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Spannender als die meisten Tatorte
Katalonien beschenkt uns mit “Familiengeheimnisse”
Vordergründig geht es um einen #metoo-Fall unter 13-jährigen. Tatsächlich geht es um (fast) alles.
Arte/SWR: “Familiengeheimnisse – Eine Anschuldigung wegen sexueller Gewalt unter Jugendlichen erschüttert die eingespielte Gemeinschaft eines katalanischen Castell-Vereins. Die Erwachsenen reagieren wie erstarrt und schieben die Gerüchte beiseite. Oder haben sich ihre Kinder wirklich schuldig gemacht? Leticia Doleras Drama beleuchtet Fragen von Vertrauen und Moral.” 6 Folgen a 40 min. Verfügbar bis 24.11.
Klassenkampf, Geschlechterkrieg, Generationenkonflikte, Rassismus und Ausländerrecht, Karriere, Pädagogik, Vereinsmeierei. Die Autorinnen Leticia Dolera (auch Regie und eine Hauptrolle) und Almudena Monzú lassen nichts aus.
Kritiker*innen bemängeln, dass sie die Geschichte damit überladen haben. Einerseits: ja. Andererseits ist in einer TV-Geschichte dramaturgische Verdichtung unumgänglich. Und Tatsache ist: alle dargestellten Haupt- und Nebenwidersprüche sind nicht der Fantasie, sondern dem wahren Leben entsprungen. Und z.B. in der Global City Barcelona ebenfalls verdichtet.
Deutlich wird u.a., dass die asozialen Medien Konflikte, die es selbstverständlich auch auf den Schulhöfen und in den Vereinen meiner Jugend schon gegeben hat, beschleunigt und ihre Austragungsformen bis ins menschlich Unzumutbare radikalisiert. Diese Serienproduktion zeigt, dass die Kinder darunter am meisten zu leiden haben. Einige bleiben dabei auf der Strecke, andere gehen daraus stärker hervor – wie in der wahren Klassengesellschaft.
In einer Fantasie für ein neues gedeihlicheres Leben würden die Erwachsenen darauf verzichten, ihre eigenen offenen und verdeckten Konflikte auf die Kinder zu projizieren, was ebenfalls auf eine Art von Missbrauch hinausläuft. Gewalt in der Familie ist immerhin heute stigmatisiert. In meiner Kindheit war sie es noch nicht. Fortschritt ist also möglich, wie ja auch die heissen #metoo-Debatten beweisen: Möglichkeiten und Grenzen werden neu ausgehandelt. Das ist anstrengend, aber notwendig.
Die “Familiengeheimnisse” machen das schmerzhaft und intensiv sichtbar. Gute Arbeit von Señora Dolera. Ich wünsche ihr, dass sie weniger arbeitet und mehr geniesst.
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Spannender als die meisten Tatorte
Katalonien beschenkt uns mit “Familiengeheimnisse”
Vordergründig geht es um einen #metoo-Fall unter 13-jährigen. Tatsächlich geht es um (fast) alles.
Arte/SWR: “Familiengeheimnisse – Eine Anschuldigung wegen sexueller Gewalt unter Jugendlichen erschüttert die eingespielte Gemeinschaft eines katalanischen Castell-Vereins. Die Erwachsenen reagieren wie erstarrt und schieben die Gerüchte beiseite. Oder haben sich ihre Kinder wirklich schuldig gemacht? Leticia Doleras Drama beleuchtet Fragen von Vertrauen und Moral.” 6 Folgen a 40 min. Verfügbar bis 24.11.
Klassenkampf, Geschlechterkrieg, Generationenkonflikte, Rassismus und Ausländerrecht, Karriere, Pädagogik, Vereinsmeierei. Die Autorinnen Leticia Dolera (auch Regie und eine Hauptrolle) und Almudena Monzú lassen nichts aus.
Kritiker*innen bemängeln, dass sie die Geschichte damit überladen haben. Einerseits: ja. Andererseits ist in einer TV-Geschichte dramaturgische Verdichtung unumgänglich. Und Tatsache ist: alle dargestellten Haupt- und Nebenwidersprüche sind nicht der Fantasie, sondern dem wahren Leben entsprungen. Und z.B. in der Global City Barcelona ebenfalls verdichtet.
Deutlich wird u.a., dass die asozialen Medien Konflikte, die es selbstverständlich auch auf den Schulhöfen und in den Vereinen meiner Jugend schon gegeben hat, beschleunigt und ihre Austragungsformen bis ins menschlich Unzumutbare radikalisiert. Diese Serienproduktion zeigt, dass die Kinder darunter am meisten zu leiden haben. Einige bleiben dabei auf der Strecke, andere gehen daraus stärker hervor – wie in der wahren Klassengesellschaft.
In einer Fantasie für ein neues gedeihlicheres Leben würden die Erwachsenen darauf verzichten, ihre eigenen offenen und verdeckten Konflikte auf die Kinder zu projizieren, was ebenfalls auf eine Art von Missbrauch hinausläuft. Gewalt in der Familie ist immerhin heute stigmatisiert. In meiner Kindheit war sie es noch nicht. Fortschritt ist also möglich, wie ja auch die heissen #metoo-Debatten beweisen: Möglichkeiten und Grenzen werden neu ausgehandelt. Das ist anstrengend, aber notwendig.
Die “Familiengeheimnisse” machen das schmerzhaft und intensiv sichtbar. Gute Arbeit von Señora Dolera. Ich wünsche ihr, dass sie weniger arbeitet und mehr geniesst.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
Spannender als die meisten Tatorte
Katalonien beschenkt uns mit “Familiengeheimnisse”
Vordergründig geht es um einen #metoo-Fall unter 13-jährigen. Tatsächlich geht es um (fast) alles.
Arte/SWR: “Familiengeheimnisse – Eine Anschuldigung wegen sexueller Gewalt unter Jugendlichen erschüttert die eingespielte Gemeinschaft eines katalanischen Castell-Vereins. Die Erwachsenen reagieren wie erstarrt und schieben die Gerüchte beiseite. Oder haben sich ihre Kinder wirklich schuldig gemacht? Leticia Doleras Drama beleuchtet Fragen von Vertrauen und Moral.” 6 Folgen a 40 min. Verfügbar bis 24.11.
Klassenkampf, Geschlechterkrieg, Generationenkonflikte, Rassismus und Ausländerrecht, Karriere, Pädagogik, Vereinsmeierei. Die Autorinnen Leticia Dolera (auch Regie und eine Hauptrolle) und Almudena Monzú lassen nichts aus.
Kritiker*innen bemängeln, dass sie die Geschichte damit überladen haben. Einerseits: ja. Andererseits ist in einer TV-Geschichte dramaturgische Verdichtung unumgänglich. Und Tatsache ist: alle dargestellten Haupt- und Nebenwidersprüche sind nicht der Fantasie, sondern dem wahren Leben entsprungen. Und z.B. in der Global City Barcelona ebenfalls verdichtet.
Deutlich wird u.a., dass die asozialen Medien Konflikte, die es selbstverständlich auch auf den Schulhöfen und in den Vereinen meiner Jugend schon gegeben hat, beschleunigt und ihre Austragungsformen bis ins menschlich Unzumutbare radikalisiert. Diese Serienproduktion zeigt, dass die Kinder darunter am meisten zu leiden haben. Einige bleiben dabei auf der Strecke, andere gehen daraus stärker hervor – wie in der wahren Klassengesellschaft.
In einer Fantasie für ein neues gedeihlicheres Leben würden die Erwachsenen darauf verzichten, ihre eigenen offenen und verdeckten Konflikte auf die Kinder zu projizieren, was ebenfalls auf eine Art von Missbrauch hinausläuft. Gewalt in der Familie ist immerhin heute stigmatisiert. In meiner Kindheit war sie es noch nicht. Fortschritt ist also möglich, wie ja auch die heissen #metoo-Debatten beweisen: Möglichkeiten und Grenzen werden neu ausgehandelt. Das ist anstrengend, aber notwendig.
Die “Familiengeheimnisse” machen das schmerzhaft und intensiv sichtbar. Gute Arbeit von Señora Dolera. Ich wünsche ihr, dass sie weniger arbeitet und mehr geniesst.
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Spannender als die meisten Tatorte
Katalonien beschenkt uns mit “Familiengeheimnisse”
Vordergründig geht es um einen #metoo-Fall unter 13-jährigen. Tatsächlich geht es um (fast) alles.
Arte/SWR: “Familiengeheimnisse – Eine Anschuldigung wegen sexueller Gewalt unter Jugendlichen erschüttert die eingespielte Gemeinschaft eines katalanischen Castell-Vereins. Die Erwachsenen reagieren wie erstarrt und schieben die Gerüchte beiseite. Oder haben sich ihre Kinder wirklich schuldig gemacht? Leticia Doleras Drama beleuchtet Fragen von Vertrauen und Moral.” 6 Folgen a 40 min. Verfügbar bis 24.11.
Klassenkampf, Geschlechterkrieg, Generationenkonflikte, Rassismus und Ausländerrecht, Karriere, Pädagogik, Vereinsmeierei. Die Autorinnen Leticia Dolera (auch Regie und eine Hauptrolle) und Almudena Monzú lassen nichts aus.
Kritiker*innen bemängeln, dass sie die Geschichte damit überladen haben. Einerseits: ja. Andererseits ist in einer TV-Geschichte dramaturgische Verdichtung unumgänglich. Und Tatsache ist: alle dargestellten Haupt- und Nebenwidersprüche sind nicht der Fantasie, sondern dem wahren Leben entsprungen. Und z.B. in der Global City Barcelona ebenfalls verdichtet.
Deutlich wird u.a., dass die asozialen Medien Konflikte, die es selbstverständlich auch auf den Schulhöfen und in den Vereinen meiner Jugend schon gegeben hat, beschleunigt und ihre Austragungsformen bis ins menschlich Unzumutbare radikalisiert. Diese Serienproduktion zeigt, dass die Kinder darunter am meisten zu leiden haben. Einige bleiben dabei auf der Strecke, andere gehen daraus stärker hervor – wie in der wahren Klassengesellschaft.
In einer Fantasie für ein neues gedeihlicheres Leben würden die Erwachsenen darauf verzichten, ihre eigenen offenen und verdeckten Konflikte auf die Kinder zu projizieren, was ebenfalls auf eine Art von Missbrauch hinausläuft. Gewalt in der Familie ist immerhin heute stigmatisiert. In meiner Kindheit war sie es noch nicht. Fortschritt ist also möglich, wie ja auch die heissen #metoo-Debatten beweisen: Möglichkeiten und Grenzen werden neu ausgehandelt. Das ist anstrengend, aber notwendig.
Die “Familiengeheimnisse” machen das schmerzhaft und intensiv sichtbar. Gute Arbeit von Señora Dolera. Ich wünsche ihr, dass sie weniger arbeitet und mehr geniesst.
Über Martin Böttger:
Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger -
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