home.social

#elenadeinhammerdasopernmagazin — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #elenadeinhammerdasopernmagazin, aggregated by home.social.

fetched live
  1. Die berührende Präsenz des Unsagbaren – „Pelléas et Mélisande“ am Nationaltheater in Prag Elena Deinhammer

    Claude Debussys einzige vollendete Oper „Pelléas et Mélisande“ gehört wohl zu den faszinierendsten Werken der Opernliteratur, und dies nicht nur wegen der neuen Wege, die Debussy im musikdramatischen Bereich hinsichtlich der Orchesterbehandlung, der Komposition der Gesangsstimmen und der Verwendung atmosphärisch-assoziativer Klänge, die dort weiterführen, wo Worte nichts mehr auszudrücken vermögen, beschritt, sondern auch aufgrund der darin erzählten Geschichte. Diese, basierend auf dem Schauspiel von Maurice Maeterlinck, vereint Anklänge an mittelalterliche Sagen, Märchen und symbolistische Kunst zu einem geheimnisvollen Ganzen, das von Andeutungen, bewussten Leerstellen und einem großen Mysterium, in das alles gehüllt ist, lebt. Am Národní divadlo, dem Nationaltheater, in Prag kam „Pelléas et Mélisande“ in einer Inszenierung von Christof Loy zur Aufführung, in der diese atmosphärische Geheimnishaftigkeit bewahrt, dabei aber gleichzeitig eine psychologische Ebene auf differenzierte Weise eröffnet wurde. Dadurch gelang eine beeindruckende Mischung aus einer traumähnlichen Grundstimmung, die Offenheit für das viele Ungesagte und Unsagbare ließ, und einer eindrücklichen Schilderung der vielfältigen Beziehungsgefüge der Figuren, die von Verlust, Unverständnis und Gewalt, aber auch von einer sich über alles erhebenden Liebe geprägt sind. Diese letztere Dimension gelang besonders durch eine hervorragende Besetzung, die sowohl darstellerisch als auch gesanglich mit einer ausdrucksstarken, emotionsreichen und feinsinnig gestalteten Darbietung überzeugte. (Rezension der Premiere v. 15. Oktober 2026) […]

    https://opernmagazin.de/die-beruehrende-praesenz-des-unsagbaren-pelleas-et-melisande-am-nationaltheater-in-prag/
  2. „Welch holde Macht hält uns gebannt?“ – „Lohengrin“ am Musiktheater Linz Elena Deinhammer

    Mit der ersten Opernpremiere der noch neuen Spielzeit, die unter dem Motto „Zeichen und Wunder“ steht, widmete sich das Musiktheater Linz Richard Wagners Romantischer Oper „Lohengrin“, die vor genau 160 Jahren zum ersten Mal an diesem Ort aufgeführt wurde. Noch mehr Anlass zum Feiern gab allerdings der vorgezogene Einstand von Christoph Koncz, der ab der nächsten Saison Markus Poschner als Chefdirigent des Bruckner Orchesters nachfolgen wird und mit dieser ausdrucksstarken, fein gestalteten und klanglich beeindruckenden Aufführung ein wunderbares Vorzeichen für die kommende Zusammenarbeit setzte. Diese schillernde musikalische Darbietung konnte auch über die Zeichen und Wunder eher entbehrende Inszenierung hinwegtrösten, die doch allzu sehr auf die politischen Dimensionen des Werks fokussierte und dadurch an Menschlichkeit und Emotionalität verlor. (Rezension der Premiere v. 10. Oktober 2026) […]

    https://opernmagazin.de/welch-holde-macht-haelt-uns-gebannt-lohengrin-am-musiktheater-linz/
  3. Ein deliriöser Tanz mit dem Teufel – „La Damnation de Faust“ an der Oper Graz
    Elena Deinhammer

    Nach einer ästhetisch reduzierten, den Mythos dekonstruierenden Inszenierung von „Les Troyens“ in der vorletzten Spielzeit setzt die Oper Graz nun ihre Beschäftigung mit Hector Berlioz mit einem weiteren seiner Bühnenwerke fort. Ob „La Damnation de Faust“ überhaupt dieser Kategorie zuzuordnen ist, kann allerdings diskutiert werden, schließlich war diese Légende-dramatique ursprünglich als konzertantes Werk konzipiert, das erst fünf Jahrzehnte nach der mäßig erfolgreichen, eben konzertanten Uraufführung an der Pariser Opéra-Comique auch szenisch aufgeführt wurde. Berlioz’ romantisch-assoziative Adaption des Faust-Stoffes changiert zwischen Oper, lyrischen Szenen, Oratorium und Symphonie. In Graz versteht man das Werk als „imaginäre Oper“, bei der die Bilder ursprünglich zwar nicht szenisch umgesetzt, durch die musikalische Gestaltung und den Text aber dennoch evoziert wurden. Dieses Feld des Imaginären nutzt Regisseur Lorenzo Fioroni und füllt es in seiner Inszenierung mit konkreten Bildern, die sich in ihrer Konkretion aber stets selbst zu hinterfragen scheinen. So entsteht eine bunte, laute, überwältigende, manchmal gar überfordernde Aufführung, die weit mehr ist als eine Nacherzählung des Faust-Stoffes. Die Überfülle an Szenischem lässt das farbenreich musizierende Orchester gelegentlich etwas in den Hintergrund treten, umso präsenter tritt darin jedoch das stimmlich wie darstellerisch ausgezeichnete Sängertrio hervor. (Rezension der Vorstellung v. 30. September 2026) […]

    https://opernmagazin.de/ein-delirioeser-tanz-mit-dem-teufel-la-damnation-de-faust-an-der-oper-graz/

  4. Emotionale Abgründe und bittersüße Erinnerungen – Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker mit Elgar und Tschaikowski bei den Salzburger Festspielen
    Elena Deinhammer

    Nicht nur der Sommer, sondern auch die Salzburger Festspiele neigen sich nach fünf dichten Wochen mit so abwechslungsreichen wie intensiven Aufführungen allmählich ihrem Ende zu. Für den Auftakt der sechsten und letzten Woche des Festivals, in der, da die Premieren des (Musik-)Theaters bereits zurückliegen, vor allem Orchester-, Kammermusik- und Solistenkonzerte im Fokus stehen, war mit den Berliner Philharmonikern jenes Orchester zu Gast, das im Frühling mit einer fulminanten Aufführung des „Rheingold“ seine Rückkehr zu den Osterfestspielen feierte. Mit ebensolcher beeindruckender Fulminanz und emotionsgeladener Virtuosität präsentierten sie nun in ihrem ersten Konzert des Sommers ein romantisches Programm, das ebenfalls die bittersüße Vorahnung eines Endes in sich trug. Während Edward Elgars „Enigma-Variationen“ inmitten der melancholischen Reminiszenzen auch humorvolle Anspielungen und liebliche Momente umfassen, spiegelt Peter Tschaikowskis Symphonie Nr. 4 in f-Moll sämtliche Extreme menschlicher Emotionen wider, in denen kurze Momente des Glücks sogleich mit erschütternder Heftigkeit von Traurigkeit vertrieben werden und das unnachgiebige Schicksal stets an seine Übermacht gemahnt. Besonders mit dieser Symphonie stellten Kirill Petrenko und die Berliner Philharmoniker ihre klanggewaltige Brillanz und interpretatorische Schärfe eindrücklich unter Beweis. (Rezension des Konzerts v. 23. August 2026) […]

    https://opernmagazin.de/emotionale-abgruende-und-bittersuesse-erinnerungen-kirill-petrenko-und-die-berliner-philharmoniker-mit-elgar-und-tschaikowski-bei-den-salzburger-festspielen/

  5. „Qu’il n’y aurait plus de temps…“ – Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du Temps“ bei den Salzburger Festspielen
    Elena Deinhammer

    Mit der Aufführung des „Quatuor pour la fin du Temps“ fand der dem französischen Komponisten Olivier Messiaen gewidmete Schwerpunkt der diesjährigen Salzburger Festspiele seinen, dem Titel des Quartetts durchaus gemäßen, Abschluss. Neben der monumentalen Oper „Saint François d’Assise“ wurden unter dem bereits auf die Inhaltlichkeit des Œuvres Bezug nehmenden Titel „Visions de Messiaen“ vier Konzertprogramme unterschiedlicher Genres dargeboten, die in Summe einen Querschnitt durch Messiaens Leben und Schaffen bildeten und dabei die wesentlichen Elemente seines Komponierens, aber auch seiner sonstigen musikalischen Tätigkeit, besonders als Organist an der Église de la Saint-Trinité in Paris, umfassten. Letztere wurde im Orgelkonzert in der Franziskanerkirche, durch die, wenige Tage nach der Premiere von „Saint François d’Assise“, die franziskanische Spiritualität in den Klängen weiterhin mitschwingen konnte, besonders deutlich, bei dem Olivier Latry unter dem Motto „Méditations“ eine möglichst vielseitige, dabei aber doch erstaunlich homogene Auswahl an Orgelwerken, teilweise mit einem Abstand von über fünf Jahrzehnten entstanden, präsentierte. Während Pierre-Laurent Aimard mit einem Klavierabend den für Messiaen, der mindestens so sehr Ornithologe wie Komponist war, bedeutsamen Vogelgesängen anhand von Ausschnitten aus dem „Catalogue d’Oiseaux“ Raum gab, eröffneten Igor Levit und Markus Hinterhäuser mit den „Visions de l’Amen“ für zwei Klaviere die bei Messiaen stets mitschwingende, eigentlich seine Musik überhaupt erst ermöglichende und umfassende Transzendenz im Sinne seines tiefen katholischen Glaubens. Dieser liegt in besonderer Weise auch dem „Quatuor pour la fin du Temps“ zugrunde, das Messiaen im Kriegsgefangenenlager Stalag VIII-A in Görlitz komponierte und uraufführte, geprägt von den existentiell bis ans Äußerste gehenden Erfahrungen von Gefangenschaft, Kälte, Hunger und den Abgründen der Menschheit, aus denen das „Fin du Temps“ einst hinaus- und in die Ewigkeit hinein führen wird. Manche Teile des Quartetts entstanden bereits vor der Zeit Messiaens im Krieg, durch mitgeführte Skizzen konnte er sie in ein umfassendes kammermusikalisches Werk integrieren, dessen acht Sätze auf den theologisch achten Tag, die Erfüllung und Aufhebung der Zeit durch die Ewigkeit Bezug nehmen, oder, in Messiaens Worten, die „Acht des unauslöschlichen Lichtes und immerwährenden Friedens“ bedeuten. Auf dem handschriftlich angefertigten Programmzettel für die erste Aufführung des Quartetts vor Inhaftierten und Wärtern des Gefangenenlagers liest sich der Titel noch „Quatuor de la fin du Temps“ – eine vermeintlich unbedeutende Abweichung in der Präposition, die aufgrund der an das Ende der Zeit gemahnenden und dieses zugleich erhoffen lassenden Umstände jedoch von nicht geringem Gewicht sein mag. (Rezension des Konzerts v. 20. August 2026) […]

    https://opernmagazin.de/quil-ny-aurait-plus-de-temps-olivier-messiaens-quatuor-pour-la-fin-du-temps-bei-den-salzburger-festspielen/

  6. Durch Musik und Poesie zu Gott – „Saint François d’Assise“ als die Transzendenz umfassendes Gesamtkunstwerk bei den Salzburger Festspielen
    Elena Deinhammer

    Nach der in der Aufführungsgeschichte legendär gewordenen Inszenierung von Peter Sellars im Jahr 1992, dem Todesjahr des Komponisten, kehrt Olivier Messiaens monumentale Oper „Saint Francois d’Assise“ zum 800. Franziskus-Jubiläum zu den Salzburger Festspielen zurück. Das Werk ist innerhalb des Opernrepertoires einzigartig und sprengt nicht nur in seinen Dimensionen hinsichtlich der Orchester- und Chorbesetzung, der musikalischen Struktur, der Tonsprache und der erforderlichen szenisch-dramaturgischen Mittel den Rahmen einer üblichen Opernkomposition, sondern transzendiert die Gattung, ja die Kunst an sich in Richtung einer religiösen, rituellen, gar sakramentalen Erfahrung, einer Begegnung mit Gott. Am Ende seines irdischen Lebens lässt Messiaen Franziskus von Assisi aussprechen, Musik und Poesie haben ihn zu Gott geführt – Worte, die mehr jene des Komponisten als des realen Heiligen zu sein scheinen. In ihnen liegt jedoch eine Wahrheit, die beim Erleben dieser Oper zu einer unmittelbaren Erfahrung wird, besonders wenn dies in einer Inszenierung von Romeo Castellucci geschieht, der wie wohl kein anderer Regisseur in der Lage ist, die spirituelle Dimension, das tiefe Glaubensbekenntnis Messiaens, aber auch den darin nachempfundenen Glaubensweg, den Franziskus auf existentielle Weise in der Nachfolge Jesu, geleitet von radikaler Liebe und unbedingtem Glauben, durchschreitet, zugleich aber auch eben diese Radikalität, die tiefe Menschlichkeit und Körperlichkeit inmitten der Schöpfung, zu umfangen und in einer Weise auf die Bühne zu bringen, die zwischen notwendiger Konkretion und Elementarität einerseits und transzendenter, symbolischer Offenheit andererseits changiert und damit eine neue Dimension der Kunst der Inszenierung eröffnet. So wird Messiaens Bekenntnis auch zu Castelluccis künstlerischem Glaubens- und Liebesbekenntnis. Als ihm ebenbürtiger Partner durchdringt Maxime Pascal mit den Wiener Philharmonikern und dem Wiener Staatsopernchor die in jeder Hinsicht hochkomplexe Partitur in erstaunlicher Klarheit und ihrem gesamten Facettenreichtum, sodass sich schier endlose, ja tatsächlich ewige Klangräume eröffnen, in denen Philippe Sly mit einzigartiger Authentizität und Intensität in seinem Debut als Saint François in den Mittelpunkt rückt. (Rezension der Premiere v. 4. August 2026) […]

    https://opernmagazin.de/durch-musik-und-poesie-zu-gott-saint-francois-dassise-als-die-transzendenz-umfassendes-gesamtkunstwerk-bei-den-salzburger-festspielen/

  7. Ariadne auf… dem Mars? – Eine klangstarke „Ariadne“ ohne (roten) Faden bei den Salzburger Festspielen
    Elena Deinhammer

    Vor genau 100 Jahren wurde „Ariadne auf Naxos“ als erste Oper von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal bei den Salzburger Festspielen aufgeführt, bereits in der zweiten Fassung von 1916, in der die Oper in der Oper nicht auf eine Bearbeitung von Molières „Der Bürger als Edelmann“ folgt, sondern auf ein neu komponiertes Vorspiel, in dem „der reichste Mann von Wien“ die simultane Aufführung einer Opera buffa und einer tragischen Oper verlangt und somit genügend Gelegenheit vorhanden ist, um die internen wie externen Kuriositäten und Missstände des Kunstbetriebs auf humorvolle Weise zu kritisieren. Ersan Mondtag, dessen Karriere im Bereich der Opernregie aktuell steil wie eine Rakete aufsteigt – nach der Wiener Staatsoper und den Salzburger Festspielen in diesem Jahr folgen im nächsten die Bayreuther Festspiele –, dürfte sich dieses Bild zum Ausgangspunkt seiner Inszenierung gemacht haben. Seine „Ariadne“ spielt, so zumindest die vordergründige Deutung, in einer Zeitkapsel, einer von einer reichen Elite nach der Zerstörung der Erde auf dem Mars errichteten Welt, in der sie sich selbst inszeniert und weiterhin mit dem menschlichen Erbe verfährt, wie es ihrem Willen beliebt. Doch leider dürfte sich diese Idee in den Weiten des Weltalls verloren haben, denn von den zugrundeliegenden gesellschaftskritischen Gedanken wird auf der Bühne wenig sichtbar, stattdessen werden die Einsamkeit und Leere von Ariadnes Inselleben zu stark nachempfindbar. Allein einige herausragende Stimmen und die Wiener Philharmoniker unter Manfred Honeck, die für charakteristische Strauss-Klänge sorgen, retten, wie Bacchus Ariadne, aus den eher seichten Pseudo-Tiefgründigkeiten im verstaubten Gewand überkommener Theater-Bräuche. (Rezension der Premiere vom 2. August 2026) […]

    https://opernmagazin.de/ariadne-auf-dem-mars-eine-klangstarke-ariadne-ohne-roten-faden-bei-den-salzburger-festspielen/

  8. C’est le chant de la délivrance! – Benjamin Bernheim als „Werther“ bei den Salzburger Festspielen
    Elena Deinhammer

    Zum Gesang der Erlösung wird Werther das von den Kindern aufgeführte Weihnachtslied, als er dessen Klänge in der Stunde seines Todes vernimmt und auf Vergebung hofft. Einen Gesang der Erlösung oder jedenfalls einen, dem man in seiner Brillanz ohne Zögern erlösende Qualität zusprechen würde, war auch an diesem Juliabend im Salzburger Festspielhaus zu hören. Mit Benjamin Bernheim in der Titelrolle von Jules Massenets „Werther“, umrankt von einem ebenso beeindruckenden Ensemble und einem höchst lebendig agierenden Orchestre symphonique de la Monnaie unter Alain Altinoglu, wird diese konzertante Aufführung des auf Goethes Briefroman basierenden Drame lyrique zu einer seltenen Sternstunde. (Rezension der konzertanten Aufführung v. 29. Juli 2026) […]

    https://opernmagazin.de/cest-le-chant-de-la-delivrance-benjamin-bernheim-als-werther-bei-den-salzburger-festspielen/

  9. Als Gesetz der eigene Wille! – „Carmen“ bei den Salzburger Festspielen
    Elena Deinhammer

    Nach dem Festakt zur Eröffnung der diesjährigen Salzburger Festspiele folgte abends die erste Opernpremiere des Sommers, die sogleich mit mehreren Besonderheiten und einer wahrlich festspielwürdigen Besetzung aufwarten ließ. Neben Teodor Currentzis am Pult seines Utopia Orchestra und dem zurecht viel gerühmten Jonathan Tetelman als Don José ließ vor allem das ungewöhnliche Debut von Asmik Grigorian als Carmen gespannt die Premiere erwarten. Als Regisseurin widmete sich Gabriela Carrizo, die Mitbegründerin des Tanzkollektivs „Peeping Tom“, erstmals einer Operninszenierung. Diese will den an Carmen begangenen Femizid in einen größeren strukturellen Rahmen einordnen und dabei sowohl die psychologische Dimension in Form von familiärer Prägung und gestörten Beziehungsmustern als auch die gesellschaftlichen Einflüsse beleuchten. Im Zentrum steht Carmen als Mysterium tremendum et fascinosum, als anziehende, bemerkenswerte Frau, die zugleich in ihrer Andersartigkeit dazu herausfordert, mit Unverfügbarkeit und Fremdheit umzugehen. Don José vermag dies nicht, er reagiert mit Eifersucht, Kontrolle und Einschränkung, bis hin zur größten Einschränkung in Form des Todes, der jedoch letztlich nicht Carmen, sondern nur ihm selbst die Freiheit raubt. Inmitten der choreographisch und somit symbolisch wie psychologisch reichen Inszenierung regen kulturelle Referenzen und eindrückliche Momente Gedanken an, die jedoch in weiterer Folge nicht begleitet oder wieder eingeholt werden. Letztlich führt aber nicht nur das überladene, wenngleich ästhetisch und in seiner Symbolwirkung überzeugende Regiekonzept, sondern auch die virtuose, alles einnehmende Interpretation des Orchesters zu dem Eindruck, hier wurde von allem zu viel gewollt, ohne all das geben zu können, was im Kern wesentlich wäre. (Rezension der Premiere v. 26. Juli 2026) […]

    https://opernmagazin.de/als-gesetz-der-eigene-wille-carmen-bei-den-salzburger-festspielen/

  10. Aufersteh’n, ja aufersteh’n! – Gustavo Dudamel und die Wiener Philharmoniker mit Mahlers 2. Symphonie bei den Salzburger Festspielen
    Elena Deinhammer

    Während auf der Perner-Insel in Hallein bei der Premiere von „Faust I“ bereits die berühmte Gretchenfrage gestellt wurde und die Vorfreude auf die erste Opernpremiere – und damit auf die offizielle Eröffnung der diesjährigen Salzburger Festspiele – zu spüren war, erklang im Großen Festspielhaus die in der Apotheose alles erfüllende Zusage „Aufersteh’n, ja aufersteh’n / Wirst du, mein Herz, in einem Nu!“. Mahlers Zweite Symphonie bildete den musikalischen wie inhaltlichen Höhepunkt der „Ouverture spirituelle“, der auf geistliche Musik fokussierenden Eröffnungsreihe der Festspiele. Das Motto „Miserere“, dem Initium des Bußpsalms 51 entnommen und im Programm in mehreren Werken aufgegriffen, verdeutlicht die inhaltliche Ausrichtung der diesjährigen „Ouverture spirituelle“. Im Zentrum stand eine Reflexion auf Schuld, Reue, Leid, die Tiefen des menschlichen Lebens, aus denen heraus man zu Gott ruft – „De Profundis“ –, klagt und sich, mit existentiellen Fragen konfrontiert, nach Erlösung sehnt. Das Chorwerk „Via crucis“ von Franz Liszt umrahmend, führten so bereits die beiden Rosenkranzsonaten Nr. X und XI von Heinrich Ignaz Biber von Kreuzigung zu Auferstehung. Nun kam diese Auferstehung auch durch die Wiener Philharmoniker unter Gustavo Dudamel in voller Kraft zum Klingen, und zwar auf eine Weise, die keinen Zweifel mehr an dieser alles erfüllenden Erlösungszusage lässt. (Rezension der Aufführung v. 25. Juli 2026) […]

    https://opernmagazin.de/auferstehn-ja-auferstehn-gustavo-dudamel-und-die-wiener-philharmoniker-mit-mahlers-2-symphonie-bei-den-salzburger-festspielen/

  11. Philippe Jordan im Gespräch mit dem OPERNMAGAZIN – über Bruckner (und vieles mehr)
    Elena Deinhammer

    Vom Geschehen-Lassen und Erfahren des Mysteriums 

    Philippe Jordan war für insgesamt siebzehn Jahre Musikdirektor der Pariser Opéra National und der Wiener Staatsoper, nun knüpft er ab dem kommenden Jahr als Chefdirigent des Orchestre National de France an seine sinfonische Zeit bei den Wiener Symphonikern an – neben vielen anderen Orchestern, Projekten und Werken. In all dem steht er gerade am Beginn einer neuen Liebe: jener zu Anton Bruckner. Im Stift St. Florian, in dem Bruckner lange gelebt und gewirkt hat und in dessen Krypta er auch bestattet ist, widmete sich Jordan Anfang Juli mit dem Bruckner Orchester Linz der Achten Symphonie. Zwischen Generalprobe und Konzert traf DAS OPERNMAGAZIN den Dirigenten zu einem Interview. – Ein tiefgehendes Gespräch über Anton Bruckner, seine Musik, besonders die Achte Symphonie, die man bei allem notwendigen Nachdenken letztlich nur erfahren kann, darüber, wie man Zugang zu diesem unergründlichen Mysterium finden kann, aber auch über Richard Wagner, die Aufgaben eines Dirigenten, Sackgassen im Opernbetrieb, die notwendige Einheit von Musik und Theater, über Unterschiede zwischen französischen und deutsch-österreichischen Orchestern – und über die künftige Konzentration auf das Symphonische, das Wesen der Musik selbst. (Das Interview führte Elena Deinhammer für DAS OPERNMAGAZIN) […]

    https://opernmagazin.de/philippe-jordan-im-gespraech-mit-dem-opernmagazin-ueber-bruckner-und-vieles-mehr/

  12. Der Mensch im Angesicht des Mysteriums – Philippe Jordan und das Bruckner Orchester Linz mit Bruckners 8. Symphonie in St. Florian
    Elena Deinhammer

    Als einer der Höhepunkte der diesjährigen Oberösterreichischen Stiftskonzerte widmete sich das Bruckner Orchester Linz in erstmaliger Zusammenarbeit mit Philippe Jordan, dem designierten Chefdirigenten des Orchestre National de France, Bruckners Achter Symphonie – seinem „Mysterium“, wie der Komponist dieses Werk selbst nannte –, und dies an jenem Ort, an dem Anton Bruckner nicht nur lange Zeit seines Lebens gewirkt hat, sondern auch begraben ist: der Basilika des Stiftes St. Florian. Das Bruckner Orchester Linz trägt nicht bloß den Namen des in Ansfelden geborenen Komponisten, sondern ist auch ein bedeutender Interpret seiner Werke. Die Achte Symphonie nahm das Orchester zuletzt im Rahmen des bemerkenswerten Projekts, anlässlich des Bruckner-Jahres 2024 sämtliche Symphonien in allen Fassungen einzuspielen, mit seinem Chefdirigenten Markus Poschner auf, auch hier in beiden Fassungen, wobei die zweite auch an diesem Abend in St. Florian zu hören ist. (Rezension des Konzerts v. 4. Juli 2026/Stiftsbasilika) […]

    https://opernmagazin.de/der-mensch-im-angesicht-des-mysteriums-philippe-jordan-und-das-bruckner-orchester-linz-mit-bruckners-8-symphonie-in-st-florian/

  13. These violent delights have violent ends – Gounods „Roméo et Juliette“ an der Opera Narodowa in Warschau
    Elena Deinhammer

    Die Geschichte von Romeo und Julia, die vor allem durch William Shakespeare zu der wohl bekanntesten Liebestragödie der Welt wurde, erfuhr im 19. Jahrhundert zahlreiche musikalische Bearbeitungen, darunter auch jene von Charles Gounod, dessen „Roméo et Juliette“ mit einem von Jules Barbier und Michel Carré erarbeiteten Libretto im Jahr 1867 zur Zeit der Weltausstellung in Paris am Théâtre Lyrique uraufgeführt wurde. Dieser Umstand mag dazu beigetragen haben, dass die Oper innerhalb kürzester Zeit international große Bekannt- und Beliebtheit erfuhr. Auch in Warschau ist das Werk bereits 1869, nur zwei Jahre nach der Uraufführung, auf der Opernbühne angekommen, wenig später wurde es hierzulande sogar in polnischer Übersetzung gespielt. Als letzte Premiere gelangt „Roméo et Juliette“ nun auch in der Saison 2025/26 im Teatr Wielki zur Aufführung. Die Inszenierung von Barbara Wysocka, die in der vergangenen Spielzeit bereits an der Semperoper in Dresden gezeigt wurde, verzichtet auf jede erwartbare romantische, manchmal gar kitschige Ästhetik und rückt bei gleichzeitiger psychologischer Fokussierung auf die beiden Liebenden die gewaltvolle Welt, in der jene sich befinden, in den Vordergrund. Dadurch entstehen eindrückliche, bisweilen jedoch etwas zu karge Bilder, die aber durch das äußerst gefühlvoll agierende Orchester und ein ausdrucksstarkes Gesangsensemble mit Leben gefüllt werden. (Rezension der Premiere v. 13. Juni 2026) […]

    https://opernmagazin.de/these-violent-delights-have-violent-ends-gounods-romeo-et-juliette-an-der-opera-narodowa-in-warschau/

  14. Ein Hotel voller Narren – „Il viaggio a Reims“ bei den Salzburger Pfingstfestspielen (2. Rezension)
    Elena Deinhammer

    Aus heutiger Sicht mag es verwunderlich erscheinen, dass Gioachino Rossini sein anlässlich der Krönung des französischen Königs Karl X. komponiertes Dramma giocoso „Il viaggio a Reims“ nach nur vier Aufführungen absetzen ließ. Während der Komponist einen Teil des musikalischen Materials in „Le comte Ory“ wiederverwendete, hütete er den Rest bis zu seinem Tod. Danach gelangte die autographische Partitur von Ort zu Ort, bis sie schließlich in der römischen Accademia di Santa Cecilia in archivalischen Tiefen versank und erst 1977 wiederentdeckt wurde. Seit der ersten Aufführung der rekonstruierten Fassung im Jahr 1984 hat das Werk wieder Einzug auf den Opernbühnen erhalten – so nun auch auf jener im Haus für Mozart bei den Salzburger Pfingstfestspielen. Dass das Manuskript so lange in der nach der heiligen Cecilia benannten Accademia verwahrt lag, wird hier zu einem witzigen Zufall, denn Regisseur Barrie Kosky, der bereits im vergangenen Jahr das umjubelte Pasticcio „Hotel Metamorphosis“ inszenierte, verwandelt die ohnehin komische Oper in ein rauschhaftes, vor Situationskomik und grotesker Überzeichnung sprühendes Ereignis, das zugleich zu einem Teil der ausführlichen Geburtstagsfeierlichkeiten der künstlerischen Leiterin Cecilia Bartoli wird. Bei aller guten Unterhaltung und musikalischen Leistungen auf Hochspannung stellt sich allerdings auch eine gewisse Übersättigung ein, die ein Dessert – und ein solches sollte diese Reise nach Reims à la Kosky sein – eigentlich nicht bieten sollte. (Rezension der Premiere v. 22. Mai 2026 // 2. DAS OPERNMAGAZIN-Besprechung) […]

    https://opernmagazin.de/ein-hotel-voller-narren-il-viaggio-a-reims-bei-den-salzburger-pfingstfestspielen/

  15. Wenig Licht im Dunklen Reich – „Katja Kabanowa“ am Musiktheater Linz
    Elena Deinhammer

    Nicht allein die geographische Nähe zu Tschechien ist für das Musiktheater Linz Anlass, sich dem Œuvre Leoš Janáčeks zu widmen, vielmehr gründet dieser Fokus auf der Bedeutung, die der Komponist mit seiner am tschechischen Sprachduktus orientierten Kompositionstechnik und der tiefen Einfühlsamkeit und Authentizität seiner Werke für die Entwicklung des Musiktheaters auf dem Weg zur Moderne innehat. Während in der vergangenen Saison „Das schlaue Füchslein“, in Linz in stark modernisierter deutschsprachiger Übersetzung und einer eigenwilligen Inszenierung von Peter Konwitschny als „Die gerissene Füchsin“ gespielt, auf dem Programm stand und in der kommenden unter dem Titel „Vanishings“ ein Liederzyklus Janáčeks mit „Darknesse Visible“ von Thomas Adès und sieben ungarischen Liedern kombiniert wird, gelangte nun „Katja Kabanowa“ zur Aufführung, erneut in deutscher Sprache und unter Regie von Peter Konwitschny. Dieser lässt in einem beeindruckenden Bühnenbild die Idee durchblitzen, die Geschichte als anhand der zentralen Frauenfigur zugespitzte Kirchenkritik erzählen zu wollen, letztlich wird davon über die Kulisse hinaus jedoch wenig sichtbar, stattdessen verhindern unpassend grotesk anmutende Szenen weitgehend das Aufkommen von Reflexion und Mitgefühl. Durch das stimmungsvolle Brucknerorchester und besonders Carina Tybjerg Madsen als bewegende Katja gelingt dennoch ein solider Premierenabend, der die Tiefe dieses Werkes zumindest hörbar werden lässt. (Rezension der Premiere v. 26. April 2026) […]

    https://opernmagazin.de/wenig-licht-im-dunklen-reich-katja-kabanowa-am-musiktheater-linz/

  16. „Tutto nel mondo è burla“ als Summe aller Erfahrungen – „Falstaff“ an der Opera Narodowa in Warschau
    Elena Deinhammer

    Mit „Falstaff“ bringt die Opera Narodowa am Teatr Wielki in Warschau Giuseppe Verdis zweite – und einzige erfolgreiche – komische, zugleich letzte Oper auf die Bühne, die einen beeindruckenden, durchaus kuriosen Höhepunkt des Schaffens des Komponisten darstellt und eine neue Form der Opera buffa erstehen ließ. Während das Werk in der Musikgeschichte eine neue Entwicklung eröffnete, stellte es für Verdi einen Abschied dar, das durch die bittersüße Ironie des Librettos hinter allem Witz eine tiefgründige Traurigkeit durchscheinen lässt. In Warschau bildet diese Neuproduktion des „Falstaff“ zugleich einen weiteren Abschied, denn es soll die letzte des Opernregisseurs Marek Weiss sein, der sich hiermit nach 153 Inszenierungen, davon 24 am Teatr Wielki, aus dem Theater verabschiedet. Nachdenklich und melancholisch gefärbt wird so auch dieses Ende, denn Weiss erzählt „Falstaff“ nicht als ironische Komödie über eine groteske Witzfigur, sondern als Geschichte eines gefallenen Mannes, der aufgrund einer erschütternden Erfahrung in immer nihilistischerem Zynismus versinkt und schließlich sein einsames Ende findet. Durch diese düstere Färbung, ein gleichermaßen spritzig wie elegisch musizierendes Orchester und eine Besetzung, aus der einige Stimmen glanzvoll hervorstechen, gelingt eine immer noch unterhaltsame, doch ebenso tiefgründige Aufführung. (Kritik zur Premiere am 17. April 2026 und zur Vorstellung am 18. April 2026) […]

    https://opernmagazin.de/tutto-nel-mondo-e-burla-als-summe-aller-erfahrungen-falstaff-an-der-opera-narodowa-in-warschau/

  17. Im Anfang war das Ende – „Das Rheingold“ bei den Osterfestspielen Salzburg
    Elena Deinhammer

    Die diesjährigen Osterfestspiele in Salzburg stehen unter dem Zeichen der Rückkehr und des Neuanfangs: Nach dreizehn Jahren, in denen die Berliner Philharmoniker ihre Tage vor Ostern in Baden-Baden verbracht haben, ist das Gründungsorchester des von Herbert von Karajan ins Leben gerufenen Festivals zurück an der Salzach, nun unter der Leitung ihres aktuellen Chefdirigenten Kirill Petrenko. Nicht nur das 150-jährige Jubiläum der ersten Aufführung im Bayreuther Festspielhaus ist also geeigneter Anlass, auch Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ an die Osterfestspiele zurückkehren zu lassen. Anders als im Jahr 1967 startet dieser Ring-Zyklus aber nicht mit dem Ersten Tag der Tetralogie, sondern, ganz im Sinne Wagners und in Analogie zu Ostern gewissermaßen als Auftakt des Triduum sacrums der Oper, mit dem Vorabend, dem „Rheingold“. Dadurch wird die nächstjährige Aufführung der „Walküre“ zudem passend zum 60-jährigen Jubiläum, bevor der Zyklus im Jahr 2028 durch Einfügung von Arnold Schönbergs Opernfragment „Moses und Aron“ unterbrochen wird. Doch nicht nur die Rahmenbedingungen fügen sich perfekt, auch die Aufführung selbst erweist sich in der archaisch und durchaus klassisch anmutenden, aber den Mythos mit tiefgreifenden Gedanken neu formenden Inszenierung sowie durch die herausragenden Berliner Philharmoniker und eine Besetzung, aus der man sich einige Namen künftig in diesen Rollen merken sollte, als festgefügtes Gesamtkunstwerk, in dessen Gestemm’ kaum ein Stein wankt. (Rezension der Premiere v. 27. März 2026) […]

    https://opernmagazin.de/im-anfang-war-das-ende-das-rheingold-bei-den-osterfestspielen-salzburg/

  18. „Ich fühle mit ihnen, ich fühle, was sie leiden…“ – „Eugen Onegin“ am Salzburger Landestheater
    Elena Deinhammer

    „Eugen Onegin“, basierend auf dem gleichnamigen Versroman von Alexander Puschkin, ist wohl Piotr Iljitsch Tschaikowskis meistgespielte Oper, die Anfang des Jahres in einer Produktion an der Opéra Garnier in Paris besondere Aufmerksamkeit erregt hat, da Ralph Fiennes, der einst selbst als titelgebender Onegin in der Romanverfilmung seiner Schwester Martha Fiennes zu sehen war, Regie führte. Auch dort konnte jedoch bemerkt werden, was auf viele Neuproduktionen dieser Oper zutrifft: Während zahlreichen Werken durch moderne, sich teilweise stark vom Libretto entfernende Inszenierungen nicht nur ein neues Bild, sondern auch – mehr oder weniger gelungen – neue Inhalte oder Bedeutungsnuancen verliehen werden, wird „Eugen Onegin“ meist in klassischer Weise und der Vorlage getreu auf die Bühne gebracht, selbst wenn eine zeitliche Verlegung in die Gegenwart stattfindet, wie dies zum Beispiel in Mario Martones Inszenierung von 2025 an der Mailänder Scala der Fall ist. Dadurch kann es nicht nur zu einer übertriebenen, beinahe klischeehaften Darstellung der russischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, am Land wie in der Stadt, kommen, sondern gleichsam zur Bildung eines Klischees von „Eugen Onegin“-Inszenierungen selbst. Am Salzburger Landestheater wählt Regisseurin Alexandra Liedtke jedoch einen anderen Zugang und zeigt das emotionale Drama auf äußerst gelungene Weise in zwar abstrahierter, doch dadurch nicht bildloser, sondern vielmehr auf das Wesentliche fokussierter Bildsprache. Vereint mit einem trotz kleiner Besetzung klangstarken Orchester und einer überzeugenden Besetzung, aus der vor allem Tatev Baroyan als Tatjana hervorstach, gelangte dieser „Eugen Onegin“ in Salzburg zu einer bewegenden Aufführung. (Rezension der Aufführung v. 15. März 2026) […]

    https://opernmagazin.de/ich-fuehle-mit-ihnen-ich-fuehle-was-sie-leiden-eugen-onegin-am-salzburger-landestheater/

  19. Interview mit Regisseur Mariusz Treliński über „Die Frau ohne Schatten“ von Richard Strauss
    Redaktion

    Von gebrochenen Beziehungen, menschlichen Gefühlen und dem Weg zum eigenen Schatten

    Der polnische Opern- Theater- und Filmregisseur Mariusz Treliński ist mit Unterbrechungen seit über zwanzig Jahren künstlerischer Leiter der Opera Narodowa in Warschau. Anlässlich der Premiere von Richard Strauss‘ Die Frau ohne Schatten trafen sich unsere Redakteure Elena Deinhammer und Phillip Richter mit Mariusz Treliński in Warschau zu einem Interview. In diesem erläutert der Regisseur Facetten seiner Inszenierung, welche im Jahr 2023 in Lyon zur Premiere kam, wie er die Frauenfiguren in Richard Strauss‘ „letzter romantischer Oper“ sieht und welche Aussagekraft diese für unsere heutige Zeit hat. […]

    https://opernmagazin.de/interview-mit-regisseur-mariusz-trelinski-ueber-die-frau-ohne-schatten-von-richard-strauss/

  20. Zwischen den Welten – hinter den Spiegeln: „Die Frau ohne Schatten“ an der Opera Narodowa in Warschau
    Redaktion

    „Die Frau ohne Schatten“, die „letzte romantische Oper“ von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal stellt ein Opernhaus aufgrund ihrer Komplexität in der musikalischen wie szenischen Umsetzung gleichermaßen vor Herausforderungen, besonders an Orten, an denen die Strauss’schen Werke mehr eine Besonderheit als einen Schwerpunkt darstellen. Durch eine Koproduktion mit der Opéra National de Lyon, an der diese im Oktober 2023 Premiere feierte, gelangt nun auch im Teatr Wielki, der Hauptspielstätte der Opera Narodowa in Warschau, „Die Frau ohne Schatten“ zur Aufführung – und dies ohne jeglichen Eindruck, ein „Schmerzenskind“ zu sein. Die Inszenierung von Mariusz Treliński, der seit zwanzig Jahren als künstlerischer Leiter die Geschicke der Oper in Warschau lenkt, wurde mit nur leichten Veränderungen von Lyon übernommen. Sie zeugt von einer in die Tiefe gehenden Auseinandersetzung mit dem märchenhaften und zugleich hochpsychologischen Inhalt, der hier äußerst differenziert, in gelungener Ästhetik und mit hohem Gespür für die Symbolik zur Gestaltung kommt. (Rezension der Premiere v. 15. Februar 2026) […]

    https://opernmagazin.de/zwischen-den-welten-hinter-den-spiegeln-die-frau-ohne-schatten-an-der-opera-narodowa-in-warschau/

  21. Liebe zwischen irdischer Wirklichkeit und himmlischer Hoffnung – Messiaen und Schostakowitsch in der Nationalphilharmonie Warschau
    Elena Deinhammer

    In zwei Konzerten am 13. und 14. Februar kommen in der Warschauer Nationalphilharmonie unter der Leitung von Ingo Metzmacher zwei Werke zur Aufführung, die in aller Verschiedenheit eine einnehmende Symbiose bilden und Themen präsent machen, die in der heutigen Zeit oft in den Hintergrund geraten, obwohl sie dies nicht sollten. Als eine solche Symbiose ist auch das Zusammenwirken sämtlicher Beteiligter zu erleben, das dieses Konzert zu einer beeindruckenden Klangerfahrung voller Kontraste, besonderer Farben und tief berührender Momente erhebt. (Rezension des Konzerts v. 14. Februar 2026) […]

    https://opernmagazin.de/liebe-zwischen-irdischer-wirklichkeit-und-himmlischer-hoffnung-messiaen-und-schostakowitsch-in-der-nationalphilharmonie-warschau/

  22. Don Giovanni, oder: Donna Proserpina – Wiederaufnahme von „Don Giovanni“ an der Bayerischen Staatsoper
    Elena Deinhammer

    „Es bleibe also jener Schurke bei Proserpina und Pluto!“ – Diesen Satz des Epilogs, mit dem die Figuren der Geschichte ihre Freude über die gerechte Höllenfahrt Don Giovannis und somit ihre Befreiung von diesem Wüstling zum Ausdruck bringen, nimmt Regisseur David Hermann als Ausgangspunkt für seine Inszenierung, die zur Eröffnung der Münchner Opernfestspiele 2025 Premiere feierte. Aus den beiden Göttern der Unterwelt, deren Erwähnung sonst leicht unbeachtet bleiben könnte, entspinnt sich eine Rahmenhandlung, die ein neues Licht auf das Dramma giocoso, vor allem aber auf den ausschweifend und rücksichtlos lebenden Don Giovanni werfen soll. Dabei handelt es sich um einen durchaus reizvollen Ansatz, der für spannende, kunstfertig umgesetzte Bilder sorgt, doch auch bei der Wiederaufnahme der Produktion bleibt man mit der Frage zurück, ob dieser neue Umgang dem Stoff gerecht wird oder ob er nicht vielmehr von dessen zentralen Themen wegführt und nicht auflösbare Unstimmigkeiten hinterlässt. Die namhafte Besetzung sorgt für berührende, auch unterhaltsame Momente, erweist sich aber trotz großartiger Stimmen nicht in allen Rollen als optimal. Dafür zeigt sich Constantin Trinks als feinfühliger, das Werk durchdringender Mozart-Dirigent, der dem Orchester spätestens zur Höllenfahrt eine rasende Energie entlockt. (Rezension der Vorstellung v. 25. Januar 2026) […]

    https://opernmagazin.de/don-giovanni-oder-donna-proserpina-wiederaufnahme-von-don-giovanni-an-der-bayerischen-staatsoper/

  23. Principessa di morte, principessa di dolore… – Fulminante Premiere von „Turandot“ am Musiktheater Linz
    Elena Deinhammer

    Nicht ohne Grund wird „Turandot“ oft als Puccinis Schmerzenskind bezeichnet. Der Komponist starb, bevor er seine letzte Oper vollenden konnte, sodass das Finale ungeschrieben bleiben musste. Zwar sorgte Franco Alfano für eine Umsetzung der entscheidenden Schlussszene, doch sind in diese nur wenige der vorhandenen Aufzeichnungen Puccinis eingeflossen. Zudem bietet Alfanos pompöses Finale eine beinahe zu einfache Lösung des Geschehens, die womöglich nicht im Sinne Puccinis wäre, schließlich musste er sein Werk auch deshalb unvollendet zurücklassen, weil er lange mit einem inhaltlich wie musikalisch passenden Ende rang. Doch auch die Märchenhaftigkeit der Oper, angesiedelt in einem sagenhaften China und voll mythologisch-legendarischer Symbolik, bedeutet für eine Regie die Herausforderung, „Turandot“ auf der Bühne nicht zu einem Schmerzenskind werden zu lassen. Bei der ersten Premiere im neuen Jahr zeigte das Musiktheater Linz jedoch, dass es mit all diesen potentiellen Schwierigkeiten hervorragend umzugehen weiß: Mit der Entscheidung für das 2002 uraufgeführte Finale von Luciano Berio, einer zurückhaltenden, gerade dadurch umso überzeugenderen und von starker Personenregie geprägten Inszenierung und einer musikalischen Darbietung, die in jeder Hinsicht von höchstem Niveau zeugt, gelang eine fulminante Premiere – im besten Sinne unheimlich und mit starken Emotionen inmitten der grausamen Eiseskälte. (Rezension der Premiere v. 17. Januar 2026) […]

    https://opernmagazin.de/principessa-di-morte-principessa-di-dolore-fulminante-premiere-von-turandot-am-musiktheater-linz/

Share on Mastodon

Enter the server where you have an account.