Lasst uns über Zahlen und konkrete Studien sprechen. Und zwar – wie im heutigen Beispiel – zu Bi+ Sichtbarkeit und Bi-Erasure.
2021 fand in Hamburg die erste bi+ Pride Deutschlands statt – mit der Forderung, bi+seggsuelle Identitäten endlich sichtbar zu machen. Eine neue Studie der MSH Medical School Hamburg liefert fünf Jahre später die Zahlen dazu: 532 bi+ Menschen wurden befragt. 61 % fühlen sich in der Öffentlichkeit kaum sichtbar, 79 % werden fälschlich als heterosexuell gelesen – und 74 % empfinden diese Unsichtbarkeit zugleich teils als Schutz vor Stereotypisierung.
Wichtig: Diese Ambivalenz ist keine Unentschlossenheit, sondern eine legitime Strategie. Die Studie zeigt außerdem, wie unterschiedlich Sichtbarkeit erlebt wird – je nach Geschlecht, Beziehungsform und Alter – und was das für die Soziale Arbeit bedeutet: keine Annahmen anhand von Partner*innen treffen, Ambivalenz anerkennen, bi+-spezifische Schutzräume fördern.
Ein besonderer Dank geht an die MSH Medical School Hamburg (@msh_medical_school_hamburg) für diese Forschung. Als staatlich anerkannte Hochschule verbindet die MSH weit über diese Studie hinaus Lehre, Forschung und Praxis in Medizin, Psychologie und Sozialer Arbeit – und macht mit Arbeiten wie dieser marginalisierte Perspektiven sichtbar in der Wissenschaft.
Da wir nicht gerade selten gefragt werden, worauf sich unsere Zahlen und Bedarfsforderungen berufen und begründen, anbei die Quelle: Korinth, Bröning & Martyniuk (2026): Unsichtbare Bi+sexualität – Sichtbarkeitserfahrungen und ihre Bedeutung für die Soziale Arbeit. Sozial Extra 50, 115–119. Open Access, DOI: 10.1007/s12054-026-00859-8.