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#grenzziehung — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #grenzziehung, aggregated by home.social.

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  1. NEU: #WerkstattGeschichte 93 »grenzen internalisieren«!
    🧵 6/

    @JochenLingelba1 spürt der emotionalen Wirkmacht von #Stacheldraht als realem und repräsentativem Objekt der #Grenzziehung nach und betrachtet dessen enge Verbindung mit Gefahr in kolonialen Kontexten sowie in der jüngeren #Migrationsabwehr:
    ➡️ werkstattgeschichte.de/abstrac

    @histodons

    #histodons #Grenze #Kolonialismus #Migration #BorderStudies #Emotionsgeschichte

  2. NEU: #WerkstattGeschichte 93 »grenzen internalisieren«!
    🧵 6/

    @JochenLingelba1 spürt der emotionalen Wirkmacht von #Stacheldraht als realem und repräsentativem Objekt der #Grenzziehung nach und betrachtet dessen enge Verbindung mit Gefahr in kolonialen Kontexten sowie in der jüngeren #Migrationsabwehr:
    ➡️ werkstattgeschichte.de/abstrac

    @histodons

    #histodons #Grenze #Kolonialismus #Migration #BorderStudies #Emotionsgeschichte

  3. NEU: #WerkstattGeschichte 93 »grenzen internalisieren«!
    🧵 6/

    @JochenLingelba1 spürt der emotionalen Wirkmacht von #Stacheldraht als realem und repräsentativem Objekt der #Grenzziehung nach und betrachtet dessen enge Verbindung mit Gefahr in kolonialen Kontexten sowie in der jüngeren #Migrationsabwehr:
    ➡️ werkstattgeschichte.de/abstrac

    @histodons

    #histodons #Grenze #Kolonialismus #Migration #BorderStudies #Emotionsgeschichte

  4. NEU: #WerkstattGeschichte 93 »grenzen internalisieren«!
    🧵 6/

    @JochenLingelba1 spürt der emotionalen Wirkmacht von #Stacheldraht als realem und repräsentativem Objekt der #Grenzziehung nach und betrachtet dessen enge Verbindung mit Gefahr in kolonialen Kontexten sowie in der jüngeren #Migrationsabwehr:
    ➡️ werkstattgeschichte.de/abstrac

    @histodons

    #histodons #Grenze #Kolonialismus #Migration #BorderStudies #Emotionsgeschichte

  5. NEU: #WerkstattGeschichte 93 »grenzen internalisieren«!
    🧵 6/

    @JochenLingelba1 spürt der emotionalen Wirkmacht von #Stacheldraht als realem und repräsentativem Objekt der #Grenzziehung nach und betrachtet dessen enge Verbindung mit Gefahr in kolonialen Kontexten sowie in der jüngeren #Migrationsabwehr:
    ➡️ werkstattgeschichte.de/abstrac

    @histodons

    #histodons #Grenze #Kolonialismus #Migration #BorderStudies #Emotionsgeschichte

  6. #israel #palästina : #krieg / #gaza / #besatzung / #grenzziehung / #völkerrecht

    „Israels Generalstabschef Ejal Zamir hat die Rückzugslinie seiner Truppen im Gazastreifen zu einer neuen Grenze erklärt. Zamir sagte nach Armeeangaben während eines Truppenbesuchs im nördlichen Gazastreifen, die sogenannte «gelbe Linie» sei eine neue Grenze, eine vordere Verteidigungslinie für die israelischen Grenzgemeinden und zugleich eine Angriffslinie.“
    srf.ch/news/international/naho

  7. #israel #palästina : #krieg / #gaza / #besatzung / #grenzziehung / #völkerrecht

    „Israels Generalstabschef Ejal Zamir hat die Rückzugslinie seiner Truppen im Gazastreifen zu einer neuen Grenze erklärt. Zamir sagte nach Armeeangaben während eines Truppenbesuchs im nördlichen Gazastreifen, die sogenannte «gelbe Linie» sei eine neue Grenze, eine vordere Verteidigungslinie für die israelischen Grenzgemeinden und zugleich eine Angriffslinie.“
    srf.ch/news/international/naho

  8. #israel #palästina : #krieg / #gaza / #besatzung / #grenzziehung / #völkerrecht

    „Israels Generalstabschef Ejal Zamir hat die Rückzugslinie seiner Truppen im Gazastreifen zu einer neuen Grenze erklärt. Zamir sagte nach Armeeangaben während eines Truppenbesuchs im nördlichen Gazastreifen, die sogenannte «gelbe Linie» sei eine neue Grenze, eine vordere Verteidigungslinie für die israelischen Grenzgemeinden und zugleich eine Angriffslinie.“
    srf.ch/news/international/naho

  9. #israel #palästina : #krieg / #gaza / #besatzung / #grenzziehung / #völkerrecht

    „Israels Generalstabschef Ejal Zamir hat die Rückzugslinie seiner Truppen im Gazastreifen zu einer neuen Grenze erklärt. Zamir sagte nach Armeeangaben während eines Truppenbesuchs im nördlichen Gazastreifen, die sogenannte «gelbe Linie» sei eine neue Grenze, eine vordere Verteidigungslinie für die israelischen Grenzgemeinden und zugleich eine Angriffslinie.“
    srf.ch/news/international/naho

  10. Man kann sich auch auf Mast­o­don wun­der­bar in die Haa­re krie­gen. Und manch­mal ist das sogar pro­duk­tiv. Bei­spiels­wei­se ist das Ergeb­nis einer sol­chen Pos­ting-Schlacht ges­tern, dass ich seit­dem dar­über nach­den­ke, wie das mit Pro­jek­ten und der Mit­te ist, und ob der Main­stream sich umlei­ten lässt.

    Ober­fläch­lich ging’s in der Debat­te um sozia­le Netz­wer­ke. Unab­hän­gig davon kann ich dazu emp­feh­len, was Dejan Miha­j­lo­vić heu­te mor­gen zu sozia­len Netz­wer­ken zwi­schen Demo­kra­tie und Dienst­leis­tung geschrie­ben hat. Das hat aller­dings nur tan­gen­ti­al mit dem zu tun, um was es mir geht. Näm­lich um die Fra­ge, wie im wei­tes­ten Sin­ne „lin­ke“ Netz­werk­pro­jek­te mit Inklu­si­on und Exklu­si­on umge­hen. Und die­se Fra­ge geht weit über sozia­le Netz­wer­ke und Open-Source-Digi­tal­pro­jek­te hinaus.

    Mir scheint es hier zwei Her­an­ge­hens­wei­sen zu geben, die – zumin­dest in ihren Extre­men gedacht – nicht, zumin­dest nur schlecht mit­ein­an­der zu ver­ein­ba­ren sind. Und ich bin mir nicht sicher, ob allen immer klar ist, in wel­chem die­ser Modi sie gera­de unter­wegs sind.

    Projekte

    Die eine Her­an­ge­hens­wei­se ist das „Pro­jekt“. Pro­jekt meint hier eine Abkap­se­lung von der „bösen“ Welt da drau­ßen. Die Men­schen, die an einem Pro­jekt teil­neh­men, ähneln sich in bestimm­ten, zen­tra­len Kate­go­rien. Ins­be­son­de­re tei­len sie bestimm­te Wer­te, und gehen zudem oft davon aus, dass die­se Wer­te all­ge­mein­gül­tig sein soll­ten. Sie ähneln sich zudem oft sozio­de­mo­gra­fisch – haben also bei­spiels­wei­se einen ähn­li­chen Bil­dungs­hin­ter­grund, einen bestimm­ten sozia­len Sta­tus. (Para­do­xer­wei­se gilt dies ins­be­son­de­re oft auch für Pro­jek­te, die Diver­si­tät beson­ders groß schreiben …)

    Nicht jedes Pro­jekt zieht die sel­be Sor­te Men­schen an, und nicht jedes zieht die sel­ben Gren­zen. Allen gemein­sam ist aber ein kla­res Bewusst­sein, dass bestimm­te Regeln zur „Iden­ti­tät“ des Pro­jek­tes dazu gehö­ren. Es gibt eine gewis­se eta­blier­te Kul­tur, und wer dabei sein will, hält sich gefäl­ligst dar­an. „Wir machen das hier so“ – und natür­lich gibt es dafür gute, ja meist sogar sehr gute Grün­de, die allen, die dabei sein wol­len, aus­führ­lich erklärt wer­den. „Wir machen das hier so“ ist ein Teil der Grenz­zie­hung. Wer es anders macht, der gehört nicht dazu – und das wird teil­wei­se impli­zit, teil­wei­se sehr expli­zit verdeutlicht.

    In die­ser All­ge­mein­heit kann sowohl der, sagen wir, selbst­or­ga­ni­sier­te Umsonst­la­den, das auto­no­me Kul­tur­zen­trum oder die Bau­ge­mein­schaft als Pro­jekt bezeich­net wer­den wie auch vie­le poli­ti­sche Ver­ei­ne – über Par­tei­en rede ich jetzt mal nicht – oder eben, um den Bogen zum digi­ta­len Raum zu schla­gen – auch die von einem Ver­ein betrie­be­ne Fedi­ver­se-Instanz, der Cha­os-Com­pu­ter-Club-Able­ger oder in gewis­ser Wei­se sogar das eine oder ande­re Open-Source-Projekt.

    Mitte-Orientierung

    Her­an­ge­hens­wei­se Num­mer zwei habe ich mal „Mit­te“ getauft (ob das eine gute Bezeich­nung ist, dar­über lässt sich natür­lich strei­ten). Was ich damit mei­ne, ist der Ver­such, Platt­for­men, Poli­ti­ken, Räu­me so aus­zu­rich­ten, dass die Hür­den, dar­an teil­zu­neh­men, für mög­lichst alle gering sind. Nie­der­schwel­lig­keit wird als Wert beschrieben.

    (Und weil das schnell zu die­ser Debat­te führt, ein Exkus dazu: die Gestal­tung von User Inter­faces ist bei gro­ßen kom­mer­zi­el­len Soft­ware­pro­duk­ten etwas, in das sehr viel Zeit und Geld gesteckt wird, bis hin zu A/B‑Tests für bestimm­te Optio­nen. Das führt im Ide­al­fall dazu, dass die Nut­zung kom­plett hür­den­los mög­lich ist. Die Nut­zer­er­fah­rung bei Apple steht da sprich­wört­lich. Und ich glau­be, ein guter Teil des Rei­zes von Blues­ky – jen­seits von FOMO und begrenz­ter Ein­la­dungs­po­li­tik – besteht in der Hoff­nung, dort auf eine sozia­le Platt­form zu sto­ßen, die im dop­pel­ten Sin­ne ein­fach benutz­bar ist: ohne gro­ße Hür­den, ohne Aus­wahl von Apps, Instan­zen, Pro­to­kol­len usw. ein­fach los­zu­le­gen, und sie bedie­nen, ohne groß dar­über nach­zu­den­ken, was da passiert.

    Ich mag Mast­o­don. Aber ein­fach in die­sem Sin­ne ist Mast­o­don, ist das Fedi­ver­se nicht. Da hilft es auch nichts, haar­klein zu erklä­ren, war­um das tech­nisch gese­hen alles total ein­fach ist und war­um auch anders­wo Hür­den bestehen. Letzt­lich zählt der Ein­druck, die gemach­te Erfah­rung. Und die ist bei vie­len, die Mast­o­don mal aus­pro­bie­ren, eben nicht „ein­fach los­le­gen“, son­dern kom­pli­zier­ter. Und ich wür­de behaup­ten, dass ähn­li­ches z.B. für Linux auf dem Desk­top gilt. Alles, wo ich erst mal im Hand­buch (in der Online-Doku­men­ta­ti­on, der man-Page) nach­gu­cken muss, wie etwas geht, ist nicht hür­den­los in dem Sin­ne, um den es mir hier geht …

    Und als Exkurs im Exkurs: das vie­le Geld, das bei kom­mer­zi­el­len Vor­ha­ben in User Inter­faces und die User Expe­ri­ence gesteckt wird, führt nicht in allen Fäl­len zu schwel­len­lo­sen Pro­duk­ten in die­sem Sin­ne. Und im schlimms­ten, lei­der gar nicht so sel­te­nen Fall ist ein gro­ßer Teil der Opti­mie­rung der User Expe­ri­ence eine Opti­mie­rung im Sin­ne von „mög­lichst viel Wer­bung anzei­gen“ und „Nutzer*innen dazu brin­gen, auf die fal­schen Knöp­fe zu drü­cken“ (dark pat­tern). Das fin­de ich nicht gut, gehört aber zu die­sem The­ma dazu.

    Soweit der Exkurs. Zurück zur Mit­te­ori­en­tie­rung von Projekten.)

    Sich dar­an zu ori­en­tie­ren, dass „alle“ dabei sein kön­nen, und eben nicht nur die, die aus dem sel­ben Milieu kom­men, oder die den sel­ben (tech­ni­schen) Hin­ter­grund haben – was das bedeu­tet, lässt sich plau­si­bler machen, wenn kon­kre­te Bei­spie­le gewählt werden.

    Wenn ich davon spre­che, die Zivil­ge­sell­schaft zu betei­li­gen, den­ke ich an ehren­amt­lich Enga­gier­te, an die Flücht­lings­hil­fe oder die Tafel­lä­den. Ich den­ke da nicht zuerst an den Sport­ver­ein, das tech­ni­sche Hilfs­werk oder den Jagd­ver­band. Mei­ne Aus­sa­gen zur Zivil­ge­sell­schaft soll­ten aller­dings auch dann noch pas­sen, wenn ich letz­te­re einsetze.

    Als Test für zum Bei­spiel sozia­le Netz­wer­ke (oder Umsonst­lä­den und Haus­pro­jek­te), wenn die Ori­en­tie­rung an Nie­der­schwel­lig­keit da ist: gehört zu „alle“ auch der*die typi­sche CDU-Wähler*in? Kon­ser­va­ti­ves Wer­te­mus­ter, eher älter, mitt­le­re Bil­dung, Ein­fa­mi­li­en­häus­chen im Grü­nen mit gepfleg­tem Rasen, zwei Autos in der Gara­ge und Affi­ni­tät zum Dialekt? 

    Wie muss eine Soft­ware, ein sozia­les Enga­ge­ment, eine Poli­tik gestal­tet sein, die sich an „alle“ rich­tet, die auch für die­sen Per­so­nen­kreis nie­der­schwel­lig akzep­tier- und nutz­bar ist? Wel­che Kom­pro­mis­se kön­nen gemacht wer­den – und wo clasht eine Ori­en­tie­rung an der Mit­te, an allen mit eige­nen Wertvorstellungen?

    Ein typi­sches Bei­spiel für einen sol­chen Clash könn­te bei Mast­o­don die Kul­tur sein, rela­tiv oft und weit­rei­chend „Con­tent War­nings“ zu ver­wen­den (über Pro­no­men, Gen­der-Stern­chen und ähn­li­ches will ich gar nicht reden). Oder die abfäl­li­gen Bemer­kun­gen über „Schmun­zelt­wit­ter“. Wie sieht’s mit Fleisch­kon­sum aus – und wie vehe­ment wird der bekämpft?

    Um das deut­lich zu sagen: mir geht es hier nicht dar­um, zum Bei­spiel All­tags­ras­sis­men zu akzep­tie­ren. Und mir geht es auch nicht dar­um, in vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam eine Platt­form, ein sozia­les Enga­ge­ment oder eine Poli­tik an den ima­gi­nier­ten Wer­ten und Vor­stel­lun­gen einer „Mit­te“ aus­zu­rich­ten. Vor allem des­we­gen nicht, weil die­se oft viel wei­ter ist, als „wir“ uns das vor­stel­len. Die deut­sche Nor­ma­li­tät ist nicht mehr in den 1980er Jah­ren zu finden.

    (Da lie­ße sich jetzt ein zwei­ter Exkurs zum The­ma Main­stream anschlie­ßen: die Rech­ten jam­mern über die „links-grü­ne Hege­mo­nie“. Aus links­grü­ner Sicht ist es nicht weit her mit die­ser. Trotz­dem wird deut­lich, dass die media­le Her­stel­lung von Öffent­lich­keit und das als „nor­mal“ akzep­tier­te Wer­te- und Erfah­rungs­mus­ter etwas sind, das beweg­lich und flui­de ist. Über Rauch­ver­bo­te in Züge und Knei­pen wur­de erbit­tert gestrit­ten. Heu­te sind sie nor­mal. Mög­li­cher­wei­se sind auto­freie Wohn­ge­bie­te oder vege­ta­ri­sche Stan­dard­op­tio­nen – Ikea macht’s vor – bald eben­so nor­mal. Der Main­stream fließt zwar trä­ge, aber er fließt, und er lässt sich ver­schie­ben und umleiten.)

    Projekte und Mitte-Orientierung doch zusammendenken?

    Ich bin damit ein­ge­stie­gen, dass ich „Pro­jekt“ und eine Ori­en­tie­rung an der „Mit­te“ als zwei gegen­sätz­li­che Pole dar­ge­stellt habe. Das stimmt, und es stimmt nicht so ganz. Viel­leicht ist es klü­ger, sich das als ein Kon­ti­nu­um vor­zu­stel­len. Auf der einen Sei­te ste­hen sehr indi­vi­dua­lis­ti­sche Pro­jek­te, die aus weni­gen Per­so­nen bestehen. Viel­leicht sogar sowas wie eine Bezie­hung, eine Fami­lie. Hier ist sehr klar, wer dazu­ge­hört und wer nicht, und es gibt über­haupt kei­nen Anspruch, offen für alle zu sein. 

    Auf der ande­ren Sei­te ste­hen Orga­ni­sa­tio­nen und Sys­te­me, die z.B. qua Grund­ge­setz für alle nutz­bar sein müs­sen, und denen dem­entspre­chend dar­an gele­gen sein muss, so gestal­tet zu sein, dass alle mit­ma­chen kön­nen, egal, wel­ches Milieu und wel­che Wer­te gelebt wer­den. Groß gedacht gehö­ren Ver­wal­tun­gen ganz klar auf die­sen Pol, und auch Poli­zei und Feu­er­wehr (wobei die­se bei­den mög­li­cher­wei­se in Wirk­lich­keit eher in der Mit­te des Kon­ti­nu­ums ste­hen …). Und kom­mer­zi­el­le Sys­te­me, die den Wunsch haben, ihre Nutzer*innen-Zahl zu maxi­mie­ren, lan­den eben­falls auf die­ser Sei­te des Kontinuums.

    Alles ande­re liegt irgend­wo dazwi­schen. Und soll­te sich halt klar dar­über sein, wo. Zu wel­chem Grad eine Offen­heit für „alle“ da ist, und wo dann doch Gren­zen gezo­gen wer­den. Wel­che kul­tu­rel­len, tech­ni­schen, prak­ti­schen Hür­den und Grenz­zie­hun­gen exis­tie­ren, und wel­che davon zu Iden­ti­täts­bil­dung ver­wen­det werden. 

    Klar ist aller­dings auch: je mehr sich etwas auf der Sei­te „Mit­te-Ori­en­tie­rung“ (oder „nie­der­schwel­li­ge Nutz­bar­keit für alle“) ver­or­tet, des­to wich­ti­ger wird die Fra­ge, wie Kon­flik­te gelöst wer­den, wer auf was für einer Grund­la­ge Ent­schei­dun­gen trifft – und dass zum Selbst­ver­ständ­nis eben auch gehö­ren muss, auf­ein­an­der­pral­len­de unter­schied­li­che Wel­ten aus­zu­hal­ten und dis­kur­siv damit umzugehen. 

    #alternativbewegung #apple #bluesky #diskursverschiebung #exklusion #grenzziehung #hegemonie #inklusion #linux #mainstream #mastodon #mitte #netzpolitik #open-source #politik #projekte #soziales-netzwerk #system #umwelt #user-experience #user-interface #ux #work-in-progress

    https://blog.till-westermayer.de/index.php/2023/08/27/projekte-und-die-mitte/

  11. Man kann sich auch auf Mast­o­don wun­der­bar in die Haa­re krie­gen. Und manch­mal ist das sogar pro­duk­tiv. Bei­spiels­wei­se ist das Ergeb­nis einer sol­chen Pos­ting-Schlacht ges­tern, dass ich seit­dem dar­über nach­den­ke, wie das mit Pro­jek­ten und der Mit­te ist, und ob der Main­stream sich umlei­ten lässt.

    Ober­fläch­lich ging’s in der Debat­te um sozia­le Netz­wer­ke. Unab­hän­gig davon kann ich dazu emp­feh­len, was Dejan Miha­j­lo­vić heu­te mor­gen zu sozia­len Netz­wer­ken zwi­schen Demo­kra­tie und Dienst­leis­tung geschrie­ben hat. Das hat aller­dings nur tan­gen­ti­al mit dem zu tun, um was es mir geht. Näm­lich um die Fra­ge, wie im wei­tes­ten Sin­ne „lin­ke“ Netz­werk­pro­jek­te mit Inklu­si­on und Exklu­si­on umge­hen. Und die­se Fra­ge geht weit über sozia­le Netz­wer­ke und Open-Source-Digi­tal­pro­jek­te hinaus.

    Mir scheint es hier zwei Her­an­ge­hens­wei­sen zu geben, die – zumin­dest in ihren Extre­men gedacht – nicht, zumin­dest nur schlecht mit­ein­an­der zu ver­ein­ba­ren sind. Und ich bin mir nicht sicher, ob allen immer klar ist, in wel­chem die­ser Modi sie gera­de unter­wegs sind.

    Projekte

    Die eine Her­an­ge­hens­wei­se ist das „Pro­jekt“. Pro­jekt meint hier eine Abkap­se­lung von der „bösen“ Welt da drau­ßen. Die Men­schen, die an einem Pro­jekt teil­neh­men, ähneln sich in bestimm­ten, zen­tra­len Kate­go­rien. Ins­be­son­de­re tei­len sie bestimm­te Wer­te, und gehen zudem oft davon aus, dass die­se Wer­te all­ge­mein­gül­tig sein soll­ten. Sie ähneln sich zudem oft sozio­de­mo­gra­fisch – haben also bei­spiels­wei­se einen ähn­li­chen Bil­dungs­hin­ter­grund, einen bestimm­ten sozia­len Sta­tus. (Para­do­xer­wei­se gilt dies ins­be­son­de­re oft auch für Pro­jek­te, die Diver­si­tät beson­ders groß schreiben …)

    Nicht jedes Pro­jekt zieht die sel­be Sor­te Men­schen an, und nicht jedes zieht die sel­ben Gren­zen. Allen gemein­sam ist aber ein kla­res Bewusst­sein, dass bestimm­te Regeln zur „Iden­ti­tät“ des Pro­jek­tes dazu gehö­ren. Es gibt eine gewis­se eta­blier­te Kul­tur, und wer dabei sein will, hält sich gefäl­ligst dar­an. „Wir machen das hier so“ – und natür­lich gibt es dafür gute, ja meist sogar sehr gute Grün­de, die allen, die dabei sein wol­len, aus­führ­lich erklärt wer­den. „Wir machen das hier so“ ist ein Teil der Grenz­zie­hung. Wer es anders macht, der gehört nicht dazu – und das wird teil­wei­se impli­zit, teil­wei­se sehr expli­zit verdeutlicht.

    In die­ser All­ge­mein­heit kann sowohl der, sagen wir, selbst­or­ga­ni­sier­te Umsonst­la­den, das auto­no­me Kul­tur­zen­trum oder die Bau­ge­mein­schaft als Pro­jekt bezeich­net wer­den wie auch vie­le poli­ti­sche Ver­ei­ne – über Par­tei­en rede ich jetzt mal nicht – oder eben, um den Bogen zum digi­ta­len Raum zu schla­gen – auch die von einem Ver­ein betrie­be­ne Fedi­ver­se-Instanz, der Cha­os-Com­pu­ter-Club-Able­ger oder in gewis­ser Wei­se sogar das eine oder ande­re Open-Source-Projekt.

    Mitte-Orientierung

    Her­an­ge­hens­wei­se Num­mer zwei habe ich mal „Mit­te“ getauft (ob das eine gute Bezeich­nung ist, dar­über lässt sich natür­lich strei­ten). Was ich damit mei­ne, ist der Ver­such, Platt­for­men, Poli­ti­ken, Räu­me so aus­zu­rich­ten, dass die Hür­den, dar­an teil­zu­neh­men, für mög­lichst alle gering sind. Nie­der­schwel­lig­keit wird als Wert beschrieben.

    (Und weil das schnell zu die­ser Debat­te führt, ein Exkus dazu: die Gestal­tung von User Inter­faces ist bei gro­ßen kom­mer­zi­el­len Soft­ware­pro­duk­ten etwas, in das sehr viel Zeit und Geld gesteckt wird, bis hin zu A/B‑Tests für bestimm­te Optio­nen. Das führt im Ide­al­fall dazu, dass die Nut­zung kom­plett hür­den­los mög­lich ist. Die Nut­zer­er­fah­rung bei Apple steht da sprich­wört­lich. Und ich glau­be, ein guter Teil des Rei­zes von Blues­ky – jen­seits von FOMO und begrenz­ter Ein­la­dungs­po­li­tik – besteht in der Hoff­nung, dort auf eine sozia­le Platt­form zu sto­ßen, die im dop­pel­ten Sin­ne ein­fach benutz­bar ist: ohne gro­ße Hür­den, ohne Aus­wahl von Apps, Instan­zen, Pro­to­kol­len usw. ein­fach los­zu­le­gen, und sie bedie­nen, ohne groß dar­über nach­zu­den­ken, was da passiert.

    Ich mag Mast­o­don. Aber ein­fach in die­sem Sin­ne ist Mast­o­don, ist das Fedi­ver­se nicht. Da hilft es auch nichts, haar­klein zu erklä­ren, war­um das tech­nisch gese­hen alles total ein­fach ist und war­um auch anders­wo Hür­den bestehen. Letzt­lich zählt der Ein­druck, die gemach­te Erfah­rung. Und die ist bei vie­len, die Mast­o­don mal aus­pro­bie­ren, eben nicht „ein­fach los­le­gen“, son­dern kom­pli­zier­ter. Und ich wür­de behaup­ten, dass ähn­li­ches z.B. für Linux auf dem Desk­top gilt. Alles, wo ich erst mal im Hand­buch (in der Online-Doku­men­ta­ti­on, der man-Page) nach­gu­cken muss, wie etwas geht, ist nicht hür­den­los in dem Sin­ne, um den es mir hier geht …

    Und als Exkurs im Exkurs: das vie­le Geld, das bei kom­mer­zi­el­len Vor­ha­ben in User Inter­faces und die User Expe­ri­ence gesteckt wird, führt nicht in allen Fäl­len zu schwel­len­lo­sen Pro­duk­ten in die­sem Sin­ne. Und im schlimms­ten, lei­der gar nicht so sel­te­nen Fall ist ein gro­ßer Teil der Opti­mie­rung der User Expe­ri­ence eine Opti­mie­rung im Sin­ne von „mög­lichst viel Wer­bung anzei­gen“ und „Nutzer*innen dazu brin­gen, auf die fal­schen Knöp­fe zu drü­cken“ (dark pat­tern). Das fin­de ich nicht gut, gehört aber zu die­sem The­ma dazu.

    Soweit der Exkurs. Zurück zur Mit­te­ori­en­tie­rung von Projekten.)

    Sich dar­an zu ori­en­tie­ren, dass „alle“ dabei sein kön­nen, und eben nicht nur die, die aus dem sel­ben Milieu kom­men, oder die den sel­ben (tech­ni­schen) Hin­ter­grund haben – was das bedeu­tet, lässt sich plau­si­bler machen, wenn kon­kre­te Bei­spie­le gewählt werden.

    Wenn ich davon spre­che, die Zivil­ge­sell­schaft zu betei­li­gen, den­ke ich an ehren­amt­lich Enga­gier­te, an die Flücht­lings­hil­fe oder die Tafel­lä­den. Ich den­ke da nicht zuerst an den Sport­ver­ein, das tech­ni­sche Hilfs­werk oder den Jagd­ver­band. Mei­ne Aus­sa­gen zur Zivil­ge­sell­schaft soll­ten aller­dings auch dann noch pas­sen, wenn ich letz­te­re einsetze.

    Als Test für zum Bei­spiel sozia­le Netz­wer­ke (oder Umsonst­lä­den und Haus­pro­jek­te), wenn die Ori­en­tie­rung an Nie­der­schwel­lig­keit da ist: gehört zu „alle“ auch der*die typi­sche CDU-Wähler*in? Kon­ser­va­ti­ves Wer­te­mus­ter, eher älter, mitt­le­re Bil­dung, Ein­fa­mi­li­en­häus­chen im Grü­nen mit gepfleg­tem Rasen, zwei Autos in der Gara­ge und Affi­ni­tät zum Dialekt? 

    Wie muss eine Soft­ware, ein sozia­les Enga­ge­ment, eine Poli­tik gestal­tet sein, die sich an „alle“ rich­tet, die auch für die­sen Per­so­nen­kreis nie­der­schwel­lig akzep­tier- und nutz­bar ist? Wel­che Kom­pro­mis­se kön­nen gemacht wer­den – und wo clasht eine Ori­en­tie­rung an der Mit­te, an allen mit eige­nen Wertvorstellungen?

    Ein typi­sches Bei­spiel für einen sol­chen Clash könn­te bei Mast­o­don die Kul­tur sein, rela­tiv oft und weit­rei­chend „Con­tent War­nings“ zu ver­wen­den (über Pro­no­men, Gen­der-Stern­chen und ähn­li­ches will ich gar nicht reden). Oder die abfäl­li­gen Bemer­kun­gen über „Schmun­zelt­wit­ter“. Wie sieht’s mit Fleisch­kon­sum aus – und wie vehe­ment wird der bekämpft?

    Um das deut­lich zu sagen: mir geht es hier nicht dar­um, zum Bei­spiel All­tags­ras­sis­men zu akzep­tie­ren. Und mir geht es auch nicht dar­um, in vor­aus­ei­len­dem Gehor­sam eine Platt­form, ein sozia­les Enga­ge­ment oder eine Poli­tik an den ima­gi­nier­ten Wer­ten und Vor­stel­lun­gen einer „Mit­te“ aus­zu­rich­ten. Vor allem des­we­gen nicht, weil die­se oft viel wei­ter ist, als „wir“ uns das vor­stel­len. Die deut­sche Nor­ma­li­tät ist nicht mehr in den 1980er Jah­ren zu finden.

    (Da lie­ße sich jetzt ein zwei­ter Exkurs zum The­ma Main­stream anschlie­ßen: die Rech­ten jam­mern über die „links-grü­ne Hege­mo­nie“. Aus links­grü­ner Sicht ist es nicht weit her mit die­ser. Trotz­dem wird deut­lich, dass die media­le Her­stel­lung von Öffent­lich­keit und das als „nor­mal“ akzep­tier­te Wer­te- und Erfah­rungs­mus­ter etwas sind, das beweg­lich und flui­de ist. Über Rauch­ver­bo­te in Züge und Knei­pen wur­de erbit­tert gestrit­ten. Heu­te sind sie nor­mal. Mög­li­cher­wei­se sind auto­freie Wohn­ge­bie­te oder vege­ta­ri­sche Stan­dard­op­tio­nen – Ikea macht’s vor – bald eben­so nor­mal. Der Main­stream fließt zwar trä­ge, aber er fließt, und er lässt sich ver­schie­ben und umleiten.)

    Projekte und Mitte-Orientierung doch zusammendenken?

    Ich bin damit ein­ge­stie­gen, dass ich „Pro­jekt“ und eine Ori­en­tie­rung an der „Mit­te“ als zwei gegen­sätz­li­che Pole dar­ge­stellt habe. Das stimmt, und es stimmt nicht so ganz. Viel­leicht ist es klü­ger, sich das als ein Kon­ti­nu­um vor­zu­stel­len. Auf der einen Sei­te ste­hen sehr indi­vi­dua­lis­ti­sche Pro­jek­te, die aus weni­gen Per­so­nen bestehen. Viel­leicht sogar sowas wie eine Bezie­hung, eine Fami­lie. Hier ist sehr klar, wer dazu­ge­hört und wer nicht, und es gibt über­haupt kei­nen Anspruch, offen für alle zu sein. 

    Auf der ande­ren Sei­te ste­hen Orga­ni­sa­tio­nen und Sys­te­me, die z.B. qua Grund­ge­setz für alle nutz­bar sein müs­sen, und denen dem­entspre­chend dar­an gele­gen sein muss, so gestal­tet zu sein, dass alle mit­ma­chen kön­nen, egal, wel­ches Milieu und wel­che Wer­te gelebt wer­den. Groß gedacht gehö­ren Ver­wal­tun­gen ganz klar auf die­sen Pol, und auch Poli­zei und Feu­er­wehr (wobei die­se bei­den mög­li­cher­wei­se in Wirk­lich­keit eher in der Mit­te des Kon­ti­nu­ums ste­hen …). Und kom­mer­zi­el­le Sys­te­me, die den Wunsch haben, ihre Nutzer*innen-Zahl zu maxi­mie­ren, lan­den eben­falls auf die­ser Sei­te des Kontinuums.

    Alles ande­re liegt irgend­wo dazwi­schen. Und soll­te sich halt klar dar­über sein, wo. Zu wel­chem Grad eine Offen­heit für „alle“ da ist, und wo dann doch Gren­zen gezo­gen wer­den. Wel­che kul­tu­rel­len, tech­ni­schen, prak­ti­schen Hür­den und Grenz­zie­hun­gen exis­tie­ren, und wel­che davon zu Iden­ti­täts­bil­dung ver­wen­det werden. 

    Klar ist aller­dings auch: je mehr sich etwas auf der Sei­te „Mit­te-Ori­en­tie­rung“ (oder „nie­der­schwel­li­ge Nutz­bar­keit für alle“) ver­or­tet, des­to wich­ti­ger wird die Fra­ge, wie Kon­flik­te gelöst wer­den, wer auf was für einer Grund­la­ge Ent­schei­dun­gen trifft – und dass zum Selbst­ver­ständ­nis eben auch gehö­ren muss, auf­ein­an­der­pral­len­de unter­schied­li­che Wel­ten aus­zu­hal­ten und dis­kur­siv damit umzugehen. 

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    https://blog.till-westermayer.de/index.php/2023/08/27/projekte-und-die-mitte/