Zukünfte (19): Versprechen der Moderne
Wesentliche Errungenschaften der Moderne sind ins Wanken geraten. Die fortschreitende Klimakatastrophe, andauernde Migrationsbewegungen, der erstarkte Populismus, neue Aufrüstung und Kriege, das Ringen um eine neue Weltordnung treiben den Menschen nicht nur der westlichen Gesellschaften die Sorgenfalten auf die Stirn. Seit Jahren wird eine hitzige Debatte darüber geführt, was aus den Versprechungen der Moderne geworden ist.
In diese Debatte hat sich der Münsteraner Soziologe Detlef Pollack eingeschaltet mit nichts Geringerem als dem Versuch, eine Theorie der Moderne vorzulegen. Die Theorie will hinreichend differenzieren, so dass Unterschiede zur „Vormoderne“ deutlich werden. Pollack möchte damit eine Grundlage schaffen für den gesellschaftlichen Diskurs über die Gestaltung der Zukunft.
Die Moderne zeichne sich durch den Bezug zur Zukunft und deren Gestaltbarkeit aus. Eine Theorie habe sich, so Pollack, mit Zukunftsvisionen oder Prognosen zurückzuhalten. Die Bewährungsprobe für die Theorie sei nicht nur ihre empirische Tragfähigkeit. Die Frage sei auch, ob man durch die Theorie etwas zu sehen bekomme, was man ohne sie nicht sehen könne. Sie solle vielmehr erklären, was die Moderne sei, um eine Grundlage für die Debatte zu schaffen.
Die Moderne … ist eine spannungsreiche Ordnung, in der unterschiedliche Kräfte miteinander ringen, sich wechselseitig im Zaum halten, einander in vielfacher Hinsicht widersprechen und nicht auf ein letztes Prinzip zurückgeführt werden können.1
Pollack strukturiert seinen Theorieentwurf, indem er zum einen auf die drei Sinndimensionen nach Niklas Luhmann zurückgreift, auf die Unterscheidung von zeitlichem, sachlichem und sozialem Sinn. Die Struktur der Gesellschaft versucht er zum anderen mit einem weiteren Rückgriff auf die Systemtheorie zu fassen, der Ausdifferenzierung der Funktionssysteme, wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Religion usw. Mit diesem analystischen Werkzeug gerüstet, möchte Pollack die charakteristischen Spannungslinien der Moderne im Unterschied zu vormodernen Gesellschaften herausarbeiten, ohne die Moderne als normatives Idealbild zu konstruieren. Es geht ihm dabei weniger um Trennschärfe, sondern mehr um Kernprägnanz.
Zukunft ausblenden
Aus dem verschlungenen Prozess des Wandels der Vormoderne in die Moderne destilliert Pollack verschiedene Wegmarken heraus. Die Abkehr vom christlichen Zeitverständnis mit der Aussicht auf das Jüngste Gericht und die Hinwendung zu einer offenen, von Menschenhand gestaltbaren Zukunft war mit dem Auseinandertreten von Erfahrungsraum und Erwartungshorizont (Koselleck) verbunden.
Mit den technologischen Möglichkeiten war eine tiefgreifende ökonomische Dynamik, wie der Wechsel von der Subsistenzwirtschaft zur Marktwirtschaft, Spezialisierung und Ausdifferenzierung der Berufe, ökonomisches Wachstum und wachsender materieller Lebensstandard verbunden. Diese verbreitete Vorstellung eines unbgrenzten Fortschrittoptimismus versucht Pollack zu korrigieren.
Die Hoffnung auf Herstellung besserer Zustände, auf die Überwindung von Knechtschaft, Aberglaube und Willkür und die Realisierung von Ideen wie Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit stand von Anfang an unter dem Vorbehalt des Zweifels an ihrer Umsetzbarkeit.2
Schon bei Schiller und Hegel sei die Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit in das Verständnis der Moderne hineingelegt. Das Denken verschiebe sich seit der Aufklärung von der Orientierung an Endzuständen hin zu unabgeschlossenen Prozessen. Mit den technischen Erfindungen, den geografischen und wissenschaftlichen Entdeckungen wächst auch die Einsicht in die Fehlbarkeit und Begrenztheit der menschlichen Erkenntnis. An die Stelle von Gewissheit, so Pollack auf den Punkt, trete Lernen.
Die Kritik an allen Ansprüchen an Wachstum und Expansion begleite die Moderne seit der Aufklärung durch ihre gesamte 200-jährige Geschichte. Dies lasse sich auch an der kritischen Ausrichtung der sich herausbildenden Sozialwissenschaft, am Aufblühen der öffentlichen Meinungsbildung und der sich ausweitenden kritischen Öffentlichkeit erkennen. Forderungen nach Reformen oder Konjunkturkrisen befeuerten die Kritik am Kapitalismus und führten, wie etwa beim Gründerkrach von 1873, zu einer Abkehr von der Idee des unregulierten Freimarkts.
Die Moderne ist eine Geschichte der Reaktion auf sich selbst.3
Falsch wäre nach Ansicht von Pollack die Vorstellung, die Moderne sei eine Geschichte der permanenten Verschärfung sozialer Ungleichheit, zunehmender staatlicher Gewalt, wachsender Umweltzerstörung und Ausbeutung. Genauso falsch wäre aber auch die Vorstellung von einem unaufhörlichen Anstieg von Wohlstand, Mitbestimmung und sozialer Sicherheit. In moderne Gesellschaften seien viele Mechanismen eingebaut, die die Praktiken der Moderne anhand ihrer eigenen hohen Maßstäbe immer wieder korrigieren können, betont Pollack. Er versucht, seine These anhand von vier Beispielen zu untermauern. Die historisch langfristige Tendenz zu mehr sozialer, ökonomischer und politischer Gleichheit (Piketty) sei der Fähigkeit moderner Gesellschaften zur Umverteilung zu verdanken. Das werde gerne übersehen, weil das Ausmaß sozialer Ungleichheit in diesen Gesellschaften „nach wie vor erschreckend hoch“ sei.
Ähnlich lasse sich auch der Rückgang der wöchentlichen Arbeitszeit begreifen. Auch die Fähigkeit zur Eindämmung internationaler Konflikte nimmt Pollack als Nachweis für die Lernfähigkeit der Moderne.
Funktionale Differenzierung und reflexive Dauerschleife
Pollack nimmt die Sachdimension der Moderne in den Blick, indem er die Ausdifferenzierung der Funktionssysteme der Gesellschaft und auch der sozialen Systeme umreißt. Politik, Wirtschaft, Bildung, Wissenschaft, Religion – jedes System funktioniert nach seiner eigenen Logik. Macht, Geld, Wissen, Glauben – jedes verfügt über seinen spezifischen Code.
Weder die göttliche Offenbarung der Religion noch die rationale Erkenntnis der Wissenschaft, weder die politische Macht des Staates noch die wirtschaftliche Kraft des Marktes sind in der Lage, die gesamte Gesellschaft zu durchdringen.4
Die Paradoxie der Unterscheidung jedes Systems von einer unbestimmten Umwelt schafft die Autonomie, die erst die Auswahl und Inanspruchnahme von Leistungen anderer Systeme ermöglicht. Autonomie heißt also nicht Autarkie. Mit der Entwicklung der Moderne hat die Dichte der Verflechtung der Systeme zugenommen. Selbst das Recht sei kein letzter von Ungewissheit verschonter Anker. Bei freiheitlicher Mehrheitsfindung könne sogar das Grundgesetz umgeschrieben werden. So sehe es das Grundgesetz selber vor.
Eine Verfassung, die ihre eigene Veränderbarkeit vorsieht, ist ein Dokument der Selbsterneuerungsfähigkeit der Moderne, aber sie dokumentiert eben auch die prinzipielle Unabgeschlossenheit und Unsicherheit aller modernen Institutionen.5
Wesentlich für die Konstitution der modernen Gesellschaft ist bei Pollack die reflexive Dauerschleife. Die Funktionssysteme bedingen einander wechselseitig. Deshalb sei „oft“, wie etwa in den Trente Glorieuses nach dem Zweiten Weltkrieg ein gleichzeitiges Aufblühen von Wirtschaft, wissenschaftlicher Produktivität, schulischer Bildung zu beobachten. Damit verbunden veränderte sich die dominante Wertorientierung in der Bevölkerung, so Pollack, hin zu postmaterialistischen Werten. Diese engen Verflechtungszusammenhänge zwischen Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Bildung und Kultur stärkten die Integration moderner Gesellschaften, machten sie aber auch störanfällig.
Lieferengpässe in der Autoindustrie haben Auswirkungen auf die Auftragslage der Filmindustrie, Mängel im Gesundheitswesen hinterlassen Spuren in der Personaldecke der Bahn, Fehlentscheidungen der Politik bringen ganze Branchen in Schieflage.6
Die Folge sei eine Überlastung der Systeme. Die ständig erforderlichen Neuerungen könnten vielfach nicht mehr in die überkommenen Strukturen eingepasst werden. Die Gesellschaft sei einer Dauerirritation ausgesetzt, auf die sie mit Überaktivität und Dauernervosität reagiere.
Da es keine zentrale Instanz gibt, die die vielen eigendynamischen, selbstreferentiellen Prozesse steuert, droht die Gesellschaft im Ganzen aus dem Ruder zu laufen. Kurzfristiges Krisenmanagement dominiert über Langfriststrategien. Teilrationalitäten verbinden sich nicht zu einer Gesamtrationalität.7
Pollack lässt offen, ob die zentrale Instanz aus seiner Sicht fehlt oder ob es sie in der Moderne wegen der Ausdifferenzierung der Systeme schlicht nicht geben kann. Das Problem der reflexiven Dauerschleife bestehe darin, betont Pollack, dass im Mahlstrom der Argumente und Gegenargumente auch Erkenntnisse untergehen, die lebenswichtig sein könnten. Er führt grundlegende aktuelle Beispiele an, wie das in den Jahren vor dem Ukrainekrieg unterschätzte Aggressionspotenzial des Kreml. Auch die Klimeschäden der Industrialisierung seien seit den Berichten des Club of Rome in den 1970er Jahren bekannt und hätten dennoch nicht rechtzeitig zu einem Umdenken geführt. Ähnliches stellt er bei der Krise der Demokratie fest. Es sei nicht asuzuschließen, dass die Diskurse über ihren kurz bevorstehenden Untergang berechtigt sind. Es falle uns schwer, apokalyptische Überzeichnungen von lebensbedrohlichen Gefahren zu unterscheiden.
Wettbewerbsforen sind prägend für die Moderne
Der Blick aus der sozialen Perspektive auf die Moderne führt Pollack zu der beispiellosen Inklusion immer weiterer Bevölkerungskreise und der Herausbildung einer bürgerlichen Öffentlichkeit auf der Basis der Interaktion unter Anwesenden. In der unmittelbaren Begegnung waren die Anwesenden auf ihren guten Ruf bedacht. Deshalb war es für alle ein primäres Anliegen, Konflikte zu vermeiden. Mit dem Wandel der Kommunikationsmedien habe sich dies grundlegend geändert.
In der modernen Gesellschaft seien Wettbewerbsforen entstanden, die das Individuum mobilisieren. Demokratische Wahl, marktwirtschaftlicher Wettbewerb, Bewertung schulischer und studentischer Leistungen, Evaluation wissenschaftlicher Forschungsarbeiten, Weiterentwicklung industrieller Technologien, öffentliche Kritik – für Pollack ist all diesen sozialen Phänomenen gemeinsam, dass unter konkurrierenden Angeboten ausgewählt werden kann.
Diese moderne Form der Entscheidungsfindung sei stark regelgebunden und führe zu Ergebnissen, die von allen akzeptiert würden. Das klingt sehr stark nach Netzwerktheorie, ohne dass sich Pollack darauf beziehen würde. Bei diesen Foren oder Arenen handelt es sich um soziale Gebilde, die nach außen hin weitgehend abgeschottet sind. Der umfassenden Inklusion in die Gesellschaft scheint also in der Moderne zugleich ein exklusives Prinzip gegenüber zu stehen.
Für Pollack sind diese Arenen der Motor der permanenten Leistungssteigerung und des endlosen Fortschritts in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Bildung, Medizin, Militär, Recht, also praktisch allen Funktionssystemen.
Sie lösen geltende Standard, Traditionen, überkommene Bindungen, Übereinkünfte, Gültigkeitsansprüche und Autoritäten auf und sind auf eine Dynamik hin angelegt, die sich grundsätzlich nicht stillstellen lässt.8
Wo die exklusiven Wettbewerbsregeln der Foren in der Praxis verletzt würden, gebe es Korrektur- und Reinigungsverfahren. Sie wirkten regulierend und ermöglichend. Es spielten sich Kreisläufe der wechselseitigen Steigerung ein. Das Entscheidungsprinzip des Gebens und Nehmens schließe jedoch Ungleichheiten und Abhängigkeiten nicht aus.
Individualisierung und Bedeutungszuwachs von Organisationen
Neben den Foren sind es Kliniken, Betriebe, Gerichte, Schulen, Kindergärten, Universitäten, Parteien, Gewerkschaften oder Freiwilligenvereine, also Organisationen, die die Moderne der Gesellschaft wesentlich prägen. Das Individuum muss sich auf sie verlassen können, ohne zu wissen, wie sie funktionieren. Es muss ihnen vertrauen. Wo Vertrauen fehlt, liegen Skepsis und Kritik nahe.
Das Individuum gewinnt in der Moderne eine beachtliche Freiheit, den Verlauf seines Lebens zu beeinflussen. Die Lebensführung nimmt zunehmend experimentelle Züge an.
Die Würde aller Menschen als unantastbar zu denken, wurde erst in der Moderne möglich.9
Pollack spricht vom individuellen Würdebewusstsein, in dem das angehäufte ökonomische, politische, kulturelle und soziale Kapital kumuliere. Gestiegen sind damit die Erwartungen an das Gemeinwesen, an Staat, Politik, Wirtschaft und Recht. Das Individuum als Parasiten zu sehen, würde allerdings zu kurz greifen, betont Pollack. Schließlich seien steigende Einkommen und erhöhte Partizipationschancen grundlegende Bedingungen für wirtschaftliches Wachstum und demokratische Legitimation.
Verkleinern Gegner der Moderne die Entscheidungsspielräume?
Kritik an bestehenden Verhältnissen schreibt Pollack pauschal Gegnern der Moderne zu, die die tragenden Institutionen der Moderne aus unterschiedlichen Richtungen angriffen. Er meint damit Politiker und Wissenschaftler gleichermaßen, die Rechtspopulisten ebenso wie die Klimaaktivisten der Letzten Generation, die Vertreter der Degrowth-Bewegung, der Kritischen Theorie, der Postcolonial Studies, des dekonstruktivistischen Feminismus oder eines demokratischen Sozialismus in der Grünen Jugend. Auch in dieser Radikalkritik zeige sich jedoch ein Modus der Moderne, die selbstreferentielle Dauerirritation.
Pollack vermutet, dass diese Vielfalt an kritischen Stimmen die Reproduktions- und Transformationskapazitäten der modernen Gesellschaft gefährden könnte. Er vermutet hinter der Kritik aus verschiedenen Richtungen eine „soziale Polarisierung“, die bewirke, dass die Gesellschaft auf die globalen Krisen nicht mehr flexibel reagieren könne. An die Stelle der offenen Konkurrenz verschiedener Positionen trete ein Denken in Lagern und ein Freund-Feind-Denken.
Die Fähigkeit und die Bereitschaft, vom politischen Kontrahenten zu lernen und sich selbst zu korrigieren, schwächen sich ab.10
Die besonderen Potentiale der Moderne, Optimismus, Zukunftshoffnung und Gestaltungswille, sachliche Selbstkritik, Selbstbegrenzung und Empathie, Inklusion der Individuen, Gleichberechtigung und sozialer Austausch über Grenzen hinweg, gingen verloren.
Kriege, Klima, Rechtspopulismus – neue Herausforderungen
Am Beispiel einer Momentaufnahme dreier Krisen versucht Pollack, die Dilemmata herauszuarbeiten, mit denen es die Moderne heute zu tun hat. Die zögerliche Reaktion der westlichen Demokratien auf den russischen Angriff oder die antisemitischen und antidemokratischen Proteste gegen das Vorgehen Israels im Gaza seien in der demokratischen Gesellschaft Ausdruck der pluralistischen Vielfalt, die Entscheidungen erschwere.
Der Kampf gegen die Klimakrise sei wesentlich durch die Beschränkung auf die Mittel der wirtschaftlichen Rationalität geprägt. Investitionen in den Klimaschutz würden getätigt, wenn damit Kosten gesenkt werden könnten. Mittlerweile sei das häufig der Fall, etwa beim Solar- und Windstrom oder beim Elektroauto. Ähnlich zurückhaltend seien die Konsumenten mit klimaschonendem Verhalten. Sie würden sich nur dann darauf einlassen, wenn damit keine empfundenen Wohlstandsverluste entstehen. Mittlerweile seien jedoch Kreditvergaben von Investoren zunehmend an Nachhaltigkeitsziele gebunden. Auch die langfristige Risikoabschätzung werde inzwischen in vielen Unternehmen praktiziert, wenn etwa Schäden durch Extremwetter drohten.
Global reduziere sich der CO₂-Ausstoß zwar nicht, sehr wohl jedoch in den westlichen Staaten. Die Klimakrise zeige, dass die Moderne zur Selbstkorrektur und zur Zurücknahme ihrer Steigerungstendenzen fähig sei. Wenn erforderlich, könne das Wirtschaftswachstum gedrosselt werden, ohne dass die Wirtschaft zusammenbricht.11 Die Demokratie könne Überzeugungsarbeit leisten, ohne die Menschen zu bevormunden.
Das Dilemma sei bei der Klimakrise kein grundsätzliches, sondern vor allem ein zeitliches, so Pollack fast schon beschwichtigend. Seine wiederholte Klage über die vermeintlich apokalyptische Rhetorik von Klimaaktivisten scheint mir unerklärlich, wenn man davon ausgeht, dass viele Entwicklungen, die der Mensch als ausgeblendete Folgen seines Wirtschaftens verursacht, aus wissenschaftlicher Sicht irreversibel oder aus wirtschaftlicher Sicht nicht finanzierbar sind.
Grundlegende wissenschaftliche Forschungsansätze, wie z.B. die Debatte über das Anthropozän oder die planetaren Grenzen oder der Aufbau transdisziplinärer Forschung in der Erdsystemwissenschaft oder die Unterscheidung zwischen globaler und planetarischer Perspektive kommen bei Pollack nicht vor. Dabei wäre durchaus denkbar, dass sich das Verhältnis des Menschen zu seinem Lebensraum grundlegend verändert. Ein Epochenbruch zu einer nächsten Gesellschaft, die sich von der Moderne unterscheidet, könnte damit durchaus verbunden sein.
Die Furcht vor unbeabsichtigten Utopien oder Dystopien und die Ausblendung jeglicher Zukunftsbetrachtung scheinen mir die Chance zu schmälern, zu neuen Erkenntnissen über den gegenwärtigen und zukünftigen Zustand der Moderne zu kommen. Pollack sieht selbst, dass es ertragreich sein könnte, die Digitalisierung in die Analyse mit einzubeziehen. Hat er sie ausgeblendet, weil die Betrachtung eine strukturierte Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Zukünften erfordert hätte?
- Detlef Pollack: Große Versprechen. Die westliche Moderne in Zeiten der globalen Krise. München 2025 (bpb-Sonderausgabe, Berlin 2025), S. 16 ↩︎
- S. 24 ↩︎
- S. 30 ↩︎
- S. 51 ↩︎
- S. 72 ↩︎
- S. 75 ↩︎
- S. 76 ↩︎
- S. 92f. ↩︎
- S. 105 ↩︎
- S. 112 ↩︎
- Pollack bezieht sich hier auf Ulrike Herrmann, die ein „Ende des Kapitalismus“, wie wir ihn kennen, für wahrscheinlich hält. Leider führt Pollack nicht weiter aus, wie diese Drosselung des Wirtschaftswachstums aussehen könnte. Sie dazu auch meinen Beitrag Zukünfte (3): Wege und Übergänge. Über die Praxis der Transformation ↩︎
Mehr dazu
Zukünfte (12): Vom globalen zum planetarischen Denken
Zukünfte (14): Anpassungen anpassen
Zukünfte (17): Ist die Große Transformation unhaltbar?
#Aufklärung #Autonomie #Funktionssysteme #Inklusion #Moderne #Postmoderne #Reflexion #System #Ungewissheit #Vertrauen #Wachstum