#programmreform — Public Fediverse posts
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Heute in der @FAZ : "In den vergangenen zehn Jahren hat der [ @deutschlandfunk ] etwa eine Million Hörer hinzugewonnen."
Es mag verrückte Idee sein, aber wie wärs, wenn man hierzulande Sachen reformierte, die schlecht funktionieren, und die Sachen in Ruhe ließe, die gut funktionieren?#ÖffentlichRechtlicherRundfunk #Programmreform #dlf #medien #gesellschaft
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Heute in der @FAZ : "In den vergangenen zehn Jahren hat der [ @deutschlandfunk ] etwa eine Million Hörer hinzugewonnen."
Es mag verrückte Idee sein, aber wie wärs, wenn man hierzulande Sachen reformierte, die schlecht funktionieren, und die Sachen in Ruhe ließe, die gut funktionieren?#ÖffentlichRechtlicherRundfunk #Programmreform #dlf #medien #gesellschaft
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📻 Boulevardisierung des Deutschlandfunks (DLF)?📻
Die am 30. November erstmals zu hörende 'Reform' des Programms des DLF kann Angst und Bange machen.
Nicht nur fallen die renommierten Fachredaktionen und deren Sendungen weg, Nein, es wird auf eine leichte Durchhörbarkeit, so 'nebenbei', gesetzt.
Fachbeiträge sollen hie und da eingestreut werden, und es soll mehr 'Call in'-Formate geben. Man, man, man.
Wenn ich denn hören möchte was Laien sagen, dann frage ich meine Freund:innen oder spreche im Lokal die Tischnachbarn an. Vom DLF erwarte ich sach- und fachkundige Information, kein belangloses Infotainment mit 'Call in'....
Mir selbst hat der DLF in meiner Haftzeit geholfen in allen wesentlichen Lebensbereichen keine Entwicklung zu verpassen. Täglich Forschung aktuell, wöchentlich Computer & Kommunikation, um nur zwei Beispiele zu nennen. Jeweils 25-30min eine konzentrierte Dosis fachkundiger Information.
Das wird bald vorbei sein. Wie schade.
#dlf #Programmreform #deutschlandfunk #deutschland #radio #samstag #computerundkommunikation #Forschung #forschungaktuell #forschungAktuellDeutschlandfunk
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📻 Boulevardisierung des Deutschlandfunks (DLF)?📻
Die am 30. November erstmals zu hörende 'Reform' des Programms des DLF kann Angst und Bange machen.
Nicht nur fallen die renommierten Fachredaktionen und deren Sendungen weg, Nein, es wird auf eine leichte Durchhörbarkeit, so 'nebenbei', gesetzt.
Fachbeiträge sollen hie und da eingestreut werden, und es soll mehr 'Call in'-Formate geben. Man, man, man.
Wenn ich denn hören möchte was Laien sagen, dann frage ich meine Freund:innen oder spreche im Lokal die Tischnachbarn an. Vom DLF erwarte ich sach- und fachkundige Information, kein belangloses Infotainment mit 'Call in'....
Mir selbst hat der DLF in meiner Haftzeit geholfen in allen wesentlichen Lebensbereichen keine Entwicklung zu verpassen. Täglich Forschung aktuell, wöchentlich Computer & Kommunikation, um nur zwei Beispiele zu nennen. Jeweils 25-30min eine konzentrierte Dosis fachkundiger Information.
Das wird bald vorbei sein. Wie schade.
#dlf #Programmreform #deutschlandfunk #deutschland #radio #samstag #computerundkommunikation #Forschung #forschungaktuell #forschungAktuellDeutschlandfunk
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Ihr könnt gern dem Hörerservice des DLF schreiben was ihr von der Programmreform, zB der Absetzung von „Umwelt und Verbraucher“, haltet.
Die freuen sich über Post. -
Es gibt eine Widerstandspetition gegen die geplante DLF-“Programmreform”, deren Gründe komplett fachfremd sind
Vor einem Monat hatte ich hier schon auf die im Herbst drohende Programmreform eines der – bislang – erfolgreichsten der noch verbliebenen deutschen Radioprogramme hingewiesen. Nun gibt es eine Petition gegen diesen Schwachsinn, mit noch bescheidenen Unterzeichner*innen-Zahlen (z.Z. Anstieg um ca. 100/Stunde). Einer von diesen 100 bin ich.
Grundsätzlich bin ich gegen diese Adresssammelstellen der Plattformökonomie, die ich aus systemischen Gründen politisch bekämpfe. Aber wenn es die Jungen nicht tun, dann sollen die mit meiner Adresse doch Missbrauch treiben, bis sie grün und blau werden, ich bin eh irgendwann weg. Und wenn “die” mir mein Radio als Medium wegnehmen für die paar Jahre/Jahrzehnte (?), die mir noch bleiben, dann werde ich humorlos.
Ein massives Rätsel bleibt die Motivation der Betreiber*innen dieser Irrsinnsreform eines erfolgreichen Programms. Eine These zur Analyse dieses Vernichtungsfeldzuges, die ich mit einigen befreundeten Rundfunkrät*inn*en teile, ist, dass es den schwachen Führungspersönlichkeiten im öffentlich-rechtlichen Mediensystem darum geht, ihre widerspenstigen Fachredaktionen erst zu entmachten, und dann rückstandslos zu planieren. Dass sie damit ihr Medium im Wettbewerb der disruptiven digitalkapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie gleich mitvernichten (Alexander Kluge: “Es gibt immer einen Markt für das Besondere!”), ist ihnen egal. Weil, wenn es so weit ist, sind sie in Rente, bzw. nicht in Merzens Rente, sondern in einer sehr fürsorglichen Pensionsversorgung.
Warum stören sich Intendant*inn*en und Programmdirektionen so sehr an Fachredaktionen?
Solche Ressorts und ihre Leitungen haben sich wissenschaftliche Kompetenz hart erarbeitet. Sie gibt ihnen Stärke. Sie bindet ein Publikum, das u.U. klein ist, aber treu und engagiert, neugierig – es bildet sich mit, ganz getreu der deutschen Medien- und Rundfunkgesetze, wie sie uns die britischen Besatzer nach dem Sieg über den deutschen Faschismus geschenkt haben.
Im Senderbetrieb macht das diese Fachressorts und ihre Leitungen ganz furchtbar anstrengend. Sie geben Widerworte, die oftmals den weisen Weisungen von Intendanz und Direktion widersprechen. Sie stören also den Betrieb. Ganz so, wie unberechenbares und oftmals unbekanntes Publikum dazu imstande ist. In seltenen Fällen, die sich in der Regel aber mit fetten Gehältern und Pensionsaussichten – ganz im Gegensatz zum Heer der das Programm faktisch stemmenden prekär beschäftigen “freien” Miarbeiter*innen – bestens aussitzen lassen.
Wie traumhaft (und trumphaft, das wäre ein freudscher Tippfehler) dagegen die Fantasien einer mit digitalpolitischen Ausreden garnierten Newsroomisierung, in der die Hausleitung die Fachredaktionen sich gegenseitig in von der Öffentlichkeit abgeschirmten Grossraumbüros bekämpfen und eliminieren lässt, und nur die Aktualitäts- und “Relevanz”-Sieger zum gesendeten Programm durchgelassen werden. Programm machen – das ist ja das eigentlich stressige am Anstaltendasein.
Dass das Publikum nach seiner Meinung befragt wird, ist in diesen “Modernisierungs”-Prozessen nicht vorgesehen. Dabei wäre dank der Digitalisierung nichts einfacher als das. Aber die Chefs und Chefinnen wissen bestens, was das Publikum denkt – von ihren Familienangehörigen, ihrem Gesinde und ihren Taxifahrer*inne*n. Und von den zahlreichen Empfängen und Kongressen, die zu ihren Pflichtterminen gehören. Und nicht zu vergessen: den superklugen Marktforschungskonzernen des real existierenden Kapitalismus, quasi sein “Vatikan”. Nur ihre dummen Angestellten in den (Fach-)Redaktionen (und Gewerkschaften) – die sind definitiv ahnungslos. Wie in jedem erfolgreichen deutschen Klein-, Mittel- und Grossunternehmen. Fragen Sie mal den Bundeskanzler oder den BDI.
Dass das öffentlich-rechtliche Mediensystem so lebensgefährdet wird, das hat vor wenigen Jahren noch die Ex-WDR- und Ex-Arte-Redakteurin Sabine Rollberg völlig richtig beschrieben.
Die Führungskräfte der Anstalten sind auf diese Weise Ausführende eines medien- und organisationssoziologischen Suizids.
Die AfD – und alle anderen Faschisten dazu – müssen gar nichts mehr tun. Nur abwarten und zugucken. Wie arm diese bürgerliche Demokratie doch geworden ist.
Der Wandel der “Reform”
Als ich noch jung war, war das Wort “Reform” ein Synonym für Fortschritt. Noch im Bundestagswahlkampf 1980 gegen den Rechsaussen Franz-Josef Strauss euphorisierte der Vizekanzler und FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher einen Bundesparteitag mit dem Ausruf “Rettet die Reformen!”. 1982 stellte er dann persönlich heraus: das war die Wende. Seitdem ist “Reform” eine Drohung. Da steht der Merzfriedrich ganz in der Tradition des Helmut Kohl, den Angela Merkel (und eine Bundestagswahl 1998) einst stürzte. Was wir jetzt erleben ist der rechte Backlash. Widerstand ist Pflicht. Sonst wars das.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Es gibt eine Widerstandspetition gegen die geplante DLF-“Programmreform”, deren Gründe komplett fachfremd sind
Vor einem Monat hatte ich hier schon auf die im Herbst drohende Programmreform eines der – bislang – erfolgreichsten der noch verbliebenen deutschen Radioprogramme hingewiesen. Nun gibt es eine Petition gegen diesen Schwachsinn, mit noch bescheidenen Unterzeichner*innen-Zahlen (z.Z. Anstieg um ca. 100/Stunde). Einer von diesen 100 bin ich.
Grundsätzlich bin ich gegen diese Adresssammelstellen der Plattformökonomie, die ich aus systemischen Gründen politisch bekämpfe. Aber wenn es die Jungen nicht tun, dann sollen die mit meiner Adresse doch Missbrauch treiben, bis sie grün und blau werden, ich bin eh irgendwann weg. Und wenn “die” mir mein Radio als Medium wegnehmen für die paar Jahre/Jahrzehnte (?), die mir noch bleiben, dann werde ich humorlos.
Ein massives Rätsel bleibt die Motivation der Betreiber*innen dieser Irrsinnsreform eines erfolgreichen Programms. Eine These zur Analyse dieses Vernichtungsfeldzuges, die ich mit einigen befreundeten Rundfunkrät*inn*en teile, ist, dass es den schwachen Führungspersönlichkeiten im öffentlich-rechtlichen Mediensystem darum geht, ihre widerspenstigen Fachredaktionen erst zu entmachten, und dann rückstandslos zu planieren. Dass sie damit ihr Medium im Wettbewerb der disruptiven digitalkapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie gleich mitvernichten (Alexander Kluge: “Es gibt immer einen Markt für das Besondere!”), ist ihnen egal. Weil, wenn es so weit ist, sind sie in Rente, bzw. nicht in Merzens Rente, sondern in einer sehr fürsorglichen Pensionsversorgung.
Warum stören sich Intendant*inn*en und Programmdirektionen so sehr an Fachredaktionen?
Solche Ressorts und ihre Leitungen haben sich wissenschaftliche Kompetenz hart erarbeitet. Sie gibt ihnen Stärke. Sie bindet ein Publikum, das u.U. klein ist, aber treu und engagiert, neugierig – es bildet sich mit, ganz getreu der deutschen Medien- und Rundfunkgesetze, wie sie uns die britischen Besatzer nach dem Sieg über den deutschen Faschismus geschenkt haben.
Im Senderbetrieb macht das diese Fachressorts und ihre Leitungen ganz furchtbar anstrengend. Sie geben Widerworte, die oftmals den weisen Weisungen von Intendanz und Direktion widersprechen. Sie stören also den Betrieb. Ganz so, wie unberechenbares und oftmals unbekanntes Publikum dazu imstande ist. In seltenen Fällen, die sich in der Regel aber mit fetten Gehältern und Pensionsaussichten – ganz im Gegensatz zum Heer der das Programm faktisch stemmenden prekär beschäftigen “freien” Miarbeiter*innen – bestens aussitzen lassen.
Wie traumhaft (und trumphaft, das wäre ein freudscher Tippfehler) dagegen die Fantasien einer mit digitalpolitischen Ausreden garnierten Newsroomisierung, in der die Hausleitung die Fachredaktionen sich gegenseitig in von der Öffentlichkeit abgeschirmten Grossraumbüros bekämpfen und eliminieren lässt, und nur die Aktualitäts- und “Relevanz”-Sieger zum gesendeten Programm durchgelassen werden. Programm machen – das ist ja das eigentlich stressige am Anstaltendasein.
Dass das Publikum nach seiner Meinung befragt wird, ist in diesen “Modernisierungs”-Prozessen nicht vorgesehen. Dabei wäre dank der Digitalisierung nichts einfacher als das. Aber die Chefs und Chefinnen wissen bestens, was das Publikum denkt – von ihren Familienangehörigen, ihrem Gesinde und ihren Taxifahrer*inne*n. Und von den zahlreichen Empfängen und Kongressen, die zu ihren Pflichtterminen gehören. Und nicht zu vergessen: den superklugen Marktforschungskonzernen des real existierenden Kapitalismus, quasi sein “Vatikan”. Nur ihre dummen Angestellten in den (Fach-)Redaktionen (und Gewerkschaften) – die sind definitiv ahnungslos. Wie in jedem erfolgreichen deutschen Klein-, Mittel- und Grossunternehmen. Fragen Sie mal den Bundeskanzler oder den BDI.
Dass das öffentlich-rechtliche Mediensystem so lebensgefährdet wird, das hat vor wenigen Jahren noch die Ex-WDR- und Ex-Arte-Redakteurin Sabine Rollberg völlig richtig beschrieben.
Die Führungskräfte der Anstalten sind auf diese Weise Ausführende eines medien- und organisationssoziologischen Suizids.
Die AfD – und alle anderen Faschisten dazu – müssen gar nichts mehr tun. Nur abwarten und zugucken. Wie arm diese bürgerliche Demokratie doch geworden ist.
Der Wandel der “Reform”
Als ich noch jung war, war das Wort “Reform” ein Synonym für Fortschritt. Noch im Bundestagswahlkampf 1980 gegen den Rechsaussen Franz-Josef Strauss euphorisierte der Vizekanzler und FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher einen Bundesparteitag mit dem Ausruf “Rettet die Reformen!”. 1982 stellte er dann persönlich heraus: das war die Wende. Seitdem ist “Reform” eine Drohung. Da steht der Merzfriedrich ganz in der Tradition des Helmut Kohl, den Angela Merkel (und eine Bundestagswahl 1998) einst stürzte. Was wir jetzt erleben ist der rechte Backlash. Widerstand ist Pflicht. Sonst wars das.
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Es gibt eine Widerstandspetition gegen die geplante DLF-“Programmreform”, deren Gründe komplett fachfremd sind
Vor einem Monat hatte ich hier schon auf die im Herbst drohende Programmreform eines der – bislang – erfolgreichsten der noch verbliebenen deutschen Radioprogramme hingewiesen. Nun gibt es eine Petition gegen diesen Schwachsinn, mit noch bescheidenen Unterzeichner*innen-Zahlen (z.Z. Anstieg um ca. 100/Stunde). Einer von diesen 100 bin ich.
Grundsätzlich bin ich gegen diese Adresssammelstellen der Plattformökonomie, die ich aus systemischen Gründen politisch bekämpfe. Aber wenn es die Jungen nicht tun, dann sollen die mit meiner Adresse doch Missbrauch treiben, bis sie grün und blau werden, ich bin eh irgendwann weg. Und wenn “die” mir mein Radio als Medium wegnehmen für die paar Jahre/Jahrzehnte (?), die mir noch bleiben, dann werde ich humorlos.
Ein massives Rätsel bleibt die Motivation der Betreiber*innen dieser Irrsinnsreform eines erfolgreichen Programms. Eine These zur Analyse dieses Vernichtungsfeldzuges, die ich mit einigen befreundeten Rundfunkrät*inn*en teile, ist, dass es den schwachen Führungspersönlichkeiten im öffentlich-rechtlichen Mediensystem darum geht, ihre widerspenstigen Fachredaktionen erst zu entmachten, und dann rückstandslos zu planieren. Dass sie damit ihr Medium im Wettbewerb der disruptiven digitalkapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie gleich mitvernichten (Alexander Kluge: “Es gibt immer einen Markt für das Besondere!”), ist ihnen egal. Weil, wenn es so weit ist, sind sie in Rente, bzw. nicht in Merzens Rente, sondern in einer sehr fürsorglichen Pensionsversorgung.
Warum stören sich Intendant*inn*en und Programmdirektionen so sehr an Fachredaktionen?
Solche Ressorts und ihre Leitungen haben sich wissenschaftliche Kompetenz hart erarbeitet. Sie gibt ihnen Stärke. Sie bindet ein Publikum, das u.U. klein ist, aber treu und engagiert, neugierig – es bildet sich mit, ganz getreu der deutschen Medien- und Rundfunkgesetze, wie sie uns die britischen Besatzer nach dem Sieg über den deutschen Faschismus geschenkt haben.
Im Senderbetrieb macht das diese Fachressorts und ihre Leitungen ganz furchtbar anstrengend. Sie geben Widerworte, die oftmals den weisen Weisungen von Intendanz und Direktion widersprechen. Sie stören also den Betrieb. Ganz so, wie unberechenbares und oftmals unbekanntes Publikum dazu imstande ist. In seltenen Fällen, die sich in der Regel aber mit fetten Gehältern und Pensionsaussichten – ganz im Gegensatz zum Heer der das Programm faktisch stemmenden prekär beschäftigen “freien” Miarbeiter*innen – bestens aussitzen lassen.
Wie traumhaft (und trumphaft, das wäre ein freudscher Tippfehler) dagegen die Fantasien einer mit digitalpolitischen Ausreden garnierten Newsroomisierung, in der die Hausleitung die Fachredaktionen sich gegenseitig in von der Öffentlichkeit abgeschirmten Grossraumbüros bekämpfen und eliminieren lässt, und nur die Aktualitäts- und “Relevanz”-Sieger zum gesendeten Programm durchgelassen werden. Programm mchen – das ist ja das eigentlich stressige am Anstaltendasein.
Dass das Publikum nach seiner Meinung befragt wird, ist in diesen “Modernisierungs”-Prozessen nicht vorgesehen. Dabei wäre dank der Digitalisierung nichts einfacher als das. Aber die Chefs und Chefinnen wissen bestens, was das Publikum denkt – von ihren Familienangehörigen, ihrem Gesinde und ihren Taxifahrer*inne*n. Und von den zahlreichen Empfängen und Kongressen, die zu ihren Pflichtterminen gehören. Und nicht zu vergessen: den superklugen Marktforschungskonzernen des real existierenden Kapitalismus, quasi sein “Vatikan”. Nur ihre dummen Angestellten in den (Fach-)Redaktionen (und Gewerkschaften) – die sind definitiv ahnungslos. Wie in jedem erfolgreichen deutschen Klein-, Mittel- und Grossunternehmen. Fragen Sie mal den Bundeskanzler oder den BDI.
Dass das öffentlich-rechtliche Mediensystem so lebensgefährdet wird, das hat vor wenigen Jahren noch die Ex-WDR- und Ex-Arte-Redakteurin Sabine Rollberg völlig richtig beschrieben.
Die Führungskräfte der Anstalten sind auf diese Weise Ausführende eines medien- und organisationssoziologischen Suizids.
Die AfD – und alle anderen Faschisten dazu – müssen gar nichts mehr tun. Nur abwarten und zugucken. Wie arm diese bürgerliche Demokratie doch geworden ist.
Der Wandel der “Reform”
Als ich noch jung war, war das Wort “Reform” ein Synonym für Fortschritt. Noch im Bundestagswahlkampf 1980 gegen den Rechsaussen Franz-Josef Strauss euphorisierte der Vizekanzler und FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher einen Bundesparteitag mit dem Ausruf “Rettet die Reformen!”. 1982 stellte er dann persönlich heraus: das war die Wende. Seitdem ist “Reform” eine Drohung. Da steht der Merzfriedrich ganz in der Tradition des Helmut Kohl, den Angela Merkel (und eine Bundestagswahl 1998) einst stürzte. Was wir jetzt erleben ist der rechte Backlash. Widerstand ist Pflicht. Sonst wars das.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Es gibt eine Widerstandspetition gegen die geplante DLF-“Programmreform”, deren Gründe komplett fachfremd sind
Vor einem Monat hatte ich hier schon auf die im Herbst drohende Programmreform eines der – bislang – erfolgreichsten der noch verbliebenen deutschen Radioprogramme hingewiesen. Nun gibt es eine Petition gegen diesen Schwachsinn, mit noch bescheidenen Unterzeichner*innen-Zahlen (z.Z. Anstieg um ca. 100/Stunde). Einer von diesen 100 bin ich.
Grundsätzlich bin ich gegen diese Adresssammelstellen der Plattformökonomie, die ich aus systemischen Gründen politisch bekämpfe. Aber wenn es die Jungen nicht tun, dann sollen die mit meiner Adresse doch Missbrauch treiben, bis sie grün und blau werden, ich bin eh irgendwann weg. Und wenn “die” mir mein Radio als Medium wegnehmen für die paar Jahre/Jahrzehnte (?), die mir noch bleiben, dann werde ich humorlos.
Ein massives Rätsel bleibt die Motivation der Betreiber*innen dieser Irrsinnsreform eines erfolgreichen Programms. Eine These zur Analyse dieses Vernichtungsfeldzuges, die ich mit einigen befreundeten Rundfunkrät*inn*en teile, ist, dass es den schwachen Führungspersönlichkeiten im öffentlich-rechtlichen Mediensystem darum geht, ihre widerspenstigen Fachredaktionen erst zu entmachten, und dann rückstandslos zu planieren. Dass sie damit ihr Medium im Wettbewerb der disruptiven digitalkapitalistischen Aufmerksamkeitsökonomie gleich mitvernichten (Alexander Kluge: “Es gibt immer einen Markt für das Besondere!”), ist ihnen egal. Weil, wenn es so weit ist, sind sie in Rente, bzw. nicht in Merzens Rente, sondern in einer sehr fürsorglichen Pensionsversorgung.
Warum stören sich Intendant*inn*en und Programmdirektionen so sehr an Fachredaktionen?
Solche Ressorts und ihre Leitungen haben sich wissenschaftliche Kompetenz hart erarbeitet. Sie gibt ihnen Stärke. Sie bindet ein Publikum, das u.U. klein ist, aber treu und engagiert, neugierig – es bildet sich mit, ganz getreu der deutschen Medien- und Rundfunkgesetze, wie sie uns die britischen Besatzer nach dem Sieg über den deutschen Faschismus geschenkt haben.
Im Senderbetrieb macht das diese Fachressorts und ihre Leitungen ganz furchtbar anstrengend. Sie geben Widerworte, die oftmals den weisen Weisungen von Intendanz und Direktion widersprechen. Sie stören also den Betrieb. Ganz so, wie unberechenbares und oftmals unbekanntes Publikum dazu imstande ist. In seltenen Fällen, die sich in der Regel aber mit fetten Gehältern und Pensionsaussichten – ganz im Gegensatz zum Heer der das Programm faktisch stemmenden prekär beschäftigen “freien” Miarbeiter*innen – bestens aussitzen lassen.
Wie traumhaft (und trumphaft, das wäre ein freudscher Tippfehler) dagegen die Fantasien einer mit digitalpolitischen Ausreden garnierten Newsroomisierung, in der die Hausleitung die Fachredaktionen sich gegenseitig in von der Öffentlichkeit abgeschirmten Grossraumbüros bekämpfen und eliminieren lässt, und nur die Aktualitäts- und “Relevanz”-Sieger zum gesendeten Programm durchgelassen werden. Programm machen – das ist ja das eigentlich stressige am Anstaltendasein.
Dass das Publikum nach seiner Meinung befragt wird, ist in diesen “Modernisierungs”-Prozessen nicht vorgesehen. Dabei wäre dank der Digitalisierung nichts einfacher als das. Aber die Chefs und Chefinnen wissen bestens, was das Publikum denkt – von ihren Familienangehörigen, ihrem Gesinde und ihren Taxifahrer*inne*n. Und von den zahlreichen Empfängen und Kongressen, die zu ihren Pflichtterminen gehören. Und nicht zu vergessen: den superklugen Marktforschungskonzernen des real existierenden Kapitalismus, quasi sein “Vatikan”. Nur ihre dummen Angestellten in den (Fach-)Redaktionen (und Gewerkschaften) – die sind definitiv ahnungslos. Wie in jedem erfolgreichen deutschen Klein-, Mittel- und Grossunternehmen. Fragen Sie mal den Bundeskanzler oder den BDI.
Dass das öffentlich-rechtliche Mediensystem so lebensgefährdet wird, das hat vor wenigen Jahren noch die Ex-WDR- und Ex-Arte-Redakteurin Sabine Rollberg völlig richtig beschrieben.
Die Führungskräfte der Anstalten sind auf diese Weise Ausführende eines medien- und organisationssoziologischen Suizids.
Die AfD – und alle anderen Faschisten dazu – müssen gar nichts mehr tun. Nur abwarten und zugucken. Wie arm diese bürgerliche Demokratie doch geworden ist.
Der Wandel der “Reform”
Als ich noch jung war, war das Wort “Reform” ein Synonym für Fortschritt. Noch im Bundestagswahlkampf 1980 gegen den Rechsaussen Franz-Josef Strauss euphorisierte der Vizekanzler und FDP-Chef Hans-Dietrich Genscher einen Bundesparteitag mit dem Ausruf “Rettet die Reformen!”. 1982 stellte er dann persönlich heraus: das war die Wende. Seitdem ist “Reform” eine Drohung. Da steht der Merzfriedrich ganz in der Tradition des Helmut Kohl, den Angela Merkel (und eine Bundestagswahl 1998) einst stürzte. Was wir jetzt erleben ist der rechte Backlash. Widerstand ist Pflicht. Sonst wars das.
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Das könnt ihr doch nicht ernsthaft machen, liebe #ARD!? @[email protected] #Programmreform https://www.zeit.de/2021/29/weltspiegel-ard-auslandsmagazin-60-jahre-programm-ende