#bokelberg — Public Fediverse posts
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Das Stadion-Ranking der 11Freunde
Die Rankingsucht der Medien ist an sich schon eine krankhafte Wichtigtuerei. Von Leuten, bzw. Organen, die es besonders nötig haben: Aufmerksamkeitserregerei und Clickbaiting. Gut, in diesem Fall ist es ihnen mit mir gelungen. Aber nur, weil sie es nicht digital eingemauert haben. Und weil mann nicht ständig klicken muss, sondern scrollen kann.
Ich fürchte, dieses Stadion-Ranking findet sogar die Zustimmung unseres Freundes und Gastautoren André Dahhlmeyer. Denn Lateinamerika ist fachlich durchaus angemessen repräsentiert mit einem mutmasslich verdienten 1. Platz. Und die 11Freunde haben es nötig. Vor Jahren schenkten sie ihre Selbstständigkeit an den dubiosen Spiegel her. Und müssen mit der österreichischen Konkurrenz Ballesterer um den ersten Rang als kompetentestes deutschsprachiges Fussballmagazin konkurrieren.
Unverkennbar die Vorliebe der 11Freunde für monsterartige Riesenarenen. Das spricht für eine männerlastige Jury. Denn (Irmtraud Morgner, 1974, zitiert nach diesem Film, den Sie sich ansehen sollten, verfügbar bis 30.11.): “Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Grössenwahn.”
Wichtige Stätten der Fussballgeschichte sind leider längst durch sozial- und christ-demokratisch inspirierte Abrisswut für immer vernichtet. Ich nenne als Beispiele
Matthias-Stinnes-Stadion, Essen-Karnap, hier fand das erste illegale Fussball-Länderspiel der Frauen statt.
Glückauf-Kampfbahn, Gelsenkirchen. Hier sass ich als 9-jähriger am 20.8.1966 auf einer Holzbank hinter dem vom unvergesslichen Volker Danner gehüteten Tor von Borussia Mönchengladbach. Endergebnis 0:0. Beim 11:0-Rückspiel im
Stadion auf dem Bökelberg war ich leider nicht dabei, im Schalker Tor der bedauernswerte Josef Elting (Tore: 4 x Rupp, 3 x Laumen, 2 x Heynckes, 2 x Netzer). Dafür war ich aber beim 5:4 n.V. im DFB-Pokalhalbfinale gegen Werder am 1.Mai 1984 im Stadion. Von dem nun nur noch wenig zu sehen ist. Blamabel wie der diesjährige Saisonstart.
Bleibt mir also nur noch das schönste Stadion Bonns, das Franz-Elbern-Stadion in Beuel. Hier wird gelegentlich Kreisliga-Spitzenfussball gespielt. Die Bratwurst ist ok.
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Das Stadion-Ranking der 11Freunde
Die Rankingsucht der Medien ist an sich schon eine krankhafte Wichtigtuerei. Von Leuten, bzw. Organen, die es besonders nötig haben: Aufmerksamkeitserregerei und Clickbaiting. Gut, in diesem Fall ist es ihnen mit mir gelungen. Aber nur, weil sie es nicht digital eingemauert haben. Und weil mann nicht ständig klicken muss, sondern scrollen kann.
Ich fürchte, dieses Stadion-Ranking findet sogar die Zustimmung unseres Freundes und Gastautoren André Dahhlmeyer. Denn Lateinamerika ist fachlich durchaus angemessen repräsentiert mit einem mutmasslich verdienten 1. Platz. Und die 11Freunde haben es nötig. Vor Jahren schenkten sie ihre Selbstständigkeit an den dubiosen Spiegel her. Und müssen mit der österreichischen Konkurrenz Ballesterer um den ersten Rang als kompetentestes deutschsprachiges Fussballmagazin konkurrieren.
Unverkennbar die Vorliebe der 11Freunde für monsterartige Riesenarenen. Das spricht für eine männerlastige Jury. Denn (Irmtraud Morgner, 1974, zitiert nach diesem Film, den Sie sich ansehen sollten, verfügbar bis 30.11.): “Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Grössenwahn.”
Wichtige Stätten der Fussballgeschichte sind leider längst durch sozial- und christ-demokratisch inspirierte Abrisswut für immer vernichtet. Ich nenne als Beispiele
Matthias-Stinnes-Stadion, Essen-Karnap, hier fand das erste illegale Fussball-Länderspiel der Frauen statt.
Glückauf-Kampfbahn, Gelsenkirchen. Hier sass ich als 9-jähriger am 20.8.1966 auf einer Holzbank hinter dem vom unvergesslichen Volker Danner gehüteten Tor von Borussia Mönchengladbach. Endergebnis 0:0. Beim 11:0-Rückspiel im
Stadion auf dem Bökelberg war ich leider nicht dabei, im Schalker Tor der bedauernswerte Josef Elting (Tore: 4 x Rupp, 3 x Laumen, 2 x Heynckes, 2 x Netzer). Dafür war ich aber beim 5:4 n.V. im DFB-Pokalhalbfinale gegen Werder am 1.Mai 1984 im Stadion. Von dem nun nur noch wenig zu sehen ist. Blamabel wie der diesjährige Saisonstart.
Bleibt mir also nur noch das schönste Stadion Bonns, das Franz-Elbern-Stadion in Beuel. Hier wird gelegentlich Kreisliga-Spitzenfussball gespielt. Die Bratwurst ist ok.
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Es war eine Freude ihn spielen zu sehen
2.11.1985: ich im Westfalenstadion, Halbzeitstand 1:1, zweite Halbzeit, ich direkt hinter dem Dortmunder Tor und Frank Mill immer davor. 55. und 72. Minute macht er ihn rein, Jürgen Wegmann (ebenfalls Ex-RWE) schafft nur noch den Anschluss. Auswärtssieg! Und ich war so dicht dran, wie noch nie zuvor. Mill traf immer gegen den BVB. Auch am 8.9.1984 hatte er zwei reingemacht. Also kaufte ihn der BVB 1986 endlich weg. Wie vor und nach ihm viele Andere (Heiko Herrlich, Marco Reus, Mo Dahoud etc. etc.). Ein anderes Spiel setzte ihn lebenslänglich in meine Erinnerung.
Am 10.3.1984 dichtes Schneetreiben am Bökelberg. Der Tabellenzweite VFB Stuttgart kam zum Gastspiel beim Tabellenfünften. Damals war die Bundesliga noch spannend. Die ersten 5 waren nur drei Punkte auseinander. Seit ca. 10 Jahren ist um diese Jahreszeit meistens schon alles entschieden. Stuttgart war Favorit, und wurde später auch (punktgleich u.a. mit meiner Borussia, nur durch das Torverhältnis) Meister. Aber nicht an diesem verschneiten Nachmittag am Bökelberg.
In der 53. Minute erzielte Libero Hans-Günter Bruns, Ende der Nullerjahre erfolgreicher Trainer von RW Oberhausen, die Führung. Danach drängte der VFB. Doch fast jeder Befreiungsschlag aus der Abwehr erreichte den an der Mittellinie lauernden beweglichen Frank Mill. Gefühlt ein halbes Dutzend mal rannte er allein mit dem Ball auf Helmut Roleder zu. Und immer hielt der buchstäblich Einäugige. Keiner wusste, wie. Ich stand an der Gegengraden, am Bökelberg gab es an drei der vier Stadionseiten Stehplätze. Ein Fanparadies. Und Roleder brachte Mill und mich dem Wahnsinn nahe.
Bis zur 76. Minute. Die Fussballsonne ging in dichtestem Schneetreiben auf. Der Matsch auf dem Heimweg zum Bahnhof, die durchnässte Kleidung – das war alles egal. Wir 25.000 hatten Franky zu diesem Tor getrieben. Er konnte nicht mehr anders.
Seine Gedanken- und Handlungsschnelligkeit verbunden mit gut ausgebildeter Technik verschaffte ihm entscheidende Vorsprünge gegen gegnerische Abwehrreihen. Als idealer Konterspieler hatte er oft 3-10 Meter. Obwohl nur 1,78 m gross, gelangen ihm nicht wenige Kopfballtore, begünstigt durch seine Wendigkeit. Lionel Messi, geb. 1987, könnte ihn schon gesehen haben … 😉
Am Saisonende 84/85 standen für ihn 19 Tore in 32 Spielen. Es war die erfolgreichste Saison von Jupp Heynckes als Borussia-Trainer. Punktgleich (48-20) mit Meister Stuttgart, aber leider rund 20 Tore zurück – durch die vielen Gegentore.
Wir werden sie immer in Ehren halten. Es war eine gute Fussballzeit. Frank Mill war ein Jahr jünger als ich. Unsere Herzinfarkte hatten wir nahezu gleichzeitig. Ich hatte Glück. Er nicht. Ich werde eines Tages vergessen. Er nicht.
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Es war eine Freude ihn spielen zu sehen
2.11.1985: ich im Westfalenstadion, Halbzeitstand 1:1, zweite Halbzeit, ich direkt hinter dem Dortmunder Tor und Frank Mill immer davor. 55. und 72. Minute macht er ihn rein, Jürgen Wegmann (ebenfalls Ex-RWE) schafft nur noch den Anschluss. Auswärtssieg! Und ich war so dicht dran, wie noch nie zuvor. Mill traf immer gegen den BVB. Auch am 8.9.1984 hatte er zwei reingemacht. Also kaufte ihn der BVB 1986 endlich weg. Wie vor und nach ihm viele Andere (Heiko Herrlich, Marco Reus, Mo Dahoud etc. etc.). Ein anderes Spiel setzte ihn lebenslänglich in meine Erinnerung.
Am 10.3.1984 dichtes Schneetreiben am Bökelberg. Der Tabellenzweite VFB Stuttgart kam zum Gastspiel beim Tabellenfünften. Damals war die Bundesliga noch spannend. Die ersten 5 waren nur drei Punkte auseinander. Seit ca. 10 Jahren ist um diese Jahreszeit meistens schon alles entschieden. Stuttgart war Favorit, und wurde später auch (punktgleich u.a. mit meiner Borussia, nur durch das Torverhältnis) Meister. Aber nicht an diesem verschneiten Nachmittag am Bökelberg.
In der 53. Minute erzielte Libero Hans-Günter Bruns, Ende der Nullerjahre erfolgreicher Trainer von RW Oberhausen, die Führung. Danach drängte der VFB. Doch fast jeder Befreiungsschlag aus der Abwehr erreichte den an der Mittellinie lauernden beweglichen Frank Mill. Gefühlt ein halbes Dutzend mal rannte er allein mit dem Ball auf Helmut Roleder zu. Und immer hielt der buchstäblich Einäugige. Keiner wusste, wie. Ich stand an der Gegengraden, am Bökelberg gab es an drei der vier Stadionseiten Stehplätze. Ein Fanparadies. Und Roleder brachte Mill und mich dem Wahnsinn nahe.
Bis zur 76. Minute. Die Fussballsonne ging in dichtestem Schneetreiben auf. Der Matsch auf dem Heimweg zum Bahnhof, die durchnässte Kleidung – das war alles egal. Wir 25.000 hatten Franky zu diesem Tor getrieben. Er konnte nicht mehr anders.
Seine Gedanken- und Handlungsschnelligkeit verbunden mit gut ausgebildeter Technik verschaffte ihm entscheidende Vorsprünge gegen gegnerische Abwehrreihen. Als idealer Konterspieler hatte er oft 3-10 Meter. Obwohl nur 1,78 m gross, gelangen ihm nicht wenige Kopfballtore, begünstigt durch seine Wendigkeit. Lionel Messi, geb. 1987, könnte ihn schon gesehen haben … 😉
Am Saisonende 84/85 standen für ihn 19 Tore in 32 Spielen. Es war die erfolgreichste Saison von Jupp Heynckes als Borussia-Trainer. Punktgleich (48-20) mit Meister Stuttgart, aber leider rund 20 Tore zurück – durch die vielen Gegentore.
Wir werden sie immer in Ehren halten. Es war eine gute Fussballzeit. Frank Mill war ein Jahr jünger als ich. Unsere Herzinfarkte hatten wir nahezu gleichzeitig. Ich hatte Glück. Er nicht. Ich werde eines Tages vergessen. Er nicht.
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Die “Gentrifizierung” des Fussballs gab es wirklich – aber auch Politisierung
Matthias Matthäus, davon gehe ich aus, ist ein Pseudonym. Denn mit dem gescheiterten Fussballlehrer dieses Namens, der heute als Bescheidwisser durch die Pay-TV-Anstalten gereicht wird, verwandt zu sein, wäre – von etwaigen Erbschaftsansprüchen (auch nur vielleicht) abgesehen – eine allzu ungerechte harte Strafe. Dieser Kollege schreibt bei overton: “39 Tote – das Ende eines Arbeitersports – Heute vor 40 Jahren ereignete sich eine Tragödie, die letztlich den europäischen Fußball zu einem aalglatten Sport mit Eventcharakter gentrifizierte: Es gab 39 Tote im Brüsseler Heysel-Stadion.” Seine Darstellung ist nicht grundlegend falsch, aber unzureichend. Sie übergeht wichtige politische Selbsttätigkeit. Darum im Folgenden einige Erinnerungen aus der politischen Praxis.
In jenen 80ern, in denen die Herrschenden die geschilderten Stadionkatastrophen – ob nun fahrlässig oder mutwillig oder böswillig, es war eine widerliche Mischung von alldem – herbeiprovozierten, gab es in der West-BRD gefährlich aufkeimende Neonazi-Gruppen. Berühmtheit erlangte die Dortmunder “Borussenfront” und auch eine im Bonner Umland ihr Unwesen treibende FAP-Zelle. Eine sehr gute Beueler Freundin von mir könnte dazu heute noch abendfüllend referieren.
Ich war in jener Zeit im NRW-Landesvorstand der Jungdemokraten und organisierte mit Hilfe unserer ortsansässigen Kreisverbände im April 1985 vor einem Bundesligaspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Arminia Bielefeld ein Treffen der Fanclubs beider Seiten, um über das Neonaziproblem in der Fanszene öffentlich zu diskutieren. Damals kamen nur 18.000 Zuschauer*innen zum Bökelberg. Mill und Borowka sorgten für ein 2:0; die Ex-Gladbacher Wolfgang Kneib und Horst Wohlers, Letzterer auch Ex-St.Paulianer, konnten den späteren Abstieg der Arminia nicht verhindern. Heute kommen zu jedem Heimspiel über 50.000 in den Borussiapark.
Das Medieninteresse an unserem kleinen Fan-Treffen war 1985 gross. Ich durfte in der Fachzeitschrift Demokratische Erziehung/päd.extra berichten (Redakteur damals: Werner Rügemer). Zur Nachbereitung stellte der WDR einen Ü-Wagen vor die Wattenscheider NPD-Zentrale und lud mich dort zum Live-Interview ein. So lernte ich Uli Leitholdt (heute bekennender Union-Fan) und Wolfgang Kapust persönlich kennen. Damals hatte der WDR noch fachkundige gute Leute – in Mannschaftsstärke. Suchen Sie die heute mal!
In Vorbereitung des Treffens in Mönchengladbach erfuhr ich erst – Medieninteresse hatte das bis dahin nicht gefunden – dass alle damaligen rund 100 Borussia-Fanclubs in der BRD bereits Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen Neonazis gefasst hatten. Führender Initiator dieser guten Sache war der Hilchenbacher (Siegerland) Theo Weiss, seinerzeit Koordinator dieser Vereinigung, der 1988 Chef eines der ersten Fanprojekte in der Bundesliga wurde.
Theo war ein politisierter Kopf, ging später zum Studium nach Berlin. Er war Kollege des Adorno-Schülers Dieter Bott, heute ein guter Freund des Extradienstes, damals Gründer eines ähnlichen Fanprojektes in Frankfurt. Von Dieter weiss ich, dass die seinerzeit politisierten Gründer der mittlerweile flächendeckend arbeitenden und öffentlich finanzierten Fanprojekte im Profifussball, heute eine hochprofessionalisierte aber allzu “entpolitisierte” Sozialarbeit leisten. Ich neige einerseits dazu, diese Kritik zu teilen – zum Borussia-Projekt z.B. hier entlang – aber gleichzeitig stelle ich fest, dass die allgegenwärtigen deutschen Faschisten bis heute in den Fanszenen der ersten und zweiten Liga, insbesondere bei den beiden westdeutschen Borussias, keinen gesellschaftlichen Boden unter ihren dreckigen Füssen mehr gefunden haben. Das ist sogar europaweit betrachtet eine deutsche Besonderheit. Und wäre ohne all diese Fanprojekte anders.
Zu der von Herrn “Matthäus” oben beschriebenen britischen Szenerie erinnere ich mich an einen Beitrag der einst leistungsstarken aber vom WDR weitgehend plattgemachten Sport-Inside-Redaktion über britische Fans, die per Billigflieger zu Liga-Spielen des FC St. Pauli reisten, weil das nicht nur stimmungsvoller, sondern auch viel billiger war, als zu ihrem Heimverein in der Premier League zu pilgern. Eine deutsche Besonderheit ist die von den Fans erkämpfte Erhaltung von Stehplätzen, die wahre Borussia hier, und die europaweit berühmte “Süd” hier.
Heute sind diese Fanszenen ein relevanter Faktor der Realpolitik, von dem sich viele linke Besserwisser-Sekten die eine oder andere Scheibe abschneiden könnten. Die #boycottqatar2022-Bewegung war sensationell erfolgreich, sogar bei den niedergeschmolzenen deutschen TV-Quoten. Der Widerstand gegen die Investorenpläne der DFL mit den allgegenwärtigen gewaltfrei-gewaltigen Tennisbällen in allen Erstligastadien – er war wirksam! Auch und gerade, weil er durch und durch real-reformistisch und nicht die geringste Spur revolutionär war. Aber entscheidend war: er bewies den Akteur*inn*en ihre Wirksamkeit und machte sie stark. Und nicht schwach.
Das ist doch genau das, was Demokrat*inn*en im Widerstand gegen die faschistische AfD-Gefahr am meisten brauchen.
Also bitte, ihr Bescheidwisser. Lernt mal was dazu.
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Die “Gentrifizierung” des Fussballs gab es wirklich – aber auch Politisierung
Matthias Matthäus, davon gehe ich aus, ist ein Pseudonym. Denn mit dem gescheiterten Fussballlehrer dieses Namens, der heute als Bescheidwisser durch die Pay-TV-Anstalten gereicht wird, verwandt zu sein, wäre – von etwaigen Erbschaftsansprüchen (auch nur vielleicht) abgesehen – eine allzu ungerechte harte Strafe. Dieser Kollege schreibt bei overton: “39 Tote – das Ende eines Arbeitersports – Heute vor 40 Jahren ereignete sich eine Tragödie, die letztlich den europäischen Fußball zu einem aalglatten Sport mit Eventcharakter gentrifizierte: Es gab 39 Tote im Brüsseler Heysel-Stadion.” Seine Darstellung ist nicht grundlegend falsch, aber unzureichend. Sie übergeht wichtige politische Selbsttätigkeit. Darum im Folgenden einige Erinnerungen aus der politischen Praxis.
In jenen 80ern, in denen die Herrschenden die geschilderten Stadionkatastrophen – ob nun fahrlässig oder mutwillig oder böswillig, es war eine widerliche Mischung von alldem – herbeiprovozierten, gab es in der West-BRD gefährlich aufkeimende Neonazi-Gruppen. Berühmtheit erlangte die Dortmunder “Borussenfront” und auch eine im Bonner Umland ihr Unwesen treibende FAP-Zelle. Eine sehr gute Beueler Freundin von mir könnte dazu heute noch abendfüllend referieren.
Ich war in jener Zeit im NRW-Landesvorstand der Jungdemokraten und organisierte mit Hilfe unserer ortsansässigen Kreisverbände im April 1985 vor einem Bundesligaspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Arminia Bielefeld ein Treffen der Fanclubs beider Seiten, um über das Neonaziproblem in der Fanszene öffentlich zu diskutieren. Damals kamen nur 18.000 Zuschauer*innen zum Bökelberg. Mill und Borowka sorgten für ein 2:0; die Ex-Gladbacher Wolfgang Kneib und Horst Wohlers, Letzterer auch Ex-St.Paulianer, konnten den späteren Abstieg der Arminia nicht verhindern. Heute kommen zu jedem Heimspiel über 50.000 in den Borussiapark.
Das Medieninteresse an unserem kleinen Fan-Treffen war 1985 gross. Ich durfte in der Fachzeitschrift Demokratische Erziehung/päd.extra berichten (Redakteur damals: Werner Rügemer). Zur Nachbereitung stellte der WDR einen Ü-Wagen vor die Wattenscheider NPD-Zentrale und lud mich dort zum Live-Interview ein. So lernte ich Uli Leitholdt (heute bekennender Union-Fan) und Wolfgang Kapust persönlich kennen. Damals hatte der WDR noch fachkundige gute Leute – in Mannschaftsstärke. Suchen Sie die heute mal!
In Vorbereitung des Treffens in Mönchengladbach erfuhr ich erst – Medieninteresse hatte das bis dahin nicht gefunden – dass alle damaligen rund 100 Borussia-Fanclubs in der BRD bereits Unvereinbarkeitsbeschlüsse gegen Neonazis gefasst hatten. Führender Initiator dieser guten Sache war der Hilchenbacher (Siegerland) Theo Weiss, seinerzeit Koordinator dieser Vereinigung, der 1988 Chef eines der ersten Fanprojekte in der Bundesliga wurde.
Theo war ein politisierter Kopf, ging später zum Studium nach Berlin. Er war Kollege des Adorno-Schülers Dieter Bott, heute ein guter Freund des Extradienstes, damals Gründer eines ähnlichen Fanprojektes in Frankfurt. Von Dieter weiss ich, dass die seinerzeit politisierten Gründer der mittlerweile flächendeckend arbeitenden und öffentlich finanzierten Fanprojekte im Profifussball, heute eine hochprofessionalisierte aber allzu “entpolitisierte” Sozialarbeit leisten. Ich neige einerseits dazu, diese Kritik zu teilen – zum Borussia-Projekt z.B. hier entlang – aber gleichzeitig stelle ich fest, dass die allgegenwärtigen deutschen Faschisten bis heute in den Fanszenen der ersten und zweiten Liga, insbesondere bei den beiden westdeutschen Borussias, keinen gesellschaftlichen Boden unter ihren dreckigen Füssen mehr gefunden haben. Das ist sogar europaweit betrachtet eine deutsche Besonderheit. Und wäre ohne all diese Fanprojekte anders.
Zu der von Herrn “Matthäus” oben beschriebenen britischen Szenerie erinnere ich mich an einen Beitrag der einst leistungsstarken aber vom WDR weitgehend plattgemachten Sport-Inside-Redaktion über britische Fans, die per Billigflieger zu Liga-Spielen des FC St. Pauli reisten, weil das nicht nur stimmungsvoller, sondern auch viel billiger war, als zu ihrem Heimverein in der Premier League zu pilgern. Eine deutsche Besonderheit ist die von den Fans erkämpfte Erhaltung von Stehplätzen, die wahre Borussia hier, und die europaweit berühmte “Süd” hier.
Heute sind diese Fanszenen ein relevanter Faktor der Realpolitik, von dem sich viele linke Besserwisser-Sekten die eine oder andere Scheibe abschneiden könnten. Die #boycottqatar2022-Bewegung war sensationell erfolgreich, sogar bei den niedergeschmolzenen deutschen TV-Quoten. Der Widerstand gegen die Investorenpläne der DFL mit den allgegenwärtigen gewaltfrei-gewaltigen Tennisbällen in allen Erstligastadien – er war wirksam! Auch und gerade, weil er durch und durch real-reformistisch und nicht die geringste Spur revolutionär war. Aber entscheidend war: er bewies den Akteur*inn*en ihre Wirksamkeit und machte sie stark. Und nicht schwach.
Das ist doch genau das, was Demokrat*inn*en im Widerstand gegen die faschistische AfD-Gefahr am meisten brauchen.
Also bitte, ihr Bescheidwisser. Lernt mal was dazu.
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Markus #Kavka und Nielz #Bokelberg werden bei der #Viva-Doku der #ARD dabei sein: https://derchotv.de/2023/09/26/viva-doku-der-ard-auch-bokelberg-und-kavka-sind-dabei/
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Markus #Kavka und Nielz #Bokelberg werden bei der #Viva-Doku der #ARD dabei sein: https://derchotv.de/2023/09/26/viva-doku-der-ard-auch-bokelberg-und-kavka-sind-dabei/
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@pmaurus
Ich weiß noch. Wir waren im Garten, ein Loch zu graben - ein echt großes Loch …Die Sonne schien, „Sport und Musik“ lief, und dauernd ertönte „Tor am #Bökelberg“.
Sehr schöner Tag war das.
Dass Sülz 07 DM wurde, hat mich nicht interessiert. :->
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@pmaurus
Ich weiß noch. Wir waren im Garten, ein Loch zu graben - ein echt großes Loch …Die Sonne schien, „Sport und Musik“ lief, und dauernd ertönte „Tor am #Bökelberg“.
Sehr schöner Tag war das.
Dass Sülz 07 DM wurde, hat mich nicht interessiert. :->
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@pmaurus
Ich weiß noch. Wir waren im Garten, ein Loch zu graben - ein echt großes Loch …Die Sonne schien, „Sport und Musik“ lief, und dauernd ertönte „Tor am #Bökelberg“.
Sehr schöner Tag war das.
Dass Sülz 07 DM wurde, hat mich nicht interessiert. :->