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#enteignungen — Public Fediverse posts

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  1. Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen

    Vor kurzem saßen einige angesehene Medienmacher und Influencerinnen von ARD und ZDF in ihren Designer–Jogginghosen bei überteuertem Avocadobrioche und Rosé in den hinteren Räumen des Hotel Adlon zusammen und tauschten ihre neuesten Startup-Ideen mit jungen kreativen Politikern der Mitte aus. Es wurde getratscht und viel gelacht, zum Beispiel darüber, dass die jungen Mädchen heutzutage offenbar alle Kundinnen bei demselben Perückenmacher sind. Man war sich darin einig, dass Kanzler Kohl verglichen mit dem heutigen Amtsinhaber eine intellektuelle Kostbarkeit gewesen sei. Dann sprach man sich dafür aus, die 5%–Hürde bei Wahlen abzuschaffen, um die professionellen Krötenschlucker von der SPD wenigstens ein bisschen am Leben zu erhalten. Einig war man sich auch, dass eine Vereinigung von CDU und AfD jenseits aller Brandmauern unvermeidlich und sinnvoll sei, und brausendes Gelächter quittierte den Satz, „wenn sich die Migranten nicht mehr auf den Weg in Richtung Europa machen würden, könnten sie auch nicht mehr absaufen“. Nein, das sei keineswegs ausländerfeindlich oder rassistisch – wir Medienschaffenden, sei es im Konzernbesitz oder im öffentlich-rechtlichen Betrieb, sind doch perfekt „embedded“, also eingebettet. Perfekt! Es lebe die herrschende Meinung! Und wenn Judenhass, Antikapitalismus, Freiheitsverachtung und Clan­kriminalität die Säulen im künftigen Kalifat Berlin sind, wird die KI schon angemessene Verhaltensregelungen ausspucken… Außerdem: Dieses sozialistische Himmelfahrtskommando in Berlin mit seinen Enteignungsphantasien kann niemandem Angst einjagen, man besitzt ja schließlich eine Eigentumswohnung. Auf jeden Fall sei es sinnvoll, der Stadt die Wohltaten aus dem Länderfinanzausgleich zu entziehen und mit der Kohle das Nachtleben von Sachsen-Anhalt aufzumotzen. Ein jugendfrischer Experte von EON wies darauf hin, dass Enteignungen auf eine lange Tradition nicht nur in der DDR, sondern auch in der BRD zurück blicken könnten: Kaum eine neue Autobahn oder Bahntrasse konnte gebaut werden ohne die Enteignung der im Weg befindlichen Grundstücke, und ganze Dörfer verschwanden in den Tümpeln, die der Braunkohletagebau hinterließ. Man wird es ja wohl sagen dürfen: Der Bundeskanzler lügt, wenn er behauptet, es gibt in Deutschland keine Enteignungen von privatem Eigentum. „Aber das macht er nicht mit Absicht“, warf die persönlich anwesende Wirtschafts- und Energieministerin ein, „er lügt nicht, er weiß es einfach nicht“. Dafür gab’s großen Beifall aller Anwesenden. Püppi, so der hausinterne Kosename der Ministerin, wies dann darauf hin, dass deutsche Hilfen für die Ukraine keineswegs zu Lasten des Wohlstands in unserem Land gingen – 72,2 Milliarden Euro seit 2022, dafür kriege man nicht mal einen anständigen Mieten- oder Pflegedeckel, und ein Großteil der Ukraine-Investitionen werde ohnehin von ihrem Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz und dem polnischen Hasskappenhandel gedeckt. Dafür gab’s nochmal Beifall. „Deutschland muss endlich zu einem Reformstaat modernen Zuschnitts umgebaut werden“ rief Püppi aus, „ich werde Euch, die Ihr die deutsche Zukunft verkörpert, jetzt meinen 33- Punkte-Plan zur Kenntnis geben“.

    Püppis REFORM-STAAT

    1. Alle Gesetze, die den Arbeitsmarkt reglementieren, werden abgeschafft.
    2. In Zukunft gibt es den gleichen Niedriglohn für gleiche oder mehr Arbeit geben.
    3. Wer einen zumutbaren Arbeitsplatz besitzt, muss dafür eine unzumutbare Bezahlung hinnehmen.
    4. Subventionen und jede staatliche Hilfe für Unternehmen, die in Schwierigkeiten sind, entfallen.
    5. Monatseinkommen über 7500 Euro sind steuerfrei. Monatseinkommen darunter werden zu 100% besteuert,
    6. Das Sozialstaatsprinzip bleibt erhalten.
    7. Die Krankenversicherung wird abgeschafft.
    8. Die Zahl der Urlaubstage der Bürger darf die Zahl der Karenztage nicht übersteigen.
    9. Alle Karenztage werden gestrichen.
    10. Die Pflegeversicherung entfällt. Alle Beamten und Angestellten, die diesen Versicherungskram bislang bearbeitet haben, werden freigestellt. Wer von ihnen will, kann in der praktischen Pflege tätig werden.
    11. Fünf Jahre Jobsharing bewirken eine Rententeilung durch fünf.
    12. Als Ausgleich für entfallene Sozialhilfe wird der Handtaschen-Raub legalisiert.
    13. Kindertagesheime werden abgeschafft.
    14. Die allgemeine Schulpflicht wird abgeschafft. Stattdessen wird eine Tätowierungspflicht eingeführt.
    15. Schulen und Universitäten werden eingespart, was auch die Einsparung aller Stipendien ermöglicht.
    16. Arbeitslose müssen 48 Stunden in der Woche stempeln gehen.
    17. Das in der Jugend gezahlte Arbeitslosengeld wird im Alter von der Rente abgezogen.
    18. Wer einen einjährigen Einsatz bei der Bundeswehr verweigert, muss bis an sein Lebensende ein Mal wöchentlich ein Alten-Heim ausfegen.
    19. Beratungsstellen für Migranten, Arbeitslose, Drogenabhängige, Jugendliche und dergleichen werden geschlossen, desgleichen Bildungs- und Beschäftigungsprojekte.
    20. Für jeden Tag beantragten Bildungsurlaub wird ein Jahr Ausbildungszeit aberkannt.
    21. Nach 45 Jahren Beitragszahlung wird pro Jahr eine Rentensteuer von 500 Euro fällig.
    22. Frauen, die Mutterschaftsurlaub hatten, wird die Rente gestrichen, weil sie von dem in dieser Zeit geborenen Kind unterhalten werden können.
    23. Die notwendige Kürzung beim Elterngeld wird durch die Verkürzung aller Schwangerschaften auf fünf Monate abgefedert.
    24. Für jeden Gesprächstermin auf dem Sozialamt wird ein Resilienzzuschlag in Höhe eines durchschnittlichen Grabschmucks in Rechnung gestellt.
    25. Unverändert gültig bleibt die Regelung: Frauen werden älter und belasten die Rentenversicherer über jedes männliche Maß hinaus.
    26. Damit Männer nicht benachteiligt werden, bekommen Frauen weniger Monatsrente.
    27. Zum Ausgleich werden ältere Männer mit Prostata-Problemen aus allen sozialen Sicherungssystemen ausgeschlossen, denn Rentner haben Zeit zum Pinkeln.
    28. Rentnern ist der Besitz von Aktien zwingend vorgeschrieben.
    29. Frauenhäuser werden geschlossen. Betroffene Frauen erhalten auf Antrag eine Schusswaffe.
    30. Arbeitslosen- und Sozialhilfe werden mit der Sterbehilfe kombiniert.
    31. In den Altersheimen wird einmal pro Woche die Frage gestellt: Essen oder Waschen? Heute dürfen Sie es sich mal wünschen.
    32. Das Begräbnisalter wird herabgesetzt.
    33. Alle kirchlichen Feiertage werden abgeschafft. Wer unbedingt Weihnachten, Ostern oder anderen Glaubens-Firlefanz feiern will, darf unbezahlten Urlaub nehmen.

    Es folgte ein Moment der Stille. Die Anwesenden waren tief beeindruckt. Sie spürten den Atem des Engels der Geschichte. Dann stieg Philipp Amthor, Abiturient, auf einen Stuhl und stimmte die Nationalhymne an. Alle sangen mit, und es klang echt beschissen.

    Anschließend ergriff nochmal Püppi das Wort. „Es steht nicht nur die Bargeld-Abschaffung auf unserer Agenda“, sagte sie, „wir brauchen die Überwachung aller Finanztransaktionen und die totale Kontrolle aller Bürger. Es reicht nicht, wenn heute neunzig Prozent der ‘umlaufenden Geldmenge’ digital sind: Auch die restlichen zehn Prozent gehören in die Obhut der Banken, denn nur dort erzeugen sie Kontogebühren und Negativzinsen. Bargeld ist das einzige Geld, für dessen Besitz die Bürger keine Abgaben zahlen. Sobald es nur noch digitales Geld gibt, wird jedes Guthaben gebührenpflichtig… Das erleichtert Enteignungen und andere Maßnahmen zur Bankenrettung. Die Abschaffung des Bargelds bietet ferner die Möglichkeit, den Konsum jedes Einzelnen zu überwachen. Schon jetzt sind alle Daten über fünfzigmal gespeichert: Polizei, Rentenkasse, Autoversicherung, Finanzamt, Krankenkasse, der Handy-Anbieter, Geldautomat – das wird sich ganz ohne Bargeld noch mehr ausweiten. Wenn jeder Busfahrschein, jede Eiskugel und jedes Kondom mit einer Geldkarte bezahlt wird, kann der Staat von jedem seiner Bürger ein lückenloses Bewegungsprofil erstellen. Dann ist nicht nur jede politische Aktivität unter staatlicher Kontrolle, dann hat auch der Terrorismus endgültig ausgespielt. Als Äquivalent sind ein freundliches Lächeln, ein warmer Händedruck und ein Schulterklopfen vorgesehen. Gibt’s dazu noch Fragen?“

    Ein juveniler Fachmann für Staatsmodernisierung meldete sich: „Was bitte kommt nach der Abschaffung des Bargelds?“ Püppi, mit ihrem berühmten blassblauen Augenaufschlag, weiß es genau: „Die Abschaffung der persönlichen Handschrift. Warum sollen Kinder lesen und schreiben lernen, wenn sie doch Computer und Tablets bedienen können …? Ich denke, der Verlust von Kulturgütern ist kurzfristig zwar bedauerlich, aber langfristig äußerst profitabel. Und Ihr seid alle dabei gewesen! Danke für Eure Aufmerksamkeit!“ Noch’n Beifall.

    Dieser Beitrag ist eine Übernahme von der Homepage des Autors, mit seiner freundlichen Genehmigung.

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