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#andreaswyputta — Public Fediverse posts

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  1. Verräterisches Agendasetting

    Dummheit der Demokrat*inn*en rollt dem Faschismus den Teppich aus

    Habe ich dem Aufmarsch des britischen Faschismus in den gestrigen TV-Nachrichten zugeguckt? Nein, habe ich nicht. Mir reicht die heutige NRW-Kommunalwahl. Und zwar völlig. Akutes Warnzeichen: die taz war schon wieder in Gelsenkirchen. Bei der klassisch hauptstadtberlinischen Schlagzeile war das Schlimmste zu befürchten: Alles guckt nach Gelsenkirchen – Bei der Bundestagswahl holte die AfD dort die meisten Zweitstimmen. Am Sonntag ist in NRW Kommunalwahl. Vertrauen die Ar­bei­te­r:in­nen der SPD nicht mehr?” Ganz so schlimm ist der Text der aus Berlin (Ex-Hauptstadt der DDR) angereisten Anna Lehmann und Gareth Joswig dann doch nicht geworden.

    Immerhin reichte ihre Allgemeinbildung aus, um Prof. Klaus Dörre zu konsultieren. Der hat zwar nichts mit dem Ruhrpott zu tun. Aber er verfügt immerhin intellektuell über das Besteck materialistischer Klassenanalyse. Das gibt es nicht mehr viel.

    Mein Rat an die taz, auch auf die Gefahr hin, den Kollegen zu überlasten: Euer Mitarbeiter Andreas Wyputta verfügt über beides – intellektuelle und regionale Kompetenz. Und sonst sollen Anja und/oder Pascal das machen. Die kennen die Gegend und ihre gesellschaftliche Wirklichkeit immerhin noch aus ihrer Jugend.

    Wenn Sie morgen die Wahlergebniskarten studieren, werden Sie den Verlauf der Emscher erkennen. Ein Fluss, der einst so braun und stinkend war, wie es heute die AfD ist. Ein alter “Falken”-Funktionär, Jochen Stemplewski hat langjährig die Renaturierung der fliessenden Scheisse initiiert und strategisch geleitet. Die gesellschaftliche Basis links und rechts des Flusses hat das leider nicht beeinflusst – dort hat sich die Lage dramatisch und für jede*n sichtbar verschlechtert.

    Es ist recht und billig, das auf die doofe SPD zu schieben. Falsch ist das nicht. Aber nicht ausreichend. Es sind auch die Konzerne und Medienmonopole, die diesen Mist mit angerichtet haben. Wollten sie es so? Dann Gratulation zum Wahlsieg! Auslöffeln lasst Ihr das ja die Doofen.

    Wieder der Fussball

    Wie schlimm es im Ruhrpott aussieht, hat die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA an einer scheinbaren, aber symbolisch aufgeladenen Lappalie mit der grössten denkbaren Direktheit demonstriert: mit einem Trikot. Deutlicher kann der gesellschaftlichen Basis eines Fussballvereins von denen, die Entscheidungsmacht haben, nicht mitgeteilt werden, wie egal sie einem ist. Das freut die AfD, traumhaftes Timing.

    Mit 17 “Medienkritikerin”

    Ich bin spontan geneigt, entgegenzuhalten: ich war das schon mit 13. Ich hatte den Vorgang hier schon dokumentiert und kommentiert. Die 17-jährige ist mittlerweile 18, und offenbar längst prominenter, als der Preis, der ihr wieder weggenommen wurde. Sie selbst hat eine 39-seitige (!) Expertise veröffentlicht, in der ihr Antisemitismus nachgewiesen werden soll. Ich hab sie gelesen, verlinke sie aber nicht, weil sie nur durch Datenabgabe hinter Paywalls oder in asozialen Netzwerken zugänglich ist. Die Lektüre hat mich jedenfalls mehr geschockt als alles, was die junge Frau bislang selbst geäussert hat (soweit es zu mir vorgedrungen ist).

    Nicht wirklich geklärt ist ausserdem, ob die 39 Seiten von einer KI oder einem (oder mehreren) Menschen verfasst wurde. So oder so ein erschütterndes Dokument intellektueller Polizei, und ausserdem klar rechtsaussen im Streit der Antisemitismus-Definitionen.

    Bis zu diesem Vorgang habe ich den Kollegen Jörg Schieb für einen kompetenten und seriösen Journalisten gehalten. Als Manager einer politisch kontroversen Kommunikation hat er sich nun leider gründlich selbst desavouiert. Und Judith Scheytt mal so richtig prominent gemacht.

    Das läuft alles noch schlechter, als ich jemals für möglich gehalten habe. Möge ich heute Abend überrascht werden …

  2. Verräterisches Agendasetting

    Dummheit der Demokrat*inn*en rollt dem Faschismus den Teppich aus

    Habe ich dem Aufmarsch des britischen Faschismus in den gestrigen TV-Nachrichten zugeguckt? Nein, habe ich nicht. Mir reicht die heutige NRW-Kommunalwahl. Und zwar völlig. Akutes Warnzeichen: die taz war schon wieder in Gelsenkirchen. Bei der klassisch hauptstadtberlinischen Schlagzeile war das Schlimmste zu befürchten: Alles guckt nach Gelsenkirchen – Bei der Bundestagswahl holte die AfD dort die meisten Zweitstimmen. Am Sonntag ist in NRW Kommunalwahl. Vertrauen die Ar­bei­te­r:in­nen der SPD nicht mehr?” Ganz so schlimm ist der Text der aus Berlin (Ex-Hauptstadt der DDR) angereisten Anna Lehmann und Gareth Joswig dann doch nicht geworden.

    Immerhin reichte ihre Allgemeinbildung aus, um Prof. Klaus Dörre zu konsultieren. Der hat zwar nichts mit dem Ruhrpott zu tun. Aber er verfügt immerhin intellektuell über das Besteck materialistischer Klassenanalyse. Das gibt es nicht mehr viel.

    Mein Rat an die taz, auch auf die Gefahr hin, den Kollegen zu überlasten: Euer Mitarbeiter Andreas Wyputta verfügt über beides – intellektuelle und regionale Kompetenz. Und sonst sollen Anja und/oder Pascal das machen. Die kennen die Gegend und ihre gesellschaftliche Wirklichkeit immerhin noch aus ihrer Jugend.

    Wenn Sie morgen die Wahlergebniskarten studieren, werden Sie den Verlauf der Emscher erkennen. Ein Fluss, der einst so braun und stinkend war, wie es heute die AfD ist. Ein alter “Falken”-Funktionär, Jochen Stemplewski hat langjährig die Renaturierung der fliessenden Scheisse initiiert und strategisch geleitet. Die gesellschaftliche Basis links und rechts des Flusses hat das leider nicht beeinflusst – dort hat sich die Lage dramatisch und für jede*n sichtbar verschlechtert.

    Es ist recht und billig, das auf die doofe SPD zu schieben. Falsch ist das nicht. Aber nicht ausreichend. Es sind auch die Konzerne und Medienmonopole, die diesen Mist mit angerichtet haben. Wollten sie es so? Dann Gratulation zum Wahlsieg! Auslöffeln lasst Ihr das ja die Doofen.

    Wieder der Fussball

    Wie schlimm es im Ruhrpott aussieht, hat die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA an einer scheinbaren, aber symbolisch aufgeladenen Lappalie mit der grössten denkbaren Direktheit demonstriert: mit einem Trikot. Deutlicher kann der gesellschaftlichen Basis eines Fussballvereins von denen, die Entscheidungsmacht haben, nicht mitgeteilt werden, wie egal sie einem ist. Das freut die AfD, traumhaftes Timing.

    Mit 17 “Medienkritikerin”

    Ich bin spontan geneigt, entgegenzuhalten: ich war das schon mit 13. Ich hatte den Vorgang hier schon dokumentiert und kommentiert. Die 17-jährige ist mittlerweile 18, und offenbar längst prominenter, als der Preis, der ihr wieder weggenommen wurde. Sie selbst hat eine 39-seitige (!) Expertise veröffentlicht, in der ihr Antisemitismus nachgewiesen werden soll. Ich hab sie gelesen, verlinke sie aber nicht, weil sie nur durch Datenabgabe hinter Paywalls oder in asozialen Netzwerken zugänglich ist. Die Lektüre hat mich jedenfalls mehr geschockt als alles, was die junge Frau bislang selbst geäussert hat (soweit es zu mir vorgedrungen ist).

    Nicht wirklich geklärt ist ausserdem, ob die 39 Seiten von einer KI oder einem (oder mehreren) Menschen verfasst wurde. So oder so ein erschütterndes Dokument intellektueller Polizei, und ausserdem klar rechtsaussen im Streit der Antisemitismus-Definitionen.

    Bis zu diesem Vorgang habe ich den Kollegen Jörg Schieb für einen kompetenten und seriösen Journalisten gehalten. Als Manager einer politisch kontroversen Kommunikation hat er sich nun leider gründlich selbst desavouiert. Und Judith Scheytt mal so richtig prominent gemacht.

    Das läuft alles noch schlechter, als ich jemals für möglich gehalten habe. Möge ich heute Abend überrascht werden …

  3. Gelsenkirchen-Horst

    Geht von hier Staatsfeindschaft aus? Oder ist es “der Staat” selbst?

    Kannzedieuhrnachstellen. Wenn die taz mit ihrem Standortnachteil am Ostrand der Republik jemand zum Zoobesuch ins Ruhrgebiet schickt. Weil ihr landeskundiger Mitarbeiter und seriöser Journalist Andreas Wyputta vielleicht im verdienten Urlaub ist? Dann passieren kommunikative Verkehrsunfälle. In Berlin haben sie vielleicht richtig gedacht, dass sie zu weit weg sind. Und Hamburg (“taz Nord”) ist ja satte 150 km näher dran – in diesem Fall an Gelsenkirchen-Horst, meinem Geburtsort.

    Dort residiert ein mittelständischer (nach der Mittelstandsdefinition unseres Bundeskanzlers) Immobilientrust, der sich als linksradikale Partei tarnt. Die haben weniger Mitglieder, als ihr Immobilienbesitz Fenster hat, aber umgekehrt proportional viel Immobilienkapital. Woher wohl?

    Um die Medienöffentlichkeit mal so richtig zu erregen, haben sie in Österreich ein paar alte Statuen gekauft, und sich vor die Haustür gestellt. Damit noch irgendjemand sie bemerkt. Hat geklappt. Auch die taz ist drauf reingefallen. Doch die quasi auf der Strasse liegenden Fragen werden nicht erörtert.

    Das Gebäude, das hier im Hintergrund eines Fotos aus dem Spiegel zu sehen ist, das war zu meiner Kindheit und Jugend die Stadtsparkasse. Sogar die Strassenbahnhaltestelle vor ihrer Tür wurde nach ihr benannt “Horst Sparkasse”. In dieser Sparkasse habe ich als 6-jähriger mein erstes Sparbuch eröffnet, mit den 5 Mark, die die Sparkasse seinerzeit allen Einschulungskindern schenkte. Um sie zu ködern natürlich.

    An der genannten Strassenbahnhaltestelle konvertierte ich zum Fahrradfahren. Denn dort wartete ich immer von Essen kommend auf die Anschlussbahn der “Vestischen Strassenbahnen” nach Gladbeck zu meiner Schule. Das war im Winter so kalt, und dauerte so lange – 45 Minuten Fahrt – dass es auf dem Fahrrad wärmer und schneller (25 Minuten für 8 km) war. Nach meiner Schulzeit wurde der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gegründet. 30 Jahre nach meinem Abitur testete ich, was sich verändert hat. Die “Vestischen Strassenbahnen” haben durch die Abschaffung ebendieser zur Verödung ihrer Mitgliedsstädte beigetragen. Und die Busse fahren exakt so langsam, wie es 1969-76 schon war.

    Gegenüber dem Anwesen des Immobilientrusts steht das Schloss Horst. Dem Förderverein, der es vor dem Verfall gerettet hat, gehörte mein heute 93-jähriger Vater als zeitweises Vorstandsmitglied an. Es gibt der gleichen Strassenbahnhaltestelle heute ihren Namen.

    Es handelt sich hier um die Demarkationslinie zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturen: Rheinland und Westfalen. Diese Linie habe ich in 7 Schuljahren bis zu viermal täglich überfahren – Leben zwischen zwei Kulturen mal ganz praktisch. Und bis heute mit zwei verschiedenen Strassenbahnspurweiten.

    Sie denken, ich schweife ab. Keineswegs. Die politische Frage, die sich hier stellt, ist, warum linksradikale Parteien in diesen Orten, die von der zeitweise in Bund, Land und Kommune gleichzeitig regierenden SPD sehenden Auges in die Grütze gefahren wurden, so wenig politischen Erfolg hatten. Gut, in Gladbeck und Bottrop gelang der DDR-abhängigen DKP der Einzug in die Stadträte. Einer der Gladbecker Ratsherren machte später als MdL in Sachsen-Anhalt Karriere in der faschistischen AfD. Vielleicht ist das schon ein Teil der Antwort. Zur Ehrenrettung westdeutscher Kommunisten sei erwähnt: nicht alle waren so abgefahrene Irrlichter. Clemens Kraienhorst in Bottrop z.B. war ein vielgeachteter Kommunalpolitiker über alle Parteigrenzen hinweg.

    Andererseits, und jetzt nähere ich mich langsam meiner Pointe: ein SDAJler (= Jugendorganisation der DKP), mit dem ich als damaliges FDP-Mitglied in Essen-Altenessen zusammenarbeitete, der berüchtigte Willi Nowack (damals Juso) tat es auch (er bekam aber wohl einen Hinweis, und beendete die Zusammenarbeit mit fetten Lokalpresse-Schlagzeilen, “kommunistische Steuerung” etc.), entpuppte sich wenig später als Mitarbeiter des westdeutschen Inlandsgeheimdienstes. In Wahrheit also antikommunistisch gesteuert. Das Haus an der Ecke Altenessener/Heßlerstr. , in dem er wohnte, wurde (vorsichtshalber?) abgerissen. War es so verwanzt, wie der “Palast der Republik” und das “Palast-Hotel” in Berlin-Hauptstadt der DDR?

    Die Häuser des als Partei getarnten mittelständischen Immobilientrusts in Gelsenkirchen-Horst dagegen blieben stehen. Die schon erwähnte Sparkasse, und das voluminöse bildschöne Ex-Polizeirevier gleich daneben. Und das ehemalige Postamt in der Buerer Strasse, unmittelbar vor meinem Geburtskrankenhaus gelegen, hat sich der Trust ebenfalls unter den Nagel gerissen.

    Ich rekapituliere: Sparkasse (Eigentümer Stadt Gelsenkirchen); Polizei (Eigentümer oder Mieter: Land NRW); Bundespost/Post AG (Bund). Was mag das einigende – höhere? – Interesse der Staatsorgane gewesen sein, ihre Immobilien dieser angeblich staatsfeindlichen Partei anzuvertrauen?

    Der erwähnte SDAJler, damals nannte er sich “Uwe Winkelmann”, der müsste es wissen. Doch wo sind die “investigativen” Journalist*inn*en geblieben? In meiner Jugend hiessen sie noch Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich, die sich den Hass der SPD-Kanalarbeiter ehrlich verdienten. Horst Tomayer berichtete darüber im Kritischen Tagebuch (beide tot, 2013, bzw. 2003).

  4. Gelsenkirchen-Horst

    Geht von hier Staatsfeindschaft aus? Oder ist es “der Staat” selbst?

    Kannzedieuhrnachstellen. Wenn die taz mit ihrem Standortnachteil am Ostrand der Republik jemand zum Zoobesuch ins Ruhrgebiet schickt. Weil ihr landeskundiger Mitarbeiter und seriöser Journalist Andreas Wyputta vielleicht im verdienten Urlaub ist? Dann passieren kommunikative Verkehrsunfälle. In Berlin haben sie vielleicht richtig gedacht, dass sie zu weit weg sind. Und Hamburg (“taz Nord”) ist ja satte 150 km näher dran – in diesem Fall an Gelsenkirchen-Horst, meinem Geburtsort.

    Dort residiert ein mittelständischer (nach der Mittelstandsdefinition unseres Bundeskanzlers) Immobilientrust, der sich als linksradikale Partei tarnt. Die haben weniger Mitglieder, als ihr Immobilienbesitz Fenster hat, aber umgekehrt proportional viel Immobilienkapital. Woher wohl?

    Um die Medienöffentlichkeit mal so richtig zu erregen, haben sie in Österreich ein paar alte Statuen gekauft, und sich vor die Haustür gestellt. Damit noch irgendjemand sie bemerkt. Hat geklappt. Auch die taz ist drauf reingefallen. Doch die quasi auf der Strasse liegenden Fragen werden nicht erörtert.

    Das Gebäude, das hier im Hintergrund eines Fotos aus dem Spiegel zu sehen ist, das war zu meiner Kindheit und Jugend die Stadtsparkasse. Sogar die Strassenbahnhaltestelle vor ihrer Tür wurde nach ihr benannt “Horst Sparkasse”. In dieser Sparkasse habe ich als 6-jähriger mein erstes Sparbuch eröffnet, mit den 5 Mark, die die Sparkasse seinerzeit allen Einschulungskindern schenkte. Um sie zu ködern natürlich.

    An der genannten Strassenbahnhaltestelle konvertierte ich zum Fahrradfahren. Denn dort wartete ich immer von Essen kommend auf die Anschlussbahn der “Vestischen Strassenbahnen” nach Gladbeck zu meiner Schule. Das war im Winter so kalt, und dauerte so lange – 45 Minuten Fahrt – dass es auf dem Fahrrad wärmer und schneller (25 Minuten für 8 km) war. Nach meiner Schulzeit wurde der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gegründet. 30 Jahre nach meinem Abitur testete ich, was sich verändert hat. Die “Vestischen Strassenbahnen” haben durch die Abschaffung ebendieser zur Verödung ihrer Mitgliedsstädte beigetragen. Und die Busse fahren exakt so langsam, wie es 1969-76 schon war.

    Gegenüber dem Anwesen des Immobilientrusts steht das Schloss Horst. Dem Förderverein, der es vor dem Verfall gerettet hat, gehörte mein heute 93-jähriger Vater als zeitweises Vorstandsmitglied an. Es gibt der gleichen Strassenbahnhaltestelle heute ihren Namen.

    Es handelt sich hier um die Demarkationslinie zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturen: Rheinland und Westfalen. Diese Linie habe ich in 7 Schuljahren bis zu viermal täglich überfahren – Leben zwischen zwei Kulturen mal ganz praktisch. Und bis heute mit zwei verschiedenen Strassenbahnspurweiten.

    Sie denken, ich schweife ab. Keineswegs. Die politische Frage, die sich hier stellt, ist, warum linksradikale Parteien in diesen Orten, die von der zeitweise in Bund, Land und Kommune gleichzeitig regierenden SPD sehenden Auges in die Grütze gefahren wurden, so wenig politischen Erfolg hatten. Gut, in Gladbeck und Bottrop gelang der DDR-abhängigen DKP der Einzug in die Stadträte. Einer der Gladbecker Ratsherren machte später als MdL in Sachsen-Anhalt Karriere in der faschistischen AfD. Vielleicht ist das schon ein Teil der Antwort. Zur Ehrenrettung westdeutscher Kommunisten sei erwähnt: nicht alle waren so abgefahrene Irrlichter. Clemens Kraienhorst in Bottrop z.B. war ein vielgeachteter Kommunalpolitiker über alle Parteigrenzen hinweg.

    Andererseits, und jetzt nähere ich mich langsam meiner Pointe: ein SDAJler (= Jugendorganisation der DKP), mit dem ich als damaliges FDP-Mitglied in Essen-Altenessen zusammenarbeitete, der berüchtigte Willi Nowack (damals Juso) tat es auch, entpuppte sich wenig später als Mitarbeiter des westdeutschen Inlandsgeheimdienstes. Das Haus an der Ecke Altenessener/Heßlerstr. , in dem er wohnte, wurde (vorsichtshalber?) abgerissen. War es so verwanzt, wie der “Palast der Republik” und das “Palast-Hotel” in Berlin-Hauptstadt der DDR?

    Die Häuser des als Partei getarnten mittelständischen Immobilientrusts in Gelsenkirchen-Horst dagegen blieben stehen. Die schon erwähnte Sparkasse, und das voluminöse bildschöne Ex-Polizeirevier gleich daneben. Und das ehemalige Postamt in der Buerer Strasse, unmittelbar vor meinem Geburtskrankenhaus gelegen, hat sich der Trust ebenfalls unter den Nagel gerissen.

    Ich rekapituliere: Sparkasse (Eigentümer Stadt Gelsenkirchen); Polizei (Eigentümer oder Mieter: Land NRW); Bundespost/Post AG (Bund). Was mag das einigende – höhere? – Interesse der Staatsorgane gewesen sein, ihre Immobilien dieser angeblich staatsfeindlichen Partei anzuvertrauen?

    Der erwähnte SDAJler, damals nannte er sich “Uwe Winkelmann”, der müsste es wissen. Doch wo sind die “investigativen” Journalist*inn*en geblieben? In meiner Jugend hiessen sie noch Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich, die sich den Hass der SPD-Kanalarbeiter ehrlich verdienten. Horst Tomayer berichtete darüber im Kritischen Tagebuch (beide tot, 2013, bzw. 2003).

    Über Martin Böttger:

    Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
    Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger

  5. Gelsenkirchen-Horst

    Geht von hier Staatsfeindschaft aus? Oder ist es “der Staat” selbst?

    Kannzedieuhrnachstellen. Wenn die taz mit ihrem Standortnachteil am Ostrand der Republik jemand zum Zoobesuch ins Ruhrgebiet schickt. Weil ihr landeskundiger Mitarbeiter und seriöser Journalist Andreas Wyputta vielleicht im verdienten Urlaub ist? Dann passieren kommunikative Verkehrsunfälle. In Berlin haben sie vielleicht richtig gedacht, dass sie zu weit weg sind. Und Hamburg (“taz Nord”) ist ja satte 150 km näher dran – in diesem Fall an Gelsenkirchen-Horst, meinem Geburtsort.

    Dort residiert ein mittelständischer (nach der Mittelstandsdefinition unseres Bundeskanzlers) Immobilientrust, der sich als linksradikale Partei tarnt. Die haben weniger Mitglieder, als ihr Immobilienbesitz Fenster hat, aber umgekehrt proportional viel Immobilienkapital. Woher wohl?

    Um die Medienöffentlichkeit mal so richtig zu erregen, haben sie in Österreich ein paar alte Statuen gekauft, und sich vor die Haustür gestellt. Damit noch irgendjemand sie bemerkt. Hat geklappt. Auch die taz ist drauf reingefallen. Doch die quasi auf der Strasse liegenden Fragen werden nicht erörtert.

    Das Gebäude, das hier im Hintergrund eines Fotos aus dem Spiegel zu sehen ist, das war zu meiner Kindheit und Jugend die Stadtsparkasse. Sogar die Strassenbahnhaltestelle vor ihrer Tür wurde nach ihr benannt “Horst Sparkasse”. In dieser Sparkasse habe ich als 6-jähriger mein erstes Sparbuch eröffnet, mit den 5 Mark, die die Sparkasse seinerzeit allen Einschulungskindern schenkte. Um sie zu ködern natürlich.

    An der genannten Strassenbahnhaltestelle konvertierte ich zum Fahrradfahren. Denn dort wartete ich immer von Essen kommend auf die Anschlussbahn der “Vestischen Strassenbahnen” nach Gladbeck zu meiner Schule. Das war im Winter so kalt, und dauerte so lange – 45 Minuten Fahrt – dass es auf dem Fahrrad wärmer und schneller (25 Minuten für 8 km) war. Nach meiner Schulzeit wurde der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr gegründet. 30 Jahre nach meinem Abitur testete ich, was sich verändert hat. Die “Vestischen Strassenbahnen” haben durch die Abschaffung ebendieser zur Verödung ihrer Mitgliedsstädte beigetragen. Und die Busse fahren exakt so langsam, wie es 1969-76 schon war.

    Gegenüber dem Anwesen des Immobilientrusts steht das Schloss Horst. Dem Förderverein, der es vor dem Verfall gerettet hat, gehörte mein heute 93-jähriger Vater als zeitweises Vorstandsmitglied an. Es gibt der gleichen Strassenbahnhaltestelle heute ihren Namen.

    Es handelt sich hier um die Demarkationslinie zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturen: Rheinland und Westfalen. Diese Linie habe ich in 7 Schuljahren bis zu viermal täglich überfahren – Leben zwischen zwei Kulturen mal ganz praktisch. Und bis heute mit zwei verschiedenen Strassenbahnspurweiten.

    Sie denken, ich schweife ab. Keineswegs. Die politische Frage, die sich hier stellt, ist, warum linksradikale Parteien in diesen Orten, die von der zeitweise in Bund, Land und Kommune gleichzeitig regierenden SPD sehenden Auges in die Grütze gefahren wurden, so wenig politischen Erfolg hatten. Gut, in Gladbeck und Bottrop gelang der DDR-abhängigen DKP der Einzug in die Stadträte. Einer der Gladbecker Ratsherren machte später als MdL in Sachsen-Anhalt Karriere in der faschistischen AfD. Vielleicht ist das schon ein Teil der Antwort. Zur Ehrenrettung westdeutscher Kommunisten sei erwähnt: nicht alle waren so abgefahrene Irrlichter. Clemens Kraienhorst in Bottrop z.B. war ein vielgeachteter Kommunalpolitiker über alle Parteigrenzen hinweg.

    Andererseits, und jetzt nähere ich mich langsam meiner Pointe: ein SDAJler (= Jugendorganisation der DKP), mit dem ich als damaliges FDP-Mitglied in Essen-Altenessen zusammenarbeitete, der berüchtigte Willi Nowack (damals Juso) tat es auch (er bekam aber wohl einen Hinweis, und beendete die Zusammenarbeit mit fetten Lokalpresse-Schlagzeilen, “kommunistische Steuerung” etc.), entpuppte sich wenig später als Mitarbeiter des westdeutschen Inlandsgeheimdienstes. In Wahrheit also antikommunistisch gesteuert. Das Haus an der Ecke Altenessener/Heßlerstr. , in dem er wohnte, wurde (vorsichtshalber?) abgerissen. War es so verwanzt, wie der “Palast der Republik” und das “Palast-Hotel” in Berlin-Hauptstadt der DDR?

    Die Häuser des als Partei getarnten mittelständischen Immobilientrusts in Gelsenkirchen-Horst dagegen blieben stehen. Die schon erwähnte Sparkasse, und das voluminöse bildschöne Ex-Polizeirevier gleich daneben. Und das ehemalige Postamt in der Buerer Strasse, unmittelbar vor meinem Geburtskrankenhaus gelegen, hat sich der Trust ebenfalls unter den Nagel gerissen.

    Ich rekapituliere: Sparkasse (Eigentümer Stadt Gelsenkirchen); Polizei (Eigentümer oder Mieter: Land NRW); Bundespost/Post AG (Bund). Was mag das einigende – höhere? – Interesse der Staatsorgane gewesen sein, ihre Immobilien dieser angeblich staatsfeindlichen Partei anzuvertrauen?

    Der erwähnte SDAJler, damals nannte er sich “Uwe Winkelmann”, der müsste es wissen. Doch wo sind die “investigativen” Journalist*inn*en geblieben? In meiner Jugend hiessen sie noch Detlef Gumm und Hans-Georg Ullrich, die sich den Hass der SPD-Kanalarbeiter ehrlich verdienten. Horst Tomayer berichtete darüber im Kritischen Tagebuch (beide tot, 2013, bzw. 2003).