home.social

#ebu — Public Fediverse posts

Live and recent posts from across the Fediverse tagged #ebu, aggregated by home.social.

  1. Die von gestern

    Die politische Medienfrage aller Fragen ist, warum die europäischen öffentlichen Medien, die sogar über eine eigene gemeinsame Organisation verfügen, seit Jahrzehnten zu doof dazu sind, ein “soziales Netzwerk” (ohne “a”!) zu bauen. Die Einen mögen auf die EU verweisen, die ja ebenfalls für Vieles zu doof ist. Ich zermartere mir dennoch immer noch den Kopf, was die Gründe für dieses Versagen sein können.

    Ulrich Wilhelm hat das nach seinen eigenen öffentlichen Bekundungen auch eine zeitlang getan. Noch nicht als Sprecher von Angela Merkel (2005-10). Aber dann als Intendant des Bayrischen Rundfunks (2010-20) und kurzzeitiger “ARD-Vorsitzender” (2018/19). In jener Zeit war er auch Vertreter der ARD im “Executive Board” (bei der Uefa ist das was Mächtiges) der oben verlinkten “European Broadcasting Union”. Die beschäftigt sich jedoch ausgiebiger mit einem in der Schwulenszene gerühmten mittelmässigen Gesangswettbewerb, als mit politisch wirkmächtiger Kommunikationspolitik.

    Das muss Herrn Wilhelm wie mich mächtig frustriert haben. Weil er durch seine öffentlichen Äusserungen als “Stratege” aus der Riege seiner dilettierenden ARD-Kolleg*inn*en herausragte, kam ihm der Ruf der “Fazit-Stiftung” wie gerufen. Das sind die, denen die FAZ gehört. In deren Medium werden die öffentlichen Medien engagiert bekämpft, als wären sie eine Ausgeburt von “Die Linke”. Bekanntlich sind sie eher das Gegenteil, aber das hat kreuzzüglerische Missionare noch nie gebremst. Dort ist Herr Wilhelm jetzt Boss. Einige sind schon vor ihm geflohen. Unklar bleibt, ob aus politischen oder persönlichen Gründen … Schweife ich ab? Leider nein, es ist politisches Geschehen, nur in der Öffentlichkeit kaum beachtet.

    Zurück zur ARD, denn dadurch bin ich darauf gekommen. Der Kollege Grimberg, 2000-12 taz-Medienredakteur und danach dort freier Kolumnist, 2016/17 als Sprecher von MDR-Intendantin Karola Wille auch ARD-Pressesprecher und von mir verdächtigter Architekt des von mir vielgelobten MDR-Altpapier. Seit 2023 ist er Chef von irgendwas Katholischem, was aber streng von Bezahlmauern umzingelt und also öffentlich kaum bemerkbar ist. Durch sein Guckloch taz-Kolumne lässt er die geneigte Öffentlichkeit nun daran teilhaben, was ihm aus seinen alten ARD-Beziehungen so an versuchsintelligenten Diskussionspapieren durchgestochen wird:

    “Um- und Abbau im ÖRR: Schall und Rauch – Der WDR will sein Angebot verkleinern. ARD und ZDF setzen auf neue Dialogformate – doch echte Beteiligung des Publikums bleibt bislang begrenzt.”

    Der Autor will seine Beziehungen, aus denen er solchen Schwachsinn erhält, nicht verderben. Darum pflegt er seinen heiter-ironischfreundlichen Ton. Ich dagegen wäre bei der Lektüre von “gemeinsame Formatidee für gesellschaftlichen Dialog“ wohl meinem nächsten Herzinfarkt nahe gewesen.

    Seit gefühlten Jahrhunderten hat der frühere ZDF-Fensehrat und heutige -Verwaltungsrat Leonhard Dobusch ungefähr das gefordert, was der o.g. Herr Wilhelm schon im Munde geführt hatte. U.a. könnten ARD und ZDF in ihren Mediatheken doch mal anfangen, Diskussionen zu ermöglichen. Zuschauer/Leser*innen-Kommentare sogar ermuntern. Nicht auszudenken, wenn sie ein öffentlicher Diskussionsort würden. Oder noch schlimmer: eine Ideenwerkstatt …

    Ja, das wäre Mehrarbeit. Moderator*inn*en müssten qualifiziert ausgebildet und beschäftigt werden. Es würde Ärger geben, und davon nicht wenig. Und dagegen, s.o. “Formatidee”, haben sie in den Anstalten eine Allergie. Und schon genug, unter- und miteinander.

    So leben sie weiter unglücklich und bis an ihr Ende. Kreativitätsmörder.