Die unbekannten Meere
Dass große Teile der Tiefsee nur unzureichend erforscht sind, ist keine neue Erkenntnis. Ich erinnere mich gut an eine meiner ersten „Spektrum der Wissenschaft“ vor einer halben Ewigkeit, in der ich das erste Mal über diese enorme Wissenslücke über unseren eigenen Planeten las.
Eine neue globale Analyse zeigt nun, wie groß diese Wissenslücken tatsächlich noch immer sind und welche Folgen das für unser Verständnis der Artenvielfalt in den Ozeanen haben könnte.
Die Meeresforscherin Hanieh Saeedi vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt wertete dafür rund 48 Millionen Datensätze zu mehr als 184.000 marinen Arten aus. Ziel war es, erstmals ein möglichst vollständiges Bild der globalen marinen Biodiversität über alle Meerestiefen hinweg zu erstellen und gleichzeitig sichtbar zu machen, wo unser Wissen eben auch endet.
Das Ergebnis ist ernüchternd. Mehr als die Hälfte der Weltmeere ist wissenschaftlich nur unzureichend erfasst oder die vorhandenen Daten sind nicht öffentlich zugänglich.
Besonders groß sind die Lücken in der Tiefsee. Für riesige Gebiete unterhalb von 200 Metern Tiefe existieren kaum verwertbare Biodiversitätsdaten. Auch tropische und polare Regionen sind deutlich schlechter untersucht als die Küstengewässer Europas oder Nordamerikas.
Problematisch ist dabei nicht nur, dass uns Wissen fehlt. Die Studie zeigt auch, dass unser Bild der Artenvielfalt möglicherweise verzerrt ist. Regionen, die intensiv untersucht wurden, erscheinen oft artenreicher als Gebiete, aus denen kaum Daten vorliegen. Potenzielle Hotspots der Biodiversität könnten deshalb bislang schlicht übersehen worden sein.
Trotz jahrzehntelanger Meeresforschung gibt es auf unserem Planeten noch immer riesige Lebensräume, über die wir erstaunlich wenig wissen.
Quelle:
Saeedi (2026), nature communications
https://doi.org/10.1038/s41467-026-73613-z
#meer #tiefsee #meeresbiologie #senckenberg #biodiversität #biologie #nature #wissenschaftskommunikation #anysci