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#ulrichkelber — Public Fediverse posts

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  1. Regieren vom Hörensagen

    Sie können es einfach nicht, diese CDU/CSU/SPD-Koalitionäre. Sie haben kein Konzept, lassen Wissenschaft nicht gelten, regieren gemäß  und entlang ideologischer Vorurteile und damit zwangsläufig stümperhaft. Den Quatsch mit den Krankschreibungen kann man schnell wieder abschaffen. Das richtet zwar unnötiges Chaos an. Aber damit ein Kanzler, der seine privaten Vorurteile zum Regierungsprogramm erklärt, seinen Willen hat, wird das Gesundheitssystem das für ein paar Monate aushalten – bis die Vernunft und ein Blick in die Statistik diesen Blödsinn beenden wird. Schlimmer sind die Schäden, die diese Koalition an den Grund- und Freiheitsrechten der Bürgerinnen und Bürger und an der Umwelt anrichtet. Sie werden in die Milliarden gehen, im Falle des Klimawandels irreversibel sein. Viele Menschen sehen Zeiten, in denen sich US-Konzerne und deren asoziale Netzwerke immer dreister der Datenspuren bedienen, die die Nutzer:innen von solchen Plattformen hinterlassen, gar wie Elon Musk Wahlen zugunsten der Rechtsextremisten manipulieren,  Derweil höhlt die Koalition Merz/Klingbeil mitleidlos deren Schutzrechte, die der Datenschutz und die DSGVO noch bieten, rücksichtslos aus.

    Vorurteile gegen Datenschutz, Informationsfreiheit und Urheberrecht

    Allein die Pläne, den Datenschutz nicht als Persönlichkeitsschutz und Grundrecht zu achten, sondern als “Bürokratie” zu diffamieren und rigoros abzubauen, werden volkswirtschaftlichen Schaden anrichten und Bürgerinnen und Bürger unnötig und vermeidbar internationalen Datenkraken ausliefern. Noch schlimmer, sie werden Unternehmen der Privatwirtschaft und Privatpersonen nicht mehr hinreichend und mit schlimmen Folgen gegen Übergriffe der Tech-Oligarchen, der russischen und chinesischen Spionage und dem Urheberrechts- und Datendiebstahl schützen können. Und in der Folge werden tausende Arbeitsplätze von freiberuflichen bzw. selbständigen externen betrieblichen Datenschutzbeauftragten in ganz Deutschland gefährdet werden, die bundesweit für den Mittelstand und KMU tätig sind. Weil Friedrich Merz das gar nicht weiss, weil er Wirtschaft nur vom Hörensagen kennt. Trotzdem ist er bereit, Bürgerrechte im Rahmen vorgeblichen “Bürokratieabbaus” zu zerschlagen. Das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) müsse geändert werden, damit Mitarbeiter nicht gefährdet oder Spionage erleichtert würden, sagte sein Regierungssprecher. Der Mann kann nicht lesen. Genau für diese Fälle sieht das IFG bereits heute Ausnahmen vor.

    Nie wirklich in der Wirtschaft operativ gearbeitet

    Als ihn Angela Merkel als Fraktionsvorsitzender der CDU aussortiert hatte, ist er wenig später von einer Agentur für Reden vor Unternehmern  engagiert worden. Für fünfstellige Honorare pro Abend ist er so durch Brüssel und verschiedene Lobbybereiche getingelt, bis er unter anderem von Blackrock als Lobbyist engagiert wurde und Aufsichtsratsmandate sammelte, wie andere Briefmarken oder Fußballbildchen. Weder bei Blackrock noch bei anderen Firmen ist Merz jemals im operativen Geschäft tätig gewesen. Er hat immer nur über Wirtschaft schwadroniert, von ihr profitiert, er ist nie Teil von ihr in Verantwortung gewesen. Er hat niemals in einer verantwortlichen Stellung Mitarbeiter geführt, eine Produktlinie Betreut, Ergebnisse einer Forschung in Marketing oder Vertrieb umgesetzt oder auch nur eine einzige Abteilung aufgebaut, geführt oder restrukturiert. Er musste das persönliche Unternehmen Friedrich Merz auch nie durch eine Krise steuern, sparen, Mittel zurückfahren, unangenehme Dinge tun, wie Kündigungen aussprechen. Fritz spricht immer nur drüber, aber es besteht keine persönliche Beziehung, Betroffenheit, Erfahrung oder Verantwortung zum Sachverhalt. Er ist – wie seine Wirtschaftsministerin,  die ebenfalls einen Lobbyjob hatte – ein ökonomischer Blender.

    Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes demokratiefeindlich

    Die Sozialdemokraten müssen betrunken oder von Sinnen gewesen sein, als sie der Passage des Kaoalitionsvertrags zugestimmt haben, man wolle “das komplizierte Infomrationsfreiheitsgesetz”  vereinfachen und verklaren. Nichts davon ist wahr – es soll teurer, für Redaktionen von Medien oder NGO nicht mehr zugänglich und damit praktisch abgeschafft werden. Das ist eine Anschlag auf die Pressefreiheit und auf die demokratische Öffentlichkeit. Etwa die Beteiligung Phillipp Amthors an dubiosen Überwachungsfirmen in den USA wurde, wie die Mehrzahl der Korruptionsfälle, durch die Nutzung des Freedom of Information Act aufgedeckt. In Europa und Deutschland spielt das Informationsfreiheitsgesetz ebenfalls eine wichtige Rolle – etwa bei der Aufdeckung der Maskendeals von Jens Spahn. Dieses Vorhaben der Koalition dient ausschließlich der Verdunklung und Vertuschung. Ulrich Kelber und Peter Schaar, die ehemaligen Beauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit, werfen der schwarz-roten Koalition „ein verstörendes Misstrauen gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern sowie zivilgesellschaftlichen Organisationen“ bei der Reform des Informationsfreiheitsgesetzes vor. „Anstatt die Rechte der Bürgerinnen und Bürger einzuschränken, brauchen wir mehr Transparenz staatlichen Handelns und bei der Verarbeitung personenbezogener Daten” erklärten die beiden am vergangenen Freitag.

    Neuer Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit

    Seit vorvergangener Woche gibt es auch einen neuen Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Allein das Wahlverfahren im Parlament erwies sich bereits als Zumutung. Für eine der wenigen Stellen, die vom Parlament besetzt wird, ist es guter Brauch. dass deren Kandidaten sich in den Fraktionen vorstellen und ihre Pläne darlegen. Im Falle des von der Koalition benannten Freiburger Professors Hennemann blieb nicht die Zeit, sich in den Oppositionsfraktionen vorzustellen, sodass sich etwa die Grünen bei dessen Wahl der Stimme enthielten. Zudem gilt Hennemann bei kritischen Beobachtern als der “Elon Musk” des Datenschutzes, dem zugetraut wird, mit Mitarbeitern der Behörde ähnlich umzugehen, wie Musk mit seinem “DOGE”-Manöver zur Entlassung von angeblich überflüssigen Regierungsangestellten. Hennemann, der eine Professur für Medienrecht innehatte, gilt außerdem als Kritiker der DSGVO, die er 2020 laut “Heise Online” als “Investitionshemmnis” bezeichnet hat. Er möchte, dass etwa die Beschlüsse zum Umgang mit Drittstaaten wie den USA stärker unter “wirtschaftspolitischen, indistriepolitischen, sicherheitspolitischen und verteidigungspolitischen Dimensionen” getroffen werden müssten.  Dagegen dürfte er gut in die Pläne der Koalition passen, den bisher bei den Landesbaeuftragten angesiedelten Datenschutz in der Privatwirtschaft deren Kontrolle zu entziehen, und beim viel weiter vom Geschehen entfernten Bundesbeauftragten zu konzentrieren. Auch mit dieser Personalentscheidung macht die Koalition klar, dass ihr mehr an den Interessen der Wirtschaft als den Grundrechten der Bürger:innen gelegen ist.

  2. Alternativen zum Schlechten

    Wie schlecht wir aktuell regiert werden, beschreibt und analysiert Stefan Reinecke/taz: Reformpaket der Bundesregierung: Friede den Palästen, Krieg den Hütten – Das Reformpaket stützt die Reichen und nimmt von den Armen. Solche Reformen verschärfen die soziale Spaltung, statt sie zu kitten.” Neben dem Versuch, die Immobilienspekulation gegen Vergesellschaftung zu retten, gehört auch das Schleifen der Informationsfreiheit zu den Verzweiflungstaten dieser Deppen:

    Falk Steiner/heise: IFG: Ehemalige Bundesbeauftragte halten Koalitionsbeschlüsse für ‘verheerend’ – In einer gemeinsamen Stellungnahme erheben Peter Schaar und Ulrich Kelber schwere Vorwürfe gegen die Koalition aus CDU, CSU und SPD.”

    Die Graz-Alternative

    Das schöne Graz ist die zweitgrösste Stadt unseres Nachbar-Zwergstaates Österreich, ungefähr so gross wie Bonn. Was machen die dortigen Kommunist*inn*en besser, als es fünf Jahre lang die Bonner Grünen gemacht haben, und heute überwiegend immer noch machen?

    Hier werden Anhaltspunkte geliefert:

    Magdalena Berger (Interview)/Jacobin: Wie die KPÖ das rote Graz verteidigt hat – Mit 35,7 Prozent hat die KPÖ ihren Grazer Erdrutschsieg von 2021 noch überboten. Stadtrat Robert Krotzer erklärt, warum die Partei trotz Dauerbeschuss aus Medien und Wirtschaft wächst – und wo die Grenzen kommunaler Politik liegen.”

    Zwei handwerkliche, also vollkommen vergleichbare Punkte möchte ich hervorheben.

    “Wir haben neben unseren Online-Kanälen mit dem Stadtblatt etwa eine Zeitung, die fünfmal im Jahr an alle Grazer Haushalte geht.”

    So eine Zeitung hatten die Bonner Grünen auch. Sie war im vorigen Jahrhundert von dem Beueler Georg Abel unter dem Titel “bonn 3” erfunden und später von Karl Uckermann, mit meiner tatkräftigen Hilfe auf ganz Bonn ausgedehnt worden. Irgendwann im neuen Jahrtausend war eine Mehrheit des Kreisvorstandes der Bonner Grünen der Meinung, im Zeitalter der Digitalisierung sei Druck und Vertrieb einer Papierzeitung zu wenig effektiv. Und stellte sie ein. Auf ein in der Wirkung vergleichbares “digitales” Medium wartet die Bonner Stadtöffentlichkeit bis heute. Sein Fehlen dürfte ein entscheidender Faktor für die Wahlniederlage bei der Kommunalwahl im vorigen Jahr gewesen sein. Wir warten weiter.

    Eine weitere Schlüsselpassage des Grazer Interviews lautet gegen Ende des Textes:

    “Was uns dabei trägt, ist die Art, wie wir als Partei aufgestellt sind. Wir pflegen einen freundschaftlichen Umgang miteinander – oder, wie es mitunter genannt wird, eine revolutionäre Freundlichkeit. Ich kann nicht für bessere Lebensverhältnisse und ein besseres Miteinander eintreten und gleichzeitig in meiner eigenen Organisation und Partei eine Kultur haben, in der sich die Leute gegenseitig fertigmachen.”

    Ich höre aus Funktionär*inn*enkreisen, dass die Unsitte der “digitalen” Videokonferenzen – lange Jahre nach Ende der coronabedingten Lockdowns – bis heute die Alltagspraxis bestimmt und persönliche Kommunikation und Umgang weitgehend ersetzt – weil es so schön billig und zeitsparend ist. Ein verheerender Fehler, der die soziale Verankerung der Verantwortlichen, ihre Erfahrungswelt in der real existierenden Stadtgesellschaft in einer Weise unterspült, wie es die Ahrflut 2021 mit Städten, Dörfern, Häusern und Menschen getan hat. Es führt zu einem Verlust sozialer Fähigkeiten und Talente, die gar keinen Platz zur Einübung, Schulung und Verbesserung mehr finden. Und das funktioniert bei Erwachsenen so schlecht, wie bei den Kindern. So kann mann Niederlagen auch organisieren.

    Die Konkurrenz macht es genauso? Das erklärt vieles am Zustand der bürgerlichen Demokratie.

    Alternative zu schlechtem Fussballjournalismus

    Es geht kritischer und besser als bei denen, die (noch) Geld dafür kriegen.

    Gastautor Jahn/schwatzgelb: DFB sucht einen neuen Trainer: Es kann nur Jürgen Klopp werden? – Jürgen Klopp soll neuer Trainer der deutschen Nationalmannschaft werden. Doch ist diese Wahl wirklich alternativlos?”

    Alternative zu schlechtem TV: CopStories aus Wien

    Aus Österreich: Cop Stories: Der Polizeialltag von seiner menschlichen Seite ins Visier genommen: authentisch, konfrontierend, humorvoll. – Schauplatz ist ein Wiener Kommissariat im Herzen Ottakrings, einem Viertel, in dem Alt und Jung, Eingesessene und Zugewanderte, Yuppies und Arbeitslose mehr oder weniger Tür an Tür leben und ein konfliktreiches Zusammenleben damit nicht selten bereits garantiert ist.” Verfügbar bis 8.10., immer erst ab 20 h (“FSK 12”).

    Das ist besseres TV und erinnert an den vom ZDF vermüllten, dramaturgisch geradezu genialen “KDD-Kriminaldauerdienst”, den der Kölner Orkun Ertener 2007-10 entwickelt hatte. Ich habe den guten Mann damals für den Freitag interviewt, aber das hat der Millionenerbe Jakob Augstein ohne meine Zustimmung digital einmauern lassen. Dann gucken Sie halt die CopStories …