Die Katze, die Katze …
Ja, die Katze.
Das arme Tier!
„Frau Tiger“ (die es ja nun eindeutig nicht ist) kommt nun vom dramatischen Schwangerschaftsabbruch nach Haus. Ein Bild des Jammers, als sie aus dem Korb kriecht: Sie kann kaum laufen, taumelt, fällt um. Gerade so, als käme sie von einer durchzechten Nacht auf der Hamburger Reeperbahn oder am Kottbusser Tor in Berlin.
Aber dies hier ist eine andere Narkose. Die noch nachwirkt. Ich hebe sie auf ihre Lieblingsdecke auf das Sofa, wo sie natürlich noch nicht hinaufhüpfen kann.
Es waren sechs. Oder: Es wären sechs gewesen. Der redselige Tierarzt müsste mir das nicht sagen. Aber nun ist es eben doch raus: Ich wäre, wie befürchtet, siebenfacher Katzenpapa geworden.
Trotz ihres Zustands, nein, lange vorher, habe ich Urlaub im Kopf gehabt. Und alles Mögliche geplant und gebucht. Ebenfalls lange vorher. Es ist keine Welt-Kreuzfahrt für eine vierstellige Summe, und ich würde alles stornieren. Aber offenbar muss das nicht sein.
Fünf volle Tage noch. Bis zu meinem (egoistischen?) Urlaubsantritt. Fünf Tage, in denen ich das Katzentier nach allen Regeln der Kunst verwöhnen darf. Soll. Muss. Inklusive Antibiotika, eine halbe Tablette morgens und abends.
Schon bald kann „Frau Tiger“ (der Tierarzt hat sie nun als „Frau Tiger II“ im PC) wieder laufen. Und sie ist so fröhlich, dass ich meinen Urlaub wohl doch nicht stornieren muss. Mit ihrem eigentümlich hoppelnden Galopp (Nachwirkungen der Sprunggelenk-Verletzung) saust sie zur Fensterbank. Und mauzt.
Nein, Madame, tut mir leid. Nicht spielen im Garten. Erst muss Deine OP-Wunde am Bauch etwas heilen. Selbstauflösende Fäden, mal sehen, wie lang es dauert. War da nicht was? Richtig, unser Filmzitat: In einer „Columbo“-Folge setzt Chirurg Leonard Nimoy einem verhassten Kollegen eine neue Herzklappe ein – mit selbstauflösenden Fäden, was absolut nicht Sinn der Sache ist.
Bei „Frau Tiger“ alias „Schnurpel“ IST es Sinn der Sache. Artig, wie sie ist, betreibt sie fleißig Fellpflege, aber ohne „da unten“ rumzunagen. Auch die Antibiotika futtert sie brav weg. Noch ein Unterschied zur „alten“, verschwundenen „Frau Tiger“: Jene schaffte es nach ihrer Kastration, beim Verputzen eines Fleischbergs exakt jene millimetergroße Tablettenhälfte im blitzblanken Napf zu lassen.
Tage des Brummens: Madame ist etwas quengelig, sonst anhänglicher denn je. Ob TV, PC oder Nachtruhe: Sie muss immer dabei sein.
Der Tag des Abschieds: Wir fahren zur Tierpension, danach geht es allein auf die Autobahn Richtung Breslau. Eine Mautstation erwarte ich erst vor Kattowitz, wo ich gar nicht hin will. Und da kommt doch eine! Oje.
Aus Angst vor der Technik und meinen HIntermännern rolle ich langsam durch, verlasse die Autobahn bei Brzeg, also Brieg. Auch dort ein Technik-Häuschen, das ich schweigend passiere. Ums wenige Geld geht es mir nicht, ich wohne ja heute im Schloss. Aber bestimmt wurde ich gefilmt, das gibt noch Ärger.
Schloss Otmuchow ist ein Juwel.
Man schrieb mir kurz zuvor noch, dass ich natürlich im Schlosshof kostenlos parken könne. Die viele Jahrhunderte alte Pflaster-Rampe ist denn auch nur für Gäste erlaubt. Vorm Torbogen empfiehlt sich, die Außenspiegel einzuklappen.
Eine deutsche Inschrift dort erzählt, dass diese, eine der ältesten Burgen Schlesiens aus dem 13. Jahrhundert, 1820 als „Donation“ ins Eigentum von Wilhelm von Humboldt überging. Für seine Verdienste um den preußischen Staat. Ach nee. Erinnerung an Humboldts Heimat in Berlin-Tegel.
Und wer würdigt meine Leistungen? Eine solche wäre sicher, die monströse Eingangstreppe zur Rezeption mit einem Koffer hochzulaufen.
Es ist nicht überliefert, ob Wilhelm von Humboldt das je gemacht hat. Sein jüngerer Bruder Alexander bestieg ja sogar den 6000er-Berg Chimborazo in Südamerika. Ihn hätte die Treppe kaum gestört. Inzwischen sind jedoch beide verstorben, nun gehört die Burg der Stadt und wird als Hotel betrieben.
Und ich bleibe nur eine Nacht, daher leichtes Gepäck.
Auf jeden Fall ein geschichtsträchtiger Hügel, auf dem das Schloss thront. Die neue Zeit repräsentiert allenfalls der Kartenleser im Schloss-Restaurant. Doch weiter unten im Park, der sich Richtung Stausee-Ufer erstreckt, grasen ganz friedlich einige Saurier.
#Alexander #Antibiotika #Berlin #BerlinTegel #Breslau #Brieg #Brzeg #Burg #Chimborazo #ColumboFolge #Fensterbank #Galopp #Herzklappe #Kattowitz #Katze #Katzenpapa #Katzentier #KottbusserTor #LeonardNimoy #Mautstation #Nachtruhe #Narkose #OPWunde #Otmuchow #PC #Reeperbahn #Saurier #Südamerika #Schloss #Schlosshof #Schwangerschaftsabbruch #stornieren #Tablette #Tablettenhälfte #Tierarzt #TV #WilhelmVonHumboldt