"Immer und überall hört man von Internationalismus reden. Hauptsächlich in Arbeiterkreisen steht man dem Internationalismus freundlich gegenüber, ohne dabei über die Bedeutung desselben klar zu sein. Die Arbeiter schlossen sich zu Internationalen zusammen. Der französische, englische, deutsche, russische Arbeiter und der Arbeiter der anderen Nationen glaubte durch den Zusammenschluß der einzelnen Nationen einen wirksamen Kampf gegen den Kapitalismus führen zu können. Auf die internationalen Kongresse werden Delegierte als Vertreter der einzelnen Nationen geschickt, auf denen „Arbeitervertreter“ des englischen, spanischen, französischen, deutschen (u.s.f.) Proletariats den Platz füllen.
Trotzdem es in der Welt nur ein kapitalistisches System gibt, das in der Ausbeutung keine Nationen kennt, eben nur da ausbeutet, wo es Profit zu erhaschen gibt, will der Arbeiter durch die internationale Front den Ausbeuter bekämpfen.
Derjenige, der noch einen Staat erobern will, also die nationale Frage bejaht, kann gar nicht anders als international denken. Aber für denjenigen, dem es klar ist, daß der Staat nur ein kapitalistisches Herrschaftsinstrument ist und sich immer als solches auswirken muß, gibt es nur eins: Vernichtung der Staaten, der Nationen; folglich nicht Internationalismus, sondern Nationslosigkeit.
Jene Phrase: „Der beste Patriot ist der beste Internationalist“, gibt zu denken. Es liegt doch klar auf der Hand, daß bei der Existenz des Staates Internationalismus existieren muß und auch nur kann. Bei einer internationalen Bindung repräsentieren sich die einzelnen Nationen-Staaten. Die Paneuropäer, die ein Paneuropa befürworten, sind Internationalisten, denn sie wünschen den Zusammenschluß der europäischen Staaten. Also ein Bündnis unter Nationen."
Zeitung "Proletarischer Zeitgeist" (1927) Internationalismus oder Antinationalismus.
Aus Antimilitaristischem Reader "Kriegszeiten" (2022) von Revolutionsverlag
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