbies‘ bei den Session-Angeboten dann meistens deutlich in der Unterzahl, doch das Prinzip, dass alle gemeinsam für das Programm verantwortlich sind, wird dennoch sehr schnell von allen gemeinsam gelebt.

    Bild von der heutigen Sessionschlange bei der edunautika

    Als eine Person, die schon bei sehr vielen Barcamps war, freue ich mich immer, wenn ich an Tagen wie heute zwischendrin viele (oft auch ungläubige Fragen im Sinne von: „Das wird doch niemals funktionieren!“) beantworten kann.

    Nach solch einem Barcamp habe ich dann meistens, viel mehr als bei anderen Veranstaltungen, den Eindruck, dass ich bzw. wir gemeinsam etwas voranbringen können. Das schon allein deshalb, weil so viele der Anwesenden ein verändertes Lernen ganz konkret in der Praxis erleben und davon Teil sind.

    2. Inhaltlicher Fokus der edunautika auch außerhalb der anbietenden Schulen?

    Die edunautika ist aus meiner Sicht vor allem deshalb ein so spannendes Barcamp, weil sie einen für mich wunderbar passenden Fokus hat, indem sie reformpädagogische Ansätze mit Lernen im digitalen Wandel zusammenbringt. Bisher war das bei den in Hamburg stattfindenden edunautikas schon allein dadurch sehr offensichtlich, dass die gastgebenden Schulen (die Winterhuder Reformschule und die Max Brauer Schule) das Programm durch viele Teilgebende und auch durch ihre Räumlichkeiten prägten. Das war heute weniger der Fall. Trotzdem gab es zahlreiche reformpädagogisch-orientierte Sessions. Vielleicht lässt sich aber durch eine gezielte Wahl von reformpädagogischen Schulen auch außerhalb von Hamburg dieses Profil der edunautika noch besser realisieren.

    3. Kinder und Jugendliche als Teilgebende

    Meine beiden Kinder waren – wie auch schon bei vielen Barcamps zuvor – auch heute in Hanau mit dabei. Sie haben auch eine Session angeboten zum Thema: Wie lernt man an einer freien Schule?

    Ich freue mich immer sehr darüber, wenn auch andere Kinder und Jugendliche Ähnliches machen. Gerade für die edunautika fände ich es gut, diese Möglichkeit noch stärker zu bewerben, was dann weniger ein Angebot von Kinderbetreuung, sondern mehr die Einladung zur Partizipation wäre.

    4. Moderation zu Beginn: gemeinsame Sessionfindungsphase

    Sehr gut gelungen fand ich die Moderation zu Beginn der heutigen Edunautika und hier insbesondere eine bewusste Sessionfindungsphase. Bereits auf der letzten edunautika in Hamburg und im Vorfeld der heutigen edunautika waren mögliche Fragen gesammelt worden, denen sich eine zukünftige edunautika stellen könnte. Diese Fragen waren auf Klebezettel notiert und auf die Stühle im Plenumsraum geklebt.

    Mit Fragen beklebte Stühle im Plenumsraum beim Ankommen

    Die gemeinsame Sessionfindungsphase lief nun so ab, dass sich alle einen Zettel vom Stuhl vor ihnen nahmen und damit in einen Kartenaustausch mit Musik gingen. Das hier war die Anleitung dazu:

    1. Jede*r nimmt sich einen Zettel und läuft damit durch den Raum.
    2. Sobald die Musik stoppt, spricht man mit der nächststehenden Person.
    3. Beide Personen stellen sich die Themen auf ihren Zetteln vor.
    4. Nun bekommt die Person den Zettel, der das Thema wichtiger ist.
      a. Wenn beide je ihr Thema wichtiger finden, behalten sie ihre Zettel.
      b. Wenn beide je das andere Thema wichtiger finden, tauschen sie ihre Zettel.
      c. Wenn beide Personen dasselbe Thema wichtiger finden, tun sie sich als Gruppe zusammen und ziehen gemeinsam weiter.
    Anleitungsfolie zur Sessionfindungsphase

    Die Fragen, die zu den ‚größten‘ Gruppen geführt hatten, wurden dann noch im Plenum vorgelesen.

    Ich fand das Vorgehen erstens einen schönen inhaltlichen Einstieg und zweitens eine sehr gute Möglichkeit, um zu kollaborativ entwickelten Session-Ideen zu kommen.

    Vielleicht könnte man zukünftig noch stärker auf dieses Vorhaben schon bei der Einladung hinweisen. Zumindest mir geht es so, dass ich sonst doch schon mit einer Frage oder sogar einem vorbereiteten Plan zu einem Barcamp komme. Würde ich dagegen explizit darauf hingewiesen, dass es die Idee ist, gemeinsam Sessionideen vor Ort zu entwickeln, würde ich das vielleicht anders machen.

    5. Idee: Barcamp-Methoden als Pre-Session

    Es gab heute in sehr vielen anderen Sessions einen sehr austauschorientierten Fokus oder die Möglichkeit, einfach nur Fragen zu stellen. Das finde ich sehr erfreulich! Ich könnte mir vorstellen, dass die Qualität des Austausches bei Barcamps wie der edunautika noch einmal deutlich gesteigert werden könnte, wenn man als einen Vorab-Workshop gemeinsam für solch einen Austausch hilfreiche Methoden kennenlernt. Das können ganz einfache Sachen sein, z.B. mit einem sehr schnellen Blitzlicht starten, so dass alle erst einmal mit ihrer Perspektive zu Wort kommen oder auch immer mal wieder ein ‚Silent Writing‘ für eine gleichberechtigtere Beteiligung zu etablieren.

    Zugleich könnten auch umfangreichere Methoden vorgestellt und ausprobiert werden. Für meine Session – die ich gemeinsam mit Gratian durchgeführt habe – habe ich mir heute z.B. eine einfach weiternutzbare Methodik in Form einer Kombination aus Gruppenpuzzle und Future Backwards überlegt. Das genaue Vorgehen habe ich hier aufgeschrieben.

    Vor einiger Zeit gab es bereits schon einmal Vorab-Workshops vor der edunautika. Damals zum Thema der Dokumentation. Es hat hier sehr gut geklappt, dass durch den Pre-Workshop eine Art ‚Taskforce‘ für gute Barcamp-Doku entstand, die dann entscheidend dazu beitrug, dass in vielen Sessions sehr gut dokumentiert wurde. Ähnlich könnte es auch eine ‚methodische Taskforce‘ geben.

    Sehr gerne konzipiere und gestalte ich an dieser Idee gemeinsam mit anderen Interessierten – vielleicht ja für eine der nächsten edunautikas oder für ein anderes Barcamp.

    Fazit

    Insgesamt fand ich die heutige edunautika sehr schön und bestärkend. Herzlichen Dank ans Orga-Team, an die Heraeus Bildungsstiftung für die Finanzierung und an alle Teilgebenden für den guten Austausch und das gemeinsame Lernen!

    #lernenVorOrt

  2. Ein Tag im BMBF in Berlin: Fachkonferenz ‚Mein Bildungsraum‘

    Den heutigen Tag habe ich im BMBF in Berlin verbracht und bin jetzt gleich auf der Rückfahrt. Auf dem Programm stand die Fachkonferenz ‚Mein Bildungsraum‘. Dieses Projekt war ursprünglich unter dem Namen ‚Nationale Bildungsplattform‘ mit großen Ambitionen für die selbstbestimmte Organisation des eigenen Bildungswegs gestartet. Aktuell ist es ein bisschen in der Schwebe. Niemand wusste so genau, was das Projekt genau umsetzen soll und wie es mit den gestarteten Förderprojekten weiter geht. Diese waren heute aber hauptsächlich zu dem Termin eingeladen und es gab vielfältige Vernetzungs- und Austauschmöglichkeiten.

    Ich habe mit ‚Mein Bildungsraum‘ eigentlich nichts zu tun, aber habe mich gefreut, viele OER-aktive Menschen zu treffen. Eingeladen war ich zu einer Podiumsdiskussion zu KI in der Bildung, die als letzter Punkt auf dem Programm stand. Dort habe ich versucht, insbesondere die folgenden Aspekte einzubringen:

    • KI macht Bildung nicht sozialer, wenn wir das nicht entsprechend gestalten.
    • Wir sind im Kontext von KI zu einer Veränderung der Lernkultur herausgefordert: mehr intrinsische Motivation, mehr Lernfreude, mehr offene Lernprozesse.
    • KI muss auch als Lerngegenstand aufgegriffen und hier insbesondere demokratisch gestaltet werden.

    Ich nehme ansonsten die folgenden Aspekte mit:

    • Ich habe mich über die sehr klare Aussage von Prof. Dr. Ulrike Lucke bei ihrer Projektvorstellung BIRD gefreut: „Die Daten, die Lernende bei ihren Lernprozessen auf digitalen Plattformen generieren(wo klicken sie drauf? Wie lange schauen sie etwas an? Welche Lernpfade nutzen sie? …), gehören ihnen selbst.“
    • Mit mir auf dem Podium war Wiebke Matthes, die den Bereich der fachergänzenden Kompetenzen an der Uni Kiel leitet. Ich fand, dass wir uns ganz wunderbar die Bälle in Hinblick auf OER und Future Skills zu spielen konnten. Vielleicht ergibt sich hier mal eine weitere Zusammenarbeit.
    • Ich habe endlich mal Friederike Siller von der TH Köln persönlich getroffen. Ich weiß gar nicht, wie lange ich sie schon ‚online‘ kenne.
    • Nach dem Podium kam ein Kollege auf mich zu und regte an, die soziale Komponente des Lernens im Kontext von intrinsisch motivierten und offenen Lernprozessen stärker zu betonen. Das finde ich einen guten und wichtigen Punkt.

    Vielen Dank auch ansonsten für viel Austausch und gute Gespräche!

    #LernenVorOrt

  3. Wochenstart in Nienburg

    Zum Beginn der Woche war ich heute in Nienburg. Das dortige Kreismedienzentrum hat ziemlich viele öffentliche Mittel für ganz viel Digitaltechnik erhalten und dazu die ‚Lernräume der Zukunft‘ gestaltet. Die Idee ist, dass Lehrkräfte hier selbst ins Ausprobieren kommen können. Außerdem können sie gemeinsam mit Lerngruppen die Räume und die Technik nutzen. Heute war zur Eröffnung eine Art Messe gestaltet, bei der man viel ausprobieren konnte. In diesem Rahmen habe ich einen Impuls zu gutem Lernen im Kontext von KI gehalten. Genutzt habe ich dazu meine KI-Blackbox-Kiste.

    Dieses Mal habe ich den Vortrag aber interaktiver gestaltet und dazu insbesondere eine neue Knick-Quatsch-Prompt-Vorlage (= Prompts erstellen, wie beim Kinderspiel ‚Monstermalen‘) erstellt. Falls du sie weiternutzen willst, bitte sehr:

    Knickquatschprompt-VorlageHerunterladen

    Die ‚Auflösung‘ ist inzwischen sehr cool, weil man ChatGPT Live per Audio mit dem Smartphone dazu schalten kann – und einen KnickQuatschPrompt einfach vorlesen lassen kann. Dann kommt die Quatsch-Antwort auch ‚gesprochen‘ zurück. Das ist noch ein bisschen lustiger als das frühere Abtippen, Eingeben und Vorlesen.

    Wie du im obigen Bild siehst, gab es (als einzige Folie) vor dem eigentlichen Start eine Mini-Übung im Umgang mit Ambivalenz im Kontext von KI. Der QR-Code verweist auf diese Github-Website.

    Die Kolleg*innen in Nienburg waren sehr aufgeschlossen und gastfreundlich – inklusive Einladung zu Kaffee und Kuchen vorab. Herzlichen Dank!

    #LernenVorOrt

  4. Gute Praxis für Zwischenräume bei Veranstaltungen

    Bei ‚Vor Ort‘-Veranstaltungen sind so genannte Zwischenräume zum Lernen besonders wichtig. Denn wenn man gemeinsam in der Kaffeeschlange ansteht, sich einen Button an der Button-Maschine bastelt oder in einer Sticker-Box nach Stickern sucht, dann kommt man miteinander ins Gespräch und beginnt selbst zu erkunden und zu gestalten. Der Chaos Communication Congress in Hamburg ist für mich ein besonders gelungenes Beispiel für die Realisierung solcher Zwischenräume. Genauer genommen besteht er sogar zum größten Teil aus solchen Zwischenräumen und sie sind nicht nur – wie an anderen Stellen oft erlebt – ein netter Zusatz. Was lässt sich davon lernen?

    Grundsätze zur Realisierung

    So wie ich den Congress beobachtet habe, funktionieren die Zwischenräume dort so gut, weil es sehr klare Grundsätze und damit einen guten Rahmenbau gibt, in dem genau dieses Zwischenraum-Lernen sich entfalten kann:

    1. Es gibt ein verbindendes Motto, unter dem sich alle wiederfinden können und das eine Atmosphäre der Solidarität ermöglicht. Beim Congress lautet es: ‚Be excellent to each other‘. Das klingt simpel, aber es steckt sehr viel drin und es ist wahrscheinlich gerade deshalb so wirkungsvoll.
    2. Chaos ist ausdrücklich erwünscht und wird gefördert. Damit ist gemeint, dass es nicht ein Veranstalter-Team gibt, das alles in der Hand behalten will, sondern alle davon überzeugt sind, dass gemeinsam viel entstehen kann. Man gibt einen Rahmen vor und erlaubt und fördert es es, diesen zu füllen.
    3. Der Raum wird zur Gestaltung freigegeben. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass Installationen aufgebaut, Zettel angepinnt und eigene Utensilien mitgebracht werden. Erst auf diese Weise kann es gelingen, dass die Zwischenräume nicht nur die Zwischenräume des Veranstalter-Teams sind, bei denen die Teilnehmenden dann eben mitmachen können, sondern alle Beteiligten gestalten ihren gemeinsamen Raum. Auch dazu gibt es wieder klare Regeln: Was darf nicht an Wände? Wo sind Fluchtwege? Wieviel Platz ist da? Weil so etwas transparent kommuniziert wird, funktioniert es gut. Außerdem – auch das scheint ganz wichtig zu sein – gibt es ‚Aufräummöglichkeiten‘, an denen sich alle niederschwellig beteiligen können: Flaschen zur Flaschen-Sammel-Stelle bringen, Müll einsammeln … Wenn das gut vorbereitet ist, funktioniert es ziemlich gut. Daneben gibt es beim CCC natürlich auch das ‚Engel‘-System. Hier kann man Schichten übernehmen und erhält im Gegenzug einen Voucher für ein Ticket im nächsten Jahr.

    Praktische Beispiele

    Ich habe dieses Jahr beim Congress unter anderem diese ‚Zwischenräume‘ entdeckt, die mir gut gefallen haben:

    Mini-Spiel an der Wand

    Dieses Mini-Spiel war an der Wand angebracht. Man konnte damit zu zweit spielen. Das Ziel war es, einen blinkenden Cursor zu fangen, der immer an unterschiedlichen Stellen auf der Leiste nach oben auftauchte. Man musste den Button so lange drücken, dass der eigene Cursor sich genau die benötigte Zeit zur Position des zu fangenden Cursors nach oben bewegte.

    Sitzkissen und Zirkuskiste

    Eine der besten Zwischenräume scheinen mir die vielen einladenden Sitz- und Liegegelegenheiten gewesen zu sein. Hier sogar mit einer Zirkus-Kiste zum Mitmachen daneben.

    Klassiker: das Bällebad

    Zum CCC gehört unbedingt auch ein Erwachsenen-Bällebald. Finanziert wurde es (ich weiß nicht, wie erfolgreich) durch einen Crowdfunding-QR-Code im Eingangsbereich des Bällebads.

    Augomat: Wackelaugen für alle!

    Ganz einfach, aber sehr wirkungsvoll: An diesem Augomat waren alle eingeladen, sich selbstklebende Mini-Wackelaugen mitzunehmen und damit die Umgebung zu verschönern.

    Nachrichten-Box

    An dieser Info-Exchange Station konnten alle eine kleine Karte mit einer beliebigen Nachricht beschriften, sie in einen Mini-Umschlag stecken, zukleben und in eine Box werfen. Im Gegenzug durfte man sich dann eine Nachricht herausnehmen.

    Neon-Post-Its Kunst

    Hier gab es eine beleuchtete Wand, die mit Post-Its beklebt werden konnte. Im Laufe der Congress-Tage entstand so ein kunterbuntes, kollaboratives Kunstwerk.

    Sticker-Tische

    Sticker-Tische oder -boxen gab es viele und das Prinzip ist denkbar einfach: entweder nur nach schönen Stickern suchen oder auch mit eigenen Stickern befüllen. Sehr hilfreich, um damit bestimmte Botschaften zu verbreiten, Freude zu teilen oder das eigene Projekt bekannter zu machen.

    Fazit

    Das waren nur einige wenige Beispiele. Viele ermutigen sie dich dazu, wenn du eigene Veranstaltungen gestaltest, einen Rahmen zu schaffen, dass sich so etwas entfalten kann. Und wenn du an Veranstaltungen teilnimmst, dann bekommst du dadurch vielleicht Ideen, wie du dich an der Gestaltung des gemeinsamen Raums beteiligen könntest. Ich nehme mir zum Beispiel die Wackelaugen-Idee mit. 🙂

    #LernenVorOrt

  5. Konzept einer Community-Beratschlagung zum Weiternutzen

    Ich bin auf der Rückfahrt vom OER-Festival in Essen. Es waren sehr schöne Tage mit einem vielfältigen Programm, ganz viel Barcamp, wunderbaren Teilgebenden und dem gewohnt professionell-sympathischen Veranstalter-Team der Agentur Jöran und Konsorten. Heute stand eine Community-Beratschlagung zu generativer Künstlicher Intelligenz (KI) und OER auf dem Programm, die ich mit konzipiert und vorbereitet habe. In diesem Blogbeitrag teilen wir das Konzept und die verwendeten Materialien zum Weiternutzen.

    Der Rahmen

    Für die Community-Beratschlagung hatten sich über hundert Personen angemeldet, und wir hatten rund 2,5 Stunden Zeit. Gesucht war somit ein Format, mit dem die Teilgebenden schnell und konzentriert in eine gemeinsame Diskussion und Entwicklung kommen konnten und mit dem sichergestellt war, dass die Ergebnisse gut dokumentiert und aufbereitet werden können. Unser Anspruch war zudem, einen spielerischen Ansatz zu finden, der allen Beteiligten Freude bereitet, zu möglichst kreativen Ideen führt und auch das eigene Lernen unterstützt.

    Die Idee

    Unsere grundsätzliche Idee war die Gestaltung einer Art strukturierten Brainstormings, bei dem sich die Teilgebenden in Kleingruppen zusammenfinden und zu aufgeworfenen Fragen gemeinsam reflektieren und Ideen festhalten können. Sie sollten dabei auch die Möglichkeit haben, auf den Ideen der anderen Kleingruppen aufzubauen und diese zu ergänzen.

    Das Ziel

    Das Ziel der Beratschlagung war ein möglichst umfassendes Papier zum Themenkomplex OER und generative KI, das Forderungen, Ideen und Praxisbeispiele aus der OER-Community zusammenträgt und an Entscheidungsträger*innen in Politik und Verwaltung sowie an bildungsaktive Menschen weitergegeben und von diesen genutzt werden kann. Dabei mussten wir nicht von Null anfangen, sondern konnten insbesondere auf das von Wikimedia herausgegebene Papier „Offene KI für alle!“ aufbauen.

    Besonders passend war die Beratschlagung, weil zeitgleich zum OER-Festival in Essen der dritte OER-Weltkongress der UNESCO in Dubai stattfand. Am Vorabend der Beratschlagung fand unter dem Motto „Dubai Calling“ ein Live-Gespräch mit Heike (Wikimedia) und Jöran (Agentur J&K) statt, die in Dubai an der Konferenz beteiligt sind.

    Unser Vorgehen zur Konzeption

    Im Folgenden beschreibe ich Schritt für Schritt, wie wir bei der Konzeption vorgegangen sind. Meine Einschätzung ist, dass sich diese Konzeption immer dann gut weiter nutzen lässt, wenn in größeren Gruppen zu einer bestimmten Herausforderung diskutiert werden soll.

    Schritt 1: Fragen entwickeln

    Die übliche Herangehensweise an eine Herausforderung ist, dass man sich überlegt, was man daran gut findet und welche Kritik man daran hat. Leider ist das kein sehr handlungsorientierter Ansatz, weshalb wir einen anderen Weg gewählt haben: Unsere Leitfragen waren nicht die Chancen und Risiken von generativer KI aus Perspektive von OER. Stattdessen haben wir zwei *“Wie können wir …“-*Fragen formuliert:

    1. Wie können wir mithilfe von generativer KI unsere OER-Aktivitäten verbessern?
    2. Wie können wir aus einer Perspektive der Offenheit und mithilfe von OER zu einer besseren generativen KI gelangen?

    Diese Fragen waren erst einmal nur die Leitfragen und mussten für die Beratschlagung konkretisiert werden. Hierzu führten wir vorab eine Flipped-Umfrage unter den Teilnehmenden durch, in der wir erstens nach drei Begriffen/Gründen fragten, was ihnen an OER und Offenheit wichtig ist. Zweitens fragten wir, welche Kritik oder Herausforderungen sie aus Offenheitsperspektive an generativer KI sehen. Die Ergebnisse der Befragung haben wir geclustert und daraus insgesamt 50 konkretisierte Fragen entwickelt. Dabei haben wir die Gründe für OER jeweils in die erste Leitfrage eingesetzt (Beispiel: Aus der Nennung „Freier Zugang zu Wissen“ wurde die konkretisierte Frage: „Wie kann uns generative KI dabei helfen, freien Zugang zu Wissen noch besser zu realisieren?“). Die Kritikpunkte haben wir zur Ausformulierung der zweiten Leitfrage genutzt (Beispiel: Aus der Herausforderung „KI produziert Bias“ wurde die konkretisierte Frage: „Wie können wir mit Offenheit und OER erreichen, dass generative KI weniger bias-behaftete Inhalte generiert?“).

    Je nachdem, wie stark man die Ergebnisse einer solchen Umfrage clustert und zusammenfasst, kommt man zu mehr oder weniger konkretisierten Fragen. Da wir eine recht große Gruppe waren und 50 Umschläge mit Aufgaben zur Bearbeitung für uns ein gutes Ziel waren, haben wir nur sehr wenig zusammengefasst. Manche Fragen sind durchaus Dopplungen. Für das Spiel ist das nicht schlimm.

    Wir haben diese Fragen auf A5 ausgedruckt und jeweils Platz für die Klebepunkte zur Anzeige der Bearbeitung gelassen. Diese Fragezettel wurden dann auf A5-Briefumschläge geklebt, was im Ergebnis so aussah:

    Umschlag mit Frage (und schon einem ersten Bearbeitungspunkt)

    Alle diese Umschläge mit den Fragen kamen an eine Pinnwand:

    Fertig aufgebaute Pinnwand vor Spielstart

    Hier sind die entwickelten Fragen in Textform:

    Schritt 2: Klare Struktur überlegen

    Wenn man das Ziel verfolgt, dass Menschen sich gut austauschen, Ideen entwickeln und voneinander und miteinander lernen können, dann ist es entscheidend, einen sehr klaren Rahmen bzw. eine Struktur vorzugeben, der dann von den Teilgebenden offen ausgestaltet werden kann. Vor diesem Hintergrund hatten wir uns ein sehr übersichtliches und klares Setting überlegt:

    • Die Teilgebenden finden sich in Kleingruppen mit rund 5 Personen zusammen.
    • Sie wählen sich je nach eigenem Interesse eine Frage aus.
    • Sie diskutieren die Frage und halten ihre Ideen dazu auf Karteikarten fest.

    Danach folgt die nächste Runde, in der sie sich wieder einen Umschlag auswählen können und diesen dann bearbeiten. Zur Bearbeitung der Aufgaben können die Teilnehmenden soviel Zeit nutzen, wie sie benötigen. Grundsätzlich orientierten wir aber auf eine schnelle Ideenentwickung.

    Schritt 3: Spielerisches Setting ergänzen

    Für ein bisschen Glitzerstaub beim Austausch und vor allem im Interesse einer möglichst kreativen und offenen Ideenentwicklung haben wir zu dieser Struktur ein spielerisches Setting ergänzt. Dazu erhielt jede Kleingruppe ein Spielset mit:

    • einer prägnanten Spielanleitung,
    • vier Rollenkarten, die zu Beginn in der Gruppe verteilt werden sollten und „Kümmerer-Aufgaben“ zuteilten,
    • einem Stapel mit Kreativitätsbooster-Karten, die immer dann gezogen werden konnten, wenn in der Kleingruppe die Ideen ausgingen. Darauf waren unterschiedliche Kreativitätsmethoden angeteasert (Beispiel: Wie würdest du die Herausforderung lösen, wenn du allein auf einer einsamen Insel gestrandet wärst oder wenn du unbegrenzt finanzielle Mittel zur Verfügung hättest?).

    Beispielhafte Rollenkarten

    Bei den Rollenkarten ist vor allem die Rolle der Mentorin sehr wichtig. Sie hat Zugriff zu einem Glossar, was sie natürlich auch an andere Mitspieler*innen weiter geben kann. In diesem Glossar werden Fachbegriffe, die in den Fragen genutzt werden, erklärt. Dieses Vorgehen ermöglicht es, dass die Beratschlagung nicht nur Brainstorming, sondern insbesondere für Newbies – auch Lernangebot ist. Unser Glossar haben wir auf Github veröffentlicht.

    (Für die Erstellung eines solchen Glossars kann die Nutzung eines Sprachmodells sehr hilfreich sein: Man gibt dort alle entwickelten Aufgaben/ Fragen ein und ergänzt, dass daraus bitte eine alphabetisch sortierte Liste mit darin verwendeten Fachbegriffen und einer kurzen Erklärung generiert werden soll.)

    Beispielhafte Kreativitätsbooster-Karten

    Das ausgegebene Ziel lautete dann:
    Wir möchten gemeinsam ein WundOERelixier brauen, mit dem wir generative KI im Interesse von OER nutzen und aus Perspektive von OER weiternutzen können. Dieses WundOERelixier entsteht, wenn wir möglichst viele Offenheits-Ideen zu den aufgeworfenen Fragen gemeinsam entwickeln!

    Folie zum WundOERelixier: Viele Menschen, die zu OERcamps fahren, mögen Wortspiele mit OER.

    Psst: Hinter den Kulissen!

    So strukturiert, wie hier beschrieben, sind wir in der Realität natürlich nicht vorgegangen. Hier war es vielmehr so, dass wir erst die Idee für den Spielcharakter hatten und diesen ursprünglich noch deutlich stärker ausgeschmückt hatten („Schafft es die OER-Community, das böse KI-Monster in ein glitzerndes Einhorn zu verwandeln?“ 🙃). Davon ausgehend konnten wir dann Schritt für Schritt eine umsetzbare Idee entwickeln, in der sich spielfreudige Menschen genauso wiederfinden können wie Menschen, die lieber ohne Schnickschnack diskutieren wollen. Zur besseren Weiternutzbarkeit habe ich oben aber den systematischen Weg beschrieben, wie ich es jetzt machen würde, wenn ich etwas Ähnliches noch einmal konzipieren würde.

    Die Durchführung

    Wir haben mit einem kurzen Überblick im Plenum gestartet, in dem ich erzählerisch den Kontext der Beratschlagung erläutert habe. Das war vor allem deshalb wichtig, weil beim OERcamp erfahrungsgemäß Menschen mit sehr unterschiedlichen Erfahrungen, Vorwissen und Hintergründen zusammenkommen. So war sichergestellt, dass alle sich gut beteiligen können.

    Anschließend haben wir zur Kleingruppenbildung aufgerufen. Die Orientierung war hier ca. 5 Personen. Diese Kleingruppen konnten sich einen Platz im Gebäude suchen, wo sie die nächsten zwei Stunden diskutieren wollten. Unser Tagungsort war das Unperfekthaus in Essen, was sich für solch ein Setting ganz wunderbar eignete, da es hier viele sehr einladende co-work-artige Bereiche zur offenen Nutzung gab.

    Eine Kleingruppe beim Start der Beratschlagung

    Alle Kleingruppen nahmen ein Spielset mit. Gemeinsam konnten sie zunächst die bewusst sehr prägnant formulierte Spielanleitung lesen, dann die Rollenkarten verteilen und die Kreativitätsbooster bereitlegen, die sich beide im Spielset befanden.

    Dann konnte die eigentliche Beratschlagung starten: Jede Gruppe holte sich einen ersten Umschlag mit einer darauf formulierten Frage von der Pinnwand im Plenum und sammelte gemeinsam Ideen, die ihnen dazu einfielen, notierten diese auf Karten, steckten sie in den Umschlag und brachten diesen dann zurück zur Pinnwand. Mit einem Klebepunkt wurde markiert, dass die Aufgabe bearbeitet wurde. Dann konnte der nächste Umschlag gewählt werden.

    In den nächsten Runden gab es dann immer häufiger die Möglichkeit, einen Umschlag zu wählen, der bereits von einer anderen Gruppe oder auch mehreren anderen Gruppen bearbeitet wurde und deren Karten enthielt. In diesem Fall konnte man sich zunächst einen Überblick verschaffen, welche Karten es schon gab, und dann weitere Ideen ergänzen. Das Prinzip war hier ein „Ja, und …“ (= was wären darauf aufbauende Ideen?) oder ein „Ja, oder …“ (= was wäre alternativ als Idee denkbar?).

    Unsere Pinnwand zum Abschluss mit vielen Klebepunkten

    Materialien zum Weiternutzen

    Die für die Community-Beratschlagung erstellten Materialien geben wir gerne unter CC0 1.0 frei, um eine möglichst einfache Weiternutzung zu ermöglichen. (CC0 bedeutet, dass kein Lizenzhinweis angegeben werden muss; über einen Verweis freuen sich die OERcamp und der Träger, die Agentur Jöran und Konsorten, natürlich trotzdem immer.)

    Die Textversionen, die du für deine Beratschlagung beliebig anpassen kannst, findest du oben. Hier sind Druckdateien der Karten im Format A6.

    RollenkartenHerunterladen Kreativitaetsbooster-KartenHerunterladen

    Außerdem gibt es hier (als Gestaltungsanregung) unsere Spielanleitung. Wir haben sie auf A4 doppelseitig ausgedruckt und in der Mitte gefaltet.

    Spielanleitung_BeratschlagungHerunterladen

    Wie geht es nun weiter?

    Unser Ziel war es eigentlich, dass jeder Umschlag von mindestens drei Gruppen bearbeitet werden sollte. Das haben wir nur bei einzelnen Fragen geschafft. Alle Fragen wurden aber mindestens einmal, sehr viele auch zweimal und manche auch dreimal bearbeitet. Ein erster Blick in die Umschläge zeigt, dass sich darin geballte Community-Power und sehr vielfältige und gute Ideen befinden. Unsere Aufgabe wird es nun sein, die Karten zu verschriftlichen. Wir werden unter den beteiligten Teilgebenden eine Kommentierungs- und Feedback-Schleife machen. Das fertige Ergebnis wird dann am 15. Dezember 2024 auf der OERcamp-Website veröffentlicht.

    Fazit und Danke!

    Zum Abschluss bleibt mir nur noch Danke zu sagen:

    • an die Agentur J&K und hier insbesondere an Frank Homp für die gute Zusammenarbeit, die mir viel Freude gemacht hat,
    • alle Teilgebenden, die sich begeistert beteiligt und so viele Ideen geteilt haben. Ich freue mich sehr auf die Ausarbeitung des geplanten Papiers!
    • den Menschen, die erstes konstruktives Feedback zur Methode geäußert haben. Insbesondere gab es den Vorschlag, dass das Glossar, auf das die Person mit der Rollenkarte Mentor*in Zugriff hatte, interaktiv angelegt sein könnte, sodass dort auch noch während der Beratschlagung weitere unbekannte Begriffe ergänzt werden könnten.

    Wenn du auch Feedback hast, dann freue ich mich, davon zu lesen. Ansonsten hoffe ich, dass wir ab dem 15. Dezember alle gut mit unserem dann fertig erstellten Papier weiterarbeiten und es verbreiten werden. Außerdem viel Freude bei einer eventuellen Weiternutzung des Konzepts und der Materialien.

    Die Erstellung und Durchführung des Konzepts erfolgte im Auftrag der Agentur J&K – Jöran und Konsorten als Träger der OERcamps. Der Beitrag ‚Konzept einer Community-Beratschlagung zum Weiternutzen‘ steht unter der Lizenz CC BY 4.0. Als Namensnennung soll angegeben werden: OERcamps – durchgeführt von der Agentur Jöran und Konsorten.

    #LernenVorOrt #Lernformate #Methoden #OERcamp

  6. Inhaltliche und methodische Einblicke vom OER-Werkstatt-Tag in Potsdam

    Heute habe ich den Tag in Potsdam verbracht. Das Projekt Co-wOERk hat zusammen mit der Universität Potsdam zu einem OER-Werkstatt-Tag eingeladen, der mit rund 50 Personen erfreulich gut besucht war. Ich war für einen Impulsvortrag eingeladen und habe mich auch an der Konzeption der Veranstaltung beteiligt. In diesem Blogbeitrag teile ich ein paar Einblicke, die vielleicht auch für andere Veranstaltungen spannend sind.

    Konzeption und Inhalte

    Wie sehr oft im OER-Kontext hatten wir es auch bei diesem Werkstatt-Tag mit einer sehr heterogenen Zielgruppe zu tun: Manche Menschen arbeiten schon sehr lange zu OER, viele andere sind ganz neu dabei. Diese „Newbie“-Zielgruppe ist – anders als in der Anfangszeit von OER – sehr spannend, weil es oft nicht Menschen sind, die sich langsam an das Thema herantasten, sondern direkt in einem der vielfältigen Förderprojekte hauptberuflich mit OER zu tun haben.

    Das Motto der Veranstaltung war vor diesem Hintergrund auch sehr passend: ‚Über OER ins Gespräch kommen‘. Es ging also darum, voneinander und miteinander zu lernen, sich zu vernetzen und nächste Schritte zu planen. Das haben wir auf vielfältige Art und Weise umgesetzt.

    1. Blätter-Schnipselei als Speed-Dating

    Zum Kennenlernen haben wir ein Speed-Dating gestaltet und dieses mit einer Mini-Bastelei und Datenvisualisierung verbunden. So sind wir vorgegangen:

    • Wir haben Scheren verteilt und dabei direkt die Anspielung auf OER deutlich gemacht, dass Pädagog*innen ja eigentlich schon zu analogen Zeiten häufig Remix-Künstler waren – lange bevor es den Begriff OER überhaupt gab – und sich mit der Schere unterschiedliche Schnipsel zusammengesucht und neu zusammengestellt haben.
    • Die Teilnehmenden haben ein Blatt ausgeschnitten, mit dem sie ihren Hintergrund visualisiert haben: Die Farbe wies auf ihre Institution hin, die Größe auf die Menge an Ressourcen, die sie mitbringen, und die Form auf ihre Vorerfahrungen zu OER (= je runder, desto mehr Newbie, je gezackter, desto mehr Nerd).
    Folie zur Erläuterung der Blatt-Gestaltung
    • Nachdem alle ihr Blatt gestaltet hatten, suchten sie das Gespräch mit mindestens drei anderen Personen, die ein möglichst anderes Blatt gestaltet hatten als sie selbst.
    Speed-Dating mit gestalteten Blättern
    • Anschließend wurden alle Blätter an einen OER-Baum angepinnt.
    Unser entstandener Blätter-Baum

    Ich habe diese Methode als sehr gewinnbringend erlebt und kann sie zum Nachmachen empfehlen.

    2. OER-Wimmelbild

    In meinem Vortrag bin ich zunächst grundsätzlich auf die (eigentlich ziemlich banale) Idee von OER eingegangen (= Von Menschen erstellte Materialien sind automatisch urheberrechtlich geschützt und können durch CC-Lizenzen weiternutzbar gemacht werden). Danach habe ich in Form eines Kritzel-Wimmelbildes Schritt für Schritt aufgezeichnet, was aus OER alles entstehen kann. Angefangen von der praktischen Tatsache, dass ich dank OER das Rad nicht immer wieder neu erfinden muss, sondern die Materialien von anderen weiternutzen kann, bis hin zum Nordstern, durch Offenheit die Welt besser zu machen.

    Ich mag solch eine Kritzel-Darstellung sehr gerne, weil ich den Eindruck habe, dass die Impulse dann gut in den Köpfen bleiben und in späteren Austauschphasen immer wieder darauf Bezug genommen werden kann.

    3. Tipps für gelingende OER-Arbeit

    Ein weiterer Teil meines Vortrags waren 5 Tipps für gelingende OER-Arbeit:

    1. Sich selbst und anderen das Leben einfach machen: Es hilft ungemein, wenn man OER immer mit dem Blick teilt, wie es die Weiternutzung möglichst einfach macht. Das bedeutet dann zum Beispiel, sich nicht in Lizenz-Kleinklein zu verlieren, sondern sich bei der Auswahl besser auf CC0 und CC BY zu beschränken. Außerdem ist es hilfreich, gerade bei größeren OER-Projekten vieles zugleich auch als Micro-Content zu teilen.
    2. Viel mehr als nur Inhalte teilen: Für mich sind OER viel mehr als die eigentlichen „Ressourcen“ (= Materialien). Besonders gewinnbringend erlebe ich es, wenn Konzepte und Ideen offen geteilt werden. Gerade daraus kann vieles entstehen.
    3. Konsequente OER-Routinen entwickeln: Natürlich ist es erst einmal sehr aufwendig, etwas als OER aufzubereiten, um es zu teilen. Mir helfen dabei „selbstverpflichtende Routinen“ ungemein: Wenn ich etwas gestaltet habe, teile ich es direkt danach öffentlich. Wenn ich an einer Veranstaltung teilnehme, teile ich meine Learnings; wenn ich mit anderen zusammenarbeite, rege ich direkt bei Projektstart an, die Konzeption zu veröffentlichen … Auf diese Weise wird OER-Praxis zur Normalität. Besonders schön ist daran, dass dieses Teilen vor allem auch mir selbst hilft, weil meine Arbeit auch für mich selbst (und damit vor allem für mein zukünftiges Ich) gut aufbereitet und auffindbar zur Verfügung steht. Wahrscheinlich remixe ich mich selbst am häufigsten ;-)
    4. Wertschätzend sein und sich nicht ärgern lassen: Natürlich ist die Welt nicht immer nur Sonnenschein und so gibt es auch nicht nur Menschen, die offen teilen. Es kann deshalb immer wieder vorkommen, dass man auf Trittbrettfahrer*innen stößt, die nur nehmen, aber nicht geben. Hier habe ich nun zwei Möglichkeiten: Ich kann mich ärgern und vor lauter Ärger auch selbst auf das Teilen verzichten. Oder ich kann trotz alledem teilen, mich an denen orientieren, die das ebenfalls tun und mich darüber freuen, wenn andere mein Teilen für sich zum Vorbild nehmen.
    5. Nicht „slOERken“: Das Wortspiel „slOERken“ ist eine Erfindung des OERcamp-Teams, und ich habe es mit aufgenommen, weil ich es so spaßig fand. Gemeint ist mit „slOERken“, besserwisserisch rumzunörgeln, dass etwas Offenes nicht offen genug ist. Das sollte man besser vermeiden.

    4. Murmelphasen

    Ich habe den Vortrag interaktiv angelegt und nach jedem Impuls durch eine kurze Murmelphase unterbrochen. Auch hier haben wir methodisch unterschiedliche Sachen ausprobiert:

    • Nach dem grundlegenden Einstieg zu OER gab es die Aufgabe, Nebensitzer*innen den Begriff OER zu erklären. Wer wollte, konnte dazu in eine fiktive Rolle schlüpfen, die man sich erwürfeln konnte.
    Rollenerklärungen zu OER
    • Nach dem Wimmelbild zu den Potenzialen von Offenheit haben wir einen Kartenaustausch gestaltet: Tausche dich mit einer anderen Person über ein fiktives Zitat aus. Sage, inwieweit es auf dich zutrifft oder nicht zutrifft. Die dazu entstandene Ressource kann offen weitergenutzt werden.
    • Nach den 5 Tipps haben wir ein Troika-Consulting gestaltet: Die Teilnehmenden haben sich je eine Herausforderung überlegt, vor der sie aktuell stehen – und sich dann von zwei Kolleg*innen beraten lassen.

    Aus meiner Sicht haben alle drei Murmelphasen gut geklappt. Gerade durch die Vielfalt der „Aufgaben“ hatten die Teilnehmenden Freude und waren sehr aktiv dabei. Wer Ähnliches vorhat, sollte darauf achten, einen Raum zu wählen, in dem genug Platz ist, dass die Teilnehmenden rumlaufen und sich so immer wieder mit unterschiedlichen Menschen treffen können.

    5. Gallery Walk + Bingo

    Nach meinem Vortrag waren verschiedene Projekte aus Brandenburg eingeladen. In einem Gallery Walk konnten die Teilnehmenden mit ihnen ins Gespräch kommen und von ihren Erfahrungen lernen. Um den Austausch ein bisschen zu strukturieren und Gespräche zu fördern, haben wir diesen Gallery-Walk mit einem Bingo verbunden. Die Teilnehmenden erhielten eine Bingo-Karte und waren herausgefordert, ein Bingo zu bekommen, indem sie unterschiedliche Felder fanden, z.B. ein hilfreiches Tool, ein spannendes OER, einen Fehler, den sie besser nicht wiederholen wollen …

    Hier ist unsere genutzte Bingo-Karte:

    OER-Werkstatt-Bingo zum Gallery WalkHerunterladen

    Mein Fazit dazu: Gallery Walk + Bingo ist eine coole Kombination!

    6. Hybrides Experiment

    Die meisten Menschen haben vor Ort teilgenommen. Wir hatten aber auch knapp 15 Online-Teilnehmende. Hier haben wir damit experimentiert, eine Online-Veranstaltung inmitten einer Veranstaltung vor Ort zu machen. Das bedeutet, dass die Online-Teilnehmenden auch meine Impulse mitbekamen. Danach stand eine Person vom Team am Laptop und hat die Murmelphase mit den Online-Teilnehmenden gestaltet.

    Online-Konferenz als Teil der Vor-Ort Veranstaltung

    Beim Gallery-Walk konnten wir mit einer mobilen Kamera herumlaufen und so für die Online-Teilnehmenden Gespräche und Stimmungen einfangen.

    Unterstützung mit mobiler Kamera

    In der Workshop-Phase gab es dann neben Vor-Ort-Workshops auch Online-Workshops (an denen theoretisch auch Vor-Ort-Menschen mit ihrem Laptop hätten dazukommen können).

    Wir haben dabei gelernt: Für die Verbindungsperson zwischen vor Ort und online ist das Hin-und-Her-Switchen ganz schön stressig. Oft brauchten die Online-Menschen auch mehr Zeit als die Vor-Ort-Menschen. Und für uns im Team war eine gute Kommunikation wichtig („In 1 Minute geht es weiter im Plenum“).

    Meine Take-aways

    Ein OER-Tag wäre natürlich nur halb so gut, wenn ich nicht auch selbst einiges mitnehmen würde. Hier sind meine Take-Aways:

    • Ich freue mich sehr darüber, wie viele großartige Menschen neu zu OER stoßen und wie viele Ideen, Perspektiven und Projekte sie mitbringen.
    • Die OER-Repo-AG hat eine schöne interaktive Grafik auf ihrer Website, wo es welche OER-Repositorien und Projekte gibt.
    • Die Frage nach NC-Bedingung bei den CC-Lizenzen ist immer wieder eine wichtige Frage – und es würde sich lohnen, mal eine ganz kurze/ prägnante Übersicht über die Problematik dazu zu veröffentlichen (kommt auf meine To Do Liste)

    Mein Fazit

    Ich finde, es war ein schöner und erfolgreicher Tag, mit dem wir gemeinsam OER hoffentlich ein bisschen weiter vorangebracht haben. Und wenn du in diesem Blogbeitrag, die eine oder andere Anregung findest, die du für dich weiternutzen kannst, dann hat sich der Tag gleich noch einmal mehr gelohnt. :-)

    Meine gesamte Präsentation zum Download ist hier:

    Präsentation OER-Werkstatt-TagHerunterladen

    #KulturDesTeilens #LernenVorOrt

  7. Zukunftsmanufaktur: Nicht nur zur Schule gehen, sondern Schule gemeinsam entwickeln!

    #Blog

    Ein Bericht von der Zukunftsmanufaktur im Bildungshaus Riesenklein in Halle (Saale) im Oktober 2024

    🔗 https://ebildungslabor.de/b/2D5

    (Antworten auf diesen Beitrag erscheinen nach Freigabe auf dem Blog als Kommentar).

  8. Ein Workshop beim Fachtag Medienbildung in Berlin, der nicht so klappte, wie ich ihn mir vorgestellt hatte …

    #HinterDenKulissen

    Was ist nötig, damit kollaborativ angelegte Workshops funktionieren.

    🔗 https://ebildungslabor.de/?p=5805

    (Antworten auf diesen Tröt erscheinen nach Freigabe direkt auf dem Blog als Kommentar).

  9. Einladung zum EduCamp nach Halle

    #Blog

    22.-24. September 2023 im Bildungshaus Riesenklein

    🔗 https://ebildungslabor.de/?p=3933

    (Antworten auf diesen Tröt erscheinen nach Freigabe direkt auf dem Blog als Kommentar).

  10. Durchsuchbare Sessionübersicht der Edunautika 2023

    #Blog

    Meine Nachbereitung, die gerne auch andere weiternutzen können.

    🔗 https://ebildungslabor.de/?p=3681

    (Antworten auf diesen Tröt erscheinen nach Freigabe direkt auf dem Blog als Kommentar).

  11. Fortbildung, ja gerne! Aber was ist mit meinen Kindern?

    #lernen-vor-ort

    (Antworten auf diesen Tröt erscheinen nach Freigabe direkt auf dem Blog als Kommentar).

    https://ebildungslabor.de/?p=3544

  12. Offene Bildungsmaterialien im pädagogischen Alltag

    #Blog

    Wie Teilen einfach(er) funktioniert.

    🔗 https://ebildungslabor.de/?p=2325

    (Antworten auf diesen Tröt erscheinen nach Freigabe direkt auf dem Blog als Kommentar).