Als Gesetz der eigene Wille! – „Carmen“ bei den Salzburger Festspielen
Elena Deinhammer
Nach dem Festakt zur Eröffnung der diesjährigen Salzburger Festspiele folgte abends die erste Opernpremiere des Sommers, die sogleich mit mehreren Besonderheiten und einer wahrlich festspielwürdigen Besetzung aufwarten ließ. Neben Teodor Currentzis am Pult seines Utopia Orchestra und dem zurecht viel gerühmten Jonathan Tetelman als Don José ließ vor allem das ungewöhnliche Debut von Asmik Grigorian als Carmen gespannt die Premiere erwarten. Als Regisseurin widmete sich Gabriela Carrizo, die Mitbegründerin des Tanzkollektivs „Peeping Tom“, erstmals einer Operninszenierung. Diese will den an Carmen begangenen Femizid in einen größeren strukturellen Rahmen einordnen und dabei sowohl die psychologische Dimension in Form von familiärer Prägung und gestörten Beziehungsmustern als auch die gesellschaftlichen Einflüsse beleuchten. Im Zentrum steht Carmen als Mysterium tremendum et fascinosum, als anziehende, bemerkenswerte Frau, die zugleich in ihrer Andersartigkeit dazu herausfordert, mit Unverfügbarkeit und Fremdheit umzugehen. Don José vermag dies nicht, er reagiert mit Eifersucht, Kontrolle und Einschränkung, bis hin zur größten Einschränkung in Form des Todes, der jedoch letztlich nicht Carmen, sondern nur ihm selbst die Freiheit raubt. Inmitten der choreographisch und somit symbolisch wie psychologisch reichen Inszenierung regen kulturelle Referenzen und eindrückliche Momente Gedanken an, die jedoch in weiterer Folge nicht begleitet oder wieder eingeholt werden. Letztlich führt aber nicht nur das überladene, wenngleich ästhetisch und in seiner Symbolwirkung überzeugende Regiekonzept, sondern auch die virtuose, alles einnehmende Interpretation des Orchesters zu dem Eindruck, hier wurde von allem zu viel gewollt, ohne all das geben zu können, was im Kern wesentlich wäre. (Rezension der Premiere v. 26. Juli 2026) […]
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