Ein deliriöser Tanz mit dem Teufel – „La Damnation de Faust“ an der Oper Graz
Elena Deinhammer
Nach einer ästhetisch reduzierten, den Mythos dekonstruierenden Inszenierung von „Les Troyens“ in der vorletzten Spielzeit setzt die Oper Graz nun ihre Beschäftigung mit Hector Berlioz mit einem weiteren seiner Bühnenwerke fort. Ob „La Damnation de Faust“ überhaupt dieser Kategorie zuzuordnen ist, kann allerdings diskutiert werden, schließlich war diese Légende-dramatique ursprünglich als konzertantes Werk konzipiert, das erst fünf Jahrzehnte nach der mäßig erfolgreichen, eben konzertanten Uraufführung an der Pariser Opéra-Comique auch szenisch aufgeführt wurde. Berlioz’ romantisch-assoziative Adaption des Faust-Stoffes changiert zwischen Oper, lyrischen Szenen, Oratorium und Symphonie. In Graz versteht man das Werk als „imaginäre Oper“, bei der die Bilder ursprünglich zwar nicht szenisch umgesetzt, durch die musikalische Gestaltung und den Text aber dennoch evoziert wurden. Dieses Feld des Imaginären nutzt Regisseur Lorenzo Fioroni und füllt es in seiner Inszenierung mit konkreten Bildern, die sich in ihrer Konkretion aber stets selbst zu hinterfragen scheinen. So entsteht eine bunte, laute, überwältigende, manchmal gar überfordernde Aufführung, die weit mehr ist als eine Nacherzählung des Faust-Stoffes. Die Überfülle an Szenischem lässt das farbenreich musizierende Orchester gelegentlich etwas in den Hintergrund treten, umso präsenter tritt darin jedoch das stimmlich wie darstellerisch ausgezeichnete Sängertrio hervor. (Rezension der Vorstellung v. 30. September 2026) […]
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