Last Minute Tipps zur SPIEL 2026
Ein Gastbeitrag von Prisma
Die SPIEL in Essen ist nicht nur die größte internationale Analogspielmesse, sondern auch ein jährlicher Anlaufpunkt für jene Menschen, die haptische und gesellige Spiele sehr lieben. Die SPIEL ist voll, sie ist laut und das Herumlaufen wird irgendwann anstrengend. Aber ist dieser riesige Haufen Spiele, mit echten Würfeln, Spielbrettern und Karten, mit echten Menschen (vor Ort!) und mit echten Emotionen! Uns alle führt die Begeisterung für dieses Hobby zusammen. Aus der ganzen Welt! Wo gibt es die heißen Neuigkeiten? Wo gibts ein Schnäppchen? Und warum nicht gleich mit den Herstellern vor Ort quasseln? Und natürlich Probespielen was das Zeug hält, wenn man denn einen Platz bekommt. Nicht immer leicht. Und natürlich die klassische Frage zum Schluss: Wie weit habe ich mein Budget überzogen? (Nur um 10%? Juhu!!)
Ich habe es die letzten Jahre leider nie auf die SPIEL geschafft und so war ich neugierig nach langer Zeit die Grugahallen wieder zu betreten. Bei der SPIEL ist immer so ein besonderes Gefühl. Die Reizüberflutung mit so viel coolem Zeug, von denen man nur einen Bruchteil erfahren, oder gar mitnehmen kann. Meine Spielfavoriten mögen nicht eure sein, aber dennoch möchte ich hier einen Eindruck und ein paar persönliche Empfehlungen geben.
NAC Wargames in Halle 3 (3N300) bieten historische Strategiespiele, mit verschiedenen Zeitepochen im Fokus, an. Ins Auge fiel mir sogleich ein Hex and Counter Wargame, bei dem man den kompletten Zweiten Weltkrieg in Europa bespielt. Dies in relativ kurzer Zeit, für ein Spiel dieser Art. Leider habe ich den Titel nicht mehr parat und er ist noch nicht auf der Verlagswebsite zu sehen, aber ihr werdet es sofort erkennen. Für 35 Euro scheint es mir ein gutes Geschäft zu sein und ich hätte garantiert ein Exemplar mitgenommen, wäre mein Budget nicht schon überzogen … ihr wisst schon. Dann demnächst per Bestellung oder beim nächsten mal. NAC hat weitere Wargames mit historischem Kontext, unter anderem „Falklands – Malvinas 1982“. Fast doppelt so teuer, aber sehr spannend. Zur nächsten SPIEL werde ich darauf achten, weniger Rollenspielmaterial und mehr Brettspiele zu kaufen, allerdings habe ich auch eine andere Schwäche…
… nämlich Battletech. Catalyst Games ist vor Ort, allerdings hatten die nur die neuen und aktuellen Battletech-Produkte und Leviathans da. Kein Shadowrun. Sowohl bei Catalyst, aber auch beim Fantasy Encounter, oder – noch besser – beim Sci-Fi-Trader in Halle 1, war Battletech reichlich vorhanden. Hier meine dringende Empfehlung, gebt darauf acht, wo ihr was kauft! Beispielsweise ist der Fantasy Encounter der einzige Spieleladenhändler der viele (Rollen)spiele quer durch die Bank da hat. Es sind natürlich nicht alle Verlage auf der Messe, so dass man da auch so manches Tolles entdeckt. Aber worauf ich hinaus will ist folgendes: Beim Encounter kostet z.B. die Battletech Gothic Box über 100 Euro. Beim Sci-Fi-Trader kostet sie nur 50 Euro! Das sind 50 happige Euro Unterschied! Auch andere aktuelle Battletech-Produkte sind beim Trader günstiger. Also Augen auf! Der Sci-Fi-Trader hat übrigens auch etwas älteres Battletech-Material dabei, wer interessiert sein sollte.
Sound of Drums (3Q200), stellt ebenfalls Strategiespiele im historischem Kontext her. Unter anderem hatten die ein umfangreiches Strategiespiel über den Kalten Krieg da, dessen Name mir leider entfallen ist. Definitiv einen Besuch wert!
Beim Mantikore Verlag in Halle 1 gibt es Romane und allerlei Solo-Spielbücher, für die der Verlag eigentlich bekannt ist. Das neue Solo-Spielbuch „Die Diebin von Ederbrynn“ habe ich gleich mitgenommen und mir vom Autor Jörg Benne vor Ort signieren lassen.
Großartig: es gibt auch „Dracula“ als Spielbuch. Das war mir noch nicht bekannt, also musste dieses backsteindicke Buch ebenfalls mit.
Apropos Dracula: Sumerian Games in Halle 2 (2E525) hat den Prototypen eines Social Deduction Kartenspiels dabei, bei dem ein Spieler insgeheim den Vampir spielt. Sein Ziel: die anderen Spieler in Vampire zu verwandeln, die dann auf seiner Seite spielen. Das Ziel der anderen Spieler ist es, die Vampire zu vernichten, bevor es zu spät ist. Der Autor ist ein Einzelkämpfer aus Costa Rica und will die Produktion via Crowdfunding finanzieren. Ich habe ein sehr nettes Gespräch mit ihm geführt, das Spiel aber leider nicht spielen können. Er hat die comichaften, aber höchst stimmungsvollen, Illustrationen selbst angefertigt und hat bereits Erweiterungen im Auge.
Generell konnte man so manchen Prototypen, oder wenigstens einen Boxentwurf, bei verschiedenen Verlagen sehen. So gab es eine Prototypbox zum Videospiel „Metal Slug“, samt einiger Minis. Für mich persönlich viel interessanter war aber die Prototypbox für „Wars of Arran“, ebenfalls mit ein paar Minis. Comic-Enthusiasten kennen vielleicht das Fantasy-Universum (z.B.: „ELFEN“), welches beim Splitter Verlag in Deutschland erscheint. Spannend, was da noch kommt.
In Halle 1 findet man auch Officina Mengini (1B611). Er Verlag hat mit „Last Sabbath“ ein Journaling Game vorgelegt, in dem man solo oder mit mehreren Spielern in die Haut von Hexen schlüpft. Das Spiel kommt im A4-Heftformat und ist aufwendig produziert. Für 15 Euro macht man da auch nichts falsch.
Durch eine besonders hohe Produktqualität und Stimmung zeichnet sich „Doomsong“, ebenfalls in Halle 1, aus. Das Rollenspiel war mir komplett neu. Ich weiß kaum etwas darüber, aber da sollte man mal zum Staunen vorbeigehen. Doomsong scheint ein krass finsteres Mittelalter zu bespielen und die Verlagsmitarbeiter vor Ort waren sehr stimmungsvoll als Nonne und Pfarrer verkleidet.
Chaosium hat alle aktuellen und neuen Cthulhu-Produkte da und wenn man sich die Preise so ansieht, ist das schon ordentlich teuer. Oder vielleicht doch nicht so ganz, denn einerseits ist die Produktqualität dafür hervorragend und andererseits ist der Preis keine Szeneneuigkeit. Wenn man für das aktuelle Call of Cthulhu zwischen 100 und 130 Euro zahlt, sind im Schuber Spieler- und Spielleiterbuch im Hardcover, vollfarbig und mit guter Bindung drin. Ebenso im Schuber ist das SL-Paket mit Schirm und anderen Dingen. Wenn man sich nun D&D im Vergleich anguckt, ist man bei etwa 50 Euro pro Buch, also bei drei Büchern, insgesamt mit 150 Euro – ohne SL-Schirm – dabei. Alles ist also relativ, wenn auch der Geldbeutel Santiy-Würfe macht.
Beim neuen, echt schicken, Innsmouth-Buch ist man mit 50 Euro im Boot. Da mag man finanziell auf dem Weg zum Devil’s Reef sein, aber das ist auch nicht unbedingt teurer als so manches D&D-Buch. Apropos Innsmouth: Früher wäre das ein Pflichtkauf gewesen, aber ich habe schon die ältere Version und ich hörte, dass man das aktuelle verschlimmbessert haben soll (Achtung: Gerücht!).
Bei Uhrwerk in Halle 1 gabs nicht nur Rollenspiele wie Mini-D20 und Slum Dogs, sondern auch eine Aktion: 15 Euro pro 1kg altem Kram, hauptsächlich Star Trek und anderes. Das wurde auch reichlich von den Bersuchern angenommen.
Bei Ulisses (Halle 1) habe ich mir vom „alten Mann“ Jan Schmied (vgl. „Alte Männer spielen alte Spiele“ auf YouTube) höchstpersönlich einen Universal-SL-Schirm für DSK heraussuchen lassen. Michael Mingers habe ich einige Jahre nicht mehr gesehen und ihn dabei fast nicht mehr erkannt. Dafür trug der Gute eindeutig das beste T-Shirt auf der Messe (natürlich Battletech, natürlich das Motiv von der alten Box mit dem blauen Kriegshammer).
Bei Nackter Stahl (Halle 1) habe ich mir ein Bonbon bei der Arcane Codex Würfelaktion erwürfelt. Es gab zwar eine Neuigkeit, aber leider noch kein neues Regionenbuch. Alles andere war natürlich da. Was mir aber nicht half, weil ich davon schon alles habe.
Leider gab es auch ein paar Enttäuschungen:
Das Atlantis aus Hamburg hatte leider nur Würfel und Würfelmatten im Gepäck. Schade. Aber ich kann nicht sagen, wie es in den letzten Jahren war.
Beim Cyberpunk TCG gab es sogar echten Unmut! Kurz nach Messeeröffnung waren alle Demoplätze für den Rest des Tages (!) belegt. Die haben sich sogar hinter Wänden abgeschottet, nur eine Seite war offen, aber abgesperrt, so als würde Arasaka höchstpersönlich irgend ein VIP Event abhalten. (Vielleicht auch ganz passend, wenn man darüber nachdenkt.) Die Verkaufsbegrenzung pro Tag hat da auch nicht gerade geholfen.
Ein kleiner Einblick kann dem Gesamterlebnis der SPIEL nicht gerecht werden. Es gibt noch viel viel mehr Tolles zu sehen und zu spielen. Ein Tag reicht nicht wirklich aus und trotzdem kann man eine ganze Menge aus nur einem Tag rausholen. Doch bevor ich die Tastatur zur Seite lege, noch ein letzter Tipp: Liebhaber von ganz altem D&D-Material sollten bei Mondiversi (1B611) vorbeischauen.
Mondiversi-StandWelche Spiele euch auch interessieren mögen, zu diese Zeitpunkt stehen der Samstag und der Sonntag noch aus. Vielleicht ist dieser Einblick, sind diese Tipps von Nutzen, in jedem Falle wünsche ich euch viel Spaß auf der SPIEL!
Euer Prisma
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