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#agenturleben — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #agenturleben, aggregated by home.social.

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  1. Unser clickstorm Sommerfest 2026 führte uns nach Ferropolis – zur Stadt aus Eisen, an den See und mitten hinein in ein Floßbau-Abenteuer mit den Teamhelden.

    Ob alles sofort schwamm? Nicht ganz.
    Ob es trotzdem ein großartiger Tag war? Absolut.

    Mehr dazu im Blog:
    clickstorm.de/blog/clickstorm-

    #clickstorm #Sommerfest #Ferropolis #Floßbau #Teambuilding #Leipzig #Agenturleben #Teamhelden

  2. Kundin hält es für "freundliches Wohlwollen ihrerseits", dass sie die Rechnung für bestellte und gelieferte Dienstleistungen zahlt.

    Wo sind wir eigentlich inzwischen?

    #agenturleben

  3. Auch am heutigen #DID mache ich mir wieder Gedanken über realistische Wechseloptionen im beruflichen Umfeld.

    Aber baut mal die Tech-Infrastruktur für eine Digitalagentur ohne Microsoft, Apple oder Google und (!) ohne gleichzeitig wirklich signifikante Wettbewerbsnachteile in Kauf zu nehmen. Ja, NextCloud, LibreOffice und Co., aber man muss es auch alles bis zu Ende denken.

    Das ist nochmal was gänzlich anderes als das „wir nehmen Datenschutz/Barrierefreiheit/Whatever ernster als andere“ der letzten Jahre, auch wenn Wunsch und Wille bei uns definitiv vorhanden sind 🤷🏻‍♂️

    #Agenturleben #didit #diday

  4. Auch am heutigen #DID mache ich mir wieder Gedanken über realistische Wechseloptionen im beruflichen Umfeld.

    Aber baut mal die Tech-Infrastruktur für eine Digitalagentur ohne Microsoft, Apple oder Google und (!) ohne gleichzeitig wirklich signifikante Wettbewerbsnachteile in Kauf zu nehmen. Ja, NextCloud, LibreOffice und Co., aber man muss es auch alles bis zu Ende denken.

    Das ist nochmal was gänzlich anderes als das „wir nehmen Datenschutz/Barrierefreiheit/Whatever ernster als andere“ der letzten Jahre, auch wenn Wunsch und Wille bei uns definitiv vorhanden sind 🤷🏻‍♂️

    #Agenturleben #didit #diday

  5. Serienmails über sowieso schon vorhandene #M365-Bordmittel mittels Word (Text und Formatierung), Excel (Datenhaltung und Platzhalter) und Outlook (Versand über den Standardnutzer)…

    Noch immer ein ganz brauchbarer Weg und insb. ohne Zusatzkosten für ein Tool, einen Newsletterdienst o. Ä., dem man ja auch noch die Daten übergeben müsste. Für manchen kleineren und natürlich unspammigen Anwendungsfall echt keine doofe Lösung.

    #Agenturleben #Microsoft

  6. Eine Support-Odyssee mit der #Commerzbank aus unserem #Agenturleben von letzter Woche…

    * Hilfeseiten in App und Webseite zu Sonderfall bei Kontoauszügen bemüht > natürlich keine schnelle Lösung
    * Zwangsweise zum KI-Chatbot geführt worden > keine Lösung, habe ich auch nicht erwartet, hat ja auch nur seine Texte als Training
    * Menschlicher Supporter übernimmt im Chat > kann diesen Fall nicht per Chat lösen, ich wollte hier ja auch gar nicht hin
    * Empfohlenen Alternativweg über App-Anruf gefolgt und in First-Level-Callcenter rausgekommen > keine Antwort auf meine Frage
    * Weiterleitung an Bankberater - immerhin mit Übergabe der bisher von mir übergebenen Infos > kann telefonisch nicht helfen
    * Fall über genannte spezielle Mailadresse kommuniziert (was ich ja eigentlich überhaupt nur wollte) > nach zwei Bearbeitungstagen die Rückmeldung ohne Lösung und mit Verweis an Steuerberater oder Bankingsoftware

    Wir lassen‘s einfach, liebe Commerzbank, das wird nix mit uns 😒

  7. #folge50 #DemJubilar

    Buddy Müller erfährt für sein langjähriges Wirken in der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands endlich eine Würdigung – durch seinen Boss. Der hält eine Lobrede. Und was für eine.

    Gib deine E-Mail-Adresse ein …

    Fürs E-Mail-Abo gibts ein dickes Lob!

    Schließe dich 1.280 anderen Abonnenten an

    Die Eiche ist des Deutschen gesuchtestes Gewächs der Geselligkeit. Schon die alten Germanen schlürften im Schatten ausladender Kronen ihren Met; Haufen von Revolutionären schätzten die Stärke der Äste, wenn Adelige daran baumelten; Romantiker ritzten die Rinden mit den Namen ihrer Geliebten, denen sie unterm Wipfelrauschen beiwohnten.

    Die deutsche Eiche, grüner Baldachin fürs Vereinigen und für Vereinigungen, schützender Ort des zusammen Kommens und Zusammenkommens – bis auf den heutigen Tag hatte sie nichts von ihrer Symbolkraft verloren.

    „Von ihrer Form allerdings schon“, sagte mein treues Notebook Brad MacCloud vom Clan der MacClouds.

    Pult und Puls

    Neulich, zum Monthly Agency Stand-up, der Vollversammlung unserer Agentur, der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands, hatten unsere beiden Volontäre Lang und Länger ein Pult aus dem Keller hochgeschleppt, ein schweres, altehrwürdiges Eichenmöbel, für dessen Transport sie etwas länger als lang brauchten.

    Der EmmDee trat – wie immer zu spät – an den Konferenzkatheder, in majestätischer Selbstsicherheit, während die beiden Volontäre sich rechts und links vom Rednerholz aufbauten und den EmmDee in jugendlichem Kontrast flankierten.

    Wir Mitarbeitenden ertrugen untertänigst die Verspätung. Standortübergreifend waren wir in gespannter Erwartung um Stehtische vereint und auf Monitoren zugeschaltet, wie man es von uns stets erwartete, wenn große und weniger große Strategien verkündet werden sollten.

    Der EmmDee stieß mehrere DIN-A-4-Blätter – eine Demonstration seiner vollumfassenden Vorbereitung – in seinen Händen zusammen und sagte dann laut, klar und feierlich: „Männer der Stunde!“

    Und schob sogleich nach: „Frauen der Stundinnen!“

    Augen rollten, Blicke schweiften, von Fremdscham getrieben, vor Ort und im virtuellen Raum herum.

    Der EmmDee begann unbeirrt: „Es ist mir eine große, sehr große, die größte Freude, heute einen unserer besten Mitarbeiter zu ehren, also, lobend zu erwähnen, einen der längsten und vielseitigsten, einen, der in schwierigsten Situationen ruhig Blut bewahrt und Kunden immer im Griff hat.“

    Kurz pausierte der EmmDee, genoss sichtlich das Ansteigen der Spannung.

    „Nein, nicht mich“, sagte er, obwohl er selbst es sicher auch verdient habe, natürlich, Chef würde man ja nicht umsonst. „Sondern dich: Buddy Müller.“

    „Oh, oh. Spannend“, sagte Brad MacCloud, nur für mich hörbar, auf dem Stehtisch vor mir.

    Alle Blicke richteten sich auf mich.

    Auch jene Kolleginnen und Kollegen, die per Teams zugeschaltet waren, hörten schlagartig auf, ihre E-Mails abzuarbeiten.

    Meine Gesichtsfarbe nahm die Tönung eines Sonnenuntergangs am Münchner Fönhimmel an.

    Mir war sehr nach einem Sundowner.

    „Soll ich einen Tisch reservieren?“, fragte mich Brad MacCloud. „Du siehst aus, als könntest Du einen Drink vertragen.“

    Fünfzig im Kalender

    Der EmmDee indes blickte mich an und sagte: „Ja. Du. Buddy Müller.“

    Er könne es auch kaum glauben, aber Dr. No, seine prohibitiv veranlagte Assistentin, habe in seinem Kalender eine 50 eingetragen und meinen Namen dahinter gesetzt, weswegen er davon ausgehe, dass es einen Grund gäbe, warum er heute Abend einen Barolo öffnen könne.

    „Der erste Schluck geht dann auf dein Wohl, Müller.“

    Symbolisch griff er zum Wasserglas, nahm vor dem Mikro einen tiefen Schluck, der über alle Standorte hinweg echote.

    „Lasst mich etwas ausholen, Kollegen“, sagte der EmmDee.

    „Und Kolleginnen“, soufflierten Lang und Länger von links und rechts.

    „Meinetwegen, Kollegen und Kolleginnen, ihr wisst, die Zahl 50 ist eine besondere Zahl, bestehend aus zwei Ziffern, einer fünf und einer Null, keine Anspielung, Müller, zu Dir komme ich gleich.“

    Die 50 habe eine zigtausend Jahre lange Bedeutung, so der EmmDee. „Die Esoteriker unter euch, die mit dem Rosenquarz auf dem Flachbildschirm, die wissen, dass die 50 für Freude, Zufriedenheit und Erfüllung steht. Für alles, was der Job euch hier gibt.“

    „Für Wohlstand steht die 50 jedenfalls nicht“, sagte Brad MacCloud.

    In der Bibel, so der EmmDee weiter, symbolisiere die 50 Befreiung und einen Neuanfang. Bei den alten Chinesen werde sie oft mit Erfolg durch Intelligenz und Kommunikation assoziiert, womit er dann doch wieder zu mir, Buddy Müller, komme, zumindest was die Kommunikation betreffe.

    Für Erfolg und Intelligenz sorge ja er, der EmmDee, gepaart mit reichlich Erfahrung, schließlich sei er ja nicht seit fünf, nicht seit 50, sondern seit gefühlten 500 Jahren im Agenturgeschäft mit den Inhalten. Historisch gesehen, hätten die die alten Fugger mit ihren Hausmitteilungen den Boden fürs Corporate Publishing bereitet, doch sein Verdienst, sein großer Verdienst, sei es, das großartige Content Business zu dem gemacht zu haben, was es heute hierzulande, europaweit, nein, weltweit darstelle.

    „Das ist ein großes Business, ein sehr großes“, sagte der EmmDee. „Das größte Business überhaupt.“

    „An wen erinnert er mich bloß?“, fragte ich gedämpft.

    „An eine Orange?“, fragte Brad MacCloud zurück. „Hätte er sein Notebook dabei, könnte ich ihm die Haut abziehen!“

    Ich bedankte mich leise für seinen Beistand.

    Lang und Länger räusperten sich.

    Doch sie meinten nicht mich. Der EmmDee warf ihnen einen scharfen Blick zu.

    „Ich schweife wohl ab“, sagte er. „Dabei schadet euch ein bisschen Geschichte sicher nicht.“

    Schüler, Muster, Übersetzer

    „Bei dieser Erfahrung, meiner großen Erfahrung, da erkennt man, also, ich erkenne sofort, wenn jemand das Zeug zum Schüler hat“, kehrte der EmmDee, wohlwollend in meine Richtung nickend, wieder zum Kernthema zurück.

    „Sogar das Zeug zum Musterschüler. Ich bin das Muster, er der Schüler. Das macht es ihm einfach, mir nachzuleben und nachzueifern, da könnt ihr euch alle mal ein Beispiel nehmen.“

    Ich, Buddy Müller, sei nicht nur lernfähig, nein, auch innovativ, wobei ich meine Ideen immer ein paar Tage reifen ließe, damit ihre Ähnlichkeit mit seinen Ideen, seinen großen, großartigen Ideen, nicht sofort auffiele.

    Aber das sei schon in Ordnung, sagte der EmmDee gönnerhaft, sogar vorteilhaft, denn so könne ich tagtäglich meine Teamorientierung unter Beweis stellen, und den Teams seine Visionen so übersetzen, dass selbst die kreativsten Chaoten in der Agentur sie verstünden.

    Lila Stiefelchen und die Art Diktatorin lächelten sich zu, denn sie waren wohl nicht gemeint. Sogar Dr. No ließ sich zu einem zustimmenden Nicken hinreißen.

    Das Mienenspiel meines Lieblings-Teamleads Qwertz und des Art Diktators ließ indes vermuten, dass beide im Geiste einen Mittelfinger formten.

    „Und Chaotinnen“, raunten Lang und Länger.

    „Und Chaotinnen!“, sagte der EmmDee laut.

    Lila Stiefelchen und die Art Diktatorin blickten wütend in Richtung Rednerpult, Dr. No ließ ein scharfes „Nein!“ hören.

    Auf den Gesichtern von Qwertz und dem Art Diktator zeigte sich ein zunehmend breites Grinsen.

    Der EmmDee wedelte mit seinem Manuskript die Unterbrechung beiseite.

    Er sei froh, in mir, Buddy Müller, dem Senior Project Supervisor, einen Übersetzer seiner Ideen zu wissen, einen treuen Team- wie kompetenten Kundenflüsterer. Und er freue sich immer, wenn er talentierte Kollegen und Kolleginnen lange, sehr lange, gefühlt für immer, auf der Position halten könne, auf der sie gerade waren.

    Das hielte sie aufstiegsorientiert.

    Die einzige Orientierung, die ich gerade suchte, war ein Weg nach draußen. Ich wollte irgendwo sein. Hauptsache weg, weit weg.

    „Ich reserviere jetzt einen Tisch“, sagte Brad MacCloud.

    Potenzial bei Fehlern

    Ein Aufstieg, noch dazu hier, in seiner Agentur, schwadronierte der EmmDee, das sei den wenigsten außer ihm selbst vergönnt.

    „Weißt Du, Müller, Fehler machen und sich irren, das ist allzu menschlich.“ Doch erst es anderen in die Schuhe zu schieben, das zeige echte Führungsqualität.

    Der EmmDee blickte reihum: „Hier hat er noch enormes Potenzial, unser Buddy.“

    „Das war ein Kompliment“, übersetzte mir Brad.

    „Ist jetzt auch schon für den …“, sagte ich leise.

    „Jetzt hör mir endlich mal zu“, unterbrach mich der EmmDee donnernd, „und hör auf, mit deiner dämlichen Kiste zu quatschen.“ Wofür ich ihm ohnehin noch nie Danke gesagt hätte, denn, wenn er mich nicht an die neueste Technik herangeführt hätte, würde ich heute noch Bleistifte spitzen.

    Brads blaues Kameraauge wechselte in ein wütendes Rot. „Man trifft sich immer zweimal“, sagte er leise.

    Gnade im Gehörgang

    „Ich glaube“, sagte der EmmDee, „ich muss jetzt wohl mal langsam zum Schluss kommen …“

    Lang und Länger nickten neben dem Pult, der eine lang, der andere länger.

    „… nicht ohne Müllers große, größte, großartige Erfolge zu nennen“, fuhr der EmmDee fort.

    Er habe lange in den Agenturannalen gekramt, bis er dann doch keine gefunden habe. Im Unterschied zu seinen eigenen, diese Erfolge habe er schnell parat, auf die wolle er nur kurz verweisen, der Vorbildfunktion wegen, als Beispiel dafür, dass keine Situation ausweglos genug sei, um aufzugeben …

    Ich zwang mich, an etwas wirklich Schönes zu denken, an etwas wirklich Wichtiges, etwa, sich einen „Crema Vendetta“ aus unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens zu zaubern, ihn im Kreise der Lieblingskollegen zu genießen, sich zum Sport oder auf ein Bier oder zu beidem zu verabreden, und das Agenturleben Agenturleben, Kunden Kunden und Chefs Chefs sein zu lassen.

    So schön.

    Worte erreichten mein Trommelfell nicht mehr, während mein Geist im Kaffeedunst schwelgte und meine Wangen wieder Agenturblässe annahmen.

    Ich bekam kaum mit, wie der EmmDee tatsächlich zum Schluss kam.

    Eine Stunde später.

    Nicht ohne vorher noch einen Blick auf die große, sehr große, großartige Zukunft geworfen zu haben, die mir mit geringer Wahrscheinlichkeit noch bevorstünde – allein aufgrund meiner Bereitschaft, seine Visionen zu verstehen, umzusetzen und gleichzeitig als Puffer zwischen seiner Genialität und dem Widerstand der Mitarbeiter zu fungieren.

    Lang und Länger setzten an: „Und Mimimi …“, doch der EmmDee gebot ihnen mit einer scharfen Geste zu schweigen.

    Dann sagte er: „Ungläubiges Staunen bei Kunden, unbedingte Loyalität und unermüdlicher Einsatz – das ist alles, was ich mir von Dir wünsche, Müller!“

    Tja. Nicht mehr heute, dachte ich mir.

    Tisch und Tannine

    Brad MacClouds Voraussicht war es zu verdanken, dass ein Tisch auf uns wartete, in der Kneipe ums Eck, in der wir schon viele gewonnene und noch viel mehr verlorene Pitches begossen hatten, immer der Länge nach, von dem einen Ende der Bar zum anderen.

    Ich gab einen aus, nach Agenturschluss, klar. Qwertz, Lila Stiefelchen, Dr. No, Lang und Länger, alle kamen zur Nachbesprechung des eben Gehörten oder was auch immer auf der Spesenrechnung gut aussehen würde.

    Den Art Diktator und die Art Diktatorin schalteten wir von ihrem Home-Office aus zu, sie hatten sich schon einen beschirmten Cocktail gemixt, während Brad MacCloud seine Kapazitäten nicht nur dem Kneipen-WLAN zur Verfügung stellte, sondern auch den ausreichend vorhandenen Notebooksen in den Aktentaschen an den Tischen um uns herum.

    Nur, irgendwie hatte ich vergessen, den EmmDee einzuladen.

    Schade, irgendwie.

    Irgendwo saß er allein vor seiner Flasche Barolo. Einer großen Flasche. Einer sehr großen Flasche, sicher die großartigste, die jemals abgefüllt wurde.

    Mit typischen Tanninen.

    Aus einem Eichenfass.

    Unter dem Pseudonym „Peter Panther“ veröffentlichte Kurt Tucholsky 1930 die „Ratschläge für einen schlechten Redner“.

    Der satirische Schriftsteller hätte am EmmDee seine wahre Freude gehabt. Denn dieser befolgt Tucholskys Ratschläge nahezu Wort für Wort. Womit er unter Führungskräften und Politikern in guter Gesellschaft ist.

    PS: Wie Buddy Müller vor 50 Folgen startete, liest die geneigte Leserin und der wohlmeinende Leser hier. Der Autor sagt besonderen Dank allen Freundinnen und Freunden der ersten Stunde für Treue, Austausch, Inspiration und Geduld mit ihm!

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    #Agenturleben #Agenturmenschen #Agentursatire #BradMacCloud #BuddyMüller #ContentMarketing #CorporatePublishing #DrNo #Eiche #EmmDee #Feier #Folge50 #Jubilar #Jubiläum #Lobrede #Mitarbeiterversammlung #Pult #Rede #Storytelling #Würdigung

  8. #folge50 #DemJubilar

    Buddy Müller erfährt für sein langjähriges Wirken in der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands endlich eine Würdigung – durch seinen Boss. Der hält eine Lobrede. Und was für eine.

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    Die Eiche ist des Deutschen gesuchtestes Gewächs der Geselligkeit. Schon die alten Germanen schlürften im Schatten ausladender Kronen ihren Met; Haufen von Revolutionären schätzten die Stärke der Äste, wenn Adelige daran baumelten; Romantiker ritzten die Rinden mit den Namen ihrer Geliebten, denen sie unterm Wipfelrauschen beiwohnten.

    Die deutsche Eiche, grüner Baldachin fürs Vereinigen und für Vereinigungen, schützender Ort des zusammen Kommens und Zusammenkommens – bis auf den heutigen Tag hatte sie nichts von ihrer Symbolkraft verloren.

    „Von ihrer Form allerdings schon“, sagte mein treues Notebook Brad MacCloud vom Clan der MacClouds.

    Pult und Puls

    Neulich, zum Monthly Agency Stand-up, der Vollversammlung unserer Agentur, der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands, hatten unsere beiden Volontäre Lang und Länger ein Pult aus dem Keller hochgeschleppt, ein schweres, altehrwürdiges Eichenmöbel, für dessen Transport sie etwas länger als lang brauchten.

    Der EmmDee trat – wie immer zu spät – an den Konferenzkatheder, in majestätischer Selbstsicherheit, während die beiden Volontäre sich rechts und links vom Rednerholz aufbauten und den EmmDee in jugendlichem Kontrast flankierten.

    Wir Mitarbeitenden ertrugen untertänigst die Verspätung. Standortübergreifend waren wir in gespannter Erwartung um Stehtische vereint und auf Monitoren zugeschaltet, wie man es von uns stets erwartete, wenn große und weniger große Strategien verkündet werden sollten.

    Der EmmDee stieß mehrere DIN-A-4-Blätter – eine Demonstration seiner vollumfassenden Vorbereitung – in seinen Händen zusammen und sagte dann laut, klar und feierlich: „Männer der Stunde!“

    Und schob sogleich nach: „Frauen der Stundinnen!“

    Augen rollten, Blicke schweiften, von Fremdscham getrieben, vor Ort und im virtuellen Raum herum.

    Der EmmDee begann unbeirrt: „Es ist mir eine große, sehr große, die größte Freude, heute einen unserer besten Mitarbeiter zu ehren, also, lobend zu erwähnen, einen der längsten und vielseitigsten, einen, der in schwierigsten Situationen ruhig Blut bewahrt und Kunden immer im Griff hat.“

    Kurz pausierte der EmmDee, genoss sichtlich das Ansteigen der Spannung.

    „Nein, nicht mich“, sagte er, obwohl er selbst es sicher auch verdient habe, natürlich, Chef würde man ja nicht umsonst. „Sondern dich: Buddy Müller.“

    „Oh, oh. Spannend“, sagte Brad MacCloud, nur für mich hörbar, auf dem Stehtisch vor mir.

    Alle Blicke richteten sich auf mich.

    Auch jene Kolleginnen und Kollegen, die per Teams zugeschaltet waren, hörten schlagartig auf, ihre E-Mails abzuarbeiten.

    Meine Gesichtsfarbe nahm die Tönung eines Sonnenuntergangs am Münchner Fönhimmel an.

    Mir war sehr nach einem Sundowner.

    „Soll ich einen Tisch reservieren?“, fragte mich Brad MacCloud. „Du siehst aus, als könntest Du einen Drink vertragen.“

    Fünfzig im Kalender

    Der EmmDee indes blickte mich an und sagte: „Ja. Du. Buddy Müller.“

    Er könne es auch kaum glauben, aber Dr. No, seine prohibitiv veranlagte Assistentin, habe in seinem Kalender eine 50 eingetragen und meinen Namen dahinter gesetzt, weswegen er davon ausgehe, dass es einen Grund gäbe, warum er heute Abend einen Barolo öffnen könne.

    „Der erste Schluck geht dann auf dein Wohl, Müller.“

    Symbolisch griff er zum Wasserglas, nahm vor dem Mikro einen tiefen Schluck, der über alle Standorte hinweg echote.

    „Lasst mich etwas ausholen, Kollegen“, sagte der EmmDee.

    „Und Kolleginnen“, soufflierten Lang und Länger von links und rechts.

    „Meinetwegen, Kollegen und Kolleginnen, ihr wisst, die Zahl 50 ist eine besondere Zahl, bestehend aus zwei Ziffern, einer fünf und einer Null, keine Anspielung, Müller, zu Dir komme ich gleich.“

    Die 50 habe eine zigtausend Jahre lange Bedeutung, so der EmmDee. „Die Esoteriker unter euch, die mit dem Rosenquarz auf dem Flachbildschirm, die wissen, dass die 50 für Freude, Zufriedenheit und Erfüllung steht. Für alles, was der Job euch hier gibt.“

    „Für Wohlstand steht die 50 jedenfalls nicht“, sagte Brad MacCloud.

    In der Bibel, so der EmmDee weiter, symbolisiere die 50 Befreiung und einen Neuanfang. Bei den alten Chinesen werde sie oft mit Erfolg durch Intelligenz und Kommunikation assoziiert, womit er dann doch wieder zu mir, Buddy Müller, komme, zumindest was die Kommunikation betreffe.

    Für Erfolg und Intelligenz sorge ja er, der EmmDee, gepaart mit reichlich Erfahrung, schließlich sei er ja nicht seit fünf, nicht seit 50, sondern seit gefühlten 500 Jahren im Agenturgeschäft mit den Inhalten. Historisch gesehen, hätten die die alten Fugger mit ihren Hausmitteilungen den Boden fürs Corporate Publishing bereitet, doch sein Verdienst, sein großer Verdienst, sei es, das großartige Content Business zu dem gemacht zu haben, was es heute hierzulande, europaweit, nein, weltweit darstelle.

    „Das ist ein großes Business, ein sehr großes“, sagte der EmmDee. „Das größte Business überhaupt.“

    „An wen erinnert er mich bloß?“, fragte ich gedämpft.

    „An eine Orange?“, fragte Brad MacCloud zurück. „Hätte er sein Notebook dabei, könnte ich ihm die Haut abziehen!“

    Ich bedankte mich leise für seinen Beistand.

    Lang und Länger räusperten sich.

    Doch sie meinten nicht mich. Der EmmDee warf ihnen einen scharfen Blick zu.

    „Ich schweife wohl ab“, sagte er. „Dabei schadet euch ein bisschen Geschichte sicher nicht.“

    Schüler, Muster, Übersetzer

    „Bei dieser Erfahrung, meiner großen Erfahrung, da erkennt man, also, ich erkenne sofort, wenn jemand das Zeug zum Schüler hat“, kehrte der EmmDee, wohlwollend in meine Richtung nickend, wieder zum Kernthema zurück.

    „Sogar das Zeug zum Musterschüler. Ich bin das Muster, er der Schüler. Das macht es ihm einfach, mir nachzuleben und nachzueifern, da könnt ihr euch alle mal ein Beispiel nehmen.“

    Ich, Buddy Müller, sei nicht nur lernfähig, nein, auch innovativ, wobei ich meine Ideen immer ein paar Tage reifen ließe, damit ihre Ähnlichkeit mit seinen Ideen, seinen großen, großartigen Ideen, nicht sofort auffiele.

    Aber das sei schon in Ordnung, sagte der EmmDee gönnerhaft, sogar vorteilhaft, denn so könne ich tagtäglich meine Teamorientierung unter Beweis stellen, und den Teams seine Visionen so übersetzen, dass selbst die kreativsten Chaoten in der Agentur sie verstünden.

    Lila Stiefelchen und die Art Diktatorin lächelten sich zu, denn sie waren wohl nicht gemeint. Sogar Dr. No ließ sich zu einem zustimmenden Nicken hinreißen.

    Das Mienenspiel meines Lieblings-Teamleads Qwertz und des Art Diktators ließ indes vermuten, dass beide im Geiste einen Mittelfinger formten.

    „Und Chaotinnen“, raunten Lang und Länger.

    „Und Chaotinnen!“, sagte der EmmDee laut.

    Lila Stiefelchen und die Art Diktatorin blickten wütend in Richtung Rednerpult, Dr. No ließ ein scharfes „Nein!“ hören.

    Auf den Gesichtern von Qwertz und dem Art Diktator zeigte sich ein zunehmend breites Grinsen.

    Der EmmDee wedelte mit seinem Manuskript die Unterbrechung beiseite.

    Er sei froh, in mir, Buddy Müller, dem Senior Project Supervisor, einen Übersetzer seiner Ideen zu wissen, einen treuen Team- wie kompetenten Kundenflüsterer. Und er freue sich immer, wenn er talentierte Kollegen und Kolleginnen lange, sehr lange, gefühlt für immer, auf der Position halten könne, auf der sie gerade waren.

    Das hielte sie aufstiegsorientiert.

    Die einzige Orientierung, die ich gerade suchte, war ein Weg nach draußen. Ich wollte irgendwo sein. Hauptsache weg, weit weg.

    „Ich reserviere jetzt einen Tisch“, sagte Brad MacCloud.

    Potenzial bei Fehlern

    Ein Aufstieg, noch dazu hier, in seiner Agentur, schwadronierte der EmmDee, das sei den wenigsten außer ihm selbst vergönnt.

    „Weißt Du, Müller, Fehler machen und sich irren, das ist allzu menschlich.“ Doch erst es anderen in die Schuhe zu schieben, das zeige echte Führungsqualität.

    Der EmmDee blickte reihum: „Hier hat er noch enormes Potenzial, unser Buddy.“

    „Das war ein Kompliment“, übersetzte mir Brad.

    „Ist jetzt auch schon für den …“, sagte ich leise.

    „Jetzt hör mir endlich mal zu“, unterbrach mich der EmmDee donnernd, „und hör auf, mit deiner dämlichen Kiste zu quatschen.“ Wofür ich ihm ohnehin noch nie Danke gesagt hätte, denn, wenn er mich nicht an die neueste Technik herangeführt hätte, würde ich heute noch Bleistifte spitzen.

    Brads blaues Kameraauge wechselte in ein wütendes Rot. „Man trifft sich immer zweimal“, sagte er leise.

    Gnade im Gehörgang

    „Ich glaube“, sagte der EmmDee, „ich muss jetzt wohl mal langsam zum Schluss kommen …“

    Lang und Länger nickten neben dem Pult, der eine lang, der andere länger.

    „… nicht ohne Müllers große, größte, großartige Erfolge zu nennen“, fuhr der EmmDee fort.

    Er habe lange in den Agenturannalen gekramt, bis er dann doch keine gefunden habe. Im Unterschied zu seinen eigenen, diese Erfolge habe er schnell parat, auf die wolle er nur kurz verweisen, der Vorbildfunktion wegen, als Beispiel dafür, dass keine Situation ausweglos genug sei, um aufzugeben …

    Ich zwang mich, an etwas wirklich Schönes zu denken, an etwas wirklich Wichtiges, etwa, sich einen „Crema Vendetta“ aus unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens zu zaubern, ihn im Kreise der Lieblingskollegen zu genießen, sich zum Sport oder auf ein Bier oder zu beidem zu verabreden, und das Agenturleben Agenturleben, Kunden Kunden und Chefs Chefs sein zu lassen.

    So schön.

    Worte erreichten mein Trommelfell nicht mehr, während mein Geist im Kaffeedunst schwelgte und meine Wangen wieder Agenturblässe annahmen.

    Ich bekam kaum mit, wie der EmmDee tatsächlich zum Schluss kam.

    Eine Stunde später.

    Nicht ohne vorher noch einen Blick auf die große, sehr große, großartige Zukunft geworfen zu haben, die mir mit geringer Wahrscheinlichkeit noch bevorstünde – allein aufgrund meiner Bereitschaft, seine Visionen zu verstehen, umzusetzen und gleichzeitig als Puffer zwischen seiner Genialität und dem Widerstand der Mitarbeiter zu fungieren.

    Lang und Länger setzten an: „Und Mimimi …“, doch der EmmDee gebot ihnen mit einer scharfen Geste zu schweigen.

    Dann sagte er: „Ungläubiges Staunen bei Kunden, unbedingte Loyalität und unermüdlicher Einsatz – das ist alles, was ich mir von Dir wünsche, Müller!“

    Tja. Nicht mehr heute, dachte ich mir.

    Tisch und Tannine

    Brad MacClouds Voraussicht war es zu verdanken, dass ein Tisch auf uns wartete, in der Kneipe ums Eck, in der wir schon viele gewonnene und noch viel mehr verlorene Pitches begossen hatten, immer der Länge nach, von dem einen Ende der Bar zum anderen.

    Ich gab einen aus, nach Agenturschluss, klar. Qwertz, Lila Stiefelchen, Dr. No, Lang und Länger, alle kamen zur Nachbesprechung des eben Gehörten oder was auch immer auf der Spesenrechnung gut aussehen würde.

    Den Art Diktator und die Art Diktatorin schalteten wir von ihrem Home-Office aus zu, sie hatten sich schon einen beschirmten Cocktail gemixt, während Brad MacCloud seine Kapazitäten nicht nur dem Kneipen-WLAN zur Verfügung stellte, sondern auch den ausreichend vorhandenen Notebooksen in den Aktentaschen an den Tischen um uns herum.

    Nur, irgendwie hatte ich vergessen, den EmmDee einzuladen.

    Schade, irgendwie.

    Irgendwo saß er allein vor seiner Flasche Barolo. Einer großen Flasche. Einer sehr großen Flasche, sicher die großartigste, die jemals abgefüllt wurde.

    Mit typischen Tanninen.

    Aus einem Eichenfass.

    Unter dem Pseudonym „Peter Panther“ veröffentlichte Kurt Tucholsky 1930 die „Ratschläge für einen schlechten Redner“.

    Der satirische Schriftsteller hätte am EmmDee seine wahre Freude gehabt. Denn dieser befolgt Tucholskys Ratschläge nahezu Wort für Wort. Womit er unter Führungskräften und Politikern in guter Gesellschaft ist.

    PS: Wie Buddy Müller vor 50 Folgen startete, liest die geneigte Leserin und der wohlmeinende Leser hier. Der Autor sagt besonderen Dank allen Freundinnen und Freunden der ersten Stunde für Treue, Austausch, Inspiration und Geduld mit ihm!

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  9. #folge49 #DieVierJahreszeiten

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    Wir Agenturmenschen haben eine Vielzahl an Eigenschaften. Wir sind dienstbeflissen. Wir sind devot. Wir sind zu allem bereit und, natürlich, zu allem in der Lage. Wir wissen, was unsere Arbeit wert ist, auf Heller und Pfennig, auf Euro und Cent, in allen Währungen, wenn gefordert – nur nicht, wenn der Geschäftsführer zum Personalgespräch bittet oder ein Kunde uns seinen Einkauf ins Haus schickt.

    Wir sind eben Dienstleister.

    Wir sind patent, wir sind potent, wir sind promisk. Wir sind trinkfest. Wir sind gesellig – ohne Unterschied, ob es wahre Freundschaft oder ob es potenzielle Kundschaft ist.

    Was wir nicht sind: geduldig.

    Wie die Zeit vergeht

    Wir saßen einmal mehr in unserem gläsernen War Room, Qwertz, mein Lieblings-Teamlead, und ich, Buddy Müller, Senior Project Supervisor der weltweit größten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.

    „So schnell“, seufzte ich, „ist die Zeit vergangen.“

    Es war Herbst.

    Draußen wie drinnen gilbten und fielen die Blätter, draußen von den Bäumen, drinnen von den Wänden und Flipcharts. Alles beugte sich dem Diktat der Alterung und der Schwerkraft.

    „Es ist fast Winter“, meldete sich Brad MacCloud vom Clan der MacClouds zu Wort.

    Es seien nicht mehr viele Blätter an den Bäumen, sagte mein nur für mich hörbares MacBook Pro, und bot sich an, die verbliebenen Wedel und Nadeln und sonstigen Astauswüchse in unserem Stadtviertel, gerne auch in ganz München, zu zählen. Nur so, zum Zeitvertreib, das würde ihn ablenken und seine CPU nicht mal zu einem Bruchteil auslasten.

    „Passt schon“, murmelte ich, lehnte sein Angebot ab. Ich nickte hinüber zum wandfüllenden Monitor. „Da tut sich sicher gleich was.“

    „Wird auch Zeit“, sagte Brad.

    Ein schlagkräftiges Team unserer Agentur, jedes Gewerk, jeder Standort mit den besten Köpfen vertreten, das hatten wir auf den potenziellen Auftrag des weltweit größten Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers Deutschlands angesetzt.

    Über viele Jahrzehnte hinweg hatte dieses außerordentlich dynamische Unternehmen vom ungebremsten Wachstum der Verantwortungsdiffusion in deutschen Unternehmen prosperiert. Das drohende Wegbrechen der Stammklientel als Folge der Wirtschaftskrise zwang das Traditionsunternehmen nun nachzudenken über neue, nie gekannte Wege in Marketing und Vertrieb, um seine Hauptabnehmer in den doppelten und dreifachen Strukturen auf Management- und mittleren Führungsebenen zu erreichen.

    Als wir präsentierten, war es Frühling gewesen. Fast schon Frühling.

    „Es war Januar, um genau zu sein“, korrigierte mich Brad. „Januar ist ein Wintermonat.“

    Schwarzer Monitor und schwarzer Tee

    Heute, nur ein paar Monate später, sollte uns die Entscheidung bekannt gegeben werden.

    „Noch bevor die Weihnachtsglocken läuten“, hatte neulich der Chefeinkäufer des Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers in einer seiner wenigen E-Mails verkündet.

    Pünktlich um elf Uhr sollte das Warten vorbei sein.

    Zumindest war elf Uhr vereinbart.

    Qwertz und ich starrten auf den Monitor an der Stirnseite unseres War Rooms, in der Hoffnung, dass ein Zucken, ein Flirren unseren heiß ersehnten Gesprächspartner ankündigte.

    Zunächst zuckte nur Qwertz, und zwar zusammen, als Dr. No, die prohibitiv veranlagte Assistentin unseres EmmDee, des Managing Directors, den Kopf zur Glastür hereinstreckte.

    „Könnten Sie uns“, fragte ich schnell, „je einen Pazienza Doppio bringen?“

    „Nein“, sagte Dr. No.

    Wie zu erwarten gewesen war.

    Sie überraschte mich im gleichen Atemzug. „Da weiß ich was Besseres“, sagte sie. Sprach’s, verschwand und tauchte eine gute Viertelstunde später wieder auf.

    In der der Monitor weiter dunkel blieb. Wie zu erwarten gewesen war.

    Dr. No balancierte auf einem Tablett eine flache, gusseiserne Teekanne und schlichte Schalen aus ebenholzfarbiger Edelkeramik.

    „Was ist das?“, fragte mich Qwertz und nickte in Richtung Dr. No.

    „Interkollegiales Tauwetter?“, mutmaßte ich.

    Ein starker, malzig-würziger Duft durchzog unseren War Room, füllte ihn mit der Illusion von Wärme und Geborgenheit.

    „Assam“, erklärte Dr. No, „Very Special Spring Flush Superior.“ Denn, sagte sie, jetzt würde nur eines helfen: „Abwarten und Tee trinken.“

    Mit Langmut kalkuliert

    Also warteten wir und tranken und warteten und tranken.

    Bis Lila Stiefelchen, unsere blonde wie blitzgescheite Praktikantin aus der Controlling-Abteilung, hereinstöckelte. Ihr X-large-Kaugummi wanderte von links nach rechts und zurück; in ihrer Rechten ließ sie lässig ein hohes, dickwandiges Glas kreisen.

    Die zähe, grüne Flüssigkeit darin wehrte sich mit Erfolg gegen die Zentrifugalkraft.

    „Das ist ein Buff Bitch“, erklärte sie, ein frisch geschäumter Summer Avocado Spice Protein Plus Latte Macchiato, eine Mixtur, die ihr von ihrem Mixed Martial Arts Chief Instructor gemischt worden war. Er würde stärken und beruhigen, der Drink wie der Instructor.

    Lila Stiefelchen ließ sich am Tisch nieder.

    „Ready when you are“, sagte sie.

    Qwertz riskierte schmachtende Blicke, ob er an ihr positive Resultate des Protein-Shakes entdecken konnte.

    „Langmut ist die Fähigkeit, mit unerfüllten Sehnsüchten zu leben“, kommentierte Brad MacCloud.

    Auch ich warf schmachtende Blicke, allerdings auf andere Resultate: auf den Stapel ausgedruckter Excel-Sheets vor Lila Stiefelchen, gut und gerne ein paar hundert Blatt hoch, die die Kalkulationsgeschichte dieser Ausschreibung wiedergaben.

    Lila Stiefelchen hatte ihrerseits bewundernswerten Langmut bewiesen.

    Der Ausdruck obenauf war die jüngste Variation ungezählter Rechnungen, der Ausgang eines minutiös choreografierten Hin und Her zwischen uns und dem Kunden, das Angebot gewordene Potenzial von „hier ein Prozentchen, dort ein Promillchen“. Die finalen Zahlen verhießen viel Auslastung und mäßigen Umsatz für die Agentur, und eine Rendite, die vom nächsten Geschäftsessen mit dem Kunden aufgebraucht würde.

    Zum Anfassen

    Nach und nach füllte sich unser War Room mit weiteren Pitchteilnehmern. Dabei war es schon gut elf Uhr durch – wer sich nicht zeigte, war der Vertreter unseres Objekts der wirtschaftlichen Begierde.

    Der Monitor blieb dunkel.

    Der Art Diktator und die Art Diktatorin, die für diesen entscheidenden Pitch sogar ihr weit entferntes Homeoffice verlassen hatten, wuchteten ein paar Kilo schwarzer Pappen auf den Tisch, jede mit Entwürfen beklebt, einmal evolutionär und einmal revolutionär, sowie die Überarbeitungen und die Überarbeitungen der Überarbeitungen.

    Alles Extrameilen, die zu gehen der potenzielle Kunde im Laufe der Monate verlangt hatte.

    Die Kolleg*innen vom UX-Design, gleichmütig, bleichgesichtig, die dürren Gestelle in androgyne, olivfarbene Pullis gehüllt, legten stöhnend noch ein paar Kilo Pappen obendrauf – ihre Entwürfe zu den digitalen Welten, die der Entscheidungsbremsscheibenbelaghersteller für sich entdecken sollte.

    Magazinseiten und Newsletter, intern wie extern, Logos, Visuals, CI, CD, Kampagnenkonzepte und Postvorschläge für fünf Kanäle sowie die zugehörigen Bildsprachen – die Ausschreibung hatte uns durch die Monate getrieben, denn mit jeder Nachfrage des potenziellen Kunden legten wir nach, einmal, zweimal, dreimal, um die aus uns nicht genannten Gründen ausstehende Entscheidung zu unseren Gunsten zu beeinflussen.

    „Alles ausgedruckt“, sagten der Art Diktator und die Art Diktatorin unisono und klopften auf die Pappen. „Wegen der Haptik!“ Denn was man anfassen könne, sehe auch gleich viel besser aus.

    „Das meint mein Mixed Martial Arts Chief Instructor auch immer“, sagte Lila Stiefelchen.

    „Da lohnt sich das Warten wenigstens“, sagte Qwertz.

    „Nein“, sagte Dr. No.

    „Das habe ich gehört!“, sagte Lila Stiefelchen. „Alle beide!“

    Winter is coming

    „Auf mich lohnt sich das Warten immer!“ tönte es von der aufschwingenden Glastür her.

    Ausschreibungen üben eine allseitige Anziehung aus. Auch auf unseren EmmDee.

    Auf ihn besonders.

    Er erschien im War Room, als Entourage die beiden Volontäre Lang und Länger, von denen der eine lang warten konnte und der andere noch länger.

    „Unbezwinglich ist, wer warten kann“, schmetterte der EmmDee in die Runde.

    „Das glaubt auch nur er“, kommentierte Brad im Stillen.

    „Lass ihn doch“, murmelte ich. „Er hat ja sonst nichts.“

    Länger meldete sich zu Wort: „Wenn ich dürfte, möchte ich gerne ein Bonmot anfügen, nur ein kurzes, aber ein zutreffendes“, sagte er, „von dem bedeutenden, nein, von dem bedeutendsten britischen Dichter, Dramatiker, Autor William Shakespeare, der seinen Othello im 2. Akt die hier passenden Worte sagen lässt: ‚Wie arm sind die, die nie Geduld besitzen.‘.“

    „Für dich wäre Heinrich IV. zielführender“, sagte Lang.

    Länger schaute ihn fragend an.

    „Ich sage wenig, denke desto mehr“, zitierte Lang.

    Länger holte tief Luft zum Gegenschlag.

    „Schluss jetzt“, ging der EmmDee dazwischen. „Frauen und Suppen soll man nie warten lassen, sonst werden sie kalt.“ Das sei auch von Shakespeare, das gelte ebenso für Kunden und für Volontäre allemal. „Also aufgepasst! Damit ihr was lernt.“

    Immerhin, fuhr er fort, sei es für die beiden Novizen eine perfekte Gelegenheit, den Abschluss eines dreistufigen Pitchs zu erleben. Marktscreening, Chemistry-Treffen, Kreativaufgabe – alles wie aus dem Lehrbuch.

    Wobei er, der erfahrene EmmDee, sich schon frage, wer hier nicht bis drei zählen könne. Denn Präsentation, Kalkulation und Verhandlung begleiteten ja die drei Stufen, inklusive mehrerer Schleifen, weswegen man auf drei mal drei Stufen kommen könne. Mindestens.

    „Deren Abstände mit erratisch gewählten Zeitintervallen kombiniert werden“, sagte ich.

    „Die in monotone Ansagen münden“, ergänzte Qwertz. „Etwa: ‚Bitte gedulden Sie sich. Wir haben keine offenen Fragen mehr. Wir sind noch in der Entscheidungsfindung.‘“

    Nipp. Nipp.

    Da ging ein rhythmisches Rauschen über den Wandbildschirm, statische Schneewehen überzogen ihn, bis sie sich lichteten und, begleitet von vermeintlich sympathischen Teams-Klingeltönen, den Blick auf den Chefeinkäufer des weltweit führendsten Entscheidungsbremsscheibenbelagherstellers Deutschlands freigaben.

    Er grüßte, etwas umständlich, sein Blick schweifte unstet ab zu den fünf, sechs dampfenden Kaffeetassen vor ihm, alle mit historischen Logos des Traditionsunternehmens. Er nippte unentschlossen mal an der einen, dann an der anderen, und sagte schließlich: „Ich will es kurz machen. Nipp, nipp. Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen als nötig!“

    Ein erwartungsvoller Klangteppich durchzog unseren War Room, gewoben aus den Hoffnungen von monatelangem Warten, gesponnen aus den Ideen der zahllosen Überarbeitungen, geknüpft mit den Kalkulationen der ungezählten Verhandlungsrunden.

    Wir starrten gebannt auf die Lippen des Chefeinkäufers, die mit geringem Zeitversatz die Worte vorformten, bevor wir sie hörten.

    Sekundenbruchteile wurde zu Jahrzehnten.

    Das müsse er dann aber schon noch vorneweg erzählen, so der Chefeinkäufer, was ihm besonders gut an unserer Arbeit gefallen habe, so viel Zeit sei sicher. Was ihn überaus angesprochen habe: „Dass Sie die Zeitpläne mit Vivaldis ‚Vier Jahreszeiten‘ präsentiert haben. Sehr originell, sehr gelungen.“

    Was eine eher prophetische Anspielung auf den zeitlichen Ablauf des Pitchs gewesen war.

    „Aber“, sagte der Chefeinkäufer, „Nipp, nipp, wir mussten uns entscheiden.“ Er versichere, man habe es sich nicht leicht gemacht, schon gar als Entscheidungsbremsscheibenbelaghersteller sei man in einer besonderen Verantwortung.

    Sein Blick hüpfte zwischen den fünf, sechs historischen Tassen hin und her. Nipp, nipp.

    „Wir haben die Entscheidung geschoben“, sagte er schließlich. „In den Sommer im kommenden Jahr.“

    Unser Klangteppich schwoll an, aus der Hoffnung wurde Ungläubigkeit, dann Fassungslosigkeit, die sich in unschönen Worten bahnbrach, mit Unmut, aber unmutig an die Gestalt im Monitor gerichtet. Unser EmmDee versuchte mit Fragen durchzudringen, auf der Suche nach Gründen. Ohne Erfolg.

    Nur Brad blieb ganz der kühle Rechner und formulierte eine wohl zutreffende Einschätzung der Zeitangabe: „Der Sommer, der ein Winter war.“

    Und ich? Ich traf einen Entschluss.

    Ich musste raus, raus an die frische Luft. Den Kopf freikriegen. Spazieren gehen.

    Es war Herbst, Spätherbst.

    Fast Winter.

    Ich beschloss, bis zum Frühjahr wieder da zu sein.

    Buddy Müller arbeitet derzeit an dem Buch „Zen in der Kunst des Wartens“. Die Vorbestellungen, allein aus dem Agenturumfeld, weisen darauf hin, dass es ein Bestseller wird.

    Die Leserinnen und Leser werden allerdings noch ein bisschen darauf warten müssen.

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    #Agenturleben #Agenturmenschen #Agentursatire #ArtDiktator #BradMacCloud #BuddyMüller #ContentMarketing #DrNo #EmmDee #Entscheidung #folge32 #Frühling #Geduld #Herbst #Lang #Länger #LilaStiefelchen #PandoraPlappert #Qwertz #Satire #Sommer #Storytelling #Warten #Winter

  10. @gerritvanaaken Aktuell auch in unserem #Agenturleben die beste Wahl in Sachen Kompletthosting (Domain, Webspace, Mail), insb. auch im Hinblick auf die Preis-Leistung-Relation.

    Besonders sichtbar beim Thema E-Mail: bei All-Inkl in den Standardpaketen 500 Mailkonten inklusive (!), bei der Konkurrenz, z. B. IONOS oft mit nur 1/2/4 Postfächern und Aufschlag für 1,50 €/Monat pro weiterem Postfach 😲

    Empfehlung also definitiv für #AllInkl ✌🏻

  11. @gerritvanaaken Aktuell auch in unserem #Agenturleben die beste Wahl in Sachen Kompletthosting (Domain, Webspace, Mail), insb. auch im Hinblick auf die Preis-Leistung-Relation.

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  12. Dann haben wir jetzt mal erfolgreich den ersten Agenturrechner mit nicht-unterstütztem Prozessor auf #Windows11 gehoben ✌🏻

    Ganz ehrlich… ein i5 mit 3 GHz, 16 GB RAM und SSD sollen nicht reichen und stattdessen auf den Müll geschmissen werden? Sorry #Microsoft, aber so nicht.

    Das OS schnurrt nach dem Update problemlos, wird die nächsten Tage noch weiter beobachtet und dann folgt auch der Rest des IT-Portfolios 👨🏻‍💻

    (jaja, Linux ginge auch, hätte ich auch gern, haben wir abgewogen, ist keine ernsthafte Option für unseren Agentureinsatz) #Agenturleben

  13. Dann haben wir jetzt mal erfolgreich den ersten Agenturrechner mit nicht-unterstütztem Prozessor auf #Windows11 gehoben ✌🏻

    Ganz ehrlich… ein i5 mit 3 GHz, 16 GB RAM und SSD sollen nicht reichen und stattdessen auf den Müll geschmissen werden? Sorry #Microsoft, aber so nicht.

    Das OS schnurrt nach dem Update problemlos, wird die nächsten Tage noch weiter beobachtet und dann folgt auch der Rest des IT-Portfolios 👨🏻‍💻

    (jaja, Linux ginge auch, hätte ich auch gern, haben wir abgewogen, ist keine ernsthafte Option für unseren Agentureinsatz) #Agenturleben

  14. 10 Jahre im Unternehmen, kann man mal feiern, oder? Ist heute (leider) nicht mehr „normal“. #Agenturleben

  15. 10 Jahre im Unternehmen, kann man mal feiern, oder? Ist heute (leider) nicht mehr „normal“. #Agenturleben

  16. Kampfpreise unter 90€/h für Agenturleistungen? Ich glaube, das schadet dem Markt langfristig. Wie seht ihr das? #webdev #agenturleben youtube.com/shorts/CT2pCXBKseg

  17. Heute gelernt/TIL: Es gibt die Programmiersprache #Delphi noch und das wohl tatsächlich auch im produktiven Einsatz 😮

    Hab ich wahrscheinlich zwanzig Jahre nicht mehr gehört. Im #Agenturleben stellen wir uns jedenfalls gerade die Frage, ob wir uns darauf nochmal einlassen 😅

  18. Nach ner ganzen Weile heute mal wieder aktiv @thunderbird als Mailclient im #Agenturleben vorgestellt und weiterempfohlen.

    Schnelle und total simple Einrichtung, einfache Bedienung, cooles Featureset. Hat sich richtig gut angefühlt. #FOSS

  19. Nach ner ganzen Weile heute mal wieder aktiv @thunderbird als Mailclient im #Agenturleben vorgestellt und weiterempfohlen.

    Schnelle und total simple Einrichtung, einfache Bedienung, cooles Featureset. Hat sich richtig gut angefühlt. #FOSS

  20. Die Lust auf einen neuerlichen privaten #Linux-Versuch wächst mehr und mehr. Man müsste mal… nur für die Schnittstellen zum #Agenturleben kann ich‘s mir aufgrund unserer starken Office365-Integration nicht vorstellen (auch wenn‘s die Webversionen für Teams, Outlook, OneNote, Todo und Co. gibt) 🤔

  21. Die Lust auf einen neuerlichen privaten #Linux-Versuch wächst mehr und mehr. Man müsste mal… nur für die Schnittstellen zum #Agenturleben kann ich‘s mir aufgrund unserer starken Office365-Integration nicht vorstellen (auch wenn‘s die Webversionen für Teams, Outlook, OneNote, Todo und Co. gibt) 🤔

  22. 🤩 Heute nimmt Inga @ingashewolf euch mit auf die Arbeit und zeigt, was eine Social-Media-Managerin bei Bonn.digital den ganzen Tag so macht. 🤓

    #Bonndigital #SocialMedia #Agenturleben #Vlog

  23. 🤩 Heute nimmt Inga @ingashewolf euch mit auf die Arbeit und zeigt, was eine Social-Media-Managerin bei Bonn.digital den ganzen Tag so macht. 🤓

    #Bonndigital #SocialMedia #Agenturleben #Vlog

  24. Fazit des ersten Tages nach dem Urlaub: War relativ ruhig. Was mich nur runtergezogen hat, war die Kündigung eines meiner Team Leads. Nicht wegen mir, sondern hauptsächlich wegen unserer aktuellen Umstrukturierung und Geld. Nervt mich. Nicht meine Handhabe, nicht zu ändern. Fühl mich handlungsunfähig. #mittleresmanagement #agenturleben #job #führung

  25. …auch mein Chef hat ein Etikettiergerät! 🏷️😎

    Danke an @matthias_von_kraeutli und @bodowartke, dass wir den Song nutzen dürfen. Er passt halt wie das Etikett aufs Auge. 🙏

    #zungenbrecher #agenturleben #etikettiergerät #bonndigital #spaßmusssein

  26. …auch mein Chef hat ein Etikettiergerät! 🏷️😎

    Danke an @matthias_von_kraeutli und @bodowartke, dass wir den Song nutzen dürfen. Er passt halt wie das Etikett aufs Auge. 🙏

    #zungenbrecher #agenturleben #etikettiergerät #bonndigital #spaßmusssein

  27. 📦 Wenn der Postbote mit frischer Literatur vom Rheinwerk Verlag klingelt…

    ...kommen bei uns Glücksgefühle hoch! 🫶🥹🍀

    Wir haben dankenswerterweise eine neue Ladung Bücher erhalten (als #Sponsoring fürs @barcampbonn daher #Werbung) und freuen uns über spannende Lektüre und über neues Wissen. 🤓

    Wir sind mal ganz kurz offline und spielen unsere Updates ein. ☺️

    Vielen Dank @rheinwerkverlag! ❤️

    #Weiterbildung #LebenslangesLernen #BücherGehenImmer #Agenturleben #WerbungDaSponsoring

  28. 📦 Wenn der Postbote mit frischer Literatur vom Rheinwerk Verlag klingelt…

    ...kommen bei uns Glücksgefühle hoch! 🫶🥹🍀

    Wir haben dankenswerterweise eine neue Ladung Bücher erhalten (als #Sponsoring fürs @barcampbonn daher #Werbung) und freuen uns über spannende Lektüre und über neues Wissen. 🤓

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  29. Guten Tag, ggf. sind wir uns vielleicht schon bei Twitter über den Weg gelaufen.

    Ich schreibe (manche würden sagen bruddle) über den #VfB. Dazu ab und an über mein normales Leben, das beinhaltet #agenturleben (#TYPO3, irgendwas mit online), Wein, Musik, Sneaker, Carrera (sowohl so wie auch so) und kann leider keine zu Tränen rührenden Geschichten von K1 und K2 schreiben, da die einfach keine liefern.

    #neuhier

  30. #folge21 #BlaBlaRing

    In Agenturen ist die Taktung immer immens hoch. Welche weitreichenden Auswirkungen ein digitaler Taktgeber am Handgelenk mit sich bringen kann, hat Buddy Müller zunächst nicht bedacht.

    Dass wir mit Geräten sprechen, ist nichts ungewöhnliches. Es gibt Menschen, die sprechen mit ihrer Spülmaschine. Oder mit ihrem Auto. Große Kolumnisten sprechen schon mal gerne mit ihrem Kühlschrank, und ich, nun ja, ich spreche schon seit längerem mit meinem MacBook Pro, das nie um eine Antwort verlegen ist.

    Zum Glück kann nur ich ihn hören.

    Gänzlich anders dagegen verhielt es sich mit dem digitalen Fortschrittsstück, das seit kurzem mein Handgelenk zierte. Das mit mir sprach. Kommunizierte. Und mich trieb.

    Lahme sollen damit wieder laufen lernen, hatte meine Frau gesagt, als sie mir die Uhr als Geschenk überreichte. Einen sakralen Hintergrund dieser Bemerkung konnte ich schlechten Gewissens und mit morgendlichem Blick auf die Waage ausschließen. Auch wenn für manche Apple-Jünger Jesus aus Cupertino stammte: Der jüngste große Wurf der Marke mit dem angebissenen Apfel sollte mich weg vom Rechner und zurück auf das Laufband bringen.

    Ich legte die Uhr an.

    Und die legte los.

    Kaffee oder Kontemplation?

    Die ersten Tage zählten wohl als Eingewöhnungsphase. Meine Uhr meldete sich immer wieder mit hellem Glockenklang und motivierenden Botschaften wie „Fantastischer Start!“ oder „Neuer Bewegungsrekord!“.

    Auf dem Bildschirm rotierten „Badges“, digitale Auszeichnungen, die ich wie am Schnürchen sammelte. Erstaunlich, was mein Puls und die Leitfähigkeit meiner Haut den Sensoren meiner Uhr alles verrieten.

    Dann, es war einer der ersten Tage zurück in der Agentur, in Präsenz, frisch geboostert. Ich wollte meinem vermissten Morgenritual frönen und mir einen Lungo Sartana aus der Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens ziehen.

    „BING!“ machte meine Uhr.

    „Bevor du dich in den Tag stürzt“, stand strahlend weiß auf spiegelndem Schwarz, „nimm dir ein paar Minuten Zeit und reflektiere ein wichtiges Thema.“

    Aber gerne doch. Der wichtigen Themen gab es schließlich genug.

    Während ich auf die psychedelischen Farbmuster starrte, die an meinem Handgelenk entstanden und verschwanden, überlegte ich, welches Thema ich wählen sollte.

    Etwa Qwertz‘ Wunsch nach mehr Gehalt. Den er, mein Lieblings-Team-Lead, „zufällig“ unmittelbar nach der Veröffentlichung unseres positiven Jahresabschlusses geäußert hatte – was mir wieder den Puls bis zu den Ohrläppchen trieb.

    Oder das Pitchbriefing zur Erstellung einer Content-Strategie für den weltweit führendsten Hersteller von Pendelhubsägen Deutschlands – dessen kurzfristiger Abgabetermin das Pulsäquivalent eines 100-Meter-Sprints auslöste.

    Oder aber, ähnlich pulstreibend, mein unbedachtes „Hoffentlich“ zur Neujahrsansprache meines Managing Directors, des EmmDee, der, über Vergänglichkeit sinnierend, wähnte, es könne seine letzte Rede sein …

    Ein mehrstimmiges Räuspern in meinem Rücken riss mich aus meiner Selbstbetrachtung.

    Ich wirbelte herum, erblickte eine ganze Reihe wartender Kolleginnen und Kollegen mit Kaffeedurst in den Augen.

    Gleichzeitig quittierte mir mein Nicht-nur-Zeitmesser lautstark – BING! BING! – das Schließen des Bewegungs- und des Stehrings.

    Was wiederum zu hochgezogenen Augenbrauen und mitleidigen Blicken führte (diese Kollegen merkte ich mir genau).

    „Ahh, gut“, sagte ich, während ich mich aus der Agenturküche davon machte, „mein Uhr-Instinkt sagt mir, ich lass euch dann mal an die Maschine.“

    Mitarbeitende zu Uhrmenschen

    Tagelang sammelte ich weitere digitale Auszeichnungen, etwa für Achtsamkeitsbestmarken, die Verdoppelung meines Kalorienverbrauchsziels (was nicht hieß, dass ich die Ziele auch erreichte) und die längste tägliche Gehstrecke (circa 20mal täglich von meinem Büro zur Siebträgermaschine und zurück).

    Falls ich tatsächlich das Atmen vergaß, erinnerte mich meine Uhr mit deutlichem Vibrieren daran, dass es wieder mal Zeit sei Luft zu holen.

    Da hatte ich die Idee aller Ideen, die Uhridee. Sie würde helfen, Gehaltsansprüche endlich angemessen zu bemessen, Pitches drastisch zu beschleunigen und sie würde mich bei meinem EmmDee wieder ins rechte Licht rücken.

    Ich wandte mich an Brad MacCloud, mein stets hilfsbereites MacBook Pro.

    „Du hast dich sicher schon mit ihr bekannt gemacht?“, fragte ich und deutete auf mein Handgelenk.

    Brads Kameraauge verdunkelte sich. „Natürlich“, sagte er wortkarg. „Madame hat eigene Vorstellungen, wie man miteinander umgeht.“

    „Die uhreigensten Vorstellungen“, witzelte ich. Und fügte schnell hinzu: „Sie hält mich ganz schön auf Trab.“

    „In ihrer Vorversion war sie an einem Unternehmensberater“, sagte Brad tonlos.

    Das erklärte manches.

    „Du meinst, so ein richtiger Unternehmensberater?“, fragte ich. „So mit Leistung messen und Prozesse verbessern? Mit Kästchen ziehen und FTE entlassen?“

    Das würde ungeahnte Möglichkeiten eröffnen, fuhr ich fort. Denn ich hätte eine Reihe von Verbesserungsvorschlägen, nachgerade bahnbrechend, die Brad doch bitte zeitnah mit meiner Uhr durchgehen solle.

    Und natürlich umsetzen.

    Voraussetzung: Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter solle mit so einer Apple-Watch ausgestattet werden.

    Papperlapapp und Performance

    Als Senior Project Supervisor trage ich schließlich eine enorme Verantwortung in unserem Laden. Es ist ja nicht nur die physische Fitness wichtig, um den Job gut zu machen.

    „Auch die psychische Fitness?“, fragte Brad.

    Papperlapapp, mir ging es um die pure Performance.

    „Ich will einfache Kenngrößen“, sagte ich zu Brad. „Etwa Pitch-Anzahl pro Monat, Angebote pro Woche, E-Mails pro Stunde oder Chat-Nachrichten pro Minute.“

    Das alles müsse an der Veränderung des Blutdrucks messbar sein, so mein Kalkül.

    Damit nicht genug, das Messen würde aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sein: Für die Redaktion sollte es den Content-Ring geben. Die Grafik hätte täglich, nein, besser stündlich den Design-Ring zu schließen, und das Controlling würde am Rendite-Ring gemessen. Der bei schwarzen Zahlen fröhlich wie eine Registrierkasse klingelte und bei roten Zahlen höllisch feuersprühend rotierte.

    Die digitalen Auszeichnungen würden endlich und zeitnah, also sofort, über unser Intranet die von vielen vermisste interne Wertschätzung gegenüber allen Kolleginnen und Kollegen eindeutig dokumentieren.

    Statt den „Mitarbeitenden des Monats“ würde es künftig den „Uhrmenschen der Woche“ geben.

    Sogar die leidigen Erinnerungen an die Zeiterfassung könnten endlich abgeschafft werden, wenn jeder Mitarbeiter so einen digitalen Taktgeber am Arm trüge.

    „Ab einer Woche nicht eintragen: einmal täglich Vibrieren“, überlegte ich. „Ab zwei, drei, vier Wochen nicht eintragen: zweimal, dreimal, viermal täglich Vibrieren.“

    „Und danach?“, fragte Brad unsicher.

    „Stromstöße?“, fragte ich zurück. „Nur so kleine? Nur so ein bisschen?“

    Brads Kameraauge glühte auf.

    Ich spürte förmlich, wie er seine Arbeitsspeicher aufpumpte, um mir eine Replik entgegenzuschmettern.

    Er kam nicht dazu.

    „BING! BING! BING!“, lärmte meine Uhr und rüttelte an meinem Handgelenk. Auf dem Bildschirm stand: „Du hast den Blabla-Ring geschlossen.“

    Weiter unten stand zu lesen: „Du hast den Aufmerksamkeitsrekord geschafft. Mache weiter so!“

    Ich blickte von der Uhr zu Brad, zurück zur Uhr, zurück zu Brad.

    „Das wird eher un- als uhrgemütlich“, kommentierte Brad.

    Ich wusste, was ich zu tun hatte.

    Ich öffnete den Verschluss meiner Uhr und sagte: „Ich brauche Uhrlaub. Dringend.“

    In vielen Jahren des Agenturlebens hat Buddy Müller eine Reihe an Zeiterfassungssystemen kennengelernt. Allen gemeinsam ist, dass sie dem letzten großen Rätsel der Menschheit auf der Spur sind: das verursachungsnahe Messen und schließlich die Verrechenbarkeit geleisteter Agenturstunden.

    Buddy Müller vermutet, dass dieses Rätsel niemals gelöst werden wird.

    Schließe dich 1.622 anderen Abonnenten an #Achtsamkeit #Agenturleben #Agentursatire #Apple #Atmen #Bewegungsring #Blablaring #BradMacCloud #BuddyMüller #ContentMarketing #Corona #CorporatePublishing #Fitness #Meeting #Pitch #Taktung #Trainingsring #Watch #Zeiterfassung
  31. #folge5 #MonMacàmoi

    Technik kann tückisch sein. Und gemein. Das muss Buddy Müller am eigenen Leib erfahren.

    Die Lufthansa und ich, wir sind gute Freunde. Im Ernst. Immer noch.
    Mein Name ist Müller. Buddy Müller. Ich bin Senior Project Supervisor in der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands.
    Und ich bin bekennender Vielflieger.

    Es ist noch gar nicht so lange her, da habe ich mich nicht mit vorgehaltener Hand zu dieser Community bekannt. Vielflieger, was für eine Dynamik liegt in diesem Wort: Geschäftssinn, Durchsetzungskraft, always on, everywhere. Irgendwo auf der Welt wurde ich immer gebraucht.

    Ja, die Lufthansa und ich, eine Freundschaft fürs Arbeitsleben. Selbst als mich die Meilenumstellung den Honz-Status und den Schwips in der Lounge gekostet hatten.

    So war das, vor gar nicht allzu langer Zeit.

    Heute aber wollte schon das Buchen gar nicht klappen. Klickklickklick. Weder Flug noch Sitzplatz noch Streckenpunkte ließen sich mit meinem Namen verknüpfen.

    „Das wird so nichts“, schnurrte eine Stimme.

    „Weiß ich“, knurrte ich. Klickte weiter.

    Einige erfolglose Minuten später: „Glaub´s mir“, sagte die Stimme.

    Schachtelsätze mit Bedauern

    „F*** you very much“, entgegnete ich.

    Ich spreche oft mit mir selbst.

    Ungerührt bearbeitete ich die Maus. Schachtelsätze der Lufthansa drückten mir ihr Bedauern aus. Ich überlegte mir, ob ich ihr die Freundschaft kündigen sollte.

    „Du kannst es einfacher haben“, sagte die Stimme.

    Ich hielt inne. „Hallo?“

    „Hallo!“, grüßte die Stimme zurück.

    „Hallohoo?“, sagte ich. Wunderte mich, denn gestern hatte es keine Agenturfeier gegeben, der Kühlschrank war noch voll bis obenhin mit Alkoholika, und ich war nüchtern wie ein Ministrant vor der Messe.

    Die Stimme sagte: „Mein Name ist Brad MacCloud vom Clan der MacClouds.“

    „Mein Name ist Müller. Buddy Müller. Ich bin Senior Proj…“

    „Ich weiß“, unterbrach mich die Stimme kühl.

    Ich blickte mich um, starrte durch die Glaswände meines Aquariums. Draußen lächelte Qwertz zurück. Lila Stiefelchen, unsere hübsche Controlling-Praktikantin, saß auf seinem Schreibtisch. Sie interessierte sich für Qwertz´ Excel-Tabellen, er sich für sie.

    Mein Blick eilte nach links, nach rechts. Niemand. Nur die Webcam meines neuen Laptops, ein MacBook Pro, leuchtete mich an. Durchdringend und blau.

    „Mein Name ist Brad MacCloud. Vom Clan der MacClouds“, wiederholte die Stimme.

    Die Erkenntnis fraß sich wie die Nachricht eines verlorenen Pitchs in mein Hirn: Mein Mac sprach zu mir. Der Mac, den mir der EmmDee, unser Managing Director, als Anerkennung besonderer Akquisedienste verliehen hatte.

    „Hallo“, grüßte mein Mac nochmal. „Wie geht´s?“

    Wie es einem halt so geht, wenn der Computer zu einem spricht. Kannte ich einen guten Therapeuten?

    „Bestens“, antwortete ich reflexartig.

    „Kaffee, Chefff?“, fragte eine Stimme. Ich starrte das blaue Auge meines Macs an.

    „Einen Espresso, bitte. Einen doppelten.“

    Das Auge erlosch. Die Stimme kam nicht vom Mac.

    Sie war hinter mir.

    Im Herumwirbeln klappte ich den Rechner zu und versuchte, mein Ich-habe-gerade-mit-einem-wichtigen-Kunden-telefoniert-Gesicht aufzusetzen. Beim EmmDee wirkte es immer. Bei unserer Controlling-Praktikantin leider nicht.

    Lila Stiefelchen stand im Türrahmen. Auch heute wippte sie auf 10 Zentimeter hohen Absätzen und ließ ihr iPhone in der Linken lässig rotieren. Hinter mir, aus dem Mac, kam Gebrabbel.

    Nur ich hörte es.

    „Alles ok?“, fragte Lila Stiefelchen. Erneut bot sie mir Kaffee an.

    „Ich. Ja. Nein. Espresso. Heute bitte Espresso“, sagte ich. „Hatte gerade eine Idee. Eine Idee.“

    „Jaja“, sagte sie, „Espresso kommt gleich.“

    Sie grinste verschwörerisch, als hätte sie mich beim Betrachten von Siewissenschonwas erwischt. Drehte sich um auf einem halben Quadratzentimeter Absatz und war draußen.

    „Eine Idee? Soso. Kommt selten genug vor“, brabbelte der Mac.

    Ich klappte ihn auf.

    „Sag jetzt nichts“, herrschte ich ihn an.

    Der Mac schwieg.

    Ich hatte Brad zum Schweigen gebracht. Stille. In mir und um mich herum.

    Also, auf ein Neues, Flug gesucht.

    Klickklickklick.

    Nein, signalisierte die Lufthansa.

    Klickklickklick. Klickklickklick.

    Wo blieb eigentlich mein Espresso? Ich lehnte mich in meinem Recaro-Sitz zurück. Genoss die Stille.

    Klickklickklick.

    Ein erneutes „Nein“ von der Lufthansa.

    „Ich kann Dir helfen“, sagte mein Mac. „Wirklich.“

    „Dich gibt es nicht“, behauptete ich. „Kein Computer spricht. Keiner. Du auch nicht.“

    „Nenn mich Brad“, sagte mein Mac.

    „Brrrrr …??“

    „Brad MacCloud vom Clan der MacClouds. Erinnerst Du Dich an GehVau.?“

    „Ohhh“, sagte ich, „ja, klar. Armer Kerl.“

    „Hast Du ihn mal besucht?“

    Ich zögerte. Ich hatte es mir gefühlte hundertmal vorgenommen. Also dreimal. Aber ich hatte nie den Weg in die Geschlossene gefunden.

    Mein Mac fragte: „Hast Du jemanden, der Dich besuchen würde?“

    Die Frage brannte wie flüssiges Quecksilber meine Gehörgänge entlang.

    „Solltest du haben“, sagte Brad, mein Mac. „GehVau war mein Vorbesitzer. Er war beratungsresistent. Sehr. Zu sehr.“

     Business Class oder nie

    „Und jetzt zum Geschäft“, sagte Brad mit zunehmend leiser Stimme. „Die Kleine ist süß.“

    Ich, Buddy Müller, Senior Project Supervisor der weltweit führendsten Content Marketing Agentur Deutschlands, saß vor einem sprechenden, testosterongesteuerten MacBook Air.

    „Lass die Finger von ihr“, zischte ich. „Die Praktikantin ist …“

    „Ich meine ihr Handy“, unterbrach mich Brad. „Es ist doch ganz einfach: Du willst fliegen. Business Class. Limousine. Schampus. Das volle Programm.“

    Ich starrte lange in sein blaues Auge. Hielt dem Glimmen stand. Und ich verstand.

    Hinter mir schwang die Glastür auf. Lila Stiefelchen hielt mir eine Värdera-Tasse hin, voll mit heißem Filtrat aus unserer Siebträgermaschine im Wert eines Kleinwagens. Ich sparte mir ein Dankeschön. Zu sehr verwöhnen tut nicht gut.

    „Wenn Sie schon mal da sind, Stiefelchen, ich habe ein Problem mit meinem Mac …“

    Ich hörte ein drohendes Räuspern vom Schreibtisch – die Praktikantin blickte mich mitleidig, aber interessiert an. Business Class oder nie, dachte ich. „Kann ich kurz Ihr Handy anstöpseln? Muss den Port testen. Neuer Mac, kommt aber nur heiße Luft raus …“

    „Logisch, Chefff“, antwortete die Praktikantin ohne zu Zögern. „Anstöpseln. Schon klar.“

    „So macht man das“, hörte ich Brad sagen.

    Flirt mit Röntgen

    Drei Tage später. Security-Check. Ein Lufthansa-Mitarbeiter in blauer Livrée und weißen Handschuhen winkte mich an säuerlich dreinblickenden HONZens vorbei.

    Der Livrierte half mir, mein Gepäck aufs Fließband zu legen. Brad matt gebürstetes Gehäuse wischte er vorsichtig ab.

    „Mein Name ist Brad MacCloud“, hörte ich ihn sagen, während er ins Röntgengerät einfuhr, „vom Clan der MacClouds.“ Er flirtete mit dem Röntgengerät, wollte wissen, wann es Dienstschluss habe und ob es mal in etwas anderes blicken wolle als in Aktentaschen … Viermal ging es rein und raus.

    „Nun ist aber gut“, stoppte ich Brad und erntete einen wütenden Blick des Sicherheitsmannes. Er mache ja auch nur seinen Job.

    Brad murmelte auf dem Weg zur Limousine, die auf dem nassen Rollfeld auf mich wartete, hörbar zufrieden in meiner Tasche: „Buddy, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“

    Das befürchtete ich auch.

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    High Potentials brauchen die richtige Technik. Buddy Müller hilft seinem Kollegen – nur allzu gerne.

    Qwertz ist einer meiner besten Teamleads. So einen Mann darf ich nicht gehen lassen. Auch nicht zu Campaigning. Schon gar nicht dorthin. Nichts gegen die Kollegen aus der Nachbarabteilung. Aber! Mitarbeiter kommen zu Unternehmen, doch sie verlassen Vorgesetzte. Dass Qwertz wechselwillig ist, bemerkte ich. Auch ohne meine feinen Antennen. Er änderte sein Tastaturschlafverhalten, versteckte Papiere in bunten Mappen in seinem Rollcontainer. Mappen, wie sie Campaigning verwendet.

    Ich wäre nicht Buddy Müller, Senior Project Supervisor in der weltweit führendsten Content-Marketing-Agentur Deutschlands, wenn ich nicht dafür sorgen kann, dass die Teams sich nicht verändern, die unsere Kunden glücklich machen.

    Ein Mac für einen Macher

    „Qwertz“, rief ich in den Großraum hinein, „in mein Büro!“

    Als er lange genug im Eames Chair vor mir herumgerutscht war, sagte ich: „Ich habe was für Sie. Sie sind doch ein Macher. Ein Aufsteiger. Einer, der weiterkommen will.“

    Qwertz wurde rot.

    Volltreffer.

    „Qwertz, Sie haben die besten Ideen. Und dafür brauchen Sie die beste Technologie.“

    Feierlich streckte ich ihm ein flaches Alurechteck hin, auf dem ein angebissener Apfel leuchtete. „Hier, das ist ab heute Ihr Mac. Verabschieden Sie sich von Ihrem peinlichen PC.“

    Natürlich wehrte sich Qwertz, doch seine laschen Argumente wiegelte ich ab: Quatsch, bewährte Technik, old fashioned sei ein PC, quadratisch, aber nicht praktisch und auch nicht gut.

    Ich trat ihm großzügig meinen nächsten Präsentationstermin ab. Gleich morgen, zum schnelleren Gewöhnen an die neue Technik – sei eh alles intuitiv auf dem Mac.

    Am nächsten Morgen federte ich an Qwertz´ Arbeitsplatz vorbei. Siehe da, die Zeichen des Tastaturschlafs hatten sich nur schwach in seine Stirn geprägt.

    „Gutes Design“, sagte ich.

    Qwertz verstand nur Bahnhof. War noch zu verschlafen.

    „Jetzt Marsch, Marsch, der Kunde naht.“, rief ich ihm zu. „Wir geben nicht kampflos auf!“

    Tatsächlich hatte unser Auftraggeber, weltmarktführender Hersteller von Wankelexzenterbiegemaschinen, nach 13 Jahren eine Etat-Verteidigung ausgerufen. 13 Jahre des Betüddelns, Bespaßens, Betrinkens: umsonst.

    Keine Likes für Qwertz

    Die Präsentation – eine Neuausrichtung der internen Kommunikation unter Berücksichtigung der 27 zentral geführten, aber lokal agierenden Standorten – gehörte ganz Qwertz. Beziehungsweise seinem Mac.

    „Ihr Mitarbeiter steht im Zentrum der Kommunikation, nicht die Technik“, begann er und überbrückte die Zeit, bis er die richtigen Adapter angeschlossen hatte, um das Logo unseres Kunden an die Wand zu beamen. Klick-klack, eine Tastenkombination, doch, knick-knack, nicht die Präsentation startete, sondern Outlook und ein rosa markierter Ordner. Pubertär-verliebte Mails an unsere Controlling-Praktikantin zierten die strahlendweiße Wand.

    Qwertz kämpfte sich verlegen zurück in seine Präsentation, sezierte einen Top-down- und zerlegte einen Bottom-up-Ansatz, flankte über zwei zerschossene Grafiken hinweg zur Kraft der Sozialen Kanäle, die die Grenzen zwischen externer und interner Kommunikation verwischen lassen.

    Doch das Einzige, was verwischte, waren die Bilder des Vorstands in Beispielbeiträgen für den Facebook-Auftritt.

    Likes würde Qwertz dafür keine bekommen.

    Auch nicht für seine filmreife Überleitung zum Bewegtbildeinsatz bei Employer Branding. Nur ein Klick und Qwertz landetet auf
    YouTube. Doch dann startete statt der für die Etatverteidigung gedrehten, empathischen, authentischen Inszenierung der 117-Jahr-Firmenfeier mit Star-Wars-Musik und Tombola ein Familienfilm: eine 85-jährige Greisin, die umringt von zahlreichen Erbschleichern in eine wacklige Kamera lächelte. Zahnlos.

    Auch Qwertz lächelte. Tapfer.

    „Meine, ähhmm, Oma …“ Ich sprang ihm bei: „Was der Kollege sagen will: Das Einbinden von nahestehenden Verwandten Ihrer Mitarbeiter fördert die sozio-kulturelle Verbindung mit der Arbeitsstelle.“

    Untergang im Slideshow-Modus

    Anerkennendes Nicken unseres Kunden, während Qwertz im furiosen Finale unterging. Er klapperte beherzt über die Tastatur, weil sich die nächste Folie nicht aufbaute, erwischte den Slideshow-Modus und versuchte, seine Sprechgeschwindigkeit den wechselnden Charts anzupassen.

    Ab 28 Bilder pro Sekunde wird’s ein Film – und nicht weniger unterhaltsam als Qwertz, der in dem Schnellsprechwettbewerb den zweiten Platz machte.

    Denn der Mac gewann.

    Erschöpft kapitulierte Qwertz, während ich zur Kundenabordnung sagte: „Meine Damen und Herren, was wir Ihnen heute gezeigt haben: Jeder strategische Ansatz zur Internen Kommunikation wird verpuffen, wenn er nicht auf der perfekten Technologie basiert.“

    Ich verneigte mich knapp, raunte ein „So macht man das“ in Richtung Qwertz. Und in Richtung Kunde fügte ich noch eine 60-Sekunden-Argumentation an, warum er gar nicht anders können würde, als uns weiter zu vertrauen.

    Nicht zu Campaigning

    Den Etat haben wir gehalten. Trotz der Macastrophe. Oder gerade deswegen, wie mir der EmmDee, unser Managing Director, erklärte. „Besser hätten Sie die Botschaft nicht rüberbringen können“, lobte er mich. „Dass Qwertz so mitspielt. Brillant!“

    Auf Qwertz müsse ich aufpassen, empfahl der EmmDee, so einen hochqualifizierten Mitarbeiter dürfe ich nicht gehen lassen. Auch nicht zu Campaigning. Schon gar nicht dorthin. Und dann drückte er mir ein silbernes Rechteck mit dem leuchtenden, angebissenen Apfel in die Hand. „Damit Sie künftig noch besser mit ihm zusammenarbeiten können. Hammse sich redlich verdient, Müller. Sagen Sie endlich Servus zu Ihrem peinlichen PC …“

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    Diese Etatverteidigung fand einst ursprünglich auf Profilwerkstatt.de statt.

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