Große Emotionen zum Saisonstart: „La bohème“ am Landestheater Detmold
Detlef Obens
Möglicherweise haben die im Vorfeld der Premiere veröffentlichten Fotos der Detmolder Neuinszenierung von Puccinis La bohème ein wenig zu viel an Kargheit und Tristesse seitens der Regie vermuten lassen. Aber dieser Eindruck hat sich nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil: Die Regie von Katharina Thoma ist voll von Emotionen der zwischenmenschlichen Art. Vom erstem Zauber des Verliebtseins, über krankhafte Eifersucht und falscher Verdächtigungen, bis hin zum endgültigen Abschiednehmen eines geliebten Menschen mit all der erbarmungslosen Wucht, die jene fühlen, die zurückbleiben müssen. Thoma lässt ihre Bohèmiens ihr Leben leben mit all seinen bescheidenen Facetten, aber auch mit der Größe an Gefühlen, die weder Geld noch Luxus bedürfen und die das Menschsein ausmachen. Das vermittelt die Regie durch diese vielen kleinen Gesten der handelnden Personen, wie schüchterne Blicke im ersten Zusammentreffen von Rodolfo und Mimi oder der knisternden Hass-Liebe der Musetta und ihrem Marcello. Im Zusammenspiel mit der wundervoll malerischen Musik von Giacomo Puccini entstehen so Momente kraftvollster Aussagekraft. Frau Thoma darf sich auf ein glänzend aufgelegtes sängerisches Ensemble verlassen, welche das Publikum am Ende der Oper zu Begeisterungsstürmen hinrissen. Per-Otto Johansson am Pult des Symphonischen Orchesters des Landestheater Detmold gab diesen emotionalen Höhepunkten viel Raum und Klangzauber und bewies einmal mehr, dass Puccini bei ihm in guten Händen ist. Vor fast genau vier Jahren feierte er mit Madama Butterfly – Puccinis weiteres Meisterwerk – seinen erfolgreichen Einstand als GMD in Detmold. Ein Saisonstart nach Maß am Detmolder Theater, der auch sicher die Intendantin Kirsten Uttendorf sehr zufriedenstellen darf. (Rezension der Premiere vom 11. September 2026) […]
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