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#transformationsgrammatik — Public Fediverse posts

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  1. @peer

    1/ „Im Q&A zum Film wird das Lachen über Stellen im Film ja auch thematisiert, insbesondere von Linguisten. Aber an ganz anderer Stelle: youtu.be/5C2qVW7s_C0?si=wHWBn7

    Da ich kein Linguist bin, erschließt sich mir das nicht sofort.“

    Ja, eigentlich ist an dem Film nichts zu Lachen. Es gibt einige Fehler und vielleicht bezieht sich Everett in der Szene auch auf einen. An einer Stelle sollte a^n b^n stehen, steht aber a^n b_n. Das zweite n ist unten statt oben. Das ist komplett sinnlos. Aber darüber lacht man nicht, wenn man so einen Film sieht. Solche Fehler passieren im Wissenschaftsjournalismus leider immer wieder. Da ärgert man sich eher. Es gibt zwei weitere Fehler. Einer vom Filmteam und ein weiterer von Everett selber. Die sind wirklich schlimm. Das Filmteam behauptet, dass man unendlich viele Ideen in einem Satz kombinieren könnte. Kann man nicht. Everett behauptet, dass Rekursion bedeuten würde, dass ein Satz für immer weitergehen kann. Das ist falsch. Alle real existierenden Sätze sind endlich. Alle von Chomskyschen Grammatiken lizenzierten Sätze sind endlich. Es sind nur eben unendlich viele (bei entsprechender Grammatik) und sie können beliebig lang werden, aber einzelne Sätze werden nie unendlich lang. Das ist ein wichtiger Punkt. Wird leider auch von Fachwissenschaftler*innen falsch gemacht.

    „Im Zusammenhang zu dem Video hatte ich auch zur Rekursion gegoogelt. Einer der obersten Treffer war auch eine ziemlich mathesymbolreiche Abhandlung. Bei der habe ich mich gefragt, wieviel Prozent der Linguisten so arbeiten. home.uni-leipzig.de/heck/recur

    Dass du das natürlich verstehst (und verwendest), ist mir klar. Aber gehörst du zur Ausnahme oder zur Regel?“

    Das ist der dominante Ansatz in der theoretischen #Syntax. #Chomsky hat die formalen Grundlagen dafür 1959 ausgearbeitet. Diese Grammatiken spielen auch in der #Informatik eine Rolle. Alle Informatiker*innen kennen das. Man braucht es für #Compilerbau. Solche Grammatiken kann man benutzen, um Programmiersprachen zu beschreiben. Die haben ja auch eine Syntax. Je nach Komplexitätsklasse der Grammatik kann man dann worst-case-Abschätzungen für die Verarbeitungsgeschwindigkeit treffen.

    Chomsky und seine Art Syntax zu betreiben (#Transformationsgrammatik) war lange Zeit die einzige Art formaler Syntax. Seit den 70ern gibt es aber Alternativen und auch Forschungscommunities dazu (DG, CG, TAG, LFG, GPSG, HPSG, CxG). Die verschiedenen alternativen Frameworks habe ich in meinem Grammatiktheoriebuch beschrieben:

    langsci-press.org/catalog/book

    „Ein Kommentator unter dem Video:
    "The part at 27:31 is quite shocking. That he along with a good portion of the audience, which I assume is made up of linguists, find the idea of "bunch of mathematical symbols to represent grammar" as funny is shocking. I wonder what kind of linguistics is done by these linguists because that supposedly funny thing is how a grammar is represented mathematically. Its called formal grammar. In the video they are referring to, this bit occurs on screen when talking about how MIT scientists are analyzing the Piraha language using a computer model. There is nothing funny about it."“

    Ich glaube, dass sich das auf a^n b^n bezieht. Das sind Abfolgen, die man mit Grammatiken erzeugen kann, keine Grammatiken. Und das ist natürlich nicht korrekt. Leider ist zusätzlich eben noch das zweite n unten. Das ist einfach kompletter Unsinn. Ich dachte ja, dass sie den Film mal Fachleuten vor der Endabnahme zeigen. War aber offensichtlich nicht so.

    Ted Gibson und Steve Piantadosi sind vom Cognitive Science Lab. Das ist die andere Straßenseite. Gegenüber von Chomsky. Beides MIT, aber fundamental andere Sichtweisen. Die Cogsci-Leute haben aber ebenfalls mit Ersetzungsgrammatiken gearbeitet. Das ist ok und wird auf beiden Seiten der Straße gemacht. Die Diskutierenden unter dem youtube-Video haben das wohl nicht auf dem Schirm gehabt.

    Die Frage ist aber, ob man mit der CogSci-Methode überhaupt was beweisen kann. Dazu müsste man sich das noch mal genauer angucken. @LupinoArts hatte ja schon was in diese Richtung gesagt. Das Problem ist, dass die Anzahl der bekannten Piraha-Sätze endlich ist. Für ein endliches Korpus kann man ganz einfache Grammatiken ohne irgendwelche Rekursion schreiben.

    Die Katze lacht.
    Die kleine Katze lacht.
    Die kleine grauen Katze lacht.

    Für diese Sätze könnte man zum Beispiel eine Grammatik schreiben, die drei Satz-Regeln enthält:

    S -> die,Katze,lacht.

    usw. Wenn man sich selbst oder Sprecher*innen befragen kann, kann man feststellen, dass man beliebig viele Adjektive haben kann, aber bei einem endlichen Korpus geht das eben nicht. Dann kann man überlegen, ob man nicht bessere Grammatiken für das endliche Korpus finden kann. Wenn „die Katze“ mehrfach auftaucht zum Beispiel. Und dann braucht man halt Bewertungskriterien dafür, welche Grammatik besser ist.

  2. @peer

    1/ „Im Q&A zum Film wird das Lachen über Stellen im Film ja auch thematisiert, insbesondere von Linguisten. Aber an ganz anderer Stelle: youtu.be/5C2qVW7s_C0?si=wHWBn7

    Da ich kein Linguist bin, erschließt sich mir das nicht sofort.“

    Ja, eigentlich ist an dem Film nichts zu Lachen. Es gibt einige Fehler und vielleicht bezieht sich Everett in der Szene auch auf einen. An einer Stelle sollte a^n b^n stehen, steht aber a^n b_n. Das zweite n ist unten statt oben. Das ist komplett sinnlos. Aber darüber lacht man nicht, wenn man so einen Film sieht. Solche Fehler passieren im Wissenschaftsjournalismus leider immer wieder. Da ärgert man sich eher. Es gibt zwei weitere Fehler. Einer vom Filmteam und ein weiterer von Everett selber. Die sind wirklich schlimm. Das Filmteam behauptet, dass man unendlich viele Ideen in einem Satz kombinieren könnte. Kann man nicht. Everett behauptet, dass Rekursion bedeuten würde, dass ein Satz für immer weitergehen kann. Das ist falsch. Alle real existierenden Sätze sind endlich. Alle von Chomskyschen Grammatiken lizenzierten Sätze sind endlich. Es sind nur eben unendlich viele (bei entsprechender Grammatik) und sie können beliebig lang werden, aber einzelne Sätze werden nie unendlich lang. Das ist ein wichtiger Punkt. Wird leider auch von Fachwissenschaftler*innen falsch gemacht.

    „Im Zusammenhang zu dem Video hatte ich auch zur Rekursion gegoogelt. Einer der obersten Treffer war auch eine ziemlich mathesymbolreiche Abhandlung. Bei der habe ich mich gefragt, wieviel Prozent der Linguisten so arbeiten. home.uni-leipzig.de/heck/recur

    Dass du das natürlich verstehst (und verwendest), ist mir klar. Aber gehörst du zur Ausnahme oder zur Regel?“

    Das ist der dominante Ansatz in der theoretischen #Syntax. #Chomsky hat die formalen Grundlagen dafür 1959 ausgearbeitet. Diese Grammatiken spielen auch in der #Informatik eine Rolle. Alle Informatiker*innen kennen das. Man braucht es für #Compilerbau. Solche Grammatiken kann man benutzen, um Programmiersprachen zu beschreiben. Die haben ja auch eine Syntax. Je nach Komplexitätsklasse der Grammatik kann man dann worst-case-Abschätzungen für die Verarbeitungsgeschwindigkeit treffen.

    Chomsky und seine Art Syntax zu betreiben (#Transformationsgrammatik) war lange Zeit die einzige Art formaler Syntax. Seit den 70ern gibt es aber Alternativen und auch Forschungscommunities dazu (DG, CG, TAG, LFG, GPSG, HPSG, CxG). Die verschiedenen alternativen Frameworks habe ich in meinem Grammatiktheoriebuch beschrieben:

    langsci-press.org/catalog/book

    „Ein Kommentator unter dem Video:
    "The part at 27:31 is quite shocking. That he along with a good portion of the audience, which I assume is made up of linguists, find the idea of "bunch of mathematical symbols to represent grammar" as funny is shocking. I wonder what kind of linguistics is done by these linguists because that supposedly funny thing is how a grammar is represented mathematically. Its called formal grammar. In the video they are referring to, this bit occurs on screen when talking about how MIT scientists are analyzing the Piraha language using a computer model. There is nothing funny about it."“

    Ich glaube, dass sich das auf a^n b^n bezieht. Das sind Abfolgen, die man mit Grammatiken erzeugen kann, keine Grammatiken. Und das ist natürlich nicht korrekt. Leider ist zusätzlich eben noch das zweite n unten. Das ist einfach kompletter Unsinn. Ich dachte ja, dass sie den Film mal Fachleuten vor der Endabnahme zeigen. War aber offensichtlich nicht so.

    Ted Gibson und Steve Piantadosi sind vom Cognitive Science Lab. Das ist die andere Straßenseite. Gegenüber von Chomsky. Beides MIT, aber fundamental andere Sichtweisen. Die Cogsci-Leute haben aber ebenfalls mit Ersetzungsgrammatiken gearbeitet. Das ist ok und wird auf beiden Seiten der Straße gemacht. Die Diskutierenden unter dem youtube-Video haben das wohl nicht auf dem Schirm gehabt.

    Die Frage ist aber, ob man mit der CogSci-Methode überhaupt was beweisen kann. Dazu müsste man sich das noch mal genauer angucken. @LupinoArts hatte ja schon was in diese Richtung gesagt. Das Problem ist, dass die Anzahl der bekannten Piraha-Sätze endlich ist. Für ein endliches Korpus kann man ganz einfache Grammatiken ohne irgendwelche Rekursion schreiben.

    Die Katze lacht.
    Die kleine Katze lacht.
    Die kleine grauen Katze lacht.

    Für diese Sätze könnte man zum Beispiel eine Grammatik schreiben, die drei Satz-Regeln enthält:

    S -> die,Katze,lacht.

    usw. Wenn man sich selbst oder Sprecher*innen befragen kann, kann man feststellen, dass man beliebig viele Adjektive haben kann, aber bei einem endlichen Korpus geht das eben nicht. Dann kann man überlegen, ob man nicht bessere Grammatiken für das endliche Korpus finden kann. Wenn „die Katze“ mehrfach auftaucht zum Beispiel. Und dann braucht man halt Bewertungskriterien dafür, welche Grammatik besser ist.

  3. @peer

    1/ „Im Q&A zum Film wird das Lachen über Stellen im Film ja auch thematisiert, insbesondere von Linguisten. Aber an ganz anderer Stelle: youtu.be/5C2qVW7s_C0?si=wHWBn7

    Da ich kein Linguist bin, erschließt sich mir das nicht sofort.“

    Ja, eigentlich ist an dem Film nichts zu Lachen. Es gibt einige Fehler und vielleicht bezieht sich Everett in der Szene auch auf einen. An einer Stelle sollte a^n b^n stehen, steht aber a^n b_n. Das zweite n ist unten statt oben. Das ist komplett sinnlos. Aber darüber lacht man nicht, wenn man so einen Film sieht. Solche Fehler passieren im Wissenschaftsjournalismus leider immer wieder. Da ärgert man sich eher. Es gibt zwei weitere Fehler. Einer vom Filmteam und ein weiterer von Everett selber. Die sind wirklich schlimm. Das Filmteam behauptet, dass man unendlich viele Ideen in einem Satz kombinieren könnte. Kann man nicht. Everett behauptet, dass Rekursion bedeuten würde, dass ein Satz für immer weitergehen kann. Das ist falsch. Alle real existierenden Sätze sind endlich. Alle von Chomskyschen Grammatiken lizenzierten Sätze sind endlich. Es sind nur eben unendlich viele (bei entsprechender Grammatik) und sie können beliebig lang werden, aber einzelne Sätze werden nie unendlich lang. Das ist ein wichtiger Punkt. Wird leider auch von Fachwissenschaftler*innen falsch gemacht.

    „Im Zusammenhang zu dem Video hatte ich auch zur Rekursion gegoogelt. Einer der obersten Treffer war auch eine ziemlich mathesymbolreiche Abhandlung. Bei der habe ich mich gefragt, wieviel Prozent der Linguisten so arbeiten. home.uni-leipzig.de/heck/recur

    Dass du das natürlich verstehst (und verwendest), ist mir klar. Aber gehörst du zur Ausnahme oder zur Regel?“

    Das ist der dominante Ansatz in der theoretischen #Syntax. #Chomsky hat die formalen Grundlagen dafür 1959 ausgearbeitet. Diese Grammatiken spielen auch in der #Informatik eine Rolle. Alle Informatiker*innen kennen das. Man braucht es für #Compilerbau. Solche Grammatiken kann man benutzen, um Programmiersprachen zu beschreiben. Die haben ja auch eine Syntax. Je nach Komplexitätsklasse der Grammatik kann man dann worst-case-Abschätzungen für die Verarbeitungsgeschwindigkeit treffen.

    Chomsky und seine Art Syntax zu betreiben (#Transformationsgrammatik) war lange Zeit die einzige Art formaler Syntax. Seit den 70ern gibt es aber Alternativen und auch Forschungscommunities dazu (DG, CG, TAG, LFG, GPSG, HPSG, CxG). Die verschiedenen alternativen Frameworks habe ich in meinem Grammatiktheoriebuch beschrieben:

    langsci-press.org/catalog/book

    „Ein Kommentator unter dem Video:
    "The part at 27:31 is quite shocking. That he along with a good portion of the audience, which I assume is made up of linguists, find the idea of "bunch of mathematical symbols to represent grammar" as funny is shocking. I wonder what kind of linguistics is done by these linguists because that supposedly funny thing is how a grammar is represented mathematically. Its called formal grammar. In the video they are referring to, this bit occurs on screen when talking about how MIT scientists are analyzing the Piraha language using a computer model. There is nothing funny about it."“

    Ich glaube, dass sich das auf a^n b^n bezieht. Das sind Abfolgen, die man mit Grammatiken erzeugen kann, keine Grammatiken. Und das ist natürlich nicht korrekt. Leider ist zusätzlich eben noch das zweite n unten. Das ist einfach kompletter Unsinn. Ich dachte ja, dass sie den Film mal Fachleuten vor der Endabnahme zeigen. War aber offensichtlich nicht so.

    Ted Gibson und Steve Piantadosi sind vom Cognitive Science Lab. Das ist die andere Straßenseite. Gegenüber von Chomsky. Beides MIT, aber fundamental andere Sichtweisen. Die Cogsci-Leute haben aber ebenfalls mit Ersetzungsgrammatiken gearbeitet. Das ist ok und wird auf beiden Seiten der Straße gemacht. Die Diskutierenden unter dem youtube-Video haben das wohl nicht auf dem Schirm gehabt.

    Die Frage ist aber, ob man mit der CogSci-Methode überhaupt was beweisen kann. Dazu müsste man sich das noch mal genauer angucken. @LupinoArts hatte ja schon was in diese Richtung gesagt. Das Problem ist, dass die Anzahl der bekannten Piraha-Sätze endlich ist. Für ein endliches Korpus kann man ganz einfache Grammatiken ohne irgendwelche Rekursion schreiben.

    Die Katze lacht.
    Die kleine Katze lacht.
    Die kleine grauen Katze lacht.

    Für diese Sätze könnte man zum Beispiel eine Grammatik schreiben, die drei Satz-Regeln enthält:

    S -> die,Katze,lacht.

    usw. Wenn man sich selbst oder Sprecher*innen befragen kann, kann man feststellen, dass man beliebig viele Adjektive haben kann, aber bei einem endlichen Korpus geht das eben nicht. Dann kann man überlegen, ob man nicht bessere Grammatiken für das endliche Korpus finden kann. Wenn „die Katze“ mehrfach auftaucht zum Beispiel. Und dann braucht man halt Bewertungskriterien dafür, welche Grammatik besser ist.

  4. @peer

    1/ „Im Q&A zum Film wird das Lachen über Stellen im Film ja auch thematisiert, insbesondere von Linguisten. Aber an ganz anderer Stelle: youtu.be/5C2qVW7s_C0?si=wHWBn7

    Da ich kein Linguist bin, erschließt sich mir das nicht sofort.“

    Ja, eigentlich ist an dem Film nichts zu Lachen. Es gibt einige Fehler und vielleicht bezieht sich Everett in der Szene auch auf einen. An einer Stelle sollte a^n b^n stehen, steht aber a^n b_n. Das zweite n ist unten statt oben. Das ist komplett sinnlos. Aber darüber lacht man nicht, wenn man so einen Film sieht. Solche Fehler passieren im Wissenschaftsjournalismus leider immer wieder. Da ärgert man sich eher. Es gibt zwei weitere Fehler. Einer vom Filmteam und ein weiterer von Everett selber. Die sind wirklich schlimm. Das Filmteam behauptet, dass man unendlich viele Ideen in einem Satz kombinieren könnte. Kann man nicht. Everett behauptet, dass Rekursion bedeuten würde, dass ein Satz für immer weitergehen kann. Das ist falsch. Alle real existierenden Sätze sind endlich. Alle von Chomskyschen Grammatiken lizenzierten Sätze sind endlich. Es sind nur eben unendlich viele (bei entsprechender Grammatik) und sie können beliebig lang werden, aber einzelne Sätze werden nie unendlich lang. Das ist ein wichtiger Punkt. Wird leider auch von Fachwissenschaftler*innen falsch gemacht.

    „Im Zusammenhang zu dem Video hatte ich auch zur Rekursion gegoogelt. Einer der obersten Treffer war auch eine ziemlich mathesymbolreiche Abhandlung. Bei der habe ich mich gefragt, wieviel Prozent der Linguisten so arbeiten. home.uni-leipzig.de/heck/recur

    Dass du das natürlich verstehst (und verwendest), ist mir klar. Aber gehörst du zur Ausnahme oder zur Regel?“

    Das ist der dominante Ansatz in der theoretischen #Syntax. #Chomsky hat die formalen Grundlagen dafür 1959 ausgearbeitet. Diese Grammatiken spielen auch in der #Informatik eine Rolle. Alle Informatiker*innen kennen das. Man braucht es für #Compilerbau. Solche Grammatiken kann man benutzen, um Programmiersprachen zu beschreiben. Die haben ja auch eine Syntax. Je nach Komplexitätsklasse der Grammatik kann man dann worst-case-Abschätzungen für die Verarbeitungsgeschwindigkeit treffen.

    Chomsky und seine Art Syntax zu betreiben (#Transformationsgrammatik) war lange Zeit die einzige Art formaler Syntax. Seit den 70ern gibt es aber Alternativen und auch Forschungscommunities dazu (DG, CG, TAG, LFG, GPSG, HPSG, CxG). Die verschiedenen alternativen Frameworks habe ich in meinem Grammatiktheoriebuch beschrieben:

    langsci-press.org/catalog/book

    „Ein Kommentator unter dem Video:
    "The part at 27:31 is quite shocking. That he along with a good portion of the audience, which I assume is made up of linguists, find the idea of "bunch of mathematical symbols to represent grammar" as funny is shocking. I wonder what kind of linguistics is done by these linguists because that supposedly funny thing is how a grammar is represented mathematically. Its called formal grammar. In the video they are referring to, this bit occurs on screen when talking about how MIT scientists are analyzing the Piraha language using a computer model. There is nothing funny about it."“

    Ich glaube, dass sich das auf a^n b^n bezieht. Das sind Abfolgen, die man mit Grammatiken erzeugen kann, keine Grammatiken. Und das ist natürlich nicht korrekt. Leider ist zusätzlich eben noch das zweite n unten. Das ist einfach kompletter Unsinn. Ich dachte ja, dass sie den Film mal Fachleuten vor der Endabnahme zeigen. War aber offensichtlich nicht so.

    Ted Gibson und Steve Piantadosi sind vom Cognitive Science Lab. Das ist die andere Straßenseite. Gegenüber von Chomsky. Beides MIT, aber fundamental andere Sichtweisen. Die Cogsci-Leute haben aber ebenfalls mit Ersetzungsgrammatiken gearbeitet. Das ist ok und wird auf beiden Seiten der Straße gemacht. Die Diskutierenden unter dem youtube-Video haben das wohl nicht auf dem Schirm gehabt.

    Die Frage ist aber, ob man mit der CogSci-Methode überhaupt was beweisen kann. Dazu müsste man sich das noch mal genauer angucken. @LupinoArts hatte ja schon was in diese Richtung gesagt. Das Problem ist, dass die Anzahl der bekannten Piraha-Sätze endlich ist. Für ein endliches Korpus kann man ganz einfache Grammatiken ohne irgendwelche Rekursion schreiben.

    Die Katze lacht.
    Die kleine Katze lacht.
    Die kleine grauen Katze lacht.

    Für diese Sätze könnte man zum Beispiel eine Grammatik schreiben, die drei Satz-Regeln enthält:

    S -> die,Katze,lacht.

    usw. Wenn man sich selbst oder Sprecher*innen befragen kann, kann man feststellen, dass man beliebig viele Adjektive haben kann, aber bei einem endlichen Korpus geht das eben nicht. Dann kann man überlegen, ob man nicht bessere Grammatiken für das endliche Korpus finden kann. Wenn „die Katze“ mehrfach auftaucht zum Beispiel. Und dann braucht man halt Bewertungskriterien dafür, welche Grammatik besser ist.

  5. @peer

    1/ „Im Q&A zum Film wird das Lachen über Stellen im Film ja auch thematisiert, insbesondere von Linguisten. Aber an ganz anderer Stelle: youtu.be/5C2qVW7s_C0?si=wHWBn7

    Da ich kein Linguist bin, erschließt sich mir das nicht sofort.“

    Ja, eigentlich ist an dem Film nichts zu Lachen. Es gibt einige Fehler und vielleicht bezieht sich Everett in der Szene auch auf einen. An einer Stelle sollte a^n b^n stehen, steht aber a^n b_n. Das zweite n ist unten statt oben. Das ist komplett sinnlos. Aber darüber lacht man nicht, wenn man so einen Film sieht. Solche Fehler passieren im Wissenschaftsjournalismus leider immer wieder. Da ärgert man sich eher. Es gibt zwei weitere Fehler. Einer vom Filmteam und ein weiterer von Everett selber. Die sind wirklich schlimm. Das Filmteam behauptet, dass man unendlich viele Ideen in einem Satz kombinieren könnte. Kann man nicht. Everett behauptet, dass Rekursion bedeuten würde, dass ein Satz für immer weitergehen kann. Das ist falsch. Alle real existierenden Sätze sind endlich. Alle von Chomskyschen Grammatiken lizenzierten Sätze sind endlich. Es sind nur eben unendlich viele (bei entsprechender Grammatik) und sie können beliebig lang werden, aber einzelne Sätze werden nie unendlich lang. Das ist ein wichtiger Punkt. Wird leider auch von Fachwissenschaftler*innen falsch gemacht.

    „Im Zusammenhang zu dem Video hatte ich auch zur Rekursion gegoogelt. Einer der obersten Treffer war auch eine ziemlich mathesymbolreiche Abhandlung. Bei der habe ich mich gefragt, wieviel Prozent der Linguisten so arbeiten. home.uni-leipzig.de/heck/recur

    Dass du das natürlich verstehst (und verwendest), ist mir klar. Aber gehörst du zur Ausnahme oder zur Regel?“

    Das ist der dominante Ansatz in der theoretischen #Syntax. #Chomsky hat die formalen Grundlagen dafür 1959 ausgearbeitet. Diese Grammatiken spielen auch in der #Informatik eine Rolle. Alle Informatiker*innen kennen das. Man braucht es für #Compilerbau. Solche Grammatiken kann man benutzen, um Programmiersprachen zu beschreiben. Die haben ja auch eine Syntax. Je nach Komplexitätsklasse der Grammatik kann man dann worst-case-Abschätzungen für die Verarbeitungsgeschwindigkeit treffen.

    Chomsky und seine Art Syntax zu betreiben (#Transformationsgrammatik) war lange Zeit die einzige Art formaler Syntax. Seit den 70ern gibt es aber Alternativen und auch Forschungscommunities dazu (DG, CG, TAG, LFG, GPSG, HPSG, CxG). Die verschiedenen alternativen Frameworks habe ich in meinem Grammatiktheoriebuch beschrieben:

    langsci-press.org/catalog/book

    „Ein Kommentator unter dem Video:
    "The part at 27:31 is quite shocking. That he along with a good portion of the audience, which I assume is made up of linguists, find the idea of "bunch of mathematical symbols to represent grammar" as funny is shocking. I wonder what kind of linguistics is done by these linguists because that supposedly funny thing is how a grammar is represented mathematically. Its called formal grammar. In the video they are referring to, this bit occurs on screen when talking about how MIT scientists are analyzing the Piraha language using a computer model. There is nothing funny about it."“

    Ich glaube, dass sich das auf a^n b^n bezieht. Das sind Abfolgen, die man mit Grammatiken erzeugen kann, keine Grammatiken. Und das ist natürlich nicht korrekt. Leider ist zusätzlich eben noch das zweite n unten. Das ist einfach kompletter Unsinn. Ich dachte ja, dass sie den Film mal Fachleuten vor der Endabnahme zeigen. War aber offensichtlich nicht so.

    Ted Gibson und Steve Piantadosi sind vom Cognitive Science Lab. Das ist die andere Straßenseite. Gegenüber von Chomsky. Beides MIT, aber fundamental andere Sichtweisen. Die Cogsci-Leute haben aber ebenfalls mit Ersetzungsgrammatiken gearbeitet. Das ist ok und wird auf beiden Seiten der Straße gemacht. Die Diskutierenden unter dem youtube-Video haben das wohl nicht auf dem Schirm gehabt.

    Die Frage ist aber, ob man mit der CogSci-Methode überhaupt was beweisen kann. Dazu müsste man sich das noch mal genauer angucken. @LupinoArts hatte ja schon was in diese Richtung gesagt. Das Problem ist, dass die Anzahl der bekannten Piraha-Sätze endlich ist. Für ein endliches Korpus kann man ganz einfache Grammatiken ohne irgendwelche Rekursion schreiben.

    Die Katze lacht.
    Die kleine Katze lacht.
    Die kleine grauen Katze lacht.

    Für diese Sätze könnte man zum Beispiel eine Grammatik schreiben, die drei Satz-Regeln enthält:

    S -> die,Katze,lacht.

    usw. Wenn man sich selbst oder Sprecher*innen befragen kann, kann man feststellen, dass man beliebig viele Adjektive haben kann, aber bei einem endlichen Korpus geht das eben nicht. Dann kann man überlegen, ob man nicht bessere Grammatiken für das endliche Korpus finden kann. Wenn „die Katze“ mehrfach auftaucht zum Beispiel. Und dann braucht man halt Bewertungskriterien dafür, welche Grammatik besser ist.