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Sicheres Haus – Marina Vujcic
Die Autorin Marina Vujcic, dankt zum Ende ihres Romans Sicheres Haus „allen künftigen Leserinnen und Lesern, die bereit sind, die diesem Roman zugrunde liegende Geschichte nicht als einen literarischen Fall zu betrachten, sondern als eine Realität, die uns alle betrifft. Eine Realität über Häusliche Gewalt, darüber wie sehr sich unsere Gesellschaft an die Vielzahl von Femiziden gewöhnt hat, über die Ohnmacht der in einer toxischen Beziehung gefangenen Frauen.
Sicheres Haus beginnt mit Schlagzeilen, damit, wie „Verbrechen“ in der Öffentlichkeit gesehen und von den Medien dargestellt werden. Damit wer als Opfer betrachtet wird und wer als Täter. Wie alles an der Oberfläche bleibt. Denn es geht in diesem Roman um Lada, die vom Gefängnis zu Hause mit einem hoch manipulativen, gewalttätigen Mann ins staatliche Gefängnis wechselt, weil sie ihren Mann getötet hat. Dass das in Notwehr geschah und die Alternative gewesen wäre, dass sie sich als weiteres Opfer häuslicher Gewalt in die ohnehin immer längere Liste getöteter Frauen einreiht, wird nie ausformuliert, ist aber jede:r Leser:in klar.
Am Erschütterndsten in dem gesamtheitlich klaustrophobischen und schwer aushaltbaren Buch ist diese Erkenntnis beim Lesen, dass die „Anfälligkeit“ für häusliche Gewalt viel tiefere Wurzeln hat. Man liest von den Femiziden, wie viele Opfer der häuslichen Gewalt es wieder gab, wie die Zahlen weiter steigen usw. Man sieht sicher auch einmal einen Film, oder hört von Fällen, in denen die Frauen immer wieder zum gewalttätigen Partner zurückkehren. Man fragt sich, warum und vielleicht versteht man in der einen Reportage in dem anderen Buch, dass die Männer sehr perfide vorgehen, die Frau isolieren, sie lange mit Entschuldigungen und übergroßer Zärtlichkeit und mit Liebesbezeugungen und dem Versprechen, dass so etwas nie wieder vorkommen wird, an sich binden. Aber dass das alles viel früher beginnt, nämlich wenn Mädchen einfach keine wehrhaften Rollenvorbilder angeboten kommen, wenn sie lernen (in Märchen, in der Sozialisation), dass Mädchen lieb sind, und brav und angepasst, dass sie dann die Guten sind und wenn sie Widerstand leisten sind sie eben die Bösen, die Hexen und die Hässlichen, die, mit denen niemand etwas zu tun haben möchte. Diesen Zusammenhang hatte ich zumindest bei diesem Thema nie mit bedacht. Sicheres Haus ist zwar ein Roman, aber eigentlich ist das Buch viel mehr, nämlich ein ebenso schmerzhafter wie notwendiger Einblick in die Hintergründe häuslicher Gewalt. So wird auch die Trägheit der heillos unterfinanzierten Institutionen auf bedrückende Art und Weise geschildert. Die wenigen Momente des Muts, die Lada noch aufbringen kann, verpuffen in diesem System. Sie alle sind mitschuldig an dem Verbrechen das dann geschieht.
Sicheres Haus ist ein bedrückend wichtiges Buch.
#Femizid #Gewalt #MarinaVujcic #SicheresHaus