home.social

#oliverkrischer — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #oliverkrischer, aggregated by home.social.

fetched live
  1. Klimapolitische und logistische Augenwischerei

    Die Austrocknung des Rheins und der anderen europäischen Flüsse, wie Donau und Po, Seine und Garonne, Rhône und Gironde und vieler anderer, wird derzeit auf fahrlässige Weise verniedlicht und heruntergespielt. Anstatt die Folgen des ausufernden Klimawandels im Angesicht des explodierenden CO2 deutlich zu benennen und die Folgen und deshalb die dringend notwendigen Gegenmaßnahmen zu thematisieren, verlegen sich Bundesregierung, Unternehmen und Medien auf Ablenkungsmanöver und Nebenkriegsschauplätze. Sie vertuschen ihre skandalöse Untätigkeit und das komplette Desaster ihrer verfehlten CO2 Politik.

    Dabei verfällt eine Wirtschaft im Energie-, Chemie- und Stahlbereich in unschuldiges Jammern. Sie weiss seit Jahrzehnten, dass die CO2 Zertifikate gegen 2030 nicht mehr verschenkt, sondern dass die aus Klimagründen endlich etwas kosten, über Klimaschutzzertifikate, von denen sie seit Jahren wusste, dass sie kommen, und fordert aktuell Ausnahmen und Verschonungen von notwendigen Maßnahmen. Die Dreistigkeit ist besonders deshalb so perfide, weil sie den fortschrittlichen Teilen der Wirtschaft, wie der Stahlindustrie im Saarland, die Milliarden in klimaneutralen Stahl investiert hat, nun in den Rücken fallen und von der lobbyhörigen Bundesregierung und EU Privilegien fordern, die klimaneutralen Stahl unrentabel verteuern würden. Wirtschaftsministerin Reiche hat schon signalisiert, dass sie dem nachgeben will. Eine Bundesregierung wie die jetzige ist wirklich für die Klimakrise das gefährlichste, was den Land passieren kann. Leider wirken zu viele “Zeitgeister” mit, zu ermöglichen, dass sie damit durchkommt.

    Aufhebung der Sonntagsfahrverbote für LKW – ein Witz

    NRW, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg sind bei der Aufhebung der Sonntagsfahrverbote für LKW vorgeprescht. Derzeit haben acht Bundesländer das LKW-Fahrverbot an Sonntagen aufgehoben. Angesichts der Schwere der Transportkrise ist das eher ein Witz. Das beginnt schon bei den Kosten des Transports. Nach Zahlen der Bundesanstalt für Gewässerkunde bfg  liegen die durchschnittlichen Transportkosten je Tonnenkilometer bei LKW bei 2 ct., der Einsenbahn bei 1,13 ct., und beim Schiff bei 0,28 ct. Die betriebswirtschaftlichen Transportkosten von Rotterdam nach Basel liegen bei ca. 490 €/tonne beim LKW, ca. 280 €/tonne Schiene und ca. 170 €/tonne Binnenschiff.  Beim Contaimertransport ist das Binnenschiff gegenüber der Bahn und dem LKW unschlagbar vorn – natürlich abhängig von der Region. Entscheidend aber sind die realen logistischen Faktoren, die einer ernsthaften Verlagerung im Wege stehen. Schon in den 60er Jahren lernten wir Schüler:innen, dass die Ladekapazität eines Binnenschiffs der von 40 Güterwaggons oder 120 LKW entspreche. Heute sind es 150 LKW.

    Heutige Dimensionen viel extremer

    So ist die Deutsche Bahn AG mit ihrem rollenden Material nicht in der Lage, nennenswerte Steigerungen ohrer Transportkaazitäten zu verkreften. Denn die Zahl der Container auf einem modernen Containerschiff übersteigt die Zahl der kurzfristig mobilisier- und einsetzbaren Waggons auf der Schiene erheblich. Ganz zu schweigen von einer Verlagerung der Kapazitäten auf die Straße. Den Speditionen in der Bundesrepublik fehlen derzeit mehr als 100.000 Fahrerinnen und Fahrer im laufenden Betrieb. Von einem realisierbaren Zuwachs, geschweige denn einer nennenswerten Verlagerung von Transportkapazitäten vom Wasser auf Schiene und gar Straße, können Politik und Wirtschaft daher nur träumen. Zumal die marode Schienen- und Straßeninfrastruktur der Sauerland-Linie, in Köln, Bonn, Ruhrgebiet, zwischen Karlsruhe und Stuttgart, auf der A 61 in der Südpfalz, um Berlin und München  und in allen anderen Ballungsräumen sehr schnell die Grenzen solcher Träume aufzeigen wird.

    Politik mogelt sich um die realen Probleme herum

    Die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots ist nicht nur logistische Augenwischerei. Sie wird die ohnehin prekäre Situation vieler LKW-Fahrer aus Bulgarien, Polen, Rumänien, Belarus, der Ukraine oder Tschechien, Spanien oder Griechenland, die zum Teil mit völlig unterbezahlten Löhnen ihre Kilometer abreissen, ohne sozial abgesichert zu sein und fair bezahlt zu werden, noch verschlimmern. Sie werden fürs gleiche Salär nicht mehr 6/24, sondern 7/24 pro Woche arbeiten müssen. Dass der grüne Verkehrsminister Krischer (NRW) an vorderster Front angeblicher “Vernunft” dabei war. ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit, mag aber noch als Notwehr gegen die Untätigkeit der anderen im Klimawandel durchgehen. Viel gravierender wiegt,  dass die Bundesregierung, allen voran Lobbyistin Katherina Reiche, sich der Einsicht verweigert, dass ihre CO2-Beschwichtigungspolitik gescheitert ist.

    Nachhaltige Vertiefung der Fahrrinnen ist Illusion

    Auch das weitere Ausbaggern der Flüsse, insbesondere des Rhein, mag an bestimmten Stellen vielleicht Erleichterung bringen. Davon wird die Wassermenge, die Schiffe tragen kann, prinzipiell nicht mehr. Den Rhein von Rotterdam bis Basel mit Staustufen zu versehen, würde die Entwicklung zur Renaturierung und Herstellung von ökologischen Überflutungsflächen, die die letzten 25 Jahre verfolgt wurde, grundsätzlich konterkarieren. Sie wäre auch keine nachhaltige Lösung, denn das Problem  – und davon ist derzeit überhaupt keine Rede – entsteht bereits am Ursprung vieler europäischer Flüsse in den Alpen. Das seit Jahren beobachtbare Abschmelzen der Gletscher ist eine der wesentlichen Ursachen, dass Rhein, Po und Rhône jetzt so wenig Wasser führen. Weil die Zuflüsse früher jahreszeitbedingter Schneeschmelze praktisch nicht mehr vorhanden sind und Gletscher immer kleiner werden, fehlt der Wassernachschub aus den Quellgebieten. Die ganze aktuelle Diskussion mutet an, wie eine nostalgische Nabelschau der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Kurieren an Symptomen und Ausblenden der massiven Gefahr, des Klimawandels. Und Nichthandeln, um die Profitinteressen der Wirtschaft weiter zu erfüllen, während Oligarchen in USA, Russland, Nahost und Europa sich weiter die Taschen voll machen und die Demokratien systematisch zerrütten.

  2. Bundesverkehrsminister Bilger (CDU) will zur Entlastung der Binnenschifffahrt das Sonntagsfahrverbot für Lkw befristet aussetzen.

    Bundesverkehrsminister Bilger ( CDU ) will zur Entlastung der Binnenschifffahrt das Sonntagsfahrverbot für Lkw befristet aussetzen.#WDR #Politik #Landespolitik #NRW #Rhein #Niedrigwasser #OliverKrischer #Verkehrsminister #Bilger #Konferenz #Spitzengespräch #Bonn #Treffen #Binnenschifffahrt
    Historisches Niedrigwasser in NRW: Diese Maßnahmen plant Bundesverkehrsminister Bilger

  3. Kameras retten nicht – nur Menschen

    Trauer um Serkan C. – Wundersame Bahn CCXLII

    Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht. Ich kriege immer zuviel, wenn ich mehr oder weniger prominente Nasen sehe, die sich vor Tagesschau-Kameras stellen, um Trauer zu demonstrieren (oder zu simulieren). Mehr Respekt habe ich vor solchen, die handeln. Dazu ein paar Vorschläge – wobei offenbleiben muss, ob sie diesen Mord/Totschlag/Unfall verhindert hätten. Kameras jedenfalls nicht.

    Kameras befriedigen das Voyeur-Interesse von Medien und Öffentlichkeit, und zwar immer, wenn es zu spät ist. Mit einer Ausnahme: wenn die Kamera in kürzester Frist/Distanz Hilfe auslöst. Dann verliert sie freilich den Spareffekt, für diesen Zweck wurde/wird sie installiert: menschliche Arbeitskraft ersetzen. Das rettet niemanden. Für Rettung muss ein Mensch die Kamerabilder sehen, erkennen und sofortige Hilfe durch echte Menschen auslösen. Das ist Personalaufwand, und nicht -ersparnis.

    Das ginge u.U. auch billiger, und zwar um den Betrag, den die Kamerainstallation kostet. Ich bin jetzt noch ein paar Tage 68. Ich habe noch die vielgescholtene Deutsche Bundesbahn erlebt, überwiegend in der West-BRD. Sie betrieb kleine und grosse Bahnhöfe.

    Wenn ich nur mal den hier in Beuel nehme, von dem einst Fernzüge nach ganz Europa verkehrten. Er hatte nicht nur Fahrkartenschalter, sondern auch Gepäckabfertigung, Bahnsteigaufsicht, Bahnhofsgaststätte, Kiosk, Stellwerk und individuelle Bahnsteigdurchsagen. Mann nennt es “Infrastruktur”. Die gab es in jeder Kleinstadt, so wie es dort Postämter gab, die auch ausserhalb der Landenöffenungszeiten mit echten Menschen besetzt waren.

    Und tja, es gab in den Zügen “Schaffner*innen”, und in der Regel nicht nur eine*n. Heute ziehen es die Betreffenden in überfüllten Nahverkehrszügen vor, sich in ihren Dienstkabinen unsichtbar zu machen, bis das Schlimmste vorbei ist. Dafür habe ich grösstes Verständnis – auch wenn es die Wut der Fahrgäste eher eskaliert als eindämmt.

    Ich selbst hatte in den letzten 25 Jahren zwei schwerwiegende Clashs mit Zugbegleitungen. Die Ältere, mit einem Zugbegleiter aus Rheinland-Pfalz, dem gleichen Zwergstaat in dem Serkan C. jetzt sein Leben verlor, im RE5 (Koblenz-Wesel/Emmerich), den zweiten 2017 in der Mittelrheinbahn (Köln-Deutz bis Koblenz/Bingen/Mainz), also ebenfalls sehr Rheinland-Pfalz.

    Ich bin erfahrener Pendler, und gut ausgebildet in sachlichem Argumentieren. So verliefen beide Konflikte ohne menschliche Schäden. Sie wurden sogar konstruktiv gelöst, wenn auch mit einigem nervlichen Aufwand. Die wenigsten Fahrgäste haben die Bahnkenntnis, die sie 250-teilige Serien publizieren und über 1.000 Folgen “Eisenbahnromantik”, die frevelhafterweise vom SWR (= Rheinland-Pfalz!) eingestellt wurden, betrachten lässt. Was wären nun mögliche Lösungen?

    1. Das Tarifsystem

    Das Tarifsystem der vielgescholtenen Deutschen Bundesbahn war nachvollziehbar und (für fast jede*n) verständlich. Digitalisierung gab es nicht. Herr Mehdorn und seine damalige Sündenziege Brunotte haben das Chaos ausgelöst, das die heutige Deutsche Bahn AG immer weiter auf die Spitze treibt. Die Fahrkarten waren aus Pappe und wurden von klobigen mechanischen Geräten in Sekundenschnelle an einem von Menschen besetzten Fahrkartenschalter ausgespuckt und von*m Schaffner*in mechanisch abgeknipst und entwertet. Der Clou: sogar das Nachlösen im Zug war möglich! Es kostete zunächst 3, später 5 MARK!

    2. Menschen an Bahnhöfen (und Monitoren)

    Rat, Hilfe, Rettung wird immer benötigt, überall, wo Menschen sind und aufeinandertreffen. Die Forderung von NRW-Verkehrsminister Krischer, dass Zugbegleitungen immer (mindestens) zu zweit besetzt werden sollen, allein schon zum Zwecke der “Eigensicherung”, ist richtig. Ob sein Wunsch nach mehr “Bundespolizei” durch einen Landespolitiker zielführend ist, ist dagegen eine offene Frage. Mitunter laufen in so manchem Hauptbahnhof mehr breitschultrige, skinheadartige Privat-Seciurities herum, die sich mit der Vertreibung von Obdachlosen beschäftigen, während nirgends mehr ein DB-Service(!)-Personal zu finden ist. Nur mal so als Beispiel: für Gehbehinderte, die in Beuel auf einen anderen Bahnsteig als den mit der 1 wollen.

    3. Ausbildung

    Nahezu gleichzeitig mit dem Mord/Totschlag/tödlichen Unfall von Serkan C. erschien diese lobens- und sehenswerte NDR-Doku, auf die ich sogleich hingewiesen habe. Wenn wir den Vorlauf eines solchen Filmes berücksichtigen, dann prophezeit dieser Film genau das, was nun passiert ist. Und die berechtigte Frage von immer mehr Menschen lautet absolut richtig: WARUM muss es erst so weit kommen? Die Politiker*innen wissen das genau – darum posieren sie ja so (s.o.). Die Mehrheit der Menschen verliert dagegen die Lust, noch an demokratischen Wahlen teilzunehmen.

    Hier also dieser Film:

    Heike Schieder, Sebastian Vesper, Desiree Marie Fehringer/NDR: Bus und Bahn: Die Angst fährt mit – Busse und Bahnen gelten als wichtige Verkehrsmittel der Zukunft, weil sie umwelt- und klimafreundlicher sind als Autos. Doch in den vergangenen Jahren ist es auch ungemütlicher geworden in öffentlichen Verkehrsmitteln. Laut Statistiken haben Übergriffe und Gewaltdelikte zugenommen. Das bekommen besonders die Mitarbeitenden im ÖPNV zu spüren. Umfragen zeigen: Die Angst, verbal oder tätlich angegriffen zu werden, fährt mit.”  (Video 44 min: Red. Gabi Bauer, als die ARD-Tagesthemen noch sehenswert waren, 1997-2001, prä-Gniffke) 2 Jahre verfügbar.

    In diesem Film wird ein Selbstverteidigungs- und Deeskalationstraining demonstriert. Von dem befürchte ich, dass es eine intervenierende Sondermassnahme ist. Stattdessen gehört es in die Regelausbildung, nicht nur von Zugbegleitungen.

    Allgemein gilt: menschenleere Bahnhöfe sind Angsträume – Öffentlichkeit schützt.

    Ob Serkan C. unter solchen Umständen noch am Leben wäre, weiss ich selbstverständlich nicht. Gesünder für die Bahn, ihre Beschäftigten und Fahrgäste wäre es auf jeden Fall.

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  4. Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in einer Regionalbahn ist das Entsetzen groß. Nun werden Konsequenzen gefordert.#WDR #Zugbegleiter #Bahn #Tod #angegriffen #Angriff #getötet #EVG #OliverKrischer #NRW
    Nach tödlichem Angriff auf Zugbegleiter: Was muss sich ändern?