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Gutachten und Schlechtachten
Wenn man diesen Artikel in Kontext:Wochenzeitung, der Wochenendbeilage der taz, https://www.kontextwochenzeitung.de/wirtschaft/807/stresstest-ist-wertlos-11111.html bis zum Ende gelesen hat, kommen dem klimabewußten Bahnfahrer verwirrende Gedanken.
Einerseits müssen Gutachten zu einem Großprojekt sein; es darf kein Geld verschwendet werden - öffentliche Steuergelder können woanders auch gut eingesetzt werden. Gerade die Bahn hätte genug Verbesserungsbedarf. Einerseits.
Auf einer anderen Seite stehen die ökologischen Folgen einer Großbaustelle.
Zum Stuttgarter Bahnhof bin ich selbst wohl nur zweimal gekommen, und zwar in der Zeit, bevor der Um- oder Ausbau "Stuttgart 21" beschlossen wurde.
Das erste Mal verbinde ich mit der Weiterfahrt zu IBM (keine Schleichwerbung), wo ich im Endergebnis erfuhr: "Das Beste für Sie wäre ein Studium der Physik oder Chemie."
Eigentlich wollte ich gar nicht an die Uni als direkte Fortsetzung der Schule, sondern mich sofort ins harte Arbeitsleben stürzen. Und nun hörte ich, dort wohl fehl am Platze zu sein. Besten Dank auch!So fiel an diesem Endseptembertag auf der Heimfahrt die Entscheidung für ein Physikstudium in Münster. Jetzt aber weiter im eigentlichen Text.
Das Großprojekt Stuttgart 21 sollte das Gelände des Güterbahnhofs freimachen für einen Stadtteil mit Wohnungen und Gewerbe, vor allem Büros und Gastronomie, die der Stadt schöne Gewerbesteuern einbringen würden.Dann wurde geplant und präsentiert, was das Zeug hielt, die Planungen auditiert und testiert; es wurde beschlossen, protestiert, mit Wasserwerfern sediert, volksbefragt, dann aber auch endgültig beschlossen und losgelegt.
Kleinigkeiten wie abschüssige Gleise, wo unbeaufsichtigte Kinderwagen auf den Bahnhöfen wegrollen würden, mußten großzügig hingenommen werden. Zwischendurch in den letzten Jahren veröffentlichte Gutachten freier Gutachter konnten nicht verhindern, daß DB, Land Baden-Württemberg und Stadt Stuttgart trotz immer wieder auftretender Bauverzögerungen, Kostensteigerungen und verschobener Öffnungstermine am Weitermachen festhielten.
Was da an Treibhausgasen durch den aushärtenden Beton, Baumaterialtransport und Baustellenverkehr freigesetzt wurde, müßte irgendwann einmal bilanziert werden.
Die Deutsche Bahn AG sollte bei ihren Planungen wohl am besten die Ecken und Kanten des Großprojekts kennengelernt haben, brauchte zur öffentlichen Darstellung aber die Bestätigung der Korrektheit ihrer Planungen und zog deshalb, wie üblich, ein mit dem Thema vertrautes und anerkanntes Beratungsunternehmen für ein Audit zurate. Die für Verkehrstakt-Planung inzwischen bekannte Gruppe mit dem Namen SMA (Stohler, Meister und Akermann) https://de.wikipedia.org/wiki/SMA_und_Partner#Integraler_Taktverkehr auditierte den sogenannten "Stresstest".Und jetzt die schnöde Erklärung des ehemaligen SMA-Chefs Werner Stohler:
"Der Stresstest ist wertlos."
Fragen, eigentlich rhetorisch:--- Hätte sich die DB mit einem negativen Auditergebnis zufriedengegeben? Sie wollte schließlich die kleiner gewordene Gütersparte loswerden und die freiwerdende Fläche verkaufen - wohlgemerkt hatte die Bundesregierung das letzte Wort.
Eine negative Bewertung durch SMA hätte sicher zu einem neuen Audit durch eine andere Firma geführt.--- SMA konnte sich nach schönen Anfängen mit DIESEM Prestigeprojekt zeigen, was in ihm steckt. Zwischendurch hinschmeißen war nicht drin. "Augen zu und durch"? Besser nicht.
Nach Lage der Dinge mußte es so kommen. So ist das wohl im realen Wirtschaftsleben.Die kostenträchtige Entwicklung eines Geräts mit neuartiger Funktion zu stoppen, kann Entwicklungskosten und späteren Ärger ersparen.
Der komplette Ersatz eines Bahnhofs bei weiterlaufendem Betrieb wie in Stuttgart mußte entweder sofort klappen oder bei Bedenken gestoppt werden; es könnte um Leben oder Tod von Menschen gehen. Und um einen kleinen oder großen Beitrag zum Klimawandel. Aber das stand kaum im Vertrag SMA-Bahn.
#Stuttgart #Stuttgart21 #DB #DeutscheBahn #Bahn #SMA #WernerStohler #Verkehrsprojekt
#Gutachten #Audit #Stresstest
#Durchsatz #Ökologie #Treibhausgase #Beton #Baumaterial #Transport #Verkehr
#taz #KontextWochenzeitung -
Gutachten und Schlechtachten
Wenn man diesen Artikel in Kontext:Wochenzeitung, der Wochenendbeilage der taz, https://www.kontextwochenzeitung.de/wirtschaft/807/stresstest-ist-wertlos-11111.html bis zum Ende gelesen hat, kommen dem klimabewußten Bahnfahrer verwirrende Gedanken.
Einerseits müssen Gutachten zu einem Großprojekt sein; es darf kein Geld verschwendet werden - öffentliche Steuergelder können woanders auch gut eingesetzt werden. Gerade die Bahn hätte genug Verbesserungsbedarf. Einerseits.
Auf einer anderen Seite stehen die ökologischen Folgen einer Großbaustelle.
Zum Stuttgarter Bahnhof bin ich selbst wohl nur zweimal gekommen, und zwar in der Zeit, bevor der Um- oder Ausbau "Stuttgart 21" beschlossen wurde.
Das erste Mal verbinde ich mit der Weiterfahrt zu IBM (keine Schleichwerbung), wo ich im Endergebnis erfuhr: "Das Beste für Sie wäre ein Studium der Physik oder Chemie."
Eigentlich wollte ich gar nicht an die Uni als direkte Fortsetzung der Schule, sondern mich sofort ins harte Arbeitsleben stürzen. Und nun hörte ich, dort wohl fehl am Platze zu sein. Besten Dank auch!So fiel an diesem Endseptembertag auf der Heimfahrt die Entscheidung für ein Physikstudium in Münster. Jetzt aber weiter im eigentlichen Text.
Das Großprojekt Stuttgart 21 sollte das Gelände des Güterbahnhofs freimachen für einen Stadtteil mit Wohnungen und Gewerbe, vor allem Büros und Gastronomie, die der Stadt schöne Gewerbesteuern einbringen würden.Dann wurde geplant und präsentiert, was das Zeug hielt, die Planungen auditiert und testiert; es wurde beschlossen, protestiert, mit Wasserwerfern sediert, volksbefragt, dann aber auch endgültig beschlossen und losgelegt.
Kleinigkeiten wie abschüssige Gleise, wo unbeaufsichtigte Kinderwagen auf den Bahnhöfen wegrollen würden, mußten großzügig hingenommen werden. Zwischendurch in den letzten Jahren veröffentlichte Gutachten freier Gutachter konnten nicht verhindern, daß DB, Land Baden-Württemberg und Stadt Stuttgart trotz immer wieder auftretender Bauverzögerungen, Kostensteigerungen und verschobener Öffnungstermine am Weitermachen festhielten.
Was da an Treibhausgasen durch den aushärtenden Beton, Baumaterialtransport und Baustellenverkehr freigesetzt wurde, müßte irgendwann einmal bilanziert werden.
Die Deutsche Bahn AG sollte bei ihren Planungen wohl am besten die Ecken und Kanten des Großprojekts kennengelernt haben, brauchte zur öffentlichen Darstellung aber die Bestätigung der Korrektheit ihrer Planungen und zog deshalb, wie üblich, ein mit dem Thema vertrautes und anerkanntes Beratungsunternehmen für ein Audit zurate. Die für Verkehrstakt-Planung inzwischen bekannte Gruppe mit dem Namen SMA (Stohler, Meister und Akermann) https://de.wikipedia.org/wiki/SMA_und_Partner#Integraler_Taktverkehr auditierte den sogenannten "Stresstest".Und jetzt die schnöde Erklärung des ehemaligen SMA-Chefs Werner Stohler:
"Der Stresstest ist wertlos."
Fragen, eigentlich rhetorisch:--- Hätte sich die DB mit einem negativen Auditergebnis zufriedengegeben? Sie wollte schließlich die kleiner gewordene Gütersparte loswerden und die freiwerdende Fläche verkaufen - wohlgemerkt hatte die Bundesregierung das letzte Wort.
Eine negative Bewertung durch SMA hätte sicher zu einem neuen Audit durch eine andere Firma geführt.--- SMA konnte sich nach schönen Anfängen mit DIESEM Prestigeprojekt zeigen, was in ihm steckt. Zwischendurch hinschmeißen war nicht drin. "Augen zu und durch"? Besser nicht.
Nach Lage der Dinge mußte es so kommen. So ist das wohl im realen Wirtschaftsleben.Die kostenträchtige Entwicklung eines Geräts mit neuartiger Funktion zu stoppen, kann Entwicklungskosten und späteren Ärger ersparen.
Der komplette Ersatz eines Bahnhofs bei weiterlaufendem Betrieb wie in Stuttgart mußte entweder sofort klappen oder bei Bedenken gestoppt werden; es könnte um Leben oder Tod von Menschen gehen. Und um einen kleinen oder großen Beitrag zum Klimawandel. Aber das stand kaum im Vertrag SMA-Bahn.
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