Welch tolles Gefühl es doch ist, mitzuerleben, wie mit Mitmenschen im hohen Alter umgegangen wird.
Der Lebensgefährte meiner Mutter, 85, klagte letzten Donnerstag über Übelkeit und Atemnot in der Nacht.
Um fünf Uhr morgens wurde er abgeholt und ins Krankenhaus gebracht.
Völlig verwirrt.
Er wusste nicht einmal mehr, wo er zu Hause war.
Blut brechend.
Freitagvormittag Endoskopie.
Am Abend wieder nach Hause geschickt.
Nichts gefunden.
Dass die Herzkranzgefäße angeschlagen sind, ist ohnehin bekannt.
Zwei neue Medikamente stehen im Befund.
Kein Rezept dazu.
Nur auf der ÖGK-Karte.
Die Karte selbst?
Nicht mitgegeben.
Also musste meine Mutter, 81 Jahre alt und selbst auf einen Rollator angewiesen, mit dem Taxi ins Krankenhaus fahren, um sie zu holen.
60 Euro.
Für einen Fehler des Krankenhauses.
Gestern Nachmittag sollte die Hausärztin kommen, um den Befund zu besprechen.
Vor allem deshalb, weil die Symptome noch immer da sind.
Sie kam nicht.
Keine Nachricht.
Kein Hinweis.
Nichts.
Inzwischen ist er so schwach, dass er nicht einmal mehr alleine zur Toilette gehen kann.
Und meine Mutter?
81 Jahre alt.
Selbst auf den Rollator angewiesen.
Körperlich längst an ihrer eigenen Grenze.
Und trotzdem muss sie ihn begleiten.
Ihn stützen.
Aufpassen, dass er nicht fällt.
Da sein, wenn er sie braucht.
Und psychisch?
Angst.
Hilflosigkeit.
Verzweiflung.
Kaum Schlaf.
Die ständige Sorge, was als Nächstes passiert.
Die Verantwortung für einen Menschen, obwohl sie selbst kaum noch die Kraft dafür hat.
Heute Nacht wieder kein Schlaf.
Und er will nicht mehr.
Weil sie ja ohnehin nichts mehr tun.
Meine Mutter verzweifelt.
Und ich?
Ich helfe, soweit ich kann.
Ich bin da.
Ich versuche aufzufangen.
Ich versuche zu organisieren.
Ich versuche zu funktionieren.
Für sie.
Und irgendwo dazwischen versuche ich, mich selbst nicht zu verlieren.
Ja keinen Rückfall.
Ja keinen Schub in die Depression.
Nur funktionieren.
Weil gerade niemand fragt, ob wir das eigentlich noch können.
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Einen schönen Morgen, dem Rest der Welt